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VICIOUS RUMORS, WANTED INC., TEETH OF LAMB @ L.A., CHAM, 09.05.2026

Der heutige Samstagabend startet sonnig, aber kühl. Dennoch lassen es sich viele Anwesende nicht nehmen, vor Konzertbeginn bei Speis und Trank vor dem schönen American Diner/Roadhouse Venue zu sitzen. Bei ultra-entspannter Wohlfühl-Atmosphäre sitzen Bands und Fans Seite an Seite. Urmitglied Geoff Thorpe betont, sich pudelwohl in der Location zu fühlen, lobt die Bandbetreuung, das Essen sowie Kleinigkeiten wir die hübschen Hardtickets des L.A. Cham. Die Band macht auch noch vor lässiger US-Kulisse ein Foto-Shooting. Dennoch finden sich heute leider nicht ganz so viele Besucher in Cham ein, wie man es anhand Wochenendes und so einem Hochkaräter wie VICIOUS RUMORS erwartet hätte. Schade! Damit sind wir aber wirklich schon beim einzigen Kritikpunkt des heutigen Abends angekommen.

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TEETH OF LAMB juckt die nur halb gefüllte Halle aber nicht die Bohne. Die 2016 von Mastermind Wolfgang (Gitarre, Gesang) ursprünglich als Instrumental-Projekt gegründete Combo zockt astreinen Speed-/Thrash-Metal. Allerdings oft eigenständig unkonventionell und extravagant. Zum einen ist Wolfgang ein echter Virtuose an der Axt, der gerne abgefahrene Leads, Arpeggios und andere Akrobatik zelebriert. Zum anderen hört das Trio unüberhörbar gerne Black Metal und Düstermucke, was sich in Melodieverständnis und Harmonien deutlich niederschlägt. Vom Outfit, Stage-Acting und Songwriting ist man durch die Bank um Individualität bemüht. Kürzlich wurde mit „Deathward“ auch eine sehr gute Platte veröffentlicht. Die Amberger haben sich im Vergleich zu vorherigen Shows der letzten Jahre weiter gesteigert und sind mittlerweile weit mehr als nur irgendein beliebiger Anheizer. Allerdings wiederholt sich der Rezensent in einem Punkt: Live würde der Band ein zweiter Gitarrist, welcher ein fettes Rhythmus-Fundament unter das geniale Gefrickel von Wolfgang legt, verdammt guttun. Die Messlatte ist nun verdammt hoch gelegt für die folgenden WANTED INC.
Diese Männer haben es nicht weit, sondern können vom Band-Hauptquartier quasi fast zu Fuss anreisen. Deswegen finden sich auch gleich vom ersten Song an einige Diehard Supporter verschiedenster Altersklassen vor der Bühne ein. Einige davon sogar incl. WANTEC INC. Backpatch. So muss das sein! Witzigerweise gibt es in der Musikalischen Vergangenheit der Musiker, welche bei TEETH OF LAMB und WANTED INC. spielen gewisse Verflechtungen. Die Chamer gehen direkter, schnörkelloser und Riff lastiger zu Werke. Von der Urbesetzung ist nur noch Drummer Hannes Waschler übrig, welcher sein Kit mit so viel Punch verdrischt, als gäbe es kein Morgen. So muss das sein! Sänger Flo wirkt im Vergleich zu seinen Bandkollegen nicht wie die Hardcore-Metalhead, kann aber mit seiner unbekümmerten, bodenständigen Art dann dennoch beim Publikum punkten. Die Gitarrenfraktion ist ständig in Bewegung, wechselt die Bühnenseiten, post sich zu und spielt arschtight zusammen. Last but not least sei erwähnt, dass der Jungspund am Bass, welcher heut seinen ersten Auftritt hat, seine Sache wirklich gut macht. Eine gute Show, welche aber im Vergleich mit TEETH OF LAMB knapp den Kürzeren zieht.

Die 1979 gegründeten VICIOUS RUMORS sind ein Paradebeispiel für gleichermaßen harten wie melodischen, kitschfreien US-Power-Metal mit dicken Eiern und Attitüde. Der Fünfer steigt fulminant mit dem Duo `Bloodbath`/`Abandoned`in das Set ein. Der Sound ist schön laut, druckvoll und gut ausbalanciert. Sänger Brian hat von Kopf bis Fuß das Klischee eines Heavy Metal Sänger Outfits verinnerlicht und geht mit sehr viel Leidenschaft und Power zu Werke. Es ist eine Freude Bandkopf Geoff bei der Arbeit zuzusehen. Mit wieviel Leidenschaft und Inbrunst er nicht nur während `Only Live Twice`, `March Or Die` sowie dem Klassiker `Digital Dictator` Gitarre spielt, während Solos Grimassen schneidet und mit jeder Faser seines Körpers in seinem Element ist. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, dass es ein bisschen traurig ist das die Amis heute nicht ausverkauft haben. Anhand dieser Live-Qualitäten wäre dies mehr als verdient gewesen. Drummer Wyatt Cooper gibt zur heutigen Show seinen Live-Einstand, nachdem Urdrummer Larry Howe nach Äußerungen zum Thema Trump aus der Band entfernt wurde. Über den Hintergrund hierzu sowie den Zickzack-Kurs im Vorfeld packen wir mal den Mantel des Schweigens und lassen stattdessen lieber die Musik und das heutige Konzert sprechen. Jedenfalls macht Wyatt, Bruder des Gitarristen Denver, seine Sache verdammt gut. Mr. Cooper an der zweiten Klampfe spielt astrein auf, feuert teilweise sehr komplexe Soli mit Leichtigkeit ab und hält immer wieder Blickkontakt mit seinem Bruder. Wie zuvor bei `Digital Dictator`, flippt das Publikum bei den Klassikern `Murder`sowie `On The Edge` wieder besonders aus. Ziemlich die höchste Dichte an Bangern und Mitsingern heute Abend. `Ship Of Fools`sowie das folgende `Dogs Of War`können dieses Stimmungslevel halten. `Crack The Sky` repräsentiert neben dem Konzert-Opener anschließend nochmals die aktuelle, bockstarke Platte. Der schwedische Bassist Robin (Ex-Air Raid) weiß mit seinem kreativen, nicht nur mit den Gitarren mitlaufendem Spiel dem Idealen Tiefton-Teppich unter die beiden Saitenhexer zu setzen. Der gute ist Live eine wirkliche Bereicherung und wird hoffentlich dauerhaft im Line-up bleiben können. Während dem Hit `Down To The Temple` bekommt Geoff leider Probleme mit seinem Gitarren-Amp. Deswegen ist er während `Hellraiser`nur teilweise zu hören. `Der Übersong `Solders Of The Night` muss dann mit nur einer Gitarre dargeboten werden, weswegen VICIOUS RUMORS dann notgedrungen die Notbremse ziehen und das eigentlich noch folgende `Don`t Wait For Me` sowie mögliche Zugaben nicht mehr zum Besten geben können. Damit geht eine sehr intensive, beeindruckende Show leider schon nach einer guten Stunde zu Ende. Zwischen den Zeilen blitzt zum Konzertende durch, dass VICIOUS RUMORS möglicherweise nicht mehr ewig weiter machen werden. Ein Grund mehr, sich die Band bei den nächsten Gelegenheiten unbedingt noch mal anzuschauen. Anhand der heutigen Machtdemonstration hätten die Kalifornischen US-Power Metal Großmeister weit mehr Support und Aufmerksamkeit verdient. Am besten nehmen Iron Maiden oder Judas Priest mal so eine Band statt Weichspül-Combos wie Powerwolf oder Lord Of The Lost mit auf Tour. Man wird ja noch hoffen dürfen.

Text: Markus Wiesmüller
Fotos: Danny “Trabi” Jakesch