
Die Idee hinter der vorliegenden Geschichte ist eigentlich prima: Ein in die Jahre gekommener Metal-Fan erinnert sich an die Zeit zwischen kurz vor Maueröffnung und Zusammenbruch der DDR sowie an die wilden Jahre direkt danach, in denen Eigeninitiative, Entdeckergeist und das gemeinschaftliche Handeln das Leben geprägt haben. Das 350-seitige Buch startet mit seiner eigenen Entstehungsgeschichte, beleuchtet kurz die Entstehung der Heavy-Metal-Subkultur in Mücheln im Kreis Merseburger Land, unweit des damaligen Chemiekombinats Leuna. Bevor es mit der wirklichen Erzählung losgeht, kann man sich durch etwa 40 Seiten „Klubtagebuch“ des Jugendklubs Mücheln blättern, Gästebucheinträge der Bands, die in Zone-Zeiten dort gespielt haben. Es folgt eine hemdsärmelige Erzählung der musikalischen Sozialisation des Autors, die zugleich ein Bild der DDR-Alltagswelt kurz vor dem Zusammenbruch zeichnet, wie auch einen tiefen Einblick in die äußerst kreative Metal-Untergrund-Szene bietet. Hier beeindruckt immer wieder, mit wie viel Eigeninitiative Musikfans eigene Events aus dem Boden gestampft haben und von wie viel Leidenschaft beseelt der Autor und seine Truppe auf Konzerte gepilgert ist. Wir fahren mit ihnen ins Klubhaus der Zementwerker in Karsdorf, wo 1990 Morgoth, Obituary und Demolition Hammer für acht Ostmark zehn Pfennig gespielt haben, erleben im Jahr drauf Entombed und Asphyx wieder in Karsdorf, da aber schon für 20 D-Mark. Wir fahren zu Metallica und Dio in Hannover, zu Clash Of The Titans nach Düsseldorf und zu vielen anderen Gigs. Der Autor ist bemüht, viel vom Treiben auf den jeweiligen Bühnen zu beschreiben oder Zusammentreffen mit anderen Fans, Tauschhandel-Geschichten und andere „undergroundige“ Sachen zu schildern, kommt im Verlauf der Erzählung aber ein ums andere Mal ins Schlingern und berichtet dann nur von „gut gehopften“ Alkoholexzessen und Zank um Beziehungskisten. Das überlagert den Bericht vom Tiefenort Open Air, wo beim Morgoth-Gig ein Teil der Bühne in sich zusammengebrochen ist und Schlagzeuger Rüdiger einen beherzten Hüpf nach hinten machen musste. Tagesgespräch des zweiten Festivaltages! Die Typen, die vor dem Biohazard-Gig dann springenderweise die reparierte Bühne auf Stabilität testen, vergisst man auch nicht. Einen weiteren Minuspunkt holt sich der Wälzer durch die vielen Schreibfehler bei Bandnamen und Albumtiteln ab. Das hätte man besser machen müssen. Sonst ist es ein empfehlenswerter Blick in eine untergegangene Welt mit vielen Bildern alter Konzerttickets. (WEG)