Live

IHSAHN, NE OBLIVISCARIS, ASTROSAUR @ Luxor, Köln, 01.11.2018

Einige mag es verwundern, dass IHSAHN nach längerer Abstinenz wieder auf Europa-Club-Tour geht, nachdem er in der Vergangenheit nur einzelne, ausgewählte Festivalgigs gespielt hatte. Nun, er sagt selbst, dass er die Lust am Touren tatsächlich verloren hatte, es ihn nun aber doch wieder in den Fingern juckt, mit jungen, talentierten Musikern aufzutreten. Und so beginnt er überschaubar in kleineren Clubs in ganz Europa, so auch in Köln im Luxor, welches gerade einmal 500 Besucher fasst. Es ehrt den Emperor-Frontmann, dass er wieder direkt für die Fan-Basis spielt und sich auf die intime Atmosphäre kleiner Clubs einlässt, in denen er direkt mit den Reaktionen seiner Fans konfrontiert wird.

Doch den Abend eröffnen zunächst die norwegischen Landsmänner von ASTROSAUR, die bereits als Support von Leprous ein Jahr zuvor an gleicher Stelle ihren Instrumentalrock präsentiert haben. Gitarrist Eirik Kråkenes wird man später noch einmal sehen, da er bei IHSAHN an der Gitarre einspringt.

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Zunächst beginnen ASTROSAUR ihren halbstündigen Auftritt mit 'Necronauts' und 'Space Mountain', etwas längeren Post-Rock-Instrumentalstücken, die auf sphärische Klänge setzen und hier und da mit abgefahrenen Gimmicks überraschen. Besonders können die beiden Gitarristen aber beim nachfolgenden, anspruchsvollen Radiohead-Cover 'Pyramid Song' punkten. Ihsahn als großem Radiohead-Fan dürfte dies besonders gefallen. Doch auch ein neues Stück stellen ASTRSAUR vor. Es hat noch keinen Titel, aber die anwesenden Besucher quittieren es mit üppigem Applaus. Somit darf man den Auftritt durchaus als gelungen bezeichnen und dem Trio aus Oslo wünschen, dass sie eines Tages als Headliner auf dieser Bühne stehen werden.

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NE OBLIVISCARIS scheinen ein Geheimtipp zu sein, zumindest für uns Deutsche, an denen die Band bisher vorbeigegangen zu sein scheint. Die sechsköpfige Band aus Melbourne spielt progressiven Metal mit Crossover-Elementen aus verschiedenen Stilrichtungen. Sogar eine Violine kommt zum Einsatz. Doch vorab sei gesagt, dass die Band, die bereits seit 2003 ihr Unwesen treibt, ihre eigene Fan-Schar mitgebracht hat. So reist auch eine kleine Gruppe aus Rumänien der Band zu möglichst vielen Gigs hinterher.

NE OBLIVISCARIS eröffnen mit 'Devour Me, Colossus (Part I): Blackholes' vom Album „Citadel“, einem langen Stück, das von abwechslungsreichen, fast technischen Death-Metal-Parts über gediegene, melodische Passagen mit Violinen-Untermalung fast alles zu bieten hat. Wer die Band bisher nicht kannte, hat hier nur die Chance, sich einfach treiben und überraschen zu lassen. Die mitgereisten Fans sorgen natürlich für frenetische Stimmung. Würde man nach dem Applaus urteilen, müsste man meinen, dass dies bereits der Headliner sein muss. Die Vocals teilen sich Violinist Tim Charles mit Klargesang und Xenoyr mit Growlgesang.
Mit drei Songs von ihrem neuen Album „Urn“ legen NE OBLIVISCARIS nach. Die ausgedehnten, wuchtigen Nackenbrecher 'Intra Venus', 'Libera (Part I): Saturnine Spheres' und 'Libera (Part II): As Embers In Our Eyes' sorgen für kreisende Matten überall, da der fette Bass-Sound ordentlich schiebt. Immer wieder schießt Violinist und Sänger Tim über die Bühne und heizt die Stimmmung an. Als sie ihren letzten Song 'And Plague Flowers The Kaleidoscope' vom ersten Album „Portal Of I“ anstimmen, mag man kaum glauben, dass sie mit nur fünf Songs eine Stunde Spielzeit gefüllt haben. Doch so viel Kurzweil zeugt natürlich von den Qualitäten der Band, und es bleibt zu hoffen, dass der eine oder andere Festivalveranstalter sich die Herren einmal genauer anschaut.

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Gegen 22 Uhr ist es so weit, und der Meister betritt die Bühne. IHSAHN hat seine Zweitbesetzung an Live-Musikern im Gepäck, da die Erstbesetzung tatsächlich komplett verhindert ist, sei es aus familiären Gründen oder weil man mit der eigenen Band tourt. Und an der noch zu besetzenden Stelle als zweiter Gitarrist springt während dieser Tour Astrosaur-Mitglied Eirik Kråkenes ein. Die erste Gitarre spielt natürlich IHSAHN selbst. Nach kurzem Intro legen die Mannen um die Emperor-Frontlegende mit 'Lend Me The Eyes Of Millennia' und 'Arcani Imperii' von neuen Album "Ámr" los. Ohne Zweifel liegt der Fokus des Abends rein auf der Präsentation der Songs, man verzichtet auf Showelemente aller Art. Lediglich der eine oder andere Zuruf an die Fans, der sich im Eifer des Gefechts löst, findet spontan seinen Weg ins Set.
IHSAHN weiß natürlich um sein Können als Gitarrist, also legt er ordentlich mit kniffligen Tracks der Vorgängeralben nach. So reihen sich die Nackenbrecher 'Pressure', 'Hiber', 'Pulse' und das abgespacte 'Tacit 2' direkt aneinander, und die Saiten und Finger glühen, genauso wie die Augen der begeisterten Fans. Aber auch Balladen finden ihren Weg in die Setliste, allen voran natürlich das Liebeslied 'Sámr', in welchem er gleich doppelt punkten kann: mit Klargesang, den er hervorragend meistert, und mit einem berührenden Gitarrensolo, welches seinesgleichen sucht. Etwas schwieriger wird es bei 'Celestial Violence', welches eigentlich als Duett geschrieben wurde. Die klaren Parts werden auf dem Album "Arktis" von Einar Solberg gesungen. Da dieser aber mit seiner eigenen Band Leprous tourt, ändert IHSAHN das Arrangement des Liedes und singt die Clean-Vocals höchst selbst. Man merkt, dass dies eine besondere Anstrengung darstellt, da die Ballade einige emotionale, hohe Stellen enthält, die einiges an Können erfordern. Doch IHSAHN gibt sein Bestes und kann die Fans mit seiner Version überzeugen.

Mitten im Gig bei einem anspruchsvollen, schnellen Stück beginnen die Fans, Schlagzeuger Tobias Solbakk für seine Leistung mit Zurufen zu loben, was dieser mit einem breiten Grinsen quittiert. IHSAHN nutzt spontan die Gelegenheit, seine Musiker vorzustellen und geizt dabei nicht mit wertschätzenden Adjektiven.

Am Ende dauert die Show anderthalb Stunden und von allen Soloalben finden die markantesten Tracks ihren Weg ins Set, unter anderem IHSAHNs eigenes Lieblingslied 'Until I Too Dissolve'. Der Applaus und die Zugaberufe der Fans ebben nicht ab, und so gibt es mit 'Frozen Lakes On Mars', 'A Grave Inversed' und 'The Grave' gleich drei Zugaben.
Man darf also guten Gewissens festhalten, dass diese Tour keine Fehlentscheidung war, sondern einmal mehr bewiesen hat, dass die wahren Größen des Metal einfach Bestand haben, solange sie ernsthaft bei der Sache sind, und lieben, was sie tun.

Text & Fotos: Uta Arnold

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