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Der Ausnahme-Musiker aus New Orleans bekommt die Aufgabe 9 Songs auszuwählen, die ihm besonders viel bedeuten. Mit entsprechender Kommentierung pro Track und diese in seine gewünschte Playlist-Reihenfolge zu setzen. Dabei kommen einige Anekdoten als auch Insidertipps zum Vorschein.

Foto KyleThomas


1. THE BEATLES - `Come Together`

“Dies ist die allererste musikalische Erinnerung meines Lebens. 1972 trug ich noch Windeln und vielleicht bald wieder, wer weiß (lacht). Ich lief barfuß mit Windeln und T-Shirt durchs Wohnzimmer meines Elternhauses mit meiner zehn Jahre älteren Schwester um mich herum. Wir hatten dort einen 8-Track-Player und als der Anfang dieses Songs lief, stand ich still und begann im Takt mit meinem Hintern zu wackeln. Als der Song endete, lief ich zum Player und startete ihn von vorne. Diese Musik sprach zu mir und tut es noch heute. Ich lege regelmäßig THE BEATLES auf."

2. KISS - `Calling Dr. Love`

“Aus Grundschultagen gibt es viele Songs die mich packten. `Tush` von ZZ TOP, `Schools Out` von Alice Cooper oder etwas von Queen wären auch gute Beispiele. Aber KISS war wohl meine erste Lieblingsband! "Rock And Roll Over” und “Creatures Of The Night“ sind meine Lieblingsplatten. Als ich jedenfalls dieses Stück im Alter von sechs Jahren das erste Mal im Radio hörte, war es um mich geschehen. Niemands Stimme klang damals so wie Gene Simmons. Als Bassist ist er unterbewertet, weil er rhythmisch oft gegen die Gesangsphrasierung spielt, was nicht einfach ist.”

3. OZZY OSBOURNE - `Over The Mountain`

“Mein 2 Jahre älterer Bruder (Bassist von FLOODGATE – Anm. d. Verf.) kam mit einem wilden Blick in den Augen mit dem “Diary Of A Madman” Vinyl nachhause und schwärmte. Ich fragte wer zur Hölle ist das? Und als er etwas vom Sänger von Black Sabbath erwähnte, klickte es noch nicht wirklich obwohl ich den Namen schon mal vernommen hatte. Wir hatten damals kindliche Rivalität, weswegen ich aus Prinzip versuchte die Platte in seinem Beisein nicht gut zu finden. Also hörte und feierte sich sie heimlich ab wenn er nicht zuhause war (lacht). Was Produktionen anbelangt, so ist dies für mich das Nonplusultra. Alles was ich danach selbst aufnahm, versuchte ich daran zu messen. Fakt ist auch, dass ich mich später im Leben mit Max Norman anfreundete.“

4. BLACK SABBATH - `N.I.B`
„Ohne die Ozzy-Scheibe wäre es nicht dazu gekommen, aber dies ist noch heute meine absolute Nr. 1 Lieblingsband. Ich war zuallererst Bassist und der Lauf dieses Tracks sprach mich auf dieser Ebene unglaublich an. Meine Eintrittskarte war das „Speak Of The Devil“-Live-Album. Aber als ich mir den ersten Longplayer auf Tape im Plattenladen reinzog, war es vom unheimlichen Glocken-Regen Intro an um mich geschehen. Bis ich mit 16 anfing für Exhorder zu Singen, war ich hier völlig in meiner Welt. Textlich faszinierte mich als Katholisch erzogenes Kind, dass hier die Gefühle des Teufels skizziert wurden. Schließlich verliebt er sich in eine sterbliche Frau. Es war übrigens nie geplant das ich Sänger werde. Ich rutschte da zufällig rein.“

5. METALLICA - `Creeping Death
„Nach SABBATH kam AC/DC und dann Judas Priest und Iron Maiden. Schrittweise wurde es immer härter und wurde zum Metalfan. Ein Freund kaufte „Ride The Lightning“ und meinte zu mir, dass das Cover besser als die Musik sei und er es nicht sonderlich mochte. Er borgte mir das Vinyl und als ich es das erste Mal hörte, war ich völlig weggeblasen. Ich hatte noch nie etwas so Hartes gehört. Es ist schwer einen Song auszusuchen. Aber der langsamere Mittelteil dieses Tracks mit „Die by my hand…“ verschafft mir sogar jetzt, wenn ich daran denke Gänsehaut.“

6. SLAYER - `Die By The Sword`

“Ich suchte in dieser Zeit nach noch mehr Härte und der größte Metal Maniac unserer Schule schickte mich mit “Show No Mercy” nachhause. Venom und Mercyful Fate kannte ich schon, aber das war ein anderes Level. Grooves, Breaks und Tempowechsel sind bei diesem Stück genau an der richtigen Stelle. Es wirkte faszinierend und unheimlich zugleich auf mich. Anfangs traute ich mich nicht die satanischen Passagen mitzusingen, damit ich keine Probleme bekomme (lacht).“

7. CORROSION OF CONFORMITY - `Loss For Words`

„Mein Bruder stand mehr als ich auf Punk-Rock. Ich fand diesen Stil erst Scheiße, aber er ließ nicht locker (lacht). Er spielte mir dann diesen Song vor, der langsam, heavy und schnell war und diese Passagen immer wieder vermischte. Es erinnerte mich stellenweise an Metallica aber war doch anders. Dies war definitiv meine Eintrittskarte in die Punk-Welt. „Animosity“ ist bis zum heutigen Tag eines meiner All-Time-TOP-10-Alben. Als ich Reed Mullin (R.I.P) das letzte Mal vor zehn Jahren sah, jammte ich Live `Hungry Child` in der C.O.C-Dreierbesetzung mit ihm.“

8. DEAD KENNEDYS - `Kill The Poor`

„Als ich dann auch Punk-Fan war, wurde mir klar, warum ich mich Anfangs mit vielen Bands schwertat. Die Produktionen waren oft sehr low budget. Es klang nicht so gut, wie ich es von meinen Martin-Birch/Max-Norman-Wurzeln her gewohnt war. Die Musikalität dieser Band haute mich völlig um. Der Vibe war irgendwie „jazzy“. Jello Biafra ist ein sehr ausdrucksstarker Sänger. Ebenso ist er ein Denker, der starke in Sarkasmus eingewickelte Texte und Messages am Start hat. Er ist auf meiner Liste von Leuten, die ich gerne einmal im Leben für 5 Minuten treffen möchte. Und ich würde einfach die Klappe halten und ihm zuhören (lacht). Mein Bruder hatte schon sehr früh die „In God We Trust Inc.“ EP, aber wie bei Ozzy lehnte ich den Sound erst ab, weil es ihm gefiel, hehe. Später als Punk-Fan holte ich das dann alles nach. „Fresh Fruit For Rotting Vegetables“ würde sich aus heutiger Sicht ebenfalls in meiner All-Time-TOP-10-Liste wiederfinden.“

9. BAD BRAINS - `Re-Ignition`

„Sie fingen während dem „Black Dots“ Demo als reine Punk-Band an, die eine Menge Sex Pistols hörte (lacht). Das erste Album das ich von ihnen hörte war „I Against I“ und `Re-Ignition` packte mich darauf am meisten. Wir coverten das Stück sogar mit Exhorder bei Live-Shows! BAD BRAINS spielten Reggea und Metal genauso wie Punk. Sie machen einfach das worauf sie Bock hatten. Es ist sehr schwer mich davon zu überzeugen, dass es einen besseren Frontmann als H.R. gibt! Und deren Rhythmus-Sektion ist unglaublich. Ohne diese Band hätte es Living Colour nie gegeben. BAD BRAINS ist eine der allerwichtigsten Bands die fast niemand kennt! Ich habe sie das erste Mal 1989 auf der „Quickness“-Tour Live gesehen und es hat mein Leben verändert!“


Bonus Track:

10. BEAR IN THE SKY - `Save My Soul`

„Eine tolle befreundete Band aus New Orleans, die mit einem Bein im Rock und Punk, dem anderen im Metal zuhause ist. Sie haben eine Badass Sängerin, die ich gerne in der Kategorie „Pat Benatar with an Attitude“ abhefte. Die anderen Musiker von BEAR IN THE SKY sind auch erstklassig. Deren Gitarrist hat die Regel ein geschriebenes Riff nur zu behalten, wenn er es am nächsten Tag nach dem Aufstehen singen kann. Es gibt die Combo schon ein paar Jahre, wobei die Konstante hier Gitarrist und Sängerin waren. Das jetzige Line-up ist Bockstark und ich hoffe es wird Bestand haben. Ich möchte zukünftig mehr in der Produktions-Ecke arbeiten. Dies ist meine erste Arbeit in diesem Bereich. Derzeit nehmen wir eine EP auf. Ich bin kein gelernter Toningenieur. Ich weiß nur was gut klingt und wo ich helfen bzw. Vorschläge machen kann. Beim heutigen Gig trug ich ein Shirt von BEAR IN THE SKY!“

 

Nostalgie Tape KyleThomas


Weitere NOLA-Bands die man abchecken sollte:

HERAKLEION

„Sie sind zwischen 18 und 25. Deren Schlagzeuger ist mit meinen Kindern befreundet und ich kenne auch seinen Vater gut. Ich helfe wo ich kann damit sie bekannter werden. Es ist ein wilder Death/Thrash Mix mit totalem Spätachtziger-Vibe (Eine Kreuzung aus alten Deicide und Voivod trifft es ganz gut - Anm. d. Verf.)“

BRAT

„Sehr brutaler Death-Grind! Wieder mit einer Frau am Mikrofon. Sie singt wie der Leibhaftige Teufel, obwohl man das optisch nicht sofort von ihr erwarten würde. Es gibt momentan wirklich eine ganz neue Welle wirklich richtig guten neuen Bands in New Orleans.“

Bonus-Fragen:

Welche weiteren Zukunfts-Pläne gibt es aktuell jeweils im EXHORDER- sowie TROUBLE-Lager und wo liegt die Priorität?

„Ich richte mich hier eher danach, was zeitlich möglich ist. Was TROUBLE anbelangt, so laufen die Dinge irgendwie immer eher langsam. So war es mit der Band auch in der Vergangenheit oft. Das letzte Album liegt nun fast 10 Jahre zurück. Wenn es konkret wird und ansteht ein Album aufzunehmen, schraube ich die Priorität gerne sofort nach oben. Aber EXHORDER ist momentan gerade auch Live sehr aktiv und gefragt, deshalb liegt der Fokus derzeit schon darauf. Wir hätten für TROUBLE im Demostadium eigentlich sogar mehr Songs als wir für ein neues Album bräuchten. In das ein oder andere Stück muss ich was meine Parts anbelangt, auch noch etwas Arbeit stecken. Aber für 6-8 Tracks habe ich Vocal-Demos aufgenommen. Ideen gäbe es also von allen mehr als genug. Wenn wir hierzu also ins Rollen kommen, kann und wird es sehr schnell konkret werden. Einen Label-Deal haben wir derzeit nicht, aber TROUBLE arbeitet seit „Plastic Green Head“ so dass erst ein Album gemacht, und dann Label gesucht wird.“

Hast Du ein paar Worte zum Split von EXHORDER und Vinnie LaBella? Und wie wird zukünftiges Songwriting ohne ihn ablaufen?

„Ich weiß nicht exakt was Vinnie dazu bewogen hat, nicht mehr bei EXHORDER spielen zu wollen. Diese Band hat bekanntlich eine lange Geschichte von Line-up Veränderungen und auch Spannungen. Vielleicht liebte er zuletzt das was er macht nicht mehr so wie in alten Tagen? Ich bin wirklich nicht 100%ig sicher. Hier müsstest Du Vinnie selbst fragen! Beziehungen sind manchmal zerbrechlich und es kann hart sein, wenn starke Charaktere zusammenarbeiten. Gerade die Urbesetzung von „Slaughter In The Vatican“ hatte fünf Betonschädel mit starken Persönlichkeiten, die alle gleichermaßen ins Songwriting involviert waren. Das machte unseren Sound auch so speziell. Vinnie hat zu unserem letzten Album zweifellos sehr viel beigetragen, war ja auch in die Produktion involviert und hat einen super Job abgeliefert. Aber ich glaube aktuell nicht, dass er jemals zu uns zurückkehren wollen wird. Jason (Viebrooks – Bassist, Ex-Grip Inc. –Anm. d. Verf.) hat schon zur letzten Platte Ideen beigetragen und schreibt nun wie auch ich mehr Riffs als zuvor. Wichtig ist uns, dass die Ideen zum Spirit dieser Band passen. Wir haben Ex-Urmitgliedern ein paar unserer neuen Ideen vorgespielt und die Bestätigung bzw. den Segen bekommen, diese nach dem typischen Stil der Band klingen. Was ich zur Ausrichtung der neuen Platte preisgeben kann ist: Wir sind uns einig das wir noch mehr zu unseren Wurzeln zurückkehren wollen. Und diese sind Punk und Thrash. Die Scheibe muss wütend und aggressiv werden! Die Welt ist gerade ein Drecksloch und das wird sich in der Musik wiederspiegeln.“

Markus Wiesmüller