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MOTÖRBLÖCK, MAD SABBATH, EXORCIST @ L.A., CHAM, 28.12.2025

Nach der großen Weihnachts-Ess- und Trink-Orgie konnten wir bereits gestern bei der ausverkaufen Tankard Show im Moshpit ein paar Kalorien verbrennen. Auch heute ist unser „zweites Wohnzimmer“ erneut mehr als gut gefüllt. Schließlich waren die bereits seit 1994 aktiven MOTÖRBLÖCK schon mehrmalig an Lemmys Todestag im L.A. zu Gast. Im Schlepptau haben sie wiederholt die Top-Ozzy/Sabbath-Coverband MAD SABBATH. Relativ kurzfristig gab es dann für heute mit EXORCIST noch lässigen Zuwachs.

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Die jungen wilden Thrasher mit Anfang 20 haben sich optisch und bzgl. Stageacting eine Menge von ganz frühen Sodom abgeschaut. Auch musikalisch wird davon, als auch von Venom, Motörhead, Tank und „Endless Pain“-Kreator, so einiges verarbeitet. Sänger Tormentor deibelt mit viel Hingabe und Attitude ins Mikro und malträtiert seinen Bass eher herrlich barbarisch als progressiv. Da heute Drummer Matthias fehlt, muss Zweitklampfer Executioner trommeln, was er trotz gelegentlichen Stressmomenten wirklich grundsolide hinbekommt. Lockenkopf Butcher klampft mit viel Drive, Aggression und Power drauf los. Nicht immer 100% tight, aber mit Leidenschaft und Spirit. Die Eigenkompositionen sind stellenweise mit oberkultigen Lyrics und Refrains versehen. Dazu gibt es auch feine Coverversionen wie z. B. `Blasphemer`und `Ausgebombt`von Sodom oder eine gekürzte Variante von `Damage Inc.`(Metallica), welcher stark der eigene Bandstempel aufgedrückt wurde. Eine tolle aufstrebende junge Band, die authentisch und mit Spaß in den Backen zu Werke geht.

MAD SABBATH waren in der Gegend schon sehr spielfreudig und sind dadurch recht „kampferprobt“. Unter idealen Sound- und Lichtbedingungen legt die Band gleich mit dem Übersong `Bark At The Moon`los. Hier klappen nicht nur bei den anwesenden Musikern, anhand des dargebotenen Solos von Gitarrist Chris, einige Kinnladen nach unten. Das folgende `I Don`t Know` bestätigt, dass das Quartett heute besonders gut drauf ist. Auch wenn man noch nie einen schlechten Gig von ihnen gesehen hat, ist heute alles arschtight und groovt wie Hölle. Es ist auch immer eine Freude, Tieftöner Kevin bei der Arbeit zuzusehen. Mit außerordentlicher Hingabe bedient er sein Instrument, ist dabei ständig in Bewegung und interagiert mit den ersten Reihen des Publikums. Kurz gesagt, hat sich der Anfangs tendenziell introvertierte Musiker zur echten Rampensau entwickelt. Mit Drummer Stefan zockt er auch noch in der an Master erinnernden Oldschool-Death Band Morfection. Und Sänger Mario, der in Zwiesel auch die kultige Ozzbar betreibt, hat sich Mimik, Gestik und Körpersprache von Ozzy so dermaßen tief verinnerlicht, dass einem einfach das Herz aufgehen muss. Nach einem aus `Crazy Train`, `Iron Maiden`und `Children Of The Grave` bestehenden Medley weiß er Sänger auch stimmlich einige Ausrufezeichen zu setzen. `Mr. Crowley`sowie das melncholische `Mama, I`m Coming Home`singt er so ergreifend, dass im Publikum nicht jedes Auge trocken bleibt. Der bzw. die ein oder andere hat hier natürlich Ozzys Abschiedsvorstellung im Hinterkopf. Ein kleines Bass- sowie Drum-Solo schafft platz zum Durchatmen bzw. Bier holen, ehe es mit `Flying High Again`und einer hypnotisch-groovenden Interpretation von `No More Tears` weiter geht. M. Turner mit seiner Rebelflag-Les Paul und dem Redneck-Style erinnert spielerisch sowie von der Aura her so dermaßen an einen jungen Zack-Wylde, dass es den Zuschauer manchmal verblüfft zurücklässt. Da musiziert jemand wirklich auf einer Ebene, die alles andere als alltäglich ist. Nach `Suicide Solution`ist es Zeit für die unvermeidlichen Kandidaten. Nach dem überall todgenudelten `Paranoid`, geben MAD SABBATH eine ganz feine Interpretation von `War Pigs`zum Besten. Der Rekord an MitsingerInnen des heutigen Abends ist erreicht. Und die Musiker schicken alle anwesenden mit einem Grinsen im Gesicht an den Getränkestand.

Nachdem die Kehle wieder mit Gerstensaft befeuchtet ist, kann der Showdown des heutigen Abends beginnen. MOTÖRBLÖCK dürften in Mitteleuropa wirklich zu den Dienstältesten Tribute-Bands gehören. Das Trio hat sich Lebensgefühl, Spirit, Aura, Stageacting – einfach alles – so dermaßen zu Eigen gemacht, dass es glaubwürdig als Lebensgefühl transportiert werden kann. Dies hebt die Musiker von anderen Motörhead-Coverbands ab, welche die Stücke zwar astrein spielen, aber nicht authentisch verkörpern können. Wie zuvor bei MAD SABBATH, meint es der Sound- und Lichtmann wirklich gut mit den Männern. Dadurch erstrahlt das Eröffnungs-Trio `Iron Fist`, `Stay Clean`und `Over The Top`gleich in vollem Glanz. Helmut „Lemmy“ Roppert ist eine charimatische Rampensau, welche während einem deutlich schneller als die Studio-Version dargebotenen `The Hammer`den Bass mit herrlicher Brutalität bearbeitet. Eines der ersten Highlights der heutigen Show! Zu `I Got Mine` von der unterbewerteten Robertson-Era, kann Gitarrist Rainer mit einer packenden Interpretation dessen Solos glänzen. Und Drummer Markus agiert nicht zur während `No Class` und `Rock `n Roll`mit ordentlichem Punch hinter der Schießbude. Interessant ist, dass sein persönlicher Still eher Mikkey Dee ähnlich wäre, er aber während den Altstücken aus der Philty-Zeit in der Lage ist, sein leicht hektisch-hyperaktives Spiel dennoch gut zu reproduzieren. Nach dem arschcoolen `Dancing On Your Grave`gibt es Frauenquote auf der Bühne. Elke Wendl (SiroFuel und Aurora Storm) gibt sich für drei Tracks die Ehre. Die mit viel Ausstrahlung und Power gesegnete Rock-Lady singt `Emergency`, `Please Don`t Touch`und vor allem `Bomber`(!!) hervorragend – weswegen sie am Ende Ihrer Performance auch wirklich frenetischen Applaus kassiert. Wow! Nach `Rock Out`gibt es ein besonderes Schmankerl. Denn auf dem etwas Vergessenen `March Or Die`finden sich vergessene Perlen wie den Boogie-Overkill `You Better Run`. Mit die größte Sternstunde der heutigen Show! `Ramones` und `In The Name Of Tragedy`schaffen danach Maximalkontrast. Dies unterstreicht wieder, dass Motörhead entgegen Vorurteilen eine nicht unterschätzende Bandbreite im Sound hatten. Anschließend darf sich mit Peter Sowade (Blacknetic) der zweite Gast die Ehre geben. `Damage Case`hat dann auch tatsächlich eine Portion Extra-Walze. `Too Late Too Late`wird anschließend wieder deutlich schneller als die Studio-Version dargeboten. Damit verpassen Motörblöck dem Lied exakt den Punch, den Motörhead in den frühen 80s Live hatten. Metallica werden dann mit `Whiplash`geehrt. Dabei ist witzig, dass Gast Peters Unterbewusstsein mal ganz kurz in Metallica-Style und -Speed zocken möchte, und dann wieder in die Rock-Variante zurückfällt. Das sind exakt die charmanten Momente einer Live-Show. `Going To Brazil`, `Killed By Death` sowie `Ace Of Spades`befriedigen anschließend die Zuschauer, welche pimär Wert auf die großen Standard-Hits legen. `We Are Motörhead`und eine alles platt machende Darbietung von `Overkill` machen den Deckel auf eine auf allen Ebenen mehr als würdige Motörhead-Tribute-Show. Danke Männer!

Text: Markus Wiesmüller
Fotos: Danny „Trabi“ Jakesch