Live, Reviews

AVATAR & HELLZAPOPPIN CIRCUS SIDESHOW & OLD KERRY MCKEE 03.04.2018, Berlin, BiNuu

AVATAR haben im Januar ihr mittlerweile siebtes Studioalbum Album „Avatar Country“ veröffentlicht und nun geht es auf Tournee, quer durch ausverkaufte Clubs. An einem ersten lauen Frühlingsabend heißt ihr Zwischenstopp Berlin, BiNuu. Schon gut eine Stunde vor Einlass stehen die Besucher in freudiger Erwartung am Eingang Schlange. Das Publikum wird heute im Avatarland begrüßt, das heißt Jahrmarktsstimmung von vorne bis hinten. Der Merchandisestand gleicht eine Schaubude, Glücksraddrehen zum Pauschalpreis und die klangtechnischen Untermalungen sind haargenau auf die Atmosphäre abgestimmt. Um dem ganzen stilecht abzurunden, haben AVATAR sich noch ganz besondere Gäste mitgebracht. Liebevoller und freakiger, im wahrsten Sinne des Wortes, kann es kaum zugehen. 

 Avatar Berlin

Die erste Attraktion des Abends ist OLD KERRY MCKEE alias Joakim Malmborg. Der kauzige Schwede mit Hang zur Kid Rock-Optik liefert eine beeindruckende Ein-Mann-Show ab. Er bedient das Schlagzeug, spielt gleichzeitig noch Gitarre sowie Mundharmonika und singt. Das erfordert ein unverrückbares Koordinations- und Konzentrationsvermögen. Wer hier natürlich noch wilde Showeinlagen erwartet, ist an der falschen Adressen. Besonnen und ruhig spielt sich OLD KERRY MCKEE durch seine stimmungsvollen American-Folk-Blues Songs. Gerade ins Träumen geraten, endet das Set nach einer knappen halben Stunde auch schon. Dem Publikum gefällt es und wird die Darbietungen mit viel Applaus gewürdigt.

Als Nächstes steht eine Darbietung ohne sonders gleichen aus dem Programm, die nichts für nervenschwache Besucher ist. HELLZAPOPPIN CIRCUS SIDESHOW sind keine Musikband, sondern eine waschechte Freakshow. Gründet, wurde das illustre Ensemble, 2008 in Dallas, Texas. Durch die Show moderiert der Zirkusdirektor Bryce "the Govna" Graves, der sämtliche Akteure des Abends gebührend vorstellt. Den Auftakt macht Short E. Dangerously, der Mann ohne Beine, der zum Aufwärmen des Publikums, einige akrobatische Einlagen zum Besten gibt. Gebannt und erstaunt feiert das Publikum die Show so richtig ab. Mit Späßen und flotten Sprüchen geht's weiter. Nächster Künstler ist Ryan Stock. Er stellt unter Beweis, wie dehnbar Nasenwand und die unteren Augenlider sind und hängt sich nach und nach Metallhaken nebst drei Kuhglocken und riesiger Bowlingkugel ran. Untermalt wird das ganz durch markiger Musik. Ein herrliches Spektakel. Nun wird es Zeit, für einen Ausflug in die Baumarktecke. Bryce Graves versenkt mal eben ein Akkubohrer in der Nase, witzelt mit Schraubenzieher umher und hält das Berliner Publikum für komplett krank, als es, nach der Meinung gefragt, lautstark dafür ist, Bryce solle sich den Schraubenzieher in die Stirn rammen. Dem einen oder anderem wird zusehends schlecht. Was veranstalten die noch alles?! Erstmal fädelt Mr. Stock einen XXL Fleischhaken durch die Nase, der zum Rachen wieder rauskommt. Na Mahlzeit. Wo gerade Essen Thema ist, kommt auch schon der nächste Künstler in den Ring. Nik Sin, der mit einer Körperhöhe von drei Fuß einer der kleinsten Männer der Welt ist, stopft ein im Vergleich dazu riesiges Luftbalonwürstchen in sich hinein. Es heißt immer, mit Messern spielt man nicht, daran halten sich HELLZAPOPPIN nicht so ganz. Im Hühnchenkostüm beginnt Ryan Stock nun im Takt der Musik mit dem Messer immer zwischen seine Finger in eine Holzplatte zu stechen, die Musik wird immer schneller, die Messer im Größer. Als Nächstes schleppen der Zirkusdirektor und sein elfiger Assistent im hübschen Rüschenschlüpfer ein Kübel mit Glasscherben herbei. Wie zum Beweis wird eine leere Weinflasche zerschlagen und noch in den Kübel getan. Short E. Dangerously ist wieder am Zuge. Die Hände sind seine Beine, denn er hat keine Beine und so läuft er mit den Handflächen durch die Scherben, es knirscht und knackt, um dann auch noch von einem kleinen Podest in die Scherben die springen. Es folgen Schwertschlucken, Krumsebelversenken und Schlagbohrereinlagen. Aber was wäre ein Baumarkt ohne Gartenabteilung mit hübschen Spielzeugen wie Rasenmäher, Kettensäge, Laubbläser. Das alles ist bestimmt nicht zum Nachmachen empfohlen und man darf bezweifeln, das Kettensägen balancieren mal olympisch wird, aber Hut ab. Zum Abschluss wird der Assistenten-Elfe noch ein Merchandisekaufen-Hinweisschild auf den Rücken getackert. Die Freakshow hat wirklich ihren Namen verdient und ist so außergewöhnlich und überraschend und überhaupt und mir ist ganz übel. Eines steht fest, der Abend wird unvergesslich werden.

Nach einer Pause ist es endlich an der Zeit, die Reises ins AVATAR-Land zu beginnen. Auf Requisiten wie Vorhang und ähnlichen Zierrat wurde diesmal verzichtet. Einzig ein riesiger Thron wird auf die Bühne geschleppt. Kein Königreich ohne König. Gitarrist Jonas Jarlsby nimmt samt Krone und Umhang platz und es folgen passenderweise ‚Glory To Our King‘ und ‚Legend of the King‘, Songs vom neuen Album. Adrett geschmiegt wie ein Zirkusclown stolziert Johannes Eckerström im schwarzen Frack mit rot, golden Streifen und obligatorischen Totenkopf besetztem Spazierstock über die Bühne. Mit ‚Let It Burn‘ gehts richtig rund. Das Berliner Publikum gibt alles, headbangt, mosht und kennt jeden Text. AVATAR sind nunmehr das dritte Mal zu Gast in Berlin und ihre Anhängerschaft hat sich zusehends vergrößert. Eine wahre Freude. Musikalisch bieten AVATAR einen bunten Mix aus Stücken aller Alben. Wie immer bereichert Vokalist Johannes Eckerström die Songs mit kleinen Anmoderationen auf Deutsch. Er schwört Stein und Bein, dass die Berliner schlechter Schwedisch sprechen können, als er Deutsch. Es folgt Song auf Song, Paint Me Red‘, ,King's Harvest‘, ,Bloody Angel‘, ,For the Swarm‘, ,The King Wants You‘. ,Puppet Show‘ beginnt Frontman Johannes mit philosophischen Worten über die Eigenschaften, die einen wahren König ausmachen. Im AVATAR-Land habe man einen richtigen König und nicht so einen Marionettenkönig der ferngesteuert ist. Mit ,Tower‘ stimmen AVATAR den wohl ruhigsten Song des Abends an und geben dem durchgeschwitztem Publikum einen kurze Verschnaufpause. Es folgen ,The Eagle Has Landed‘ und das komplett auf Deutsch getextete ,Tsar Bomba‘, dann ,Raven Wine‘ und ,Reload‘. ,Smells Like a Freakshow‘ bringt dann wieder den nachdenklichen Johannes Eckerström zutage, der darüber nachdenkt, was es heißt ein Freak zu sein, wer in der Gesellschaft eigentlich die Freaks sind. Die, auf die mit Fingern gezeigt wird, oder die, die mit Fingern auf andere zeigen. Noch drei Song zum Abfeiern, ,A Statue of the King‘, ,The King Welcomes You To Avatar Country‘ und ,Hail the Apocalypse‘, den gibts im Seifenblasenregen zum Besten. Dann fällt der Vorhang der heutigen Vorstellung. Was für eine Show.

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