REZET, BATTLECREEK, TEETH OF LAMB @ L.A., CHAM – 29.05.2025
Dem Vatertag und Chamer Frühlingsfest mit hoher Trachtendichte zum Trotz, ist der außen und innen liebevoll im bis ins kleinste Detail im American Diner Style dekorierte L.A. Club bereits zwei Stunden vor Konzertbeginn angenehm gefüllt. Das hervorragende Tex-Mex Essen und die Burger, welche auch mal stolze Namen wie Chuck Norris tragen, sind neben tollem Live-Programm und der Atmosphäre sicherlich ein sehr guter Grund dafür. Für die lokale Rock- und Heavy Metal Szene ist das L.A. sowieso längst ein wichtiger und sehr beliebter Treffpunkt geworden. Hoch anzurechnen ist den Besitzern Tanja und Jürgen Wittmann, dass sie neben großen Namen auch konstant immer wieder lokale Underground Bands auftreten lassen.

Den Anfang machen heute die 2016 gegründeten Amberger Speed-Metaller TEETH OF LAMB. Mastermind, Sänger und Gitarrist Wolf J ist unglaublich fit an seinem Instrument und hat ein wirklich herausragendes Gespür für eigenständige Harmonien. Pausenlos haut er originelle, mit speziellem Melodieverständnis versehene Leads und Appreggios raus. Live würde der Band eine zweite Klampfe mit darunter gelegtem Rhythmus-Teppich, nicht nur während `Speed Or Die`, sehr gut tun. Insofern ist es schade, dass der zuletzt angeheuerte Martin Jänke nicht mehr an Bord ist. Der fehlende Riff-Unterbau schafft Live manchmal Soundlöcher. Und dies, obwohl die Band wirklich arschtight und gut eingegroovt aufspielt. TEETH OF LAMB unterstreichen ihre Eigenständigkeit im Thrash-Korsett auch durch kollektiv getragene bunte Spandex-Hosen, angepinselte Bärte sowie die LED-Anzeige auf dem Instrument von Bassist Piepsi. Die kollektiv bodenständige Haltung und Leidenschaft der Band punktet heute trotz während der ersten Sethälfte noch nicht optimal gefüllten Konzerthalle. Eine kurzweilige, tighte und spielfreudige Show!

Die folgenden, bereits seit mehr als 20 Jahre aktiven BATTLECREEK aus dem Eck Traunstein, gelten neben Antipeewee aktuell zurecht zu den besten Süddeutschen Thrash-Bands der neueren Generation. Das Quartett wütet vom Opener `Slaughter In The Water` an kollektiv nonstop wie von der Tarantel gestochen über die Bühnenbretter. Und dies mit dermaßen viel positiver Energie und Spaß an der Sache, dass ihnen das Chamer Publikum wirklich aus der Hand frisst Der erste große Moshpit startet dann zu `King Of Rats`, was Bassist Nodeng mit einem breiten Grinsen quittiert. Die Bayern sind Meister darin, technisch anspruchsvolle und dennoch stets auf den Punkt kommende Songs zu schreiben, welche Live hervorragend funktionieren. `Fuck The Demon` ist hier ein gutes Beispiel dafür. BATTLECREEK versprühen authentisch den Spirit, eine wirklich eingeschworene Einheit von Kumpels zu sein. Und Humor wird trotz aller Thrash Credibility bei diesen Herren stets sehr groß geschrieben. Deshalb stehen inhaltlich erste Themen wie `Hell In A Cell` neben Spaßgranaten wie `Gremlins Hammer`. Und das witzige Merch spricht ebenfalls Bände! Diese Show würde auch ohne Luftballon-Kick Game oder spielendes starten eines Circle-Pits im Publikum durch Bassist Andreas und Klampfer Chris während dem Rausschmeißer `Redneck Riot` noch lange im Gedächtnis bleiben. Thrash with class!

Die Schleswiger Nordlichter REZET sind genauso lange wie ihre vorherigen Bayerischen Kollegen aktiv und aktuell als Headliner unterwegs, um ihre neue selbstbetitelte, starke scheibe zu promoten. The Total Thrash Dokumentation sowie der Zuspruch von Szene-Gurus wie Schmier (Destruction), mag den Jungs dabei durchaus einen kleinen Bekanntheits-Schub verpasst haben. Ebenso hilfreich sind die Live-Dienste der Musiker bei Violent Force. Bis auf den auch bei Traitor und Hate Squad aktiven Basser Lorenz, wählen heute alle Hemd. Wobei sich Rhythmus-Gitarrist und Sänger Ricky nicht nehmen lässt, dieses mit Patronengurt und weißen Chucks zu kombinieren. Bzgl. Performance und Stageacting erinnert dieser nicht nur wegen der Flying-V Axt, manchmal an einen jungen wilden Dave Mustaine. Mimik und wilde „Riffinesse“ sind hier ebenfalls in einer ähnlichen Kategorie. Was ausdrücklich als Kompliment zu verstehen ist! Während der ersten zwei Songs haben die Thrasher mit etwas breiigem Sound zu kämpfen. Während `Reality Is A Lie` und dem geilen `Minority Erazer` bessert sich dies glücklicherweise. Nach dem furiosen `Truth In Between` und `Dead End Walking`, darf der Bulgarische Lead-Klampfer Nikolay dann ein kleines Gitarren-Solo zum Besten geben. REZET treffen Live am besten ins Schwarze, wenn sie im oberen Spektrum des Midtempos agieren und ihre an die „Fabulous Desaster“ Phase von Exodus erinnernden Killer-Riffs raushauen. Wo BATTLECREEK im ICE-Tempo siegten, fahren REZET in der Schädelspalt-Riff-Disziplin ihren Triumphzug ein. Größtes Highlight ist dennoch das schnelle `Dead City` zum Ende des Sets. Was für ein Hit! Wenn REZET so weitermachen, werden Sie schon sehr bald zu den besten neueren TOP3 Thrash Acts aus deutschen Landen aufsteigen.
Text: Markus Wiesmüller
Fotos: Danny „Trabi“ Jakesch