Technischen Death Metal von anspruchsvollster Präzision versprechen die Polen Decapitated, deren letztes Album "Cancer Culture" bereits einige Jahre zurückliegt. Es könnte sein, dass sie in Köln schon neue Stücke präsentieren könnten. Jotunn aus Dänemark hingegen sind wahre Meister darin, ihre Stücke in Überlänge auf der Bühne in der Dunkelheit zu zelebrieren, wobei Sänger Jón Aldará mit dem Licht in seinem Mikroständer für einzigartige Illuminationen sorgt. Haken aus London lassen sich als Progressive Metal umschreiben, der mit Einflüssen aus dem klassischen Progressive Rock und modernem Metal spielt und dabei immer wieder rhythmisch vertrackt in die Jazz-Fusion-Ecke ausbricht.
Verschachtelten melodischen Death Metal bringen Allegaeon aus den USA mit. Das Umschaltspiel von blastendem Geschrote auf angeschwärzte, kalte Melodik mit moderner Note beherrscht die fünfköpfige Band bestens, wie man auf ihrem jüngsten Album "The Ossuary Lens" nachhören kann. Ein besonderes Erlebnis dürften die fünf Finnen Swallow The Sun sein, deren melodischer Doom Metal unter den Legacy-Lesenden viele Freunde hat und die für emotionale Performances bekannt sind, die unter die Haut gehen. Auch hier liegt das letzte Album "Shining" schon eine Weile zurück, eventuell gibt es auch hier neue Töne zu hören.
Die Schweden Humanity’s Last Breath vertonen eigenen Angaben zufolge die Apokalypse. Sie tun das wuchtig, mit basslastigem und polternden Deathcore, Geschrei und wie Lava vor sich hin walzenden dissonanten Doom-Passagen, in die sie immer wieder die eine Melodie pflanzen. Doch das ist nur ein Bruchteil der auftretenden Künstler, mit ein paar Grenzgängern und Obskuritäten beschäftigen wir uns gleich ...
THE STAIRWAY TO PROGRESSIVE HEAVEN ...
Karten für das Happening in Köln bekommt man ganz einfach über die Homepage. Das Ticket für die drei Tage kostet 149,-, Tageskarten am Freitag 49,- und Samstag/Sonntag 59,- Euro. Es gibt zudem ein Kontingent an Karten, die drei Übernachtungen im DJH Köln Deutz beinhalten, hier muss man 284,- Euro berappen. Das Hostel ist fußläufig knappe 20 Minuten vom Veranstaltungsort Essigfabrik entfernt. Auf dem Festival gibt's reichlich Verpflegungs- und Getränkestände. Der Community-Gedanke ist den Veranstaltern besonders am Herzen gelegen, weswegen es rund um das Geschehen auf den Bühnen zahlreiche Workshops und Mitmach-Möglichkeiten geben wird. Wir wünschen freudvolle erste Schritte auf dem musikalischen Neuland. It's one small step for men ...
INTERVIEW MIT VERANSTALTER DANIEL
Wie habt ihr das Line-up für das kommende Festival ausgewählt? Gibt es da Parameter, nach denen ihr vorgeht?
Besonders am EUROBLAST ist, es gibt keine klaren Genregrenzen! Für uns heißt "progressiv" vor allem, dass man die ausgewählten Bands in keine Schublade stecken kann. Am Ende ist es ein bunter Mix aus musikalischen Extremen. Die meisten Bands vereint die gewisse technische Virtuosität, Polyrhythmik, häufig mehr als sechs Gitarrensaiten und Originalität. Wir wollen unser Publikum gerne mal vor den Kopf stoßen und überraschen. Wenn selbst unsere hartgesottene EUROBLAST-Fangemeinde die eine oder andere Neuentdeckung bei uns macht, haben wir beim Booking alles richtig gemacht.
Wie weit kann man das Publikum mit Musik aus der Komfort- oder Normal-Zone rausreißen, und was sind die "Obskuritäten", die ihr auf dem Spielplan habt?
Es gibt keine Limits! Den meisten Spaß beim Booking haben wir deshalb, weil wir die Extreme voll ausreizen können. Wir haben das Glück, eine feste Fangemeinde aus solchen Musiknerds zu haben, wie wir es selber sind. Die es zu schätzen wissen, wenn sie aus ihrer Komfortzone rausgeholt werden und musikalische Achterbahnfahrten mitmachen. Am besten beschreibt es der Kontrast in der 2022-Edition, als Humanity's Last Breath mit ihrem THALL-Sound die Tore der Hölle beschworen und direkt danach die Dirty Loops mit ihrem progressiven Pop-Funk die Himmelspforten wieder geöffnet haben. 2026 wird es ähnlich aufregende Kontraste geben. Das zeigt schon die Spannweite zwischen Agent Fresco, Panzerballett, Vildhjarta und Decapitated.
Die Schweden Vildhjarta sind echt weit draußen. Aber auch Seething Akira, die sich ja aus einer ganz anderen Richtung diesem Metal-Ding nähern ...
Mein Partner John und ich sind beide Drummer und große Fans von Meshuggah und Tool, die uns bei der Bandauswahl beeinflusst haben. Mit Vildhjarta haben wir bereits 2009 einen Gig in Bonn veranstaltet und seitdem waren sie öfter auf der EUROBLAST-Bühne. Als Gründer des typischen THALL-Sounds sind sie fester Bestandteil der Szene und somit auch der EUROBLAST-Fangemeinde. Seething Akira sind natürlich ein krasser Kontrast, sie pushen den Sound von modernem Metal in eine andere Richtung, das macht sie so besonders.
Was bietet ihr denen, die mit einem bestimmten Künstler/einer Band so gar nicht warm werden?
Im Außenbereich der Essigfabrik bieten sich viele Gelegenheiten für Abwechslung. Es warten verschiedene kulinarische Spezialitäten auf die Gäste, aber auch Gitarren-Aussteller, Merch- und Schmuckstände, Kunst sowie ein Tattoo-Stand.
Wedekind Gisbertson
www.euroblast.net