
TANKARD & LIK & FINAL BREATH & GOD DETHRONED & THE FLESH TRADING COMPANY & SPLINTER FLESH & ARCH DEMONS & SACRIFIRE
Das CHAOS UNITY FESTIVAL ist ein Festival von Fans für Fans, aber gleichzeitig eben auch von Bands für Bands. Veranstalter Heiko ist selbst seit 1993 bei Final Breath zugange und hat eine klare Vorstellung davon, wie Technik und Abläufe bei einem derartigen Festival zu sein haben. Und so stellt sich bei den Gästen wie auch bei den Musikern binnen kürzester Zeit das Gefühl ein, in diesem Moment an diesem Ort genau richtig zu sein. Was wiederum dem Festival einen einzigartigen Charakter gibt.
THRASH-ABRISS UND DEATH-METAL-EXPLOSION
Wenn Final Breath zur Jahreshauptversammlung all ihrer Freunde und Fans in ihre Heimatstadt bitten, weiß jeder, was kommt: ein giftig geriffter Abriss zwischen Thrash und Death, Leute, die glückselig im Moshpit im Kreis schnaufen, sowie Musiker, bei denen das lodernde Feuer in den Augen zu sehen ist. Weil allein feiern doof ist, hat man mit den Niederländern God Dethroned eine Band eingeladen, die sich auf kantigen und angeschwärzten Death Metal spezialisiert hat. Lik aus Schweden hat man lang als Dismember-Klone belächelt. Irgendwo waren sie das auch, dennoch aber immer eigenständig genug und mit der Gabe gesegnet, Songs zu schreiben, die einem das Gefühl geben, noch mal bei der Death-Metal-Explosion in den frühen Neunzigern dabei zu sein.
Zu Tankard brauchen wir nicht mehr viel sagen, seit 1982 stehen die Frankfurter für astreinen Thrash Metal. Der dreht sich gern und hingabevoll um feuchtfröhlichen Spaß, ist aber auch für schonungslos auf den Punkt gebrachte, sozialkritische Aussagen bekannt. Beim CHAOS UNITY FESTIVAL üblich ist, dass Bands aus Franken eine Bühne bekommen, und so hat man sich die altgedienten Hassfurter Thrasher The Flesh Trading Company mit an Bord geholt und schiebt damit Brüllwürfel Patrick den schwarzen Peter der Doppelbelastung zu, der Mann ist ja bekanntlich auch bei Final Breath am Mikro zugange. Der Fleischhändler-Vereinigung ist aber zuzutrauen, mit ihrem wilden Ritt zwischen Thrash-, Death- und Heavy Metal ein Highlight des Festivals zu werden. Splinter Flesh aus Würzburg gibt es seit 2024, sie schreiben sich Old School Death Metal auf die Fahnen, und ihr Markenzeichen scheinen grelle Horror-Artworks zu sein.
TICKETS, FOODTRUCK UND DER ZAPFHAHN
Wer letztes Jahr dabei war, hat seine Karte längst geordert oder sich zumindest das Datum rot im Kalender markiert! In Zeiten wie diesen einfach die Arme zu verschränken und den Preis so zu belassen, wie er war, verdient fetten Extra-Applaus. So gibt’s die Tickets wieder für 52,90 Euro über die Homepage der Stadthalle Lohr am Main: bei Programm/Konzerte nachgucken und runterscrollen. Einlass ist um 15 Uhr, weil etwa um Mitternacht will man wieder fertig sein. Parkplätze sind vorhanden. Für Menschen, die eine Unterkunft für die Nacht suchen, hat die Homepage der Stadthalle unter "Service" sogar einen eigenen Bereich. Für Verpflegung und Getränke ist in und direkt vor der Halle und auch in der Stadt gesorgt. See you in the Moshpit!
INTERVIEW MIT VERANSTALTER HEIKO KRUMPHOLZ
Wenn du auf das letztjährige Festival zurückschaust, wie fällt dein Rückblick aus, und welche Anregungen nimmst du mit in die Planungen für die kommende Auflage?
Letztes Jahr hat allen riesig Spaß gemacht. Änderungen und Verbesserungen gegenüber den Vorjahren wurden gut angenommen, und es gab einen deutlichen Besucheranstieg. Wichtiger Punkt wird sein, dass wir in Zusammenarbeit mit der Stadthalle den Ausschank etwas erweitern sollten. Wir werden an kleinen Stellschrauben hier und da drehen, das betrifft aber eher interne Abläufe.
Sehr wichtiger Punkt ist, ihr könnt den Eintrittspreis konstant halten – in heutigen Zeiten nicht selbstverständlich. Zumal ihr beim Booking keine Abstriche zu machen scheint. Wie klappt das, setzt ihr auf das Stammpublikum?
Wir hatten letztes Jahr was über 500 Besucher. Bei den Kosten heutzutage ist das kein Grund, gleich die Sektkorken knallen zu lassen, aber doch ein deutlicher Schritt in eine richtige Richtung für ein relativ junges Festival. Vom Platz her ist noch Luft nach oben, die Halle kann man leicht etwas größer konfigurieren. Die Stimmung und auch das Feedback, was ich direkt bekommen habe, waren so positiv, dass ich lieber versuche, auf wachsendes Stammpublikum, Mundpropaganda und einen Besucherzuwachs zu setzen, statt auf höhere Ticketpreise. Dazu gehört aber auch ganz sicher ein hochwertiges Line-up. Ich hoffe, unsere Rechnung geht auf.
Auf dem Plakat finden sich neben Final Breath auch The Flesh Trading Company und Splinter Flesh. Ihr legt wieder ein Hauptaugenmerk auf die fränkische Szene? Wie ist diese Gewohnheit eigentlich entstanden?
Final Breath haben sich aus dem Landkreis Main-Spessart heraus überregional etabliert, wir dürfen und durften europaweit inzwischen viele Konzerte und Festivals spielen. Dafür sind wir einfach sehr dankbar. Die Idee hinter dem CHAOS UNITY ist einerseits, etwas an unsere Heimat, unsere Freunde und Unterstützer der ersten Stunde zurückzugeben. Wir wollen aber auch die, im weitesten Sinne, lokale Musikszene bestmöglich unterstützen und fördern. Ein weiterer Aspekt: Das Festival steht für Freundschaft und Zusammenhalt, wir kennen uns natürlich auch untereinander.“
Imstande zu sein, für eine andere Band mal einzuspringen spricht für eine lebendige Musikerszene. Letztes Jahr hatte euer Gitarrist Dennis diese Doppelbelastung, weil er bei Soul Demise eingesprungen ist – diesmal trifft es Sänger Patrick (der jedoch nicht „einspringt“). Ist das ein Merkmal eurer fränkischen Szene?
Nicht mehr, vielleicht sogar weniger als anderswo. Wir sind ein eher ländlich geprägter Raum. In Ballungszentren gibt es meist mehr Bands, mehr Musiker, die auch untereinander wechseln, sich aushelfen. Wie du einleitend gesagt hat, es spricht für eine lebendige Musikerszen,e und alle versuchen, dazu unseren Beitrag zu leisten.“
Wedekind Gisbertson
stadthalle-lohr.de/event/chaos-unity-festival-2026