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Mit ihrer ersten Trilogie erschufen BAL-SAGOTH zwischen 1994 und 1998 eine Verbindung aus extremem Metal, monumentaler Symphonik und Sword-&-Sorcery-Fantasy, die damals alles andere als selbstverständlich war. Nun bringen Darkness Shall Rise Productions diese prägende Frühphase der Briten erneut auf CD, Vinyl und Kassette heraus. Grund genug, mit Sänger und Texter Byron Roberts über die Entstehung des BAL-SAGOTH-Universums, die erstaunliche Entwicklung innerhalb dieser drei Alben und deren Vermächtnis zu sprechen.

 

Die erste BAL-SAGOTH-Trilogie entstand zwischen 1994 und 1998, zu einer Zeit, als die Verbindung von Black Metal, symphonischer Erhabenheit, Fantasy und ausgefeiltem Storytelling noch weitaus weniger etabliert war als heute. Wenn du mehr als drei Jahrzehnte später darauf zurückblickst: Glaubst du, dass die Menschen heute besser verstehen, was ihr damals erschaffen wolltet, als zu der Zeit, als „A Black Moon Broods Over Lemuria“ erstmals erschien?

Vielleicht, ja. 1994 reagierten viele Menschen überrascht und verwirrt, als sie mit dem Konzept einer epischen, symphonischen Extreme-Metal-Band konfrontiert wurden, der eine Pulp-Sword-&-Sorcery-Erzählung zugrunde lag. Selbst die anderen Mitglieder von BAL-SAGOTH fanden das anfangs ehrlich gesagt verwirrend! Die pompöse Natur und die aufwendigen orchestralen Elemente der Band waren für viele Hörer etwas Neues. Manche liebten es, manche hassten es. Im Laufe der Jahrzehnte und mit dem Aufkommen vieler anderer Bands, die einem relativ ähnlichen Muster folgten – von denen nicht wenige von uns beeinflusst waren –, ist das Ganze alltäglicher geworden und mittlerweile sogar ein etabliertes eigenes Subgenre. Ich nehme an, einige der Leute, die Mitte der 1990er zunächst irritiert waren, verstehen heute vielleicht endlich, was BAL-SAGOTH ursprünglich beabsichtigten. Im Allgemeinen war es uns allerdings immer egal, ob die Leute verstanden, was wir machten oder nicht!

Diese drei Alben werden häufig als „First Trilogy“ zusammengefasst, dokumentieren innerhalb nur weniger Jahre aber auch eine bemerkenswerte Entwicklung. Wenn du „A Black Moon Broods Over Lemuria“, „Starfire Burning Upon The Ice-Veiled Throne Of Ultima Thule“ und „Battle Magic“ heute direkt hintereinander hörst: Wo nimmst du persönlich die größte Veränderung bei BAL-SAGOTH wahr?

Nun, es stimmt sicherlich, dass viele der offenkundiger am Death Metal orientierten Elemente im Sound von BAL-SAGOTH im Verlauf der First Trilogy verschwanden. In der Zeit zwischen den ersten beiden Alben setzte zweifellos eine allmähliche Veränderung ein, wobei sich die brutaleren Elemente des Debüts auf dem zweiten Album auf subtile Weise in einen epischeren und pompöseren Ansatz verwandelten. Die große stilistische Veränderung kam allerdings zugegebenermaßen mit dem dritten Werk. Das war das Album, das damals für einiges Stirnrunzeln sorgte. Viele Leute erwarteten ein Album, das eher nach „Starfire“ klingen würde, und waren deshalb von der bombastischeren, beschwingteren und stärker von Blechbläsern geprägten symphonischen Natur von „Battle Magic“ sowie der insgesamt „zugänglicheren“ Qualität der Kompositionen ziemlich überrascht. Dieses Album polarisierte bei seiner Veröffentlichung durchaus. Rückblickend wünschte ich mir tatsächlich, wir hätten dem dritten Album eine deutlich abrasivere klangliche Essenz verliehen und die Songs insgesamt mit einer stärkeren Black-Metal-Kante versehen. Und dennoch betrachten viele Fans „Battle Magic“ als ihr liebstes BAL-SAGOTH-Album. Im Verlauf der Alben vier, fünf und sechs setzte sich die stilistische Entwicklung der Band zügig fort, bevor sich der Kreis schließlich langsam wieder schloss und wir uns erneut auf die aggressivere Natur der frühen Kapitel zurückbesannen.

Eine dumme Frage, aber sie muss trotzdem gestellt werden: Hast du unter diesen ersten drei Alben einen Favoriten? Und falls ja, welches und warum?

Ehrlich gesagt besitzt jedes der sechs Alben bestimmte Schlüsselelemente, die ich liebe und die meiner Meinung nach perfekt die künstlerische Quintessenz verkörpern, die mir vorschwebte, als ich ursprünglich die Idee für die Band entwickelte. Was speziell die ersten drei Alben betrifft, wäre es aus genau diesen Gründen sehr schwierig, einen Favoriten auszuwählen.

Das BAL-SAGOTH-Universum reichte schon immer weit über einzelne Songs hinaus, wobei wiederkehrende Charaktere, Orte und Ereignisse eine miteinander verbundene Mythologie bilden. Wie viel von diesem Universum hattest du bereits im Kopf ausgearbeitet, als du die ersten drei Alben erschaffen hast? Und gibt es Elemente auf diesen Platten, deren Bedeutung für die größere Saga dir erst später bewusst wurde?

Um 1990 herum hatte ich die Grundlagen des Universums bereits in meinen Notizen festgelegt und außerdem die wichtigsten Reiche und Territorien in mehreren Entwürfen der vorsintflutlichen Landkarte, die ich gezeichnet hatte, endgültig bestimmt. Auch die wichtigsten Charaktere wie Caylen-Tor, Lord Angsaar, Captain Blackthorne, Zurra und so weiter existierten bereits in ihrer endgültigen Form. Einige der Geschichten hatte ich bereits als Prosa verfasst, etwa Caylen-Tors entscheidende Schlacht im Blackhelm Vale, und anschließend adaptierte ich diese Geschichte in lyrischer Form. Einige andere Songs entstanden ebenfalls zunächst als Prosa-Kurzgeschichten, die ich anschließend in eine Mischung aus Prosa und Versen überführte. Die meisten anderen Songs auf den sechs Alben entstanden jedoch in erster Linie als Lyrics, von denen viele ursprünglich zwischen 1990 und 1993 geschrieben wurden. Auch die allgemeinen Themen und Konzepte jedes Albums hatte ich bereits lange im Voraus festgelegt. Es ist immer hilfreich, Dinge im Voraus zu planen. Natürlich kann man nur eine begrenzte Menge an Informationen und Story-Inhalten in einem Textheft unterbringen, was einer der Gründe dafür ist, dass ich schließlich begann, die Kurzgeschichten als Taschenbücher zu veröffentlichen. Dazu gehören insbesondere die „The Chronicles of Caylen-Tor“-Trilogie und Captain Blackthornes Reisen, die beide bei DMR Books erschienen sind.

„Starfire Burning Upon The Ice-Veiled Throne Of Ultima Thule“ und „Battle Magic“ erscheinen nun nach rund drei Jahrzehnten erstmals auf Vinyl. Fühlt es sich so an, als würde damit endlich ein unvollendetes Kapitel der BAL-SAGOTH-Geschichte korrigiert? Und wie stark warst du persönlich daran beteiligt sicherzustellen, dass diese neuen Editionen die Alben so repräsentieren, wie sie heute erlebt werden sollen?

Ja, es ist großartig, dass nach so langer Zeit endlich alle drei Alben gemeinsam auf Vinyl erscheinen. Interessanterweise gab es vom Debütalbum bereits zwei frühere LP-Veröffentlichungen, zunächst 1995 und dann erneut 2016, aber das zweite und dritte Album wurden leider nie auf Vinyl veröffentlicht. 1996 plante Cacophonous, „Starfire“ als Gatefold-LP auf marmoriertem Vinyl herauszubringen, verwarf diesen Plan jedoch aus Budgetgründen. Als Cacophonous 2016 kurzzeitig wiederbelebt wurde, planten sie erneut, „Starfire“ auf Vinyl zu veröffentlichen. Doch leider kündigte der Labelmanager kurz nachdem „Lemuria“ als Doppel-LP wiederveröffentlicht worden war völlig überraschend, wodurch Cacophonous erneut inaktiv wurde. Im Laufe der Jahre haben viele Labels bei Cacophonous um eine Lizenz für Vinyl-Ausgaben angefragt, doch es konnte nie eine Einigung erzielt werden.

Jetzt passiert es endlich über Darkness Shall Rise Productions. Die gesamte First Trilogy wird auf CD, LP und MC neu aufgelegt. Für diese Editionen kehren wir zu den klassischen Originalcovern zurück, und ich habe ein neues Layout für die Textseiten erstellt. Das Grafikdesign stammt von Alexander Trinkl, die Alben wurden von Patrick W. Engel anhand der ursprünglichen DATs neu gemastert, und es gibt ein umfangreiches neues Interview von Olivier Bardin, das sich über alle drei Alben erstreckt und zahlreiche historische Aspekte der Entstehung der First Trilogy behandelt. Es wird sogar Shirts zu „Lemuria“ und „Starfire“ geben. (Aber leider nicht zu „Battle Magic“, da das Coverartwork offenbar zu viele Farben besitzt und die Herstellung als Shirtprint unerschwinglich teuer wäre.) Alles in allem ist es also großartig, dass diese Alben mehr als 30 Jahre, nachdem wir ursprünglich mit ihren Aufnahmen begonnen haben, triumphal zurückkehren.

Betrachten wir es aus einem anderen Blickwinkel: Remastering bedeutet zwangsläufig, Entscheidungen wieder aufzugreifen, die wesentlich jüngere Versionen von euch getroffen haben. Gab es bei der Vorbereitung dieser Editionen Momente, in denen du etwas gehört und gedacht hast: „Das würde ich heute niemals so machen“ – gleichzeitig aber erkannt hast, dass eine Veränderung einen Teil dessen zerstören würde, was diese Alben so besonders macht?

Bei einer Remix-Session wären wir sicherlich anwesend gewesen, bei einem Remastering hingegen nicht unbedingt. Das Remastering wurde dieses Mal von Patrick W. Engel im Temple of Disharmony in Deutschland übernommen, und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden, insbesondere nachdem das vorherige Remastering von 2016 unter den Fans für geteilte Meinungen gesorgt hatte. Wäre natürlich tatsächlich ein vollständiger Remix in Angriff genommen worden, dann wären wir definitiv persönlich dabei gewesen und hätten den gesamten Prozess überwacht, genau wie wir es ursprünglich im Academy Music Studio mit Robert „Mags“ Magoolagan getan haben.

Ein vollständiger Remix ist allerdings eine sehr komplizierte Angelegenheit, insbesondere wenn dafür die alten analogen Zwei-Zoll-Magnetbandrollen von Ampex auf einer riesigen professionellen Mehrspur-Bandmaschine abgespielt werden müssten! Das Debütalbum hätten wir ohnehin nicht neu mischen können, weil Cacophonous uns während der „Starfire“-Session aus Kostengründen dazu zwang, die „Lemuria“-Bänder zu überspielen. Aber ja, wir sind zuversichtlich, dass die Fans damit zufrieden sein werden, wie die klassischen Alben auf diesen Neuauflagen klingen.

BAL-SAGOTH haben im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Bands beeinflusst, während die Verbindung von Extreme Metal, gewaltigen Orchestrierungen und fantastischen Konzepten heute wesentlich weiter verbreitet ist. Wenn du die Metal-Landschaft des Jahres 2026 betrachtest: Wo siehst du persönlich das Vermächtnis dieser ersten drei Platten? Gibt es Bands, bei denen du tatsächlich Ideen heraushörst, die BAL-SAGOTH vor all diesen Jahren mitgeprägt haben?

In der Tat haben wir im Laufe der Jahre festgestellt, dass uns viele Bands als Einfluss genannt haben, von großen, sehr erfolgreichen Bands bis hin zu kleinen Underground-Demo-Formationen. Wir können unseren Einfluss definitiv in der Arbeit vieler Bands aus aller Welt hören. Ehrlich gesagt hätten wir zu Beginn niemals gedacht, dass unser Stil einmal andere Bands beeinflussen würde. Wir waren einfach drei Typen, die Alben machten und der Welt ihre eigene Vision von symphonischem Sword-&-Sorcery-Extreme-Metal präsentierten. Wir haben demütig akzeptiert, dass unsere frühen Alben eine ganze Generation von Musikern stark beeinflusst haben und dass unsere Arbeit zur Entstehung eines ganzen Subgenres beigetragen hat. Was cool ist.

Zum Abschluss: Darkness Shall Rise veröffentlicht nicht einfach nur ein bestimmtes Album neu, sondern rückt eine ganze prägende Ära von BAL-SAGOTH wieder ins Zentrum. Was bedeuten diese Zusammenarbeit und die Rückkehr der First Trilogy heute für BAL-SAGOTH? Sollten wir sie in erster Linie als Feier und Bewahrung der Vergangenheit verstehen – oder bringt euch die erneute Beschäftigung mit diesen Platten auch dazu, über die Zukunft der Band nachzudenken?

Ja, wir freuen uns sehr darüber, dass diese Alben neu aufgelegt werden, und insbesondere darüber, dass alle drei auf Vinyl erscheinen, was sich die Fans schon lange gewünscht haben. Es ist außerdem sehr erfreulich, dass die Resonanz so positiv ausgefallen ist. Darkness Shall Rise Productions hat mit den Backkatalogen der alten Cacophonous-Bands wirklich großartige Arbeit geleistet. 2026 ist das 30-jährige Jubiläumsjahr von „Starfire Burning Upon The Ice-Veiled Throne Of Ultima Thule“, weshalb der Zeitpunkt ebenfalls äußerst günstig ist. Seht her, die legendäre First Trilogy kehrt zurück! Heil BAL-SAGOTH!

Noch einmal vielen Dank für deine Zeit und deine Mühe – ich wünsche dir persönlich und BAL-SAGOTH nur das Allerbeste!

Vielen Dank für das Interview! Es war großartig, wieder einmal mit LEGACY zu sprechen. Schaut auf den BAL-SAGOTH-Websites vorbei. Cheers und epische Grüße!

Jonathan Jancsary