Live

AMON AMARTH, ARCH ENEMY, HYPOCRISY @ Berlin, Ufo Im Velodrom – 04.12.2019

Der Tourtross muss in Rostock die Schwedenfähre zeitig in den frühen Morgenstunden erwischen, von daher herrscht in Berlin eine gewisse Hektik.

Das drückt sich dadurch aus, das HYPOCRISY überpünktlich auf die Bretter gehen, während vor der Halle noch hunderte Richtung Einlass drängeln. 'Fractured Millennium' wählt die Truppe als Einstieg, man zeigt sich spielfreudig und genießt sichtlich, eine große Bühne zur Verfügung zu haben. Bis auf zwei Vollgasnummern ist die Setlist allerdings den Gegebenheiten angepasst, es folgen Nummern wie 'Fire In The Sky' und 'Final Chapter', bevor der Auftritt mit einem eindrucksvoll ausgeleuchteten 'Rosevell 47' endet. Eine junge Dame aus der Schweiz, Die-Hard-Fan von Peter Tätgren und seinen Mannen hat den weiten Weg aus der Eidgenossenschaft nach Berlin auf sich genommen, um die Band hier erneut zu erleben. So fachsimpelt man ein wenig über diverse Auftritte und die Band im allgemeinen.

Deutliches Indiz der kommenden Schwedenreise der Bands ist, das bereits in der Umbaupause das Equipment direkt durch das Publikum zu einem Seiteneingang geschleppt wird und von dort in den Truck gestopft wird. ARCH ENEMY springen auf die Bühne und legen fulminant los, wobei natürlich Frontröhre Alissa White-Gluz der Blickfang ist, während auch das Gitarrenduo Michael Amott und Jeff Loomis ein ums andere Mal Szenenapplaus einheimsen kann. Allerdings will der Funke auch angesichts von Songs wie 'Ravenous' nicht wirklich überspringen, auch bei 'Under Black Flags We March' inklusive Fahnenlauf von Sängerin Alissa. Zwar geizt das Publikum nicht mit Applaus, es bilden sich aber relativ wenige Moshpits und auch Alicias Aufforderung, jetzt zu 'No Gods – No Masters' mal etwas Hüpfburg zu spielen, wird nur ein paar Augenblicke nachgekommen. Alles in allem wirkt der Auftritt zu durchchoreographiert, musikalisch zwar anspruchsvoll aber eben zu sehr auf korrekte Show getrimmt, was unter dem Strich einen sterilen Eindruck hinterlässt. Auch Equipment und Drumkit von ARCH ENEMY treten sofort den Weg in Richtung Truck an, während sich AMON AMARTH routiniert bereitmachen.

Pyrotechniker geben letzte Anweisungen und pünktlich fällt der Vorhang. Mit Knall und Feuer steigen AMON AMARTH mit 'Raven's Flight' in den Set ein und wie die Herren im Interview schon versprochen hatten, es geht um Entertainment. So knallt, kracht und brennt es in den folgenden 90 Minuten an allen nur möglichen Stellen, der Bühnenaufbau gestaltet sich spektakulär und die Band schrotet sich durch einen Set, der durch die letzten zwanzig Jahre streift. 'Runes Carved To My Memory', 'Death In Fire', 'Deceiver Of The Gods'. Auch von den neueren Alben kommen die sympathischen Schweden nicht unbedingt mit den erwarteten Nummern um die Ecke, wobei vor allem die beiden Gitarristen, Johan Söderberg und Olavi Mikkonen Akzente setzen können. Die Halle, inzwischen bis auf den letzten Platz gefüllt, geht allerdings vollkommen steil und feiert die Wikingerhorde.

Aber: Dürfen AMON AMARTH Glitzer? Was man eher bei Arch Enemy vermutet hätte, zu 'Fafnir's Gold' zünden die Mannen um Johan Hegg die Konfettikanone – allerdings nicht ohne laute Explosion. Der Drumriser in Form eines Wikingerhelms mit Hörnern gehalten, die in der Helmbrille eingelassenen Bildschirme sind der Hingucker, als bei 'The Way Of Vikings' beispielsweise ein paar Augen permanent von links nach rechts ins Publikum blicken. Johan Hegg übrigens unterhält sich problemlos auf Deutsch mit der Meute, was ihm natürlich sofort die Sympathien der Besucher zuträgt. Mit 'Perdiction Of Warfare' und 'Pursuit Of Vikings' gibt’s dann zwischen 'Raise Your Horns' und 'Guardians Of Asgaard' - mit überlebensgroßen steinernen Wächtern auf der Bühne - noch zwei ältere Nummern, bevor das Publikum von der sichtlich begeisterten Formation stilecht mit 'Twilight Of The Thunder God' inklusive Jörmungandr-Schlange zufrieden in die frostige Nacht verabschiedet wird.

Während in Berlin alles reibungslos verlaufen ist, stand das erste Date zu Hause in Schweden unter keinem guten Stern. In der Partille-Arena bei Göteborg hatte die Pyroshow von AMON AMARTH zur Folge, das direkt nach dem ersten Song 'Raven's Flight' der Feueralarm ausgelöst wurde, bei Veranstaltungen dieser Größenordnung automatisch Katastrophenalarm, weswegen die Halle prompt evakuiert wurde und sämtliche verfügbaren Feuerwehrkräfte an die Halle beordert wurden. Nicht nur einmal, übrigens – die Brandmeldeanlage war auch mit der abschließenden Nummer 'Twilight Of The Thunder God' unzufrieden, weswegen die Halle gegen Mitternacht erneut komplett geräumt werden musste. Stichelnd, wie schwedische Tageszeitungen gerne sind, titelte das Aftonbladet daraufhin gleich, AMON AMARTH wären wohl zu heiß für Göteborg!

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