Wir schreiben den 17. Mai, ein Samstag, Tag des ESC-Finales. Ganz Köln ist im Song Contest-Fieber. Ganz Köln? Nein, ein kleiner Club im Norden der Stadt bietet heute metalisches Kontrastprogramm. Die Heinsberger Modern Metal-Formation GHOSTHER hatte zu ihrer Orange Blackout-Tour geladen. Mit INVOKE aus dem Raum Mönchengladbach und den Niederländern von TERRADOWN waren zwei weitere interessante Bands mit von der Partie. Aufgrund der (zu) frühen Anfangszeit weiß der Schreiber dieser Zeilen leider nichts über INVOKE zu berichten, welche er blöderweise verpasst hat. Sorry dafür, wirklich jetzt. Lediglich der Abschlussapplaus zeugte davon, dass die Band durchaus abgeliefert hat.

Kommen wir also direkt zu TERRADOWN, die zwar modern gekleidet und auch entsprechend musikalisch ausgerichtet waren, allerdings durchaus Wurzeln im Thrash-Metal der Achtziger zu erkennen gaben. Man fühlte sich bisweilen doch sehr an ANTHRAX erinnert, was durchaus als Kompliment verstanden werden kann. Das „moshte“ ganz schön. Dabei boten die Niederländer durchgängig ein ordentliches Niveau. Allerdings wirkten die Songs dadurch zwar sehr homogen, aber auch ziemlich gleichbleibend, sodass die geneigte Meute ordentlich in Wallung kam, der letzte Kick jedoch ausblieb.

Kurz vor 21 Uhr, zu bester ESC-Zeit, starteten dann GHOSTHER in ihren ersten Headliner-Auftritt. Entsprechend nervös war der Beginn. Allerdings muss man dazu sagen, dass Drummer Ben und Bassist Chris erst seit März mit am Start sind und Ronnie und Stelle kurzfristig ersetzt haben. Somit brauchte es ein paar Songs, bis sich die Band aufeinander eingegroovt hatte und das Timing passte. Vor allem der neue Mann an den Fellen vermochte umgehend Eindruck beim Publikum zu hinterlassen. Der Mann kann was und fiel einigen Anwesenden positiv auf. Wer Sängerin Jenny mal live erlebt hat, weiß, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt, spricht wie ihr die Schnute gewachsen ist und auch heikle Themen beherzt anzusprechen weiß. Es geht bei ihren Ansprachen um Enttäuschung über falsche Freunde, Mobbing, Angst und Belästigung am Arbeitsplatz, sowie um das viel zu oft totgeschwiegene Thema Depression. Dabei stellt sie unmissverständlich klar, dass dies Probleme sind, die wirklich jeden betreffen können und dass statistisch jeder dritte Anwesende damit ztu kämpfen hat. Es ist wichtig darüber zu reden, und sei es auch mit der Band. Bei einem GHOSTHER-Konzert sei jeder willkommen um gemeinsam eine gute Zeit zu haben. Dafür erwarte sie aber auch, dass alle sich nach ihren Möglichkeiten einbringen. Pullover und Jacken sollen am Ende keine mehr zu sehen sein. Es ist der Schweiß, der hier regiert. Das Duschen danach soll sich ja schließlich auch lohnen. Derart animiert feierte sich das Publikum allmählich immer mehr in Rage, sang, hüpfte und schwitze, wie geheißen, was letztendlich sogar in einer „Mini- Wall Of Death“ mündete. Die Fans ließen sich nicht lumpen, waren doch einige extra aus Hamburg, Leipzig und sogar aus der Schweiz angereist. Das hätte sich die Band, laut Gespräch mit Gitarrist Andy im Anschluss des Konzerts, so im Vorfeld auch nicht träumen lassen. Höhepunkt der Setlist war der Song ‚Undertow‘, der gleich in zwei verschiedenen Varianten dargeboten wurde. Die Piano-Version kühlte die Meute zwischenzeitlich etwas runter, während die Power-Vollbedienung das reguläre Set standesgemäß beendete. Mit ‚No Gods‘ und ‚Orange Silence‘ präsentierte die Band sogar zwei bisher unveröffentlichte Songs. Und auch das Duett ‚Doomed‘, mit dem leider nicht persönlich anwesenden Björn „Speed“ Strid von SOILWORK, durfte natürlich nicht fehlen. Ebenfalls ein Muss war die obligatorische orangene Lederjacke während der beiden Zugaben ‚Mindset Baby‘ und ‚Resistance‘. Als am Ende auch der letzte Pullover gefallen und unzählige Bandshirts durchgeschwitzt waren, endete eine Show, bei der sich alle definitiv gut unterhalten gefühlt haben. Leute, das war super! Bitte mehr davon.
Georg Sturm