
Leider mussten KMFDM die Tour im Frühjahr 2026 aus gesundheitlichen Gründen absagen, aber das hat zur Folge, dass die Rückkehr dieser Sound-Pioniere auf europäische Bühnen genau zur richtigen Zeit kommt – nämlich zur Festivalzeit! Kaum eine Band hat den Industrial Metal über Jahrzehnte hinweg derart konsequent geprägt wie das Kollektiv um Sascha Konietzko – und dabei immer wieder bewiesen, dass Provokation und Präzision kein Widerspruch sein müssen. Ob „What Do You Know Deutschland?“ in den Achtzigern, das stilprägende „Angst“ mit ‘A Drug Against War’ oder spätere Statements wie „Hau Ruck“: KMFDM haben sich nie auf einem Status ausgeruht, sondern ihren „Ultra-Heavy-Beat“ stetig weiterentwickelt.
Nach einer vergleichsweise ruhigen Phase bis zum 40-jährigen Jubiläum hat die Band zuletzt wieder deutlich Fahrt aufgenommen. Das Album „Let’s Go“, umfangreiche Touraktivitäten in Nordamerika sowie die Neuauflage von „Sin Sex & Salvation“ und die remasterte Jubiläumsversion von „Hau Ruck“ haben gezeigt, dass KMFDM aktuell alles andere als ein Nostalgie-Act sind. Im Gegenteil: Gerade Tracks wie ‘New American Century’ wirken heute fast noch schärfer als zum Zeitpunkt ihrer ursprünglichen Veröffentlichung. Und dann gibt es da ja noch das aktuelle Album „Enemy“, das zum Besten gehört, was in diesem Genre je erschienen ist.
Umso erfreulicher, dass es nun mit Europa klappt. Anfang August 2026 bringt die Band ihren charakteristischen Sound zurück auf die hiesigen Bühnen – inklusive ausgewählter Festivalstopps, die sich nahtlos ins Gesamtbild einfügen. Besonders der Auftritt beim Brutal Assault dürfte dabei einmal mehr unterstreichen, wie gut der brachiale Industrial-Sound in ein Umfeld passt, das stilistische Grenzen traditionell ignoriert.
Bei ausgewählten Terminen bekommen KMFDM Unterstützung von Jesus On Extasy, die mit „Between Despair And Disbelief“ zuletzt ein Album vorgelegt haben, das sich bewusst nicht an Genregrenzen hält. Statt klarer Schubladen gibt es hier eine Mischung aus Industrial, Rock und elektronischen Elementen, die gleichermaßen auf Atmosphäre wie auf Druck setzt. Tracks wie ‚A Hard Goodbye‘ zeigen die melancholische Seite, während Nummern wie ‚Soul Crusher‘ deutlich in Richtung Club und Bühne zielen – ein Spagat, der live entsprechend Wirkung entfalten dürfte.
Unterstützt wird die Tour – auch zu ausgewählten Dates – außerdem von I Ya Toyah, die mit ihrem eigenständigen Mix aus Industrial, Dark Wave und elektronischen Elementen einen spannenden Kontrast zum Headliner bildet. Ihre Musik verbindet kühle, mechanische Strukturen mit einer klaren emotionalen Note und fügt sich damit erstaunlich stimmig in das Gesamtbild eines Abends ein, der sich ganz der dunkleren Seite elektronischer Härte verschreibt.
Dass diese Tour überhaupt in dieser Form stattfindet, ist nicht selbstverständlich. Umso größer dürfte nun die Vorfreude auf eine Konzertreihe sein, die sowohl für langjährige Fans als auch für Neueinsteiger interessant sein dürfte. KMFDM bleiben live eine verlässliche Bank: druckvoll, direkt und mit einer Bühnenpräsenz, die den eigenen Anspruch jederzeit unterstreicht. Weitere Gigs sind für Anfang 2027 anvisiert, man darf hoffen, dass alles klappen wird!
Jonathan Jancsary
kmfdm.net