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KREATOR, DESTRUCTION, TANKARD @ Kloster Schiffenberg, Gießen - 22.08.2025

Die Klosteranlage auf dem Gießener Hausberg, dem Schiffenberg wurde bereits 1129 erstmals urkundlich erwähnt und ist dann über Jahrhunderte gewachsen. Bis zur Reformation hatte der Deutsche Orden hier seinen Sitz. Danach wird das Anwesen zum Wirtschaftshof, verarmt dann und Teile der Sakralbauten verfallen, bis die Kirche den Ort erneut zugeschlagen bekommt. In der heutigen Zeit ist die Stadt Gießen dafür zuständig, die Gebäude sind über Jahrzehnte jetzt detailgenau restauriert worden und seit einigen Jahren findet hier der Gießener Kultursommer statt.

Clevere Lösung: Am Berg sind Stellplätze fürs heilige Blech begrenzt, also hat man an der Uni die Parkplätze geöffnet und bietet einen kostenlosen Bus Shuttle-Service an, der die Besucher dann in kurzen Abständen bis direkt vor den Einlass befördert und da auskippt. Stilecht durch die Klosterpforte getreten befindet man sich in einem wunderschönen Biergarten mit riesigen Kastanien, unter denen Fressbuden und Gastronomie ihren Platz finden - mittig vor das alte Kirchenschiff hat man die enorm hohe Bühne gebaut.

Tankard Collage Reordered

TANKARD klettern dann pünktlich zum Startschuss auf selbige und legen mit 'One Foot In The Grave' und 'The Morning After' los. Vom ersten Moment an ist der Truppe anzusehen, wie viel Spass ihnen der Auftritt mit den anderen zwei Urgesteinen des deutschen Thrash Metal heute bereitet. Sänger Gerre fegt über die Bühne, wie man es von ihm gewohnt ist und sucht immer den Kontakt zum Publikum. Aber auch Gitarrist Andy bearbeitet sein Instrument zu Songs wie 'Ex-Fluencer' oder 'Beerbarians' mit dem gewohnten Grinsen im Gesicht. Neu-Trommler Gerd hingegen bekommt Sonderapplaus als er einfach aufsteht und uns sein Shirt zeigt auf dem zu lesen steht: Make Racism Wrong Again! Das Schlusstriple gehört dann den Klassikern, 'Zombie Attack', 'Chemical Invasion' und 'Empty Tankard'. Da machst du nix, still stehen ist eben nicht! Da rennst du im Kreis und schüttelst deinen Kopf. Die bis dahin recht zahlreich versammelten Zuschauer sehen das ähnlich und tun genau das. Großartiger Auftritt der Frankfurter!

Destruction Collage

Nicht lange danach, das Volk hatte inzwischen herausgefunden dass es an einer Freßbude die wohl leckersten Pommes in üppiger Menge gibt, wird das giftgrüne „Birth Of Malice“-Backdrop von DESTRUCTION hochgezogen, die andere Bühnendeko noch aufgestellt und schon geht es stilecht mit 'Curse The Gods' und 'Invicible Force' in die Vollen. Im Vergleich zum Klash Of The Ruhrpott im Vorjahr haben Schmier und seine Truppe sehr intensiv an der Bühnenperfomance gearbeitet und so kommen vereinzelte Passagen in denen Schmier, Damir und Martin ein paar Worte dreistimmig singen, extrem creepy. Ausgewogen und angenehm klar ist der Sound, der alle Instrumente deutlich hörbar macht. So werden Songs wie 'Life Without Sense', 'Diabolical', 'Mad Butcher' oder das Doppel vom aktuellen Album 'Destruction' und 'No Gods – No Masters' zum regelrechten Hörgenuss. Schmier sinniert derweil in  Laufe des Sets über den allerersten Klosteraufenthalt seiner Band in 43 Jahren, was ihn aber nicht davon abhält, markerschütternd zu schreien und Songs wie 'Nailed to The Cross' dennoch mit diabolischem Grinsen im Gesicht anzusagen. Das Gitarrenduo Damir und Martin tun mit ihren funkensprühenden Riffs noch ein übriges, das der Auftritt zum Triumphzug wird. So ist der Beifall groß und einige recken statt nur der Pommesgabel gleich die ganze Pommestüte in die Luft... 'Thrash 'Til Death' dann noch als passenden Abschluss runtergerissen und das Volk ist mehr als nur zufrieden.

Kreator Collage

Das ist nicht übertrieben, egal wo man sich auf dem Festival-Gelände rumtreibt, man blickt in lachende und zufriedene Gesichter. Vielen älteren Semestern, die in den Achtzigern schon die gleichen Klamotten und Accesoires mit sich herumgeschleppt haben, stellt der Abend auffällig viele Kids zur Seite, die den Thrash Metal noch nicht lange für sich entdeckt haben und die für wilde Stimmung im Mosh-Pit und beim Stagediven sorgen. Die Lebendigkeit dieser Szene hier zu erleben, tut wirklich gut. Wolkenverhangene Dunkelheit legt sich über den Klosterberg, die Bühne ist mit dem KREATOR Logo verhüllt. Als nach dem Maiden-Einlauf-Song 'Run To The Hills' dann das 'The Patriarch'-Intro in 'Violent Revolution' übergeht, gibt es vor der Bühne kein Halten mehr. Es ist der letzte Tag der Sommer-Tour, die Band hat die Setliste nochmals durcheinander geworfen und schon beim 'Enemy Of God' und 'Hail To The Hordes' ist sichtbar, die Band ist supertight aufeinander eingespielt, Mille extrem gut gelaunt und mit Honigkuchenpferd-Grinsen im Gesicht, das hier kann nur gut werden. Wird es auch: 'Betrayer', 'People Of The Lie' und 'Love Us Or Hate Us' als Old-School-Block in aggressivem Rot und ein kantig-boshaft runtergerissenes 'Phobia' gleich hintendran. Alles gezielt untermalt mit Feuersäulen, Nebel und Funkenregen. Dabei kann man eine Band beobachten, die mit sichtlich viel Spaß über die Bühne fegt. Allen voran ist Frédéric, der Bassist, der nie stillsteht, immer irgendwo rumturnt und Kontakt zu den Fans sucht. Aber auch Sami wandert über die Bühne, feixt mit und über seine Bandkollegen und ist erfreut über die euphorischen Reaktionen der vieltausendköpfigen Menge, die ausgelassen herumtobt. Nur ein bisschen schade, das Ventor seine Schlagzeugburg so um sich herumgebaut hat, dass von ihm nur selten was zu sehen ist. Dann watscheln die zwei KREATOR-Figuren mit ihren Fackeln in der Hand auf die Bühne und der gute alte Sergio Corbucci ist mal wieder tot... Weiter geht's mit dem Abriss: '666 – World Divided', 'Strongest Of The Strong' und 'Hordes Of Chaos'. Dann sind brennende Torsos visueller Effekt bei 'Phantom Antichrist' und es ist schön zu hören, das wieder ein Song dieses bockstarken Albums den Weg in den Set der Band gefunden hat. Auch Mille sinniert in seinen Ansagen immer wieder über das Kloster-Thema, dessen Wirkung sich scheinbar keiner der Musiker entziehen kann... Zudem kündigt er unter großem Beifall für den kommenden Januar ein neues Album an. Nach 'Satan Is Real' gibt’s noch zwei Klopper aus den Anfangstagen, in denen man die Truppe so ohne weiteres wohl nicht in Sakralbauten gelassen hätte: 'Flag Of Hate' und 'Pleasure To Kill'. Ende. Grandiose Show! Zur Verabschiedung klettert dann auch Ventor hinter seiner Burg hervor und verteilt ein paar Drumsticks. Währenddessen sammelt Frédéric noch alles an Setlistzetteln, Plektren und sonstiges Zeug von der Bühne und verschenkt es an die Leute in den ersten Reihen. Welch ein Abend. Um das Kloster-Ding noch mal aufzugreifen. Einige Stunden Einkehr bei sinnstiftender Musik, bevor vor der Klosterpforte dann die wie auch immer geartete Normalität wartet. Wird früher auch nicht so arg viel anders gewesen sein...

Fotos & Text: Wedekind Gisbertson