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PROTZEN OPEN AIR 2017 @ Protzen - 22.-24.06.2017

20 Jahre Protzen Open Air! Doch entgegen des Ortsnamens gehen es die Macher das Fest ganz bescheiden an, lassen es auf 1.000 Karten limitiert und spendieren den Fans einmalig eine Zeltbühne und den bespielten Donnerstag. Und wer Zweifel hatte: Das passt! Die Banger nehmen die Tentstage gut an, die Bands rocken wie der 1. FC Union die anderen beim 8:0. Und vor allem: Es ist wie immer: gemütlich, geile Stände (Stände!), mit jeder Menge guter Laune und noch besserer Musik mit gutem Sound. Danke Andrea, danke Mario, danke Atzek – und auf weitere 20, ach was 100 Jahre.

20 Jahre breitbeiniger Death, lecker Keks – und ein Atomschlag

Am Donnerstag melden die Korrespondenten echtes Scheißwetter und dennoch extrem gut gelaunte Menschen. Den Anfang machen die KAMIKAZE KINGS für die staugeplagten BLACK MOOD. Neon-Netzhemden und pink-regenbogenfarben gekleidete Tänzerin ließen an den Schlager-Move denken – aber es rockt und rollt, sodass das Publikum nicht nur wegen des Regens ins Zelt kommt. Anschließend golfen die Gnadenlos-Groover GORLLIA MONSOON – und lochen grandios ein. Wenn das der Stalin hätte sehen können. Inzwischen sind auch BLACK MOOD angekommen und legen sludgig nach – nicht typisch für das POA, aber geil. Sagt er Korrespondent. Der anschließend mit neuen Freunden in einem Zelt sitzt und feiert. Draußen geht der Regen unaufhörlich hernieder – doch das Schöne an so einem kleinen Festival: Das Wasser kann auch abfließen. Wer also Matsch sucht, muss eben nach Wacken und Co.

Dennoch: Graue Wolken über dem gut begehbaren Gelände wirken nicht sonderlich einladend, aber das Wetter ist ab Freitag sowieso wichtig, zumal die Bands auch im Hangar musizieren. Außerdem wird es sowieso besser. Und die Mucke bleibt lässig bis mega. Als Opener spielten die Rhein-Neckar-Löwen von INTO DARKNESS anstelle von Terrible Sickness, die auf den Sonnabend rutschen. Im Gegensatz zum super-heißen Vorjahr ist der Hangar bereits zur ersten Band tüchtig frequentiert, so dass die Deather mit der mehr als soliden Show sicherlich den ein oder anderen Fan dazu gewinnen.

Genau wie ARROGANZ aus Cottbus – da ist der Name kein Programm. Die schwarzen Brandenburger sind live enorm gewachsen (zuletzt gesehen vor Jahren als Vorband von Negator in Hamburg-Altona – kein Vergleich!), profitieren merklich vom (übers gesamte Festival in beiden „Locations“ fast immer phänomenalen Sound) und überzeugen auf ganzer Linie. Die nunmehr beglatzten Stammgäste SABIENDAS tun das, was sie können – geilen Death Metal zocken. Da kommen sich die Leute vor wie im schönsten Schloss des Metal!

Für die längst abgesagten Dehuman kommen die BEARDED BASTARDS im Zelt zum Einsatz. Zum Glück sehen sie nicht aus wie eine Hamburger Hipster-Band, sondern wie echte Metaller, die auch ohne Todesblei nicht auskommen.

Zurück im Hangar steht da ein Keks mit Sonnenbrille und Girlande um den Hals auf der Bühne. Geht der Mann mit den giftgrünen Patches etwa auch als Blumenking zum Schlager-Move? Wie weit gefehlt diese Vermutung ist, beweist er schon mit seinem ersten Ton für HARMONY DIES. Hier ist der Name Programm, denn der durchaus anspruchsvollere Death Metal verlangt nicht nur technisch von den Musikern einiges, sondern auch von den Zuschauer jede Menge Verständnis. Haben die meisten auch, wenngleich der Zuschauerzuspruch nicht so groß ist, wie erwartet. Rummst aber.

Es folgt, ganz persönlich bewertet, die Band des Festivals. ATOMWINTER aus der Studentenstadt Göttingen und Umland beweisen, dass dort in Südniedersachsen nicht nur Jazz ein Zuhause hat. Der irre Olle (warum der Holzschneider heißt und nicht mindestens Bolzenschneider) macht es allen mit Zunge und grunzt-bellt-keift, was das Zeug hält. Dass das Zelt stehen bleibt, ist bei dieser monströsen Energie ein wahres Wunder. Geiler Schlag, ATOMWINTER!

Zurück im Hanger sorgen DECEMBRE NOIR für die nötige Entspannung nach diesem Monster-Gig. Was aber nicht heißen soll, dass die Jungs mit ihrem langsamen Gothic Death Metal irgendwie enttäuschen. Natürlich passiert auf der Bühne nicht so viel, natürlich ist das eine ganz andere Härte, aber wer Paradise Lost mag, muss die Thüringer lieben. Der gefühlvollste Auftritt des diesjährigen POAs.

SUCCUBUS aus dem nahen Neuruppin (und mit Veranstalter Aztek halbnackt an den Drums) feiern beim 20sten Geburtstags des Festivals selbst ihren 25sten. Das tun sie mit Verve und beweisen, dass der Prophet aus der eigenen Heimat durchaus taugen kann. Old-School-Death, traditionell und rumpelig-rustikal beschließt einen flotten Dreier im Zelt.

Im Hangar tut sich dann extrem Großes. DESERTED FEAR vollbringen ein Meisterwerk. Die Thüringer sind ja für ihre sympathische Ausstrahlung bekannt, aber was sie da breitbeinig-grins-banged auf die Bühne zaubern ist ein Wunder. Das Publikum rastet komplett aus oder steht mit glückseligem Grinsen da und kann es alles gar nicht fassen. Lange nicht mehr so eine extreme Bindung zwischen Band und Fans gesehen. Mein Herren, wie gut ist das denn?!

Leidtragende sind INSIDIOUS DISEASE um den Moorgott Grewe. Wie durch einen Gesichts-Glimmer spielt die Super-Gruppe sicher solide auf, aber das DESERTED-Grinsen kloppen sie einem nicht aus dem Gesicht. Sagte ich schon, wie gut DESERTED FEAR waren...

Die hessischen Ziegenmusiker MILKING THE GOATMACHINE mähten die Wiese wie eine ganze Herde sehr ordentlich. Man muss das Konzept ja nicht lieben, aber Jungs grooven wie Hulle, und Protzen rastet einmal mehr aus. 

Gestatten, MASTER. Paule catweazelt wieder, wackelt mit dem Bart und grölt seine altbekannten Hits in die steil gehende Menge. Master sind die Motörhead des Death Metals, sie spielen im Grunde immer nur den einen Song, aber das auf unglaublich tighte Weise. Was die totale Begeisterung der Hangar-Besatzung beweist.

Wenn das alles, was vorher war, einen nicht stört, dann Herr Van Drunen von ASPHYX. Er lungert schon den ganzen Tag auf dem Gelände herum, hat entsprechend gute Laune, aber seine Stimme ist heute irgendwie schlechter zu hören. Oder habe ich Bohnen in den Ohren? Dennoch spielen die Holländer wie schon kurz zuvor im neuen Hamburger Kulturpalast einen tollen Gig. War aber auch nicht anders zu erwarten. Wenngleich der Tagessieger DESERTED FEAR heißt. Sagte ich eigentlich schon, was die für ein Konzert spielten?

Nach dem alljährlichen Frühstück am Neuruppiner See – Gruß an Gerda´s Cupcake Café starteten TERRIBLE SICKNESS den letzten POA-Tag 2017. Death und Grind und alles. Die Niedersachsen fetzen. Der Schreiber noch nicht.

Auch CRYPTIC BROOD, in Fachkreisen auch Cryptic Blood genannt überzeugen wie schon als Support von Asphyx im Hamburg. Kommt aber noch nicht an, Antenne nicht auf Empfang. Ächz.

Das ändert sich endlich mit DEMONBREED, den ehemaligen Lay Down Rotten. Eine intensive Diskussion über den „Namenswechsel“ beenden Jost und seine Jungs entsprechend. Und beginnt mit einem richtig geilen Auftritt ein Death-Metal-Feuerwerk der Extraklasse.

Und dann alles in einem Hangar. Denn nach den Hessen kommt es zum schwäbinskischen Inferno mit REVEL IN FLESH. Wenngleich sie sicher schon stärker waren, killen die Männer um Obersympathen Haubersson alles. Kein Wunder, sind sie doch „In The Name Of The Flesh“ unterwegs.

TORTURIZED testen anschließend die Tent-Stage auf Haltbarkeit – sie übersteht’s gerade so.

Und dann die Silbermedaillen-Gewinner des Festivals: Zusammen mit Revel sind FACEBREAKER auf einer Mini-Tour. Und sie haben ihren absoluten Höhepunkt in Protzen. Super-Muskelmann Bendler post, bangt und grinst jetzt mit längerem Haar, Sänger Roberth hingegen mit ganz modisch-kurzen. Was aber nix ändert, denn FACEBREAKER sind wie eine gut geölte Maschine, wenngleich der zweite Gitarrist nicht der ist, der er sein sollte. Grund: Vaterfreuden. Egal, es bleibt in der Familie. Und der Auftritt ein derart mächtiger, dass die Gänsehaut von „Zombie Flesh Cult“ noch Minuten nach dem Auftritt nicht weggehen will. Geilo. Noch besser: Die Jungs sind an der neuen Scheibe dran. Vielleicht sogar mit Tägtgren. Mal abwarten.

WOJCZECH grind-kaputten das proppenvolle Zelt, so dass selbst die alte Postmortem-Eule Marcus und Sänger Putz ihre Begeisterung kaum verbergen können. „Eat Clit Or Die“ – die holländischen PornGrinder bringen gute Laune ins Zelt. Bauen kann sich aber keiner eins, weil alle tanzen müssen. Und hüpfen. Und rennen. Enorm, was im Hangar abgeht. Krass auch der fette Sound. Heidewitzka.

Während die Oranjes also etwas stumpfere Themen wählen, geben sich ISLAY im Zelt ganz gewählt und besingen den Geist des Weines, also den des Whiskeys. Macht aber nix, schiebt dennoch wie ein Vollrausch der Death Metal der Norddeutschen.

Dann die deutschen Amon Amarth: OBSCURITY ziehen in die Schlacht. Herrlich pathetisch zelebriert Agalaz die ausnahmslosen Hits vom ‚Schicksal der Götter‘ über ‚Naglfar‘, ‚793‘, ‚Streitmacht Bergisch Land‘, ‚Vintar‘, ‚Legiones Montium‘ bis ‚Was uns bleibt‘. Fürs Fazit bleibt nur das Zitat des letzten Songs: OBSCURITY ließen den „Bergischen Hammer“ tüchtig kreisen – und die Leute machten mit.

Und jetzt rüber zu den Thüringer Urgesteinen DISASTER KFW. Sie beweisen wie schon auf ihrer aktuellen Überscheibe „Pieces“, dass sie noch lange nicht auf selbigen klassischen Friedhof gehören. Skell trümmert und schreit von hinten wie ein Berserker. Und nach kurzer Eingewöhnung füllt sich das Zelt zusehends – ein kleiner Triumphzug. Danke Zelt, danke DKFW.

Das nächste Urgestein hat es dann sogar ins Zelt geschafft. VIU DRAKH vom legendären Moonstorm-Label reunieren nach vielen Jahren. Ehrlich gesagt ohne großen Erwartungen gehen die meisten hin – und VIU DRAKH überzeugen. So kommt es, dass sogar ein gewisser Alex E. sein nicht vorhandenes Haupthaar in Reihe eins schüttelt und selig grinst. Ein mehr als solide rollender Gig in nachher proppenvollen Hangar – mal schauen, was da noch kommen mag.

Nun steigt die Spannung an. Schirenc spielte ebenfalls neulich gerade in Hamburg. Irgendwie ist der Zauber verflogen, und das liegt nicht am Martins Schnäuzer oder dem Mülltüten-Basser. Sehen aber ganz viele ganz anders und machen auch diesen PUNGENT STENCH-Erbverwalter-Gig zu einem sehr guten.

Der ungarische Sepultura-Verschnitt EKTOMORF schien nach einer ersten Hochphase in Vergessenheit zu geraten. Aber nicht in der Ostprignitz. Die Veranstalter lieben die Band - und die Leute im proppenvollen Hangar geben ihnen Recht. Frei nach dem Motto "Reißt die Hütte ab" jumpen die Fans um die Wette. Eine pfeffrige Überraschung für Kritikaster, das Paradies für Freunde des Bands - und ein innerer Triumphzug für Band und Veranstalter. 

Über MANOS teilen sich die Meinungen, die einen lachen und bangen, die anderen schütteln verständnislos den Kopf. So lassen sie Biene Maja fliegen, stecken drei Zuschauer in Pappkartons und machten ähnlich (schale?) Witze. Sei es, wie es sei: MANOS sorgen für einen absoluten Höhepunkt mit der Ehrung des Veranstalter-Trios Andrea, Mario und Atzek. Dem kann man sich, stellvertretend für das ganze Team, nur vorbehaltlos anschließen.

Und so geht ein erneut tolles Festival mit Lagerfeuer und Metal-Disco noch lange nicht zu Ende. Bleibt zu hoffen, dass es noch möglichst lange so weitergeht, dass es so bleibt, wie es ist. Und dass SOUL DEMISE nächstes Jahr wieder spielen.

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