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TANKARD & BATTLECREEK @ L.A., CHAM, 27.12.2025

Da es schon wieder einen Monat her ist, seit die LEGACY-Delegation im lokalen Lieblingsclub L.A. alias „zweites Wohnzimmer“ war, wird es heute einfach wieder Zeit. Schon 90 Minuten vor Einlass ist der Diner-Bereich brechend voll. Es sind auch Gäste anwesend, die „nur“ zum Essen kommen und nicht die ausverkaufte Show besuchen möchten. Rock Hard Schreiber, TANKARD Grafik-Kreativkopf sowie Bandmanager Buffo lässt ich nicht nehmen, heute persönlich mit am Start zu sein und fleißig Merch zu verticken. Angeboten werden auch einige Wiederveröffentlichungen mit neuem Cover, was man lt. seiner Info selbst ändern wollte, da man mit dem Original nicht zu zufrieden ist. Da entgegnen wir gleich mal, dass das originale „Disco Destroyer“ Artwork z. B. schon sehr kultig ist.

Tankard LACHAM R

Als die mittlerweile gut kampferprobten Bayern BATTLECREEK zum kultigen A-Team Intro die Bühnenbretter entern, finden sich eine bunte Mischung an Fans von Teens, 20s/30s sowie Oldschool-Thrashern in Kutte in der Halle ein. Ebenso sind Fans aus verwandten Genres wie Punk und Hardcore anwesend. Den Anfang macht `Hate Injection` und `Slaughter In The Water`. Wie gewohnt spielen die Thrasher sehr gut zusammen und agieren mit einer Menge Spaß in den Backen. Alle Musiker sind ständig in Bewegung, posen ich untereinander sowie die ersten Reihen an. Das herrlich tiefgründige „I Love Titties And Bier“ Shirt von Sänger Bernhard passt zum heutigen, kurzweilig-unverkrampften Abend. Bei anderen Bands würde es gekünstelt rüberkommen, ordentlich aufblasbare Bälle aller Größen zum Spielen ins Publikum zu kicken. Heute Abend heizt es den Moshpit nicht nur während `King Of Rats`, `Knockout In The First Round` sowie `Fuck The Demon`nur zusätzlich an. Und wenn Bälle platzen, werden sie zeitig nachgeliefert. Die Band animiert das Publikum wiederholt dazu, die Kalorien des Weihnachts-Schweinebratens zu verbrennen. Dies hätte spaßig gesagt Bassist Andreas angeblich besonders nötig. Es ist immer wieder ein Hingucker, Klampfer Chris beim muszizieren aufs Griffbrett zu gucken. Der gute geht pausenlos wie von der Tarantel gestochen ab, zieht Grimassen und zockt dabei auch schwierige Soli und fordernde schnelle Parts in einer echten Seelenruhe. Es sei an dieser Stelle gesagt, dass BATTLECREEK zu mehr als einem Opener gereift sind. Wir sprechen hier mittlerweile mind. von Co-Headliner Qualitäten. Im Deutschen Süden können da aktuell sonst nur die geschätzten Kollegen Antipeewee mithalten. Zum Altstück `Beyond The Bombed Ruins`und `Granville`s Hammer`wird die Aggro-Schraube etwas aufgedreht. Garniert wird die Performance mit gelegentlichem sich gegenseitig an den Sack greifen Spielchen. Urkomisch! Zu `Kill Or Be Killed` nimmt der Shouter in bester AC/DC Manier seinen Gitarrero mal kurz auf die Schulter. Wie gewohnt macht `Redneck Riot`den Deckel auf eine bockstarke, kurzweilige Thrash Show.

Wenn wir die Avenger- und Vortex-Phase mal außen vorlassen, sind die folgenden Großmeister TANKARD nun seit 1983 ununterbrochen unterwegs. Es gab keinen Split, keine Pause, keine Reunion und auch kein Album das wirklich mit den Thrash-Roots brach. Dies war ja selbst beim etwas Melodischen, völlig unterbewerteten „The Tankard“ Album nicht der Fall. Unter idealen Soundbedingungen entern die Frankfurter die Bühne und legen mit `One Foot In The Grave` sowie dem Klassiker `The Morning After`gleich fulminant los. Die Band ist heute echt top eingespielt und klingt tight as fuck. Besonders die Gitarren shredden herrlich brutal! Gerre ist nach einer Knie-OP ein leicht humpelnder Gang anzumerken. Dies hält den guten aber nicht davon ab, wie immer gesanglich alles zu geben und pausenlos über die Bühnenbretter zu fegen. Bassist Frank steht sein kleines Bärtchen ziemlich gut. Und der Bandgründer hat mit dem Alter irgendwie noch an Bühnencharisma zugelegt. Und dies, obwohl er bzgl. Energielevel im Vergleich zu den 90s einen ganz leicht altersmilde wirkenden Touch hat. Seine Performance ist wie immer astrein und er hält konstant Blickkontakt mit den ersten Reihen. `Rapid Fire (A Tyrants Elegy) `ist zuletzt nicht aus der Setlist wegzudenken und ist deshalb etwas abgenudelt. Wobei wir schon zum einzigen Kritikpunkt des heutigen Abends kommen. Die Setlist enthält die „must play“ Klassiker sowie neuere Stücke. Es wäre toll, wenn TANKARD diese mal wieder gründlicher umbauen und mehr Tracks der großartigen 90s-Alben einbauen würden. Stücke aus der neueren Bandphase wie `Ex-Fluencer`, `Need Money For Beer`sowie `Rules For Fools treffen natürlich auch heute Abend voll ins Schwarze. Interessant anzusehen, dass die jüngeren Fans bei diesen 200% Textsicher sind, wogegen es bei der ein oder anderen älteren Nummer dann hapert. Und andersherum! Nach `Timewarp`sowie dem arschcoolen `Beerbarians`, folgt der ganz große Hit `Die With A Beer In Your Hand`, zu dem wirklich das gesamte ausverkaufte Venue völlig am Rad dreht. Geil! Das eher im Midtempo groovende `Octane Warriors`von „Thirst“ spendiert eine kleine Verschnaufpause. Dann geben Band sowie Publikum noch mal alles und das Energielevel erreicht den heutigen Höhepunkt. Während `A Girl Called Cerveza`brechen die letzten Dämme bei bisher etwas ruhig agierenden Zuschauern. Danach folgt die komplette Vollbedienung an großen Klassikern. `Chemical Invasion`, `Zombie Attack` und selbstredend `(Empty) Tankard`. Vor dem Klassiker-Block meint Gerre, dass sie dankbar sind, das Privileg leben zu können fast überall auf der Welt auftreten zu können. Und er lässt Herrn Thorwarth hinzufügen, dass Metal für Toleranz, Respekt und Frieden steht. Eine Sache, die in diesen Zeiten wichtiger denn je ist. In dieser Form werden TANKARD hoffentlich im Studio wie auch Live noch einige Jahre weiter machen können und wollen. An dieser Stelle sei auch noch mal gesagt, wie wichtig die zwei neueren Musiker im aktuellen Lineup sind. So sehr man in den 90s das Axel/Andy Klampferduo liebte: Andreas Gutjahr ist nun auch schon seit 1998 an Bord. Und seine tighte, spielfreudige und leidenschaftliche Performance ist kaum mehr wegzudenken. Den langjährigen (1994-2024) Drummer Olaf Zissel vermissten Anfangs viele Altfans. Es ist aber nicht zu übersehen das Gerd, der neue im Bunde, sein wirklich mit ordentlichem Punch verdrischt und so dem ein oder anderen Stück sogar noch ein paar extra Pferdestärken verleiht. Night nur von Holy Moses her weiß Mr. Lücking ja, wie er seinen Thrash trommeln will. Last but not least, muss man TANKARD absolute Fan-Nähe attestieren. Da wird mal eben ne Dame für Foto auf die Bühne geholt, Gitarren-Picks in die ersten Reihen verteilt, in Songpausen mal schnell was unterschrieben etc. etc. Und speziell Gerre steht nach der Show sofort mitten im Publikum, statt sich zu verkriechen. Da könnte sich die ein oder andere Band mal ne Scheibe abschneiden.
Damit geht ein wunderbar entspannter, kurzweiliger Thrash Abend zu Ende. Da viele natürlich frei haben, zieht es an diesem Sonntag einige gar nicht so schnell nachhause. Da trinkt man lieber noch mal das ein oder andere Bierchen und resümiert den heutigen Abend. Und dies, obwohl wir morgen ja schon wieder in unser „zweites Wohnzimmer“ reisen müssen.

Text: Markus Wiesmüller
Fotos: Danny „Trabi“ Jakesch