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Das Keep It True kann allerdings keineswegs auf zwei Dekaden Festival-Geschichte zurückblicken, sondern wird erst seit 2003 gebührend gefeiert. Dass es trotzdem zum 20. Mal stattfindet, ist auf den Umstand zurückzuführen, dass die Veranstaltung von 2003 bis 2008 zweimal im Jahr stattfand. Die Stimmung bei Ankunft auf dem Gelände ist indes einmal mehr fantastisch, und auch organisationstechnisch haben die Veranstalter eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr eingeführt: Die Merchandise-Stände sind zwar nach wie vor in ein separates Zelt vor der Halle ausgelagert, der Einlass führt dieses Jahr jedoch nicht durch besagtes Zelt hindurch, sondern findet wie gehabt direkt beim Halleneingang statt.

Freitag

Als die Amis SATAN´S HALLOW den Anfang machen, stecken viele noch in der Einlass-Schlange oder dieser zum Erwerben der heißbegehrten Tickets für das kommende Keep It True Festival fest. Die bereits vor der Bühne anwesenden feiern den hoch gehandelten Newcomer rund um die in ein schickes Possessed-Leibchen gehüllte Frontfrau Mandy und das Schwergewicht Jose am Tieftöner aber bereits ordentlich ab. Wie erwartet wird das klasse Debüt vollständig Live dargeboten. Wenn auch mit veränderter Song-Reihenfolge. Der starke Gig rund um den traditionellen Heavy-Sound des Fünfers ist ein toller, gelungener Einstieg in den heutigen Tag.

Der Auftritt der folgenden WYTCH HAZEL kann aber sogar noch einen draufsetzen. Die alle mit weißen Leibchen bekleideten Briten begeistern neben tollem Songwriting vor allem mit grandioser, sehr britischer Gitarrenarbeit zwischen Classic Rock und etwas Metal. Obwohl Bassist Corkery heute nicht mit auf der Bühne steht, ist kein Soundloch auszumachen. Neben dem Stück 'Fight' kristallisieren sich heute die Songs 'He Shall Reign' sowie 'We Will Be Strong' als besondere Highlights heraus. Die Engländer erspielen sich mehr und mehr begeisterte Zuhörer und werden nach dem letzten Song mit sehr beachtlichem Applaus verabschiedet. Respekt!

An der folgenden Show von MAJESTY schneiden sich anschließend die Geister. Dabei völlig ausgeklammert, das mit Sänger Tarek einer der beiden sympathischen KIT-Veranstalter auf der Bühne steht. Für die einen sind sehr eingängige Klischee-Power-Metal-Hymnen wie 'Hail To Majesty', 'Keep It True', 'Metal To The Metalheads' oder 'Metal Law' Unterhaltung pur. Für die anderen Underground-Puristen eben zu „nett“ und „catchy“. Eine schöne Geste inmitten einer sehr professionellen Show rund um eine Menge Posing ist, den zweiten KIT-Veranstalter Oliver Weinsheimer für einen Song auf die Bühne zu holen. Dabei singt er den Uralt-Song 'Fight For Honour´ seiner ehemaligen Band Shadows Of Iga. Dies wird mit deutlich mehr als Höflichkeitsapplaus beklatscht.

Der Gig der Arizona Kult-Thrasher ATROPHY wurde bereits mit Spannung erwartet. Zum einen ist da die große Vorfreude, die Band endlich wieder Livehaftig zu sehen. Andererseits kursierte vorab ein Video durchs Netz, welches die Combo nicht gerade in Hochform präsentierte. Mit James Gulotta (Bass), Drummer Tim Kelly sowie Shouter Brian Zimmerman sind immerhin drei Original-Mitglieder im Line-up. Diese werden durch ein neues Gitarren-Duo, bestehend aus Casper Garret und Rich Olsen ergänzt. Auch wenn der Sound in der Halle heute bereits den ganzen Tag recht matschig und undifferenziert war, so erreicht dies subjektiv gehört bei ATROPHY seinen traurigen Höhepunkt. Zudem wirken die Thrasher leider relativ schlecht eingespielt, welches in eine stellenweise nicht gerade tighte Performance mündet. Am besten schlägt sich Klampfer Casper, welcher am klarsten zu hören ist und immer wieder amtliche Riff-Bretter abfeuert. Auch Sänger Brian ist gut bei Stimme, seine Ansagen wirken hingegen wenig spontan. Einige technische Pannen mildern leider den Hörgenuss weiter. Erst reißt Tieftöner James, dann Klampfer Rich eine Saite. Letzterer ist bei einzelnen Songs zeitweise gar nicht zu hören. Dem entgegen steht eine Band, welche merklich Spaß an Ihrem Auftritt hat, natürlich und sympathisch wirkt UND vor allem natürlich unsterbliche Klassiker im Repertoire hat. Das heutige Set bietet sechs Tracks vom Debüt „Socialized Hate“ und leider nur drei Nummern vom Klassiker „Violent By Nature“. Am meisten Banger und Mitgröler gibt es heute bei 'In Their Eyes', 'Socialized Hate', 'Preacher, Preacher', 'Puppies And Friends', 'Violent By Nature' und natürlich 'Beer Bong' zu sehen. Alles in allem eine sehr solide Show die gut ankommt, aber noch Luft nach oben bietet. Hoffentlich machen die Herren inklusive häufigerer Proben und Gigs weiter!

Ein Höhepunkt des Freitags ist dann der Auftritt der Amis von Q5, die eine erdige Mischung aus Hardrock und Heavy Metal darbieten. Ungewohnt, dass die Jungs aus Seattle ihr Set gleich mit 'One Night In Hellas', einem Stück ihres feinen Comeback-Albums „New World Order“ aus dem vergangenen Jahr eröffnen. Normalerweise erwartet man von alten Haudegen eher, dass sie ihre Klassiker zuerst bringen, um das Publikum mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon vom Start weg auf ihre Seite zu ziehen. Dies gelingt Q5 jedoch größtenteils bereits mit dem besagten neuen Stück. Danach folgen jedoch mit 'Lonely Lady', 'Pull The Trigger' sowie 'Missing In Action' gleich drei Stücke des coolen Debüts “Steel The Light“. Anschließend ist erstmal ein Ausflug in jene Zeit angesagt, als Q5 unter dem Namen Nightshade firmierten ('Dead Of Night', 'Situation Critical' sowie 'Surrender'). Dem folgt dann mit 'Ain't No Way To Treat A Lady', 'Teenage Runaway' sowie 'Steel The Light' eine neuerliche Rückbesinnung auf das erste Q5-Album. Dazwischen schmettert das Quintett noch den Titeltrack der im vergangenen Jahr veröffentlichten neuen Scheibe. Das eher mittelprächtige Zweitwerk „When The Mirror Cracks“ wird dabei konsequent außen vorgelassen. Die Amis präsentieren sich dabei in bester Spiel- wie Feierlaune und die auf der Bühne entfachte Energie überträgt sich nahtlos aufs Publikum. Selbst Anwesende, die Q5 bis dato wenn überhaupt nur vom Namen her kennen, sind von den Live-Qualitäten der Formation überzeugt.

Der nachfolgende Auftritt von MEDIEVAL STEEL läuft eigentlich fast so ab wie jene Show der Epic Metaller bei der 2013er Auflage des Keep It True: Auf relativ regen Zuspruch stoßen die einzelnen Stücke der Amis zwar schon durchweg, aber erst bei der abschließenden Bandhymne 'Medieval Steel' von der legendären ersten EP aus dem Jahre 1984 brechen alle Dämme und nahezu jeder singt lauthals mit. Erneut wird besagter Song am Ende des Sets verbraten, zuvor gibt's wieder eine Mischung aus alten Klassikern der Marke 'Powersurge', 'The Killing Fields', 'Thou Shall Not Kill', 'The Man Who Saw Tomorrow' oder 'To Kill A King'. Entgegen der 2013er Show zocken MEDIEVAL STEEL dieses Mal wirklich sämtliche Stücke der besagten selbstbetitelten EP, auch das einst noch vernachlässigte 'Echoes' kommt zum Einsatz. Neu im Bunde sind dagegen 'Lost In The City', 'Gods Of Steel' sowie 'American War Machine', welches auf dem 2014er-Album “Dark Castle” enthalten war. Wieder einmal scheiden sich an den Epic-Barden aus den Vereinigten Staaten die Geister: Während der eine Teil der Fans MEDIEVAL STEEL gebührend die Aufwartung macht, ist der andere Teil eher skeptisch bzw. verweist darauf, dass die Band doch genügend andere gute Songs im Repertoire hat, so dass ein ausschließliches Abfeiern der genannten Hymne der Band nicht unbedingt gerecht wird. Sei es wie es ist: Der Auftritt ist gut, macht Laune und stimmt schon mal auf ein weiteres Epic-Schwergewicht ein.

OMEN sind sozusagen eine KIT-Institution der ersten Stunde, konnte der Stamm-Besucher die Amis dort doch bereits dreimal livehaftig erleben. Der Auftritt im Rahmen der 20. Ausgabe des Festivals spannt auch den Bogen hinüber ins Jahr 2003, als das Keep It True zum ersten Mal stattfand, denn auch damals standen OMEN auf der Bühne. Und wieder einmal stellt sich die Frage, ob Sänger Kevin Goocher den charismatischen, ebenfalls 2003 verstorbenen Frontmann J.D. Kimball würde ersetzen können? Doch nicht nur wenn man die Augen schließt wird man an den Herrn mit dem einzigartigen, melancholisch anmutenden Gesang erinnert: Quasi als Tribut an jene guten, alten Zeiten, hat sich auch der momentane OMEN-Sänger ähnlich geharnischt wie einst sein Vorgänger. Dass das einzig verbliebene Urmitglied Kenny Powell an der Gitarre auch anderweitig hervorragende Musiker um sich geschart hat, wird bereits beim fulminanten Opener 'Death Rider' klar. Dem folgen weitere Klassiker vom Schlage 'Ruby Eyes (Of The Serpent)', 'Last Rites', 'The Axeman', 'Hell's Gates' oder 'Warning Of Danger'. Beim schleifenden 'Teeth Of The Hydra' schüttelt ein Großteil der Fans begeistert die Mähne und reckt die Fäuste in die Luft, bevor das unvermeidliche 'Battle Cry' zu einem regelrechten Sturm ins Schlachtengetümmel aufruft. Der Wunsch des Rezensenten, als Zugabe doch bitte noch 'Torture Me' vom kultigen „Metal Massacre V“-Sampler zu zocken, wird nicht erfüllt: Stattdessen gibt's mit 'Die By The Blade' vom legendären Debüt nahezu gleichwertigen Ersatz. Alles in allem haben OMEN an diesem Abend einfach alles richtig gemacht, weswegen die Amis (einmal mehr) getrost zu den absoluten Höhepunkten des diesjährigen Keep It True gezählt werden dürfen! In der Form können Kenny & Co. liebend gerne wiederkommen!

Nach der klasse Performance von OMEN liegt nun knisternde Spannung in der Luft. Die Vorfreude kennt stellenweise keine Grenzen, weswegen sich einige Banger zur Sicherheit noch mal schnelle die Kehle mit Gerstensaft anfeuchten. Und DEMOLITION HAMMER kamen, sahen (eine randvoll gefüllt Halle) und DEMOLIERTEN! Und zwar mit der Urgewalt eines XXXL-Bulldozers auf Koks und Speed. Was diese älteren, auf die 60 zugehenden Herren hier vom Opener 'Skull Fracturing Nightmare' abziehen, ist good, AGGRESSIVE violent fun vom Feinsten. Sänger und Bassist Steve Reynolds sticht dabei besonders heraus. Sein energetisches, garstiges und bitterböses Gekeife sowie diese Energie und Entschlossenheit entfesselt einen Pit, in dem es für blaue Flecken, blutende Nasen und aufgeschürfte Knie ein zufriedenes Grinsen als Quittung gibt. Der Sound ist zwar nach wie vor nicht astrein, aber etwas besser als bei den vorherigen Bands und vor allem herrlich laut. Die schädelspaltenden Riffs von Granaten wie 'Neanderthal', 'Epidemic Of Violence' und dem „Hit“ 'Infectious Hospital Waste' machen keine Gefangenen und zerstören alles. Steve benutzt das „F*CK-Word“ bei Ansagen extrem oft und bringt die fiese Attitüde der Combo auch verbal glaubhaft herüber. Dem Gitarren-Duo James und Derek als auch Neu-Drummer Angel kann man gar nicht genug für ihre Tightness und Power auf die Schulter klopfen. 'Hydrophobia' und 'Aborticide' schrauben das Aggressions-Level auf und vor der Bühne auf den absoluten Höhepunkt, was den Circle-Pit weiter anfeuert. Zu diesem Zeitpunkt hätte man sich einen klareren, differenzierten Sound so sehr gewünscht. Anyway, das Abschluss-Duo 'Human Dissection' und '.44 Caliber Brain Surgery' mobilisiert bei Band und Publikum noch einmal die letzten Kraftreserven. Nach dieser Brutal-Thrash Lehrstunde gehen alle sichtlich geplätteten Fans völlig K.O. aber glücklich an den nächsten Bierstand. Reynolds (der Jeff Walker des Thrash) würde sagen: This is some really fucking intense fucking Thrash from fucking New York you fucking fuckers!

Nach einem der wohl aggressivsten Auftritte überhaupt beim Keep It True wird's wieder episch, und zwar erneut mit einem alten Bekannten: Bereits zum dritten Mal stehen MANILLA ROAD auf der Bühne des Festivals. Urmitglied Mark „The Shark“ Shelton und seine überaus kompetente Mannschaft liefert einmal mehr einen gelungenen Streifzug durch die bis ins Jahr 1977 zurückreichende Historie der Gruppe. Eine Besonderheit dieses Auftritts ist mit Sicherheit der Drummer-Wechsel: Nach acht Songs verlässt Randy „Thrasher“ Foxe den Schlagzeugschemel, um Andreas Neuderth Platz zu machen, welcher die restlichen sieben Stücke nebst Zugaben 'Open The Gates' und 'Masque Of The Red Death' übernimmt. Höhepunkte im reichlich mit Klassikern gespickten Set sind sicherlich 'Mystification', 'Flaming Metal Systems', 'The Ram', 'The Riddle Master' sowie das zum Ende des regulären Sets dargebotene Killer-Duo 'Necropolis' und 'Crystal Logic', welches nahezu sämtliche Anwesenden zum lauten Mitgrölen einlädt. Insgesamt gesehen stellen MANILLA ROAD mit der Songauswahl an diesem Abend ein glücklicheres Händchen unter Beweis als beim letztjährigen „Stormcrusher“-Festival. Einzig und allein das atmosphärisch-geniale 'Cage Of Mirrors' wird vermisst, wobei Shelton & Co. am 1982er-„Metal“-Album allerdings nicht vorbeikommen und das ebenfalls sehr coole 'Queen Of The Black Coast' zum Besten geben. Natürlich sind die Epic-Helden anno 2017 nicht die agilste Band der Welt auf der Bühne und auch Outfit sowie Stage-Gebaren von Sänger Bryan „Hellroadie“ Patrick dürften nicht jedermanns Sache sein: Magisch wird's erst dann, wenn Mark selbst seine charismatischen Stimmbänder vibrieren lässt. Trotzdem ist MANILLA ROAD, nicht zuletzt angesichts der erwähnten, von Klassikern durchzogenen Setlist ein würdiger Headliner des Freitagabends.

Samstag

Nach einer für viele langen und sehr kalten Nacht, dürfen die Texaner ETERNAL CHAMPION zur noch frühen Mittagszeit den Besuchern den Kater oder stellenweise ausgewachsenen Königstiger aus den Knochen treiben. Und dies machen die Amis gleich vom Eröffnungs-Doppel 'Retaliator' und 'The Armor Of Ire' hervorragend. Die Stimmung in der Halle ist sehr gut, der Sound ist vergleichsweise klar, was den stampfenden Epic Metal mit Highlights wie 'The Last King Of Pictdom' und 'Invoker' in vollem Glanz erstrahlen lässt. Sänger Jason ist sehr gut bei Stimme und wie auch die restliche Band sehr motiviert. Vielleicht sogar so motiviert, dass es stellenweise so wirkt, als wollten ETERNAL CHAMPION hier auf Biegen oder Brechen den völligen Triumphzug einfahren. Dies nimmt dem Auftritt stellenweise etwas Lockerheit, was aber auch schon der einzige Kritikpunkt ist. Spätestens zum letzten Song 'I Am The Hammer' hat der Fünfer gewonnen und sich ohne Zweifel einige neue Fans erspielt.

Nun wird es spannend, ob VISIGOTH hier noch einen draufsetzen können. Und wie sie das können! Gleich mit den beiden starken Tracks 'Dungeon Master' und 'Mammoth Rider' zu eröffnen, erweist sich als cleverer Schachzug der Amerikaner. Die fünf Musiker als Utah sind bestens eingespielt, agieren sehr natürlich und mit einer Menge Herzblut und Spirit. Musikalisch treffen alte Manowar mit tiefer gestimmten Gitarren und Epik auf etwas Doom. Nicht nur während 'Blood Sacrifice' entfacht die Truppe eine Leidenschaft, die im Vergleich zuvor bei ETERNAL CHAMPION wegen Hüftsteife etwas weniger zu spüren war. Der nächste für die skandinavischen Fans angepriesene Song 'The Beast' von der Band Randy dürfte einigen Anwesenden unbekannt sein. Auffällig ist, wie sehr sich Sänger Jake Rogers im Vergleich zu seiner bereits 2015 auf Platte tollen Leistung, weiterentwickelt hat. Die Gitarristen ziehen zudem mit ihrem Feeling als auch den tollen Solo-Duellen, ebenfalls immer wieder die Blicke auf sich. Dies mündet in 'The Revenant King', dem eindeutigen Höhepunkt des heutigen Auftritts. Hierzu holt man sich ETERNAL CHAMPION-Sänger Jason für ein Duett mit auf die Bühne. Einer der besten Gigs des diesjährigen Festivals, welcher ein großes Ausrufezeichen setzt! Kritikpunkte? Nur, dass 'Iron Brotherhood' leider nicht gespielt wurde.

Nach der Abrissbirne VISIGOTH wirken DEVIL IN DISGUISE vergleichsweise gewöhnlich, um nicht zu sagen über weite Strecken einfach langweilig. Dabei handelt es sich hierbei keineswegs um eine neue Band, sondern um Sänger Mike Podrybau nebst Mitmusikern. Selbiger war von 1983 bis 1985 bei den Amis Glacier mit von der Partie, weswegen die Jungs ausschließlich Stücke der 1979 bis 1990 existenten Power/Heavy-Metaller zum Besten geben. Standesgemäß starten DEVIL IN DISGUISE dann auch mit 'Ready For Battle', dem ersten Stück der B-Seite der selbstbetitelten ersten EP aus dem Jahre 1985. Von diesem Werk werden dann auch sämtliche Songs geboten, darüber hinaus gibt’s noch 'Eastern Guns' vom 1988er-Demotape sowie mit 'Live For The Whip' einen Track, der bis dato auf noch keinem regulären Longplayer der Amis erschienen ist.

Ebenso wie DEVIL IN DISGUISE liefern TRAITORS GATE solide, wenngleich nicht wirklich euphorisch stimmende Hausmannskost ab. Die Waliser krebsten einige Zeit unter Namen wie Cyron oder Quest im NWOBHM-Underground herum, bevor sie anno 1985 mit neuem Namen und in Form der „Devil Takes The High Road“-EP ihre erste und leider einzige Veröffentlichung über die britische Plattenfirma Bullet Records auf den Markt brachten. Damals war jedoch der Zug irgendwie schon abgefahren, sprich, Metal-Fans verlangten nach härteren Sachen als nach zugegebenermaßen gut in Szene gesetzter NWOBHM-Mucke. Der Auftritt von TRAITORS GATE dürfte den Walisern deswegen eine späte Genugtuung bescheren, wird der Sound der Combo anno 2017 doch ziemlich wohlwollend aufgenommen. Selbstverständlich geben die Briten die drei Stücke der erwähnten EP zum Besten, darüber hinaus gibt’s sechs weitere Songs. Schön dass TRAITORS GATE wieder da sind, aber mehr als ein anerkennendes Kopfnicken ruft der doch recht mittelprächtig wirkende Auftritt in Lauda-Königshofen beim Schreiberling nicht hervor.

Da sind NIGHT DEMON schon ein ganz anderes Kaliber: Während das Trio bei seinem KIT-Debüt vor drei Jahren lediglich die Songs der selbstbetitelten Debüt-EP in petto hatte und diese mit damals noch brandneuen Stücken sowie Coverversionen von Riot und Diamond Head anreicherte, können die Kalifornier anno 2017 aus einem reichhaltigeren Fundus an Eigenkreationen schöpfen, erschienen seitdem mit „Curse Of The Damned“ und dem brandneuen „Darkness Remains“ doch zwei feine Longplayer. Der äußerst energetische Auftritt der Amis wirkt zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt, versprüht ungemeine Spielfreude und vermag vor der Bühne eine regelrechte Headbang-Orgie zu entfachen: Kein Wunder bei derart kompetent inszenierten Songs, die überwiegend ziemlich gut abgehen! Einen etwas ungewöhnlichen Abgang zelebrieren die drei Jungs aus Ventura, indem sie ihrer flotten Bandhymne 'Night Demon' den Titeltrack ihres letzten Albums „Darkness Remains“ folgen lassen, kommt Letztgenannter für NIGHT DEMON-Verhältnisse doch ziemlich ruhig und bedächtig daher. Aber selbst dieses unorthodoxe Finale passt irgendwie ins Gesamtbild dieses wundervollen Auftritts einer Band, die selbst mit nur einer Gitarre abgeht wie Zäpfchen! Sänger/Bassist Jarvis Leatherby verausgabt sich wie seine Mitstreiter sehr, und man fragt sich, wie es der sympathische Fronter denn überhaupt schafft, an diesem Abend auch noch mit CIRITH UNGOL eine unvergleichliche Show auf die Beine zu stellen? – Doch dazu später mehr… Das Covern können NIGHT DEMON auch anno 2017 nicht sein lassen, weswegen 'Wasted Years' von Iron Maiden auf erstklassige Art und Weise in Szene gesetzt wird: Spätestens bei dieser Zugabe liegt das Publikum den Amis zu Füßen.

Bereits das dritte Mal auf dem Keep It True, geben sich ALANTEAN KODEX die Ehre. Wie erwartet kann bei so vielen Mitsing-Gassenhauern, vor diesem Publikum auch nichts schief gehen. Erst Recht nicht anhand einer so gut eingespielten, engagierten Band. 'Enthroned In Clouds And Fire' macht den Anfang, gleich gefolgt von 'The Atlantean Kodex Part1'. 'Pilgrim' und 'Sol Invictus' sorgen dann anschließend gleich für die ersten Gänsehaut-Momente und zeigen erneut eindrucksvoll, wie sehr sich Markus Becker konstant als Sänger weiterentwickelt. Die doomige, epische Atmosphäre zieht alle Liebhaber von traditionellem Stahl sofort kollektiv in den Bann. Klampfer Manuel als auch Bassist Florian sind heute in Manowar-Leibchen gehüllt. Während 'Heresiarch' und 'Twelve Stars And An Azure Gown' ist nicht nur die geschätzte anwesende Deaf-Forever-Schreiberzunft kollektiv im ATLANTEAN KODEX-Rausch und vergisst alles andere um sich herum. Den Deckel auf eine stimmungsvolle, atmosphärisch eindrucksvolle Show macht der zweite Teil von 'Atlantean Kodex' mit dem Killer-Chorus. Diese Band ist so wertvoll wie ein „kleines“ Steak für die Szene!

Da sich der Schreiberling unter dem Allerwelts-Bandnamen LEATHER nicht wirklich etwas vorstellen kann, ist er erstaunt, während des NIGHT DEMON-Auftritts plötzlich Chastain-Frontdame Leather Leone hinter dem Autogrammstand zu erblicken. Nach dem 2011er-Auftritt der charismatischen Sängerin zusammen mit Ex-Malibu Barbi - Schlagzeugerin Sandy Sledge unter dem Namen Sledge Leather gibt die trotz ihres doch schon recht fortgeschrittenen Alters ungemein quirlige Kalifornierin unter dem Banner ihres „Vornamens“ beim diesjährigen KIT fast ausschließlich alte Chastain-Songs zum Besten. Einige davon kennt man bereits von der 2011er-Show, wie beispielsweise den Opener 'Ruler Of The Wasteland', 'For Those Who Dare' oder 'Voice Of The Cult'. Darüber hinaus gibt’s natürlich noch mehr von Leather Leones Kollaboration mit Bandkopf David T. Chastain, wie beispielsweise 'Paradise', 'Chains Of Love', 'Black Knight', 'Angel Of Mercy' oder 'The 7th Of Never'. Wie gesagt präsentiert die kleine Dame die alten Bandklassiker auf ungemein agile Art und Weise, und auch mit ihrer Stimme vermag Leather für so einige offene Münder zu sorgen: Die Kalifornierin verfügt nach wie vor über ein ungemein kraftvolles Gesangsorgan, das zwar zuweilen schwindelerregende Höhen meistert, letzten Endes jedoch nie schwülstig oder zu feminin klingt. Frau Leone agiert eher wie ein richtiger Kerl auf der Bühne, selbst wenn ihre Präsenz zuweilen auch mal Sex-Appeal und Coolness versprühen kann: Genau so stellt man sich eine Frau in einer Metal-Band vor! Dass sich der Eindruck der Chastain-Tonträger indes bestätigt, dass die Songs qualitativ nicht ganz mit diesem Wunder-Gesang mithalten können, ist dagegen ein kleiner Wermutstropfen.

Nach der gestrigen Urgewalt DEMOLITON HAMMER, bieten nun die Dire Straits des Metal das komplette Kontrastprogramm. Immer wenn ASHBURY im Keep It True-Umfeld auftreten, räumen sie völlig ab. Gründe dafür gibt es viele. Einer ist, dass heute das „Endless Skies“ Album einmal mehr, wenn auch mit anderer Song-Reihenfolge, komplett dargeboten ist. Auch das unglaubliche Charisma der Davis-Brüder ist immer wieder ein totaler Hingucker. Oder nehmen wir den lässigen, bärtigen und mit einer tollen Jeans-Kutte bekleideten Bassisten. Eine wirklich eindrucksvolle Erscheinung! Der Sound ist mit Abstand der beste des ganzen Wochenendes, die Amis sind bestens eingespielt und präsentieren sogar zwei neue Songs (Titel ohne Gewähr!). 'Good Guitar' und 'Faceless Waters' sind beides tolle Tracks, die etwas mehr Punch und Southern-Rock-Kante als die Klassiker haben. Nicht nur bei diesen soliert sich Randy stellenweise völlig verträumt und in sich versunken regelrecht in Ekstase. Das Publikum scheint den ganzen Gig über noch textsicherer als vor ein paar Jahren zu sein und frisst ASHBURY förmlich aus der Hand. Es wird lauthals mitgesungen, sich in den Armen gelegen, die Kräuter-Zigaretten kreisen und der/die ein oder andere verdrückt auch schon mal ein Tränchen. Einzigartige mächtige Emotionen, welche nur diese wirklich magische Musik freisetzen kann. Mit Abstand eines der größten Highlights des diesjährigen Wochenendes. Danke für diesen unvergleichlichen Gig!

Ebenso waren FIFTH ANGEL schon 2010 mal zu Gast beim Keep It True, und auch dieses Mal liefern die US-Power-Metaller wieder ein gelungenes Potpourri an Songs ihrer beiden 80er-Platten ab. Zum „Déjà-vu“-Charakter des Ganzen trägt noch die Tatsache zusätzlich bei, dass die Amis bis einschließlich des neunten Stücks 'Time Will Tell' sämtliche Stücke von 2010 in genau dergleichen Reihenfolge (!) zocken: Anscheinend mögen FIFTH ANGEL einfach keine Veränderungen. Einzig 'Wings Of Destiny' hat man etwas weiter nach vorne geholt. Danach geht’s dann weiter wie gehabt: 'Wait For Me', 'Cry Out The Fools' sowie 'Only The Strong Survive' kamen auch damals schon direkt hintereinander. 'We Rule' vom superben 1989er-Zweitling “Time Will Tell” rundet wie gehabt den regulären Teil des Sets ab. Und selbst die damals schon intonierte UFO-Coverversion von 'Lights Out' packt man wieder aus. Der Schreiberling kann sich zu dem Zeitpunkt an den damaligen Auftritt nicht mehr so richtig zurückerinnern, aber vielleicht ist das Ganze ja irgendwie im Unterbewusstsein verankert: Kurz vor dem Song geht man mal kurz vor die Halle frische Luft schnappen, und bei der Rückkehr in die Halle gehen im Durchgang zwischen WCs und Konzertlokalität tatsächlich für einen kurzen Moment die Lichter aus: Der Schreiberling quittiert das mit dem Standard-Kommentar „Lights out in London“, wobei ein Kollege lauthals lacht, hatte er doch soeben genau dasselbe sagen wollen. Wenig später stimmen FIFTH ANGEL dann doch tatsächlich 'Lights Out' an: Zufälle gibt’s…

Ob die Wahl dieser Coverversion wohl mitverantwortlich dafür war, dass CIRITH UNGOL wenig später ihre ersten paar Songs tatsächlich im völligen Dunkel bestreiten müssen? – Man mag von einer technischen Panne reden, zumindest kümmert sich ein Stage-Techniker umgehend um die Reparatur der Lichtanlage. Manch einer empfindet diesen Umstand angesichts des allerersten Europa-Auftritts der Epic-Legende überhaupt als schade. De facto hat aber selbst diese Panne irgendwie etwas und trägt zum denkwürdigen Charakter dieses Abend bei. Was hatte man sich im Vorfeld nicht schon auf diesen Headliner gefreut: CIRITH UNGOL sollten nun endlich jene Lorbeeren ernten können, die sie schon immer verdient gehabt hätten! Schade drum, dass die Band in den ersten beiden Jahrzehnten ihres Bestehens zwischen 1972 und 1992 von den Wenigsten verstanden und von den Meisten ignoriert wurde. Wie befremdlich mag es Sänger Tim Baker, Schlagzeuger Robert Garven und Konsorten vorkommen, wenn anno 2017 nun mehrere Tausend Besucher eines Festivals CIRITH UNGOL als Headliner in einem rauschenden Fest feiern?!?

Und die Kalifornier geben der hungrigen Meute das wonach sie lechzt: Eigentlich sind alle Hits mit an Bord, die man sich wünschen kann. Doch halt: Wirklich alle? – Der Schreiberling vermisst jedenfalls den Klassiker 'Death Of The Sun“ vom allerersten „Metal Massacre“-Sampler. Letzten Endes stellt dies jedoch Jammern auf hohem Niveau dar: Mit Ausnahme dieses Kultsongs liefern CIRITH UNGOL an diesem Abend eine überragende Best-Of-Setlist ab: Nach dem einsteigenden 'I'm Alive' folgt der epische Brecher 'Join The Legion', bei dem nahezu die gesamte Halle mitsingt. Es folgen 'Atom Smasher', 'Edge Of A Knife', 'Blood & Iron', 'Black Machine', 'Frost And Fire', 'Finger Of Scorn', 'Chaos Descends' sowie 'Doomed Planet'. Dass auch die berühmt-berüchtigte “Paradise Lost”-Trilogie vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1991 nicht fehlen darf, ist spätestens seit Robert Garvens Aussage, dass er diese drei Stücke in ihrer Gesamtheit zum Besten zählt was es im Heavy Metal jemals gab, klar wie Kloßbrühe: Die epischen Hymnen 'Chaos Rising', 'Fallen Idols' und 'Paradise Lost' runden einen nahezu perfekten, Gänsehaut en masse erzeugenden Auftritt kongenial ab. Das Heavy-Riff von 'Chaos Rising' bleibt so manchem Besucher noch Stunden nach der Show in den Gehirnwindungen hängen.

Doch damit nicht genug, als Zugabe schießen die Amis noch die Klassiker 'Master Of The Pit', 'King Of The Dead' und 'Cirith Ungol' hinterher. Der geschichtsträchtige Moment wird von einer rundum zufriedenstellenden instrumentalen Performance sowie einem Tim Baker in Bestform abgerundet: Einfach unglaublich, wie nahe der Frontmann selbst nach all den Jahren seinem kauzigen Gesangsorgan, das man von den Alben her kennt, kommt! CIRITH UNGOL waren ein würdiger Headliner des gesamten Festivals, eine Ausnahmeerscheinung damals wie heute! – Wer das Glück hat, die Kalifornier auf dem diesjährigen „Chaos Descends“-Openair oder dem „Hammer Of Doom“-Festival zu sehen, darf sich auf etwas Großartiges freuen!

Und wieder einmal geht ein hammermäßiges Wochenende seinem Ende entgegen: Wie eingangs bereits erwähnt haben sich die Veranstalter auf einige wenige organisatorische Verbesserungen (zurück)besonnen. Einmal mehr muss allerdings der Sound bemängelt werden: Natürlich ist es schwer, im Betonbau der Tauberfrankenhalle einen einigermaßen guten Sound hinzubekommen, aber was da beispielsweise bei einer heftig-schnellen Formation wie DEMOLITION HAMMER abging, war schon grenzwertig. Dennoch machte dieser Kritikpunkt einem das Festival nicht madig, allein angesichts der Klasse der verpflichteten Formationen kann man schon von einem mehr als würdigen 20. Jubiläums-KIT sprechen! Was auffiel war die Tatsache, dass dieses Jahr ungemein viele US-Kapellen auftraten (sage und schreibe 15 von insgesamt 19 Formationen!), dafür gab's trotz des eng gesteckten Grundkonzepts des Keep It True eine ungemein breite Stilvielfalt von folkig-balladeskem Hard/Southern Rock (ASHBURY) bis hinüber zu rabiatestem Thrash Metal (DEMOLITION HAMMER) zu bestaunen, wobei es nahezu jede Gruppe schaffte, der 20. Ausgabe dieses Festivals irgendwie ihren ureigenen Stempel aufzudrücken.

Cool auch die Autogrammstunde am Samstag mit zwei ehemaligen HEAVY LOAD-Musikern vor der Halle. Den beiden Schweden gesellte sich noch Steve Grimmett von GRIM REAPER hinzu, der im Rollstuhl saß, da ihm aufgrund der Folgen einer schweren Infektion das rechte Bein vom Fuß bis unterhalb des Knies amputiert werden musste: Gute Besserung, Steve! Weniger cool waren die Vollidioten, die nachts Dixis umwarfen und anzündeten, Bierbänke verheizten, anderem Vandalismus frönten und klauten. Sehr gut, dass hier vom Veranstalter bereits im Nachgang hart durchgegriffen und Maßnahmen fürs kommende Jahr aufgesetzt wurden. Hier ist sicherlich zukünftig auch mehr Zivilcourage und Zusammenhalt unter den KIT-Kernbesuchern gefragt. Das Keep It True wäre nicht das Keep It True, würde man nicht jetzt schon erste Bands fürs nächste Jahr ankündigen: Namen wie RAVEN, HITTMAN, BLASPHÈME, CEREBUS, SARACEN, WINTERHAWK, STÄLKER und TAIST OF IRON klingen schon mal sehr vielversprechend…!

Text: Christian Wachter und Markus Wiesmüller

Fotos: Jowita Kaminska-Peruzzi, http://www.jowita-kaminska.com/

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