LOST SANCTUARY, MOTORJESUS @ L.A., CHAM – 21.11.2025
Im Vergleich zum gestrigen Outlaw Gastspiel von Vinnie Stigma, welches definitiv mehr Besucher verdient gehabt hätte, ist es am heutigen Freitagabend deutlich voller im zweiten Wohnzimmer alias L.A. Cham. Die gemütliche Atmosphäre im Diner-Bereich packt uns auch heute, weswegen Nahrungsaufnahme dort vor Konzertbeginn erneut obligatorisch ist. Es würde sich ja schon rein wegen Essen und Ambiente ein Abstecher nach Cham lohnen. Heute stehen aber auch noch zwei hochkarätige starke Live-Bands auf der Bühne. Besser kann man das Wochenende eigentlich nicht einläuten.

Den Anfang machen die Nordlichter LOST SANCTUARY, dessen HQ offiziell in Bremen ist, wobei Mastermind Dan Baune ja aus Niedersachsen kommt. Schon vom Opener `Chasing The Dragon`macht das melodischen Heavy/Thrash-Metal zockende Quartett sofort klar, dass wir hier von weit mehr als einem halbgaren Anheizer sprechen. Was hier an Spielerischem Können, Stage-Acting und musikalischer Klasse aufgefahren wird, hat mindestens Co-Headliner-Qualitäten. Die Band ist bestens eingespielt, klingt wirklich arschtight und insbesondere die tolle Stimme von Dan, welche wirklich in allen Tonlagen voll überzeugt, weiß richtig zu fesseln. Nicht nur `Cosmic Serenadee`, `Calloused Heart` und eine bockstarkes Ozzy-Verbeugung (`Bark At The Moon`) werden hier mit einer Spielfreude und Herzblut dargeboten, die wirklich nicht alltäglich ist. Wie intensiv Lead-Gitarrist Oli das Jake E. Lee Solo beim Cover interpretiert, klappt die Kinnladen einiger anwesender Musiker nach unten. Während `Not Alone`, `Open Your Eyes`und `Lamia`s Call`geht das Publikum insbesondere in den ersten Reihen immer mehr aus sich heraus und die Dichte an Headbangern nimmt stetig zu. Die Bass-Fraktion hält sich heute Abend gegen die restlichen Rampensäue etwas zurück. Die Performance des Tieftöners ist allerdings richtig geil. Hier wird auch gerne mal zwischen Plektron und Zupfen hin und her gewechselt. Witzig ist, dass die ersten Ansagen auf Deutsch gehalten werden – und dann wegen möglicherweise nicht deutschsprachigen plötzlich geswitcht wird. Der Hit `Eye Of The Storm` macht den Deckel auf einen Gig, der wirklich alle anwesenden auf ideale Betriebstemperatur gebracht hat.

Nach einer angenehm kurzen Umbaupause, darf nun NRW auf die Bühnenbretter. Die Mönchengladbacher sind Kampf- und Bühnenerprobt – es eilt ihnen sowieso der Ruf voraus Live noch besser als auf Platte zu sein. Nächstes Jahr feiern MOTORJESUS, welche von unserem Fotografen auch gerne süffisant „Moderjesus“ genannt werden, bereits ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Und dabei rechnen wir jetzt mal die vorhergehenden Zeiten als The Shitheadz mal gar nicht mit. Die Show wird mit `Trouble In Motor City` sowie `Dead Army`eingeläutet und siehe da – Cham frist den Hi-Octane Rockern mit Metal-Kante sofort aus der Hand. Gründungsmitglied und Klampfer Andreas ist in eine hübsche mit Automobil-Marken bestückte Jeans-Weste gehüllt und trägt mit Stolz einen wunderschönen Fuchsschwanz am Gürtel. Sänger Chris ist über die Jahre immer mehr als Frontmann gereift und weiß mit natürlicher Bühnenpräsenz und sehr kraftvollen, mitreißendem Gesang zu begeistern. Manchmal selbstironisch, manchmal die Rocksau spielend, dirigiert er das Publikum durch starke Songs wie `Somewhere From Beyond` und `Fist Of The Dragon`. Letzteres wird den 80s-Actionfilm Helden gewidmet und Mr. Birx zeigt nicht ohne Stolz die Rückseite seiner Kutte mit Robocop Backpatch. In Verbindung damit, dass die 80s doch viel geiler als alles jetzt waren, lässt er uns wissen, dass die lange Fahrt nach Bayern als auf 50 zugehender hart ist und sein Arsch platt gesessen ist. Bei einem süffisanten „jammer nicht so viel“ aus dem Publikum ist nichts anders als kollektives Gelächter auf und vor der Bühne angesagt. Als Deko Onstage stehen brennente Reifen-Banner, Benzinkanister und es fliegt auch mal ein aufblasbarer Goodyear-Tyre zum spielen in den Moshpit. Die Setlist ist recht schön quer durch alle Alben ausbalanciert. `Hellbreaker` ist ein kampferprobter Gassenhauer, nach dem direkt `Fuel The Warmachine` abgefeuert wird. Vor `King Of The Dead End Road` fragt Chris, ob ein Drummer im Publikum anwesend ist. Ein mutiger schlurft auf die Bühne und darf an der Cowbell einen Gastbeitrag leisten. Das macht der kräftige Herr auch hervorragend – bekommt aber zum Ende neben einem Danke trotzdem ein „wir haben noch auf den Prog-Part am Ende gewartet“ ein Späßchen ab. Die etwas melodischere Ausrichtung der neuen geilen Platte „Streets Of Fire“ funktioniert auch Live hervorragend. Dies beweisen nicht nur die sehr melodischen Seelenbalsam Lead Gitarren bei Darbietung des Tiiteltracks. Nach `Motor Discipline` feuern MOTORJESUS den wohl größten Hit des neuen Longplayers ab. `They Don`t Die`kann auch heute Abend als eines der Highlights des Konzertes gesehen werden. Während `A New War`und `Nitro`scheinen Band sowie Publikum ein klein wenig vom Gas zu gehen und durchzuschnaufen, ehe mit dem Smasher `The Howling` wieder massivst mitgesungen und durchgedreht wird. `Car Wars`sowie das Altstück `Destroyer` machen den Deckel auf eine perfekte Headliner-Show. Da haben die NRWler heute eine Menge positive Energie in der Oberpfalz versprüht. Weiter so Jungs!
Text: Markus Wiesmüller
Fotos: Danny „Trabi“ Jakesch
