Stories

Abschädeln mit Stil – Interview mit Claudio von FROSTMOON ECLIPSE

Da die Herren FROSTMOON ECLIPSE bereits seit 1994 in der italienischen Black-Metal-Szene etabliert sind, war es absolut notwendig, sich deren neues Album „Worse Weather To Come“ (kürzlich via Immortal Frost veröffentlicht) anzuhören und Mastermind Claudio zum Interview zu bitten. Wir sprachen über die Bedeutung des Wörtchens „Post“, die Sehnsucht im Black Metal und das Älter-Werden. (Please find the English-version below!)


Band Frostmoon Eclipse

Hallo Claudio und vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für meine Fragen nimmst! Gehen wir es gleich an und starten wir mit dem Albumtitel „Worse Weather To Come“. Das ist ein interessanter Titel für eine Langrille einer (Post-)Black-Metal-Band. Man könnte es von Murphy's Law ableiten und sagen, es kommt immer schlimmer als man denkt. Wie seid ihr auf diese Phrase gekommen und steckt dahinter eine bestimmte Bedeutung?

Nun, was kann ich sagen: Wir beginnen von der Sekunde unserer Geburt an zu sterben. Und meistens entwickeln sich Dinge von schlecht zu schlimmer. Du bist jetzt schon älter als zu dem Zeitpunkt, an dem Du angefangen hast, diesen Satz zu lesen. Nichts kann oder wird diesen Fakt ändern, ob es Dir gefällt oder nicht. Deshalb bezieht sich der Begriff ,Wetter' auf das Leben selbst. Und obwohl ich keine Lyrics für dieses Album geschrieben habe, ist mir der Titel lange vor der Fertigstellung des Albums eingefallen, als ich Material für dasselbe komponiert habe.

Ich habe in meinem Review geschrieben, dass die Gitarre – natürlich abhängig von der jeweiligen Passage – scharf und hart, progressiv sowie sogar psychedelisch klingt, und das Instrument dementsprechend die meisten Akzente auf der Langrille setzt. Wie entstehen solche Riffs und überhaupt die Gitarrenarbeit für ein Album wie „Worse Weather To Come“? Wann zum Beispiel wird Dir während des Komponierens klar, dass es eine zusätzliche akustische Passage braucht? Oder dass ihr, zum Beispiel, ein eher progressives oder technisches Element nun braucht? Wie dürfen wir uns den Kompositionsprozess in FROSTMOON ECLIPSE vorstellen? Und arbeiten alle zusammen an den Songs?

Zunächst einmal vielen Dank für die Worte, die Du verwendet hast – Du verstehst ziemlich gut, worum es in der Musik geht. Ich beginne jeden Song auf der akustischen Gitarre, also weiß ich instinktiv, dass ein paar dieser Elemente auch in dieser Form bleiben werden. Natürlich weiß man noch nicht, wie ein Song später mit Drums und Gesang klingen wird. Wenn ich also mit den Riffs und den Strukturen beginne, dann braucht es später durchaus noch ein paar Änderungen.

In ein paar Reviews habe ich gelesen, dass „Worse Weather To Come“ als das Album bezeichnet wird, in welchem die Post-Elemente eurer Musik am klarsten zu hören sind. Ich würde dem zustimmen, wobei der Begriff „Post“ für mich nur bedeutet, dass es eine größere Heterogenität zu hören gibt, wenn es um die Gitarren- und die Drumarbeit geht. Wenn Du Dir ältere Alben von FROSTMOON ECLIPSE anhörst und dann „Worse Weather To Come“ – über welche Elemente bist Du überrascht, dass sie sich in Deiner Musik entwickelt haben? Und bei welchen Elementen bist Du überrascht, dass man sie sowohl auf den frühen wie auch auf den späten Alben findet?

Ich habe nichts gegen den Begriff ,Post', auch wenn all meine musikalischen Einflüssen so sehr ,Pre' sind, wenn Du weißt, was ich meine. Aber das hängt nur damit zusammen, dass ich ein verbitterter alter Mann bin. Als ich jünger war, wollte ich unbedingt ,black metal' sein. Ich habe alle Riffs weggeworfen, die zu sehr nach Death- oder Thrash-Metal oder was auch immer klangen. Die Jahre zogen ins Land, und ich konzentrierte mich nach und nach mehr auf das generelle Gefühl der Musik. Es hat sich herausgestellt, dass dasjenige, was für mich ,natürlich‘ ist, jenes ist, ,sehnsüchtige‘ Songs zu schreiben… Also habe ich mehr oder weniger versucht, diese Stimmungen durch den Filter des 90er-Jahre-Black-Metal auszudrücken, wenn das überhaupt einen Sinn macht. Manche bezeichnen dies eben als ,Post', aber was kann ich schon sagen? Wenn es für Dich hinhaut, haut es für mich hin.

Cover Frostmoon Eclipse
Für den Track ,Song To Darkness‘ habt ihr mit J.J. von Harakiri For The Sky zusammengearbeitet. Kannst Du erzählen, wie diese Zusammenarbeit entstanden ist und wie sie dann konkret abgelaufen ist? Hast Du ihm einfach den Song geschickt und er hat die Vocals aufgenommen? Oder habt ihr euch tatsächlich getroffen und persönlich an den Songs gefeilt?

Wir haben alle in seiner Bude geschlafen, nachdem wir einen Gig in Österreich gespielt hatten und seitdem sind wir Freunde. Leider konnten wir uns nicht persönlich treffen, um den Song aufzunehmen, also mussten wir ein paar Dateien hin und her schicken. Aber es war sehr nett, dass er das gemacht hat und wir sind mit dem Resultat glücklich. Die Zeit wird zeigen, ob er uns beizeiten mal auf der Bühne begleitet, um seine Texte zu singen – wir hoffen es!

Das Album „Worse Weather To Come“ ist das erste, das via Immortal Frost Productions erscheinen ist. Euer Vorgängerwerk „The Greatest Loss“ ist noch von Black Blood Records in die Läden gehievt worden. Warum kam es zu diesem Wechsel und was erwartet ihr euch von Immortal Frost Productions bezüglich der Scheibe? Wo wollt ihr FROSTMOON ECLIPSE in naher Zukunft sehen?

Ich möchte nicht gegen Black Blood schießen, die uns in einer dunklen Stunde der Band sehr unterstützt haben, aber sie waren in letzter Zeit nicht besonders aktiv. Deshalb mussten wir uns einfach umschauen. Immortal Frost haben bislang einen großartigen Job abgeliefert. Surtur macht viel mehr für uns als andere in der Vergangenheit. Ich hätte mir nie zu träumen gewagt, dass es einmal drei verschiedene Vinyl-Versionen von unserer Kunst geben wird, und die anderen Jungs sagen eigentlich dasselben. Wie immer gehen wir die Zukunft Schritt für Schritt an. Wir wissen, dass wir beim Morgengrauen schon tot sein könnten.

Ich habe gehört, dass der Name FROSTMOON ECLIPSE von einem Immortal-Song stammt – wenn Du heutzutage daran denkst, hast Du immer noch das Gefühl, dass es sich dabei um eine adäquate Repräsentation dessen handelt, was Du mit eurer Kunst ausdrücken willst? Fühlt es sich richtig an, Musik unter diesem Namen aufzunehmen und zu veröffentlichen?

Nun, der Name steht tatsächlich für ,90er-Jahre-Black-Metal‘. Deshalb fühlt es sich immer noch richtig an, auch wenn es damals Bands gegeben hat, die ich lieber mochte als Immortal. Ich denke, wenn ich heute eine Band ins Leben rufen würde, dann würde ich dieser einen anderen Namen geben. Aber ein Regisseur ändert seinen Namen nicht von Film zu Film und ein Schriftsteller nicht von Buch zu Buch … schlussendlich ist es immer noch meine Musik und fast die selben Personen! Zur Bandgründung hätte es auch eine Phrase aus „In The Nightside Eclipse“ oder aus „Opus Nocturne“ sein können, aber es stellte sich heraus, dass mein 16-jähriges Ich sich für diese Worte entschieden hatte. So war es. Jetzt da dies gesagt ist – nichts ist jemals in Stein gemeißelt, und wie ich gerade sagte, niemand kann sagen, was die Zukunft bringt (abgesehen vom schlechten Wetter, natürlich).

Bezüglich der Live-Front: Gibt es ein paar Pläne, Österreich, Deutschland und/oder die Schweiz zu beehren?

Wir sind bereits für die 2020er-Ausgabe des Under The Black Sun Festivals in Deutschland gebucht. Was die Schweiz betrifft: Da waren wir letzten Sommer bereits zweimal, einmal beim Forest Fest mit Taake und einmal beim Meh Suff Fest mit Watain, Amorphis und At The Gates. Ich denke, es könnte in den kommenden Monaten noch ein bisschen etwas passieren, aber es ist einfach am besten, die verschiedenen Social-Media-Kanäle regelmäßig zu checken, um ein Update zu erhalten.

Letzte Frage: Was für Bücher liegen momentan auf euren Nachtkästchen?

Vielleicht hast Du hier Tolkien oder Lovecraft erwartet, und damals war das sicher der Fall. In den letzten Jahren habe ich mich verstärkt in Cormac McCarthy eingelesen (die Werke „Suttree“ und „Blood Meridian“ lässt man nicht mehr los), und natürlich in E. Cioran. Wie kann man nur jemanden nicht mögen, der in seinen frühen 20ern „On The Heights Of Despair“ war?



ENGLISH VERSION:
 

FROSTMOON ECLIPSE have already been present in the black metal scene of Italy since the year 1994. That’s why it was absolutely necessary to listen to their new album “Worse Weather To Come” (released via Immortal Frost) and to ask mastermind Claudio a couple of questions. We talked about the meaning of the term “Post”, the feeling of longing in black metal and the process of aging.

Band Frostmoon Eclipse

Hello Claudio and many thanks for taking the time to answer my questions! Let’s get right on it and start with the album title: “Worse Weather To Come” is an interesting title for an album of a (post-)black metal band. One may interpret and argue that it is some kind of deduction from Murphy’s Law, meaning: it will always come worse than you think. How did you come up with that term and is there a specific story or meaning behind it?

Good evening and thank you all for this space. Well, what can I say, we start to die from the day we are born, and usually things grow from bad to worse all the time. You’re older than you were when you started to read this sentence, and nothing can or will change it, like it or not. So, “Weather” refers to the weather of life, and even if I didn’t write any lyrics for this album, the title came to me while I was composing some music, way before it was even done.

I have written in my review that the guitars sounds – depending on the passage – abrasive, progressive and even psychedelic and so it leaves a clear mark on the album. How do the riffs and the overall guitar work develop for an album like “Worse Weather To Come”? When do you realize in the compositional process that there should exist another acoustic passage? Or that you can use, for example, a more progressive and more technical guitar element during this or that package? How may we understand the song writing process for FROSTMOON ECLIPSE? And do all members of FROSTMOON ECLIPSE work on the songs?

First of all, thank you very much for the words you used, you really understood pretty much what the music is all about. I start writing any song on acoustic guitar, so I know instinctively that some parts will stay that way. Obviously, you don’t know how a song would sound with drums and vocals, so when I come up with riffs and structures, some adjustments are needed at later stages.

I read in a couple of other reviews that “Worse Weather To Come” is considered as your most “post”-album which I would agree with, even though “post” simply means that there is a greater heterogeneity to be found on how the guitar and the drums are utilized on this album. When you listen to older albums of FROSTMOON ECLIPSE and now to “Worse Weather To Come”, concerning which elements are you actually yourself surprised that they have developed in your music? And concerning which elements are you surprised that you can find them on your early and on your later albums?

I have nothing against anything “post”, though all my influences are so very “pre” if you know what I mean, but that’s just because I am a bitter old man. When I was younger I wanted to be “Black Metal” at any cost, throwing away any riff that sounded too “death”, or “thrash” or whatever. As the years went by, I focused more on the general feeling of the music, and it looked like what was natural for me was to write “yearning”, “longing” songs... So I basically tried to filter these moods through a 90s Black Metal lens, if this makes any sense for you. Some called it “post”, and what can I say? Works for you, works for me.

Cover Frostmoon Eclipse

You have worked together with J.J. from Harakiri For The Sky for the song ,Song To Darkness’. Could you tell us how that collaboration came into being and how it then worked out concretely? Did you simply send him the song and he recorded his vocals? Or did you meet and actually work on the song together in person?

We all slept at his place after a gig in Austria some years go, and stayed friends since then. Unluckily, we couldn’t meet in person to record, so some files had to go back and forth, but he was very kind to do that anyway and we are very happy with the result. Time will tell if someday he will join us on some stage to sing his lines, we really hope so.

“Worse Weather To Come” is the first album which was released via Immortal Frost Productions. Your last album “The Greatest Loss” was released by Black Blood Records. Why did the label change happen and what do you expect from Immortal Frost Productions concerning your album? Where do you want to see FROSTMOON ECLIPSE develop in the near future?

I don’t want to take any shot at Black Blood which helped us in a very dark time of our band existence, but they hadn’t been that talkative for some time, so we simply had to look around. Immortal Frost has done a great job so far, he’s doing for us much more than anyone else did in the past. To me personally three versions of the vinyl was something undreamed of, and the other guys would say pretty much the same. As usual, we’ll take the future step by step, knowing that we could be dead by dawn.

I read that the name FROSTMOON ECLIPSE actually stems from an Immortal song – when you think about that nowadays, do you still have the feeling that the name of the band is an adequate representation of what you want to do in your art? Does it feel right to record music under this name?

Well, that name basically stands for “90s Black Metal” to me, so in a way it still feels right though there were bands I listened to and liked more than Immortal. I think I’d choose another name if I had to start a band today, but a director doesn’t change his name from movie to movie, nor a writer from book to book... and all in all, it’s still my music and even almost the same people! It could have been a line from “In The Nightside Eclipse” or even “Opus Nocturne”, but it turned out that the 16-year-old me on that day picked up those words, and that was it. That being said, nothing is ever carved in stone, and as I just said, no one could say what the future will bring (except bad weather, of course).

Concerning the live-front: do you have any plans to visit Austria, Germany and/or Switzerland in the near future in order to play some gigs?

We’ve been confirmed for the 2020 edition of the Under The Black Sun fest, in Germany. As for Switzerland, we’ve been there twice last summer, Forest Fest with Taake and MehSuff Fest with Watain, Amorphis and At The Gates. I think something else may happen in the future months but the best way is to check the usual social channels from time to time for any update.

Last question: what books are currently lying on your nightstand?

Maybe you were expecting some Lovecraft or Tolkien here, and they surely were there back then, big time. In the last few years anyway I’ve been very much into Cormac McCarthy (“Suttree” and “Blood Meridian” are real page turners) and of course E. Cioran: how can you possibly dislike someone who was “On The Heights Of Despair” in his early twenties?

Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung Weitere Infos

Verstanden