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Das Aufbäumen geht weiter - ARALLU über "DMoon"

Vor einigen Monaten führten wir ein intensives Interview mit Butchered von der israelischen Black-Metal-Band ARALLU über deren Neuaufnahme des Kult-Albums "The Demon From The Ancient World" (2005), das - passend zum 20. Geburtstag - nun als "DMoon" neu das Licht der Welt erblickte. Gerne möchten wir Euch in unserer "Deep Cuts" nun das vollständige Interview als Frage-Antwort-Story präsentieren!

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Heyho und vielen Dank für deine Zeit, Daniel! Seit „Death Covenant“ sind drei Jahre vergangen, und es scheint, als wärt ihr bereit für ein neues Album. Könnt ihr uns ein kleines Update geben, was in diesen drei Jahren im ARALLU-Hauptquartier passiert ist?

Butchered: Hey Jonathan! Es ist immer eine Freude, für euer Magazin ein Interview zu geben. „Death Covenant“ wurde mit großer Anerkennung veröffentlicht und erhielt hervorragende Kritiken in führenden Magazinen. Nach und nach füllte sich unser Terminkalender, Shows wurden bis zu anderthalb Jahre im Voraus gebucht.

Doch nach den tragischen Ereignissen des 7. Oktober 2024 kam alles abrupt zum Stillstand – vermutlich auch die Verkäufe des Albums. Schritt für Schritt versanken wir in einer Art Schweigen. Persönlich fühlte ich mich vollkommen ausgelaugt. Ich konnte nicht einmal eine Gitarre in die Hand nehmen; meine Seele war durch das Geschehene wie leergefegt.

In dieser Phase der Selbstreflexion meldete sich mein enger Freund Nir Nakav bei mir – langjähriger Schlagzeuger der legendären Band Salem, die ebenfalls seit Jahren inaktiv ist. Er schlug vor, gemeinsam etwas Neues zu erschaffen. Aus dieser Zusammenarbeit entstand schließlich das neue Album „Dmoon“, das am 31. Oktober 2025 via Satanath Records erscheinen ist.

Mit etwas Abstand betrachtet: Wie zufrieden bist du rückblickend mit „Death Covenant“? Wo liegen die Stärken, wo vielleicht auch Schwächen des Albums?

Als Album betrachtet, bin ich sehr zufrieden mit „Death Covenant“ – mit dem Sound, dem Songwriting und der musikalischen Richtung, die wir eingeschlagen haben. Mit dem Gesamtergebnis hingegen bin ich nicht zufrieden. Dieses Album sollte uns die Türen zu zahlreichen Live-Auftritten öffnen. Eigentlich hätten wir längst intensiv getourt, ein größeres Budget für kommende Produktionen haben und eine wachsende Fanbasis aufbauen sollen. Stattdessen verflucht oder hasst uns inzwischen die Hälfte der Menschen, die uns früher unterstützt haben. Die Verkaufszahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück, und die Band kam praktisch zum Stillstand. „Death Covenant“ hat enormes Potenzial – aber nur, wenn man es als Album und uns als Band betrachtet, nicht durch das Prisma eines seit zwei Jahren andauernden Krieges ohne Aussicht auf Lösung oder Hoffnung für irgendeine Seite. Die Enttäuschung darüber ist groß.

Dieses Jahr feiert „The Demon From The Ancient World“ sein 20-jähriges Jubiläum. Ist das der Grund, warum ihr das Album nun als „D-Moon From The Ancient World“ in neuer Form veröffentlicht?

„Demon“ ist musikalisch ein starkes und interessantes Album – aber die Produktion hat ihm geschadet. Dennoch wurde es in vielen Magazinen als unser bestes Werk betrachtet, selbst noch nach „Death Covenant“. Seit Januar diskutierten wir intern über eine Neuaufnahme, doch andere Aktivitäten verhinderten dies zunächst. Die vergangenen drei Jahre – der Krieg, die Inaktivität der Band und die Zusammenarbeit mit Nir Nakav – führten letztlich dazu, dass dieses Projekt Realität wurde. Und es freut mich besonders, dass dies im Jahr des 20. Jubiläums seiner ursprünglichen Entstehung geschieht.

DMoon Cover

Auf dem neuen „DMoon“-Album ist vieles anders, auch die Tracklist. Warum habt ihr die Reihenfolge verändert?

Bei der Neuaufnahme war es uns wichtig, die Musik in die bestmögliche Richtung zu führen – entsprechend den heutigen Fähigkeiten der beteiligten Musiker. 2005 mussten wir Kompromisse eingehen, bedingt durch Budget und personelle Einschränkungen. 2025 gibt es keine Kompromisse mehr. Wenn wir dieses Album erneut aufnehmen, dann in der bestmöglichen Form. Die Originalversion existiert weiterhin – manche lieben sie, andere nicht. Aber „Demon 2025“ ist aus meiner Sicht in jeder Hinsicht ein Monster im Vergleich zur damaligen Fassung.

Jedes Album hat seine eigene Atmosphäre. Was 2005 produktionstechnisch richtig war, ist es 2025 nicht mehr. Deshalb unterscheiden sich auch Track-Reihenfolge und Artwork. Es handelt sich nicht um eine einfache Neuauflage, sondern um eine vollständige Neuproduktion – beinahe um ein neues Album.

Die Single ‘Sierra Nevada’ erzählt die erschütternde Geschichte der Entführung deines Bruders in Kolumbien. Kannst du darüber etwas mehr erzählen?

Die Geschichte der Entführung meines Bruders im Jahr 2003 wurde damals kaum wahrgenommen – auch wegen der Produktion und mangelnder Promotion. Er wurde 101 Tage lang gemeinsam mit einer Reisegruppe in den Bergen der Sierra Nevada festgehalten. Es war wie ein Hollywood-Film – einer, der glücklicherweise gut endete. Sein Leben hing jeden Tag am seidenen Faden.

Ein Teil des Songs entstand während ich in Kolumbien war, der andere nach seiner Freilassung in Israel. Jeder Tag fühlte sich wie ein Jahr an. Ich wartete nur auf den Moment, an dem alles vorbei sein würde, um meine Freude in den Himmel zu schreien.

Als der Song damals erschien, geschah – nichts. Deshalb wollte ich dieses Album immer neu aufnehmen, damit diese Geschichte endlich gehört wird. Heute, dank digitaler Plattformen, ist das möglich.

Gibt es weitere so persönliche Songs auf dem Album?

,Sierra Nevada‘ ist der persönlichste Song. Normalerweise vermeide ich private Themen. Dennoch gibt es auch auf früheren Alben persönliche Bezüge – etwa ein Song über die bipolare Erkrankung meiner Mutter oder über einen Freund, der bei einem Anschlag in Jerusalem getötet wurde. In unserer Musik sind Realität und Imagination stets eng verwoben – so sehr, dass am 7. Oktober selbst Imagination zur Realität wurde.

Wie entstanden die Songs ursprünglich – besonders die Mischung aus Brutalität und folkloristischen Einflüssen?

Im Grunde ist es simpel: Entscheidend sind Anschlagsgeschwindigkeit und Schlagzeugtempo. Unsere Musik basiert auf nahöstlichen Tonleitern, kombiniert mit Picking-Techniken aus Death- und Black Metal. Wenn ich die orientalischen Elemente stärker betonen will, spiele ich die Riffs und Drum-Patterns langsamer – halb oder sogar viertel so schnell wie die schnellen Songs. Das ist das ganze Geheimnis.

Wird es ein neues Artwork geben?

Ja. Das neue Cover greift die Atmosphäre des Originals dezent auf, ist aber – wie das gesamte Album – vollständig neu gestaltet und soll dessen Stimmung bestmöglich transportieren.

Warum erscheint das Album über Satanath Records und nicht über Hammerheart?

Hammerheart erhielt das Album gemäß Vertrag zuerst zur Prüfung. Sie lobten es sehr, entschieden sich jedoch aus eigenen Gründen gegen eine Veröffentlichung. Wir schickten es an viele weitere Labels. Die Reaktionen waren teilweise schockierend – von Ignorieren bis hin zu heftigen Anschuldigungen. Einige sagten, das Album sei großartig, wollten es aber aus unterschiedlichen Gründen nicht veröffentlichen. Unsere Situation ist schwierig. Viele scheuen davor zurück, sich mit uns zu befassen – obwohl sie unsere Musik schätzen. Die Lage ist düster.

Letzte Frage: Wie stehen die Chancen, ARALLU bald in Europa live zu sehen?

Leider sehe ich das in naher Zukunft nicht. Man betrachtet uns als Band mit starken, kontroversen Positionen – und niemand möchte sich mit den damit verbundenen Konflikten auseinandersetzen.

Vielen Dank für das Interview!

Danke dir, Jonathan, für das Gespräch und die starke Bewertung unseres Albums. In Zeiten wie diesen ist das nicht selbstverständlich. Ich hoffe, dass Hörerinnen und Hörer zwischen Musik und politischem Hintergrund unterscheiden können – und uns als Band beurteilen, nicht als Projektionsfläche eines Konflikts.

Wir wünschen uns Frieden – damit unsere Kinder sicher leben und ihre eigenen Kinder in Ruhe großziehen können.

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