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#40XSEDEL – Portrait zum Jubiläum

Von der Strafanstalt zum Kulturzentrum – der SEDEL feiert sein 40-jähriges Jubiläum und wir werfen zu diesem Anlass einen Blick auf die bewegte Geschichte der legendären Luzerner Konzertlocation.

Anfangs der 1980er Jahre glich die Schweiz einem subkulturell ausgetrockneten Brachland. Die Jugendbewegungen fristeten ein Dasein in den Gassen und Kellern der Städte. Das bürgerliche Establishment hat die Aufbruchsstimmung nach den Jugendunruhen in den 1968ern erfolgreich zurückgedrängt und jeglicher Abweichung von der Norm die Relevanz abgesprochen. Diese Haltung sollte sich als Bumerang erweisen. In mehreren Schweizer Städten flammten Jugendproteste auf, so zum Beispiel in Zürich – AJZ subito, Züri brännt. In diesem Zuge erfolgte das plötzliche Einlenken der Luzerner Stadtregierung, die der Nutzung der ehemaligen Strafanstalt Sedel als Musikzentrum eine Zusage erteilte. Diesem Entscheid waren monatelange zunächst unfruchtbare Verhandlungen vorausgegangen. Der Druck kam nicht von ungefähr. Anfangs 1980 fielen ein Dutzend Proberäume eines Lagerhauses auf der Allmend einem Brand zum Opfer, die Bands standen alternativlos auf der Strasse. Zudem begann sich die Luzerner Punk-Szene zu organisieren und kulturelle Freiräume zu fordern, weg von der Straße, rein in den Club. 1981 wurde der Osttrakt nach einer Renovierung der Innenräume der Interessengemeinschaft Luzerner Musiker (ILM) übergeben. 1983 folgte nach einer Renovierung der Westtrakt. Da die Luzerner Politwelt angesichts des Tourismus und dem damit verbundenen "sauberen" Image der Stadt darauf bedacht war, dass die in den 80er-Jahren aufflammenden Jugendunruhen in Luzern gar nicht erst stattfanden, durfte schließlich das ganze Gebäude für Musikproben und Konzerte genutzt werden. Heute zählt der Verein ILM gegen 400 Mitglieder, welche in den 55 Proberäumen und Ateliers an rund 100 Musik- und Kunstprojekten arbeiten. Seit Jahrzehnten gibt es Mehrfachbelegungen und lange Wartelisten. In seiner Dimension ist der SEDEL wohl weltweit einzigartig. Jährlich finden rund 120 Fremd- und Eigenveranstaltungen im hauseigenen Club mit einer Kapazität von 250 Besucherinnen und Besuchern statt. Der Schwerpunkt der Veranstaltungen bilden dabei nebst Partys vor allem Livekonzerte im Bereich Punk, Rock, Metal, Electronica, IDM, Independent, Hip-Hop, Reggae, SKA und experimentelle zeitgenössische Musik. Der Sedel als Club hat sich über die Jahrzehnte national, wie auch international in der Musikszene einen unverfänglichen und authentischen Ruf erarbeitet.

#40XSEDEL, das 40-jährige Jubiläum! In gewohnter Manier sollte dies mit einem kräftigen Hieb in die Magengrube des Mainstreams zelebriert werden – und dann kam das Virus. Nach monatelangen Vorbereitungen hat man sich anfangs 2021 schweren Herzens dazu entschieden, die geplanten Publikumsveranstaltungen um ein Jahr zu verschieben. 2021 geht online: Am 15. April, exakt 40 Jahre nach der Schlüsselübergabe, wird die erste Folge „Potpourri – der Sedel Podcast“ ausgestrahlt; Rückblicke, Hintergründe und Aussichten von und mit den Macherinnen und Machern aus 40 Jahren Geschichte, monatlich eine neue Folge geschmückt mit einer gehörigen Portion Gossip. Weiter werden Livestream-Konzerte und im Rahmen der Möglichkeiten durchgeführte Kleinanlässe entwöhnte Kulturinteressierte durch das Jahr 2021 tragen.

Nach einer konfliktreichen, aber dennoch schönen Kindheit und einer wilden Jugend ist der SEDEL längst erwachsen geworden. Im Herzen ist er dabei stets jung, neugierig und experimentierfreudig geblieben und wenn man seinen Fuss über die Türschwelle setzt, weht einem bis heute ein leichter Duft von Anarchie entgegen.

Foto der Schlüsselübergabe: Remy Markowitsch

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