LEGACY - The Voice from the Darkside

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AETHERNAEUM

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Sinnbildliche Brandstifter

 

Nach dem eher puristischen Erstling „Die Rückkehr ins Goldene Zeitalter“ legt Alexander Paul Blake - der dem Projekt mit AETHERNAEUM einen neuen Namen verpasst hat - mit „Wanderungen durch den Daemmerwald“ ein Album vor, das ausgereifter und mit viel Liebe zu atmosphärischen Details arrangiert ist.

 

War es für dich ein bewusster Schritt, dem eher schroffen und spontanen Debüt ein so sorgfältig arrangiertes Werk folgen zu lassen? Oder ergab sich beim Schreiben neuen Materials nach und nach der Wunsch, den Entstehungsprozess dieses Mal anders anzugehen?
Mir liegt diese detailverliebte Arbeitsweise generell mehr. Bei „Die Rückkehr ins Goldene Zeitalter“ wollte ich nach vielen aufwändigen Alben mit anderen Projekten etwas ganz anderes ausprobieren, indem ich die Aufnahmen sehr puristisch belassen und den eigenen Perfektionismus zugunsten einer gewissen Atmosphäre hinten angestellt habe. Im Laufe der Zeit kam beim Hören des fertigen Materials aber immer mal wieder der Gedanke auf 'Ich kann es eigentlich viel besser', und deshalb habe ich mir diesmal keine Grenzen auferlegt, sondern innerhalb des Black Metal-Rahmens alles so weit getrieben, wie es die Songs verlangten, bis es in meinen Ohren wirklich ausgereift klang. Ich wollte ein in jeder Hinsicht sehr intensives Album machen. Das Ergebnis ist ein sehr episches, großes und tiefes Werk mit einer enormen Detailfülle, aber trotzdem einer gewissen Schroffheit. Die Arrangements sind sehr viel komplexer, teilweise hatten wir am Ende häufig um die 80 Spuren, und es war schwierig, alles hörbar zu machen, aber da nicht nur ich, sondern auch meine Mitmusiker vor Ideen nur so übersprudelten, wäre es töricht gewesen, diese nicht zu verwenden. Das ganze Album hat sehr viel mehr Zeit gekostet. „Die Rückkehr...“ war eine sehr spontane, schnelle Angelegenheit, „Wanderungen durch den Daemmerwald“ dagegen wurde über Monate hinweg immer weiter perfektioniert.

 

Die Stücke bestechen erneut durch sehr abwechslungsreiche, jedoch stimmige Strukturen, in denen es viel zu entdecken gibt. Ebenso schaffst du es, einem Track einen eher einseitigen (aber keinesfalls eintönigen) Charakter zu geben. So fällt 'Waldaura' bis auf ein Zwischenspiel eher rasant aus, während 'Zur Mittwinternacht' durchweg im epischen Tempo angesiedelt ist. Wo siehst du abseits der produktionstechnischen Seite die grundlegenden Weiterentwicklungen oder Anknüpfungspunkte gegenüber den Kompositionen auf „Die Rückkehr ins Goldene Zeitalter“?
Musikalisch ist das kommende Werk für mich eine Fortsetzung des Erstlings, denn es vereint wieder idyllische, folkloristische Passagen mit schroffem Black Metal und sehr epischen Momenten – nur dass diesmal alles bombastischer, druckvoller und mächtiger klingt. Und wie du schon selbst feststellst, einige Songs sind von der Stimmung eher geradlinig, während andere viele Wechsel beinhalten. Und noch eine Neuerung fällt mir ein: Ich glaube, die neuen Stücke sind eingängiger, zumindest haben sie – bis auf die Zwischenspiele – alle einen Chorus.

 

Auf „Wanderungen durch den Daemmerwald“ sind verschiedene Musiker zu hören; Zeus X. Machina am Schlagzeug, Aline Deinert an der Geige und Markus Freitag am Cello nanntest du mir bereits. Wer ist noch auf dem Album zu hören? Du hattest geschrieben, dass es eventuell noch zusätzlichen Gesang geben wird, und ich meine, auch mal eine weibliche Stimme vernommen zu haben?

Es war so, dass ich zunächst alle Songs im Alleingang geschrieben und arrangiert habe. Zu diesen Demos hat Zeus X. Machina dann das Schlagzeug gespielt. Als dieses editiert war, gab es die ersten Mixversionen, die schon relativ nah an den jetzigen Endversionen waren. Ein weiterer wichtiger Schritt war das Cello, gespielt von Markus Freitag. Ich finde, das Cello, das nun in allen Songs eine tragende Rolle spielt, war noch ein Element, das für zusätzliche Magie sorgt, zumal es im Black Metal nicht sehr verbreitet ist. Des Weiteren ist Finna Björnsdottir, die Bassistin und Sängerin von Kultasiipi, in drei Stücken gesanglich zu hören, Aline Deinert (Empyrium, Neun Welten) hat im 'Sonnentor' Geige gespielt, und Marco Eckstein von Eden Weint Im Grab hat noch einige Lead-Gitarren für 'Das Huegelvolk' begeisteuert.

 

Ferner soll es AETHERNAEUM mal live geben. Es ist sicher noch zu früh, um darüber zu sprechen, aber vielleicht hat sich in der Richtung schon etwas getan? Hast du bereits eine Vorstellung davon, wie AETHERNAEUM dann auf die Bühne gebracht wird?

Ja, wir werden wohl bis auf Schlagzeug und Geige in derselben Besetzung wie bei Eden Weint Im Grab auf die Bühne gehen. Die Live-Premiere findet auf dem WGT 2013 statt. Wie die Show sich dann genau gestalten wird, wird sich während der Proben zeigen, aber ich bin schon gespannt, wie die teils über zehnminütigen Songs auf der Bühne funktionieren werden. Es wird zweifelsohne eine Herausforderung.

 

Tauchen wir tiefer in „Wanderungen durch den Daemmerwald“ ein. Ist auf dem Album eine Art chronologischer Ablauf erkennbar? 'Auf den Nebelfeldern' der Stoß ins Leben, Trennung vom Geistlichen durch Stofflichkeit und doch ob der Wunder der Natur, wenn man sich ihr öffnet, die leise Ahnung, ein Sehnen bis hin zur Gewissheit, dass da mehr ist... und nicht nur das, was einst war, sondern was doch eigentlich ewig ist? Zieht sich das weitere Album über derartige zentrale Gedanken bis zum Bewusstsein der Endzeit und dem Wunsch nach einer neuen Zeit?
Das ist eine interessante Interpretation, und ich finde es wichtig, dass jeder in den Songs seinen eigenen Sinn finden kann. Daher möchte ich diesem Gedanken auch gar nicht widersprechen, wenngleich ein Konzeptalbum nicht intendiert war. Alle Songs sind für sich stehend entstanden, aber wer weiß, ob das Unbewusste vielleicht noch Ebenen ersonnen hat, die mir selbst nicht bewusst sind.

 

In 'Waldaura' heißt es „Hier draußen tobt das reine Sein“. Eine mögliche Interpretation ist, dass es keine Ablenkung der zivilisierten Welt gibt und das reine Erleben des eigenen Bewusstseins als Teil eines Ganzen im Vordergrund steht. Dann wäre die geheimnisvolle Waldfrau auch ein Teil von einem selbst, der zum Ursprung lockt, eine Metapher für die innere Stimme, von der man im Diesseits oftmals getrennt ist?
Das kann man so lesen. Aber für mich persönlich ist sie mehr. Sie ist die personifizierte Naturgewalt, eine Art Urmutter, die den Menschen zum Ursprung zurückführt. Vielleicht ein Naturgeist oder ein Wesen aus einer anderen Dimension? So geleitet sie den Protagonisten des Textes ja auch in den Tod und lässt diesen erkennen, dass es mehr gibt als das Dasein auf einer materiellen Ebene. Vielleicht ist die innere Stimme ja ein Teil des Ganzen, ein Teil, der von unserem Wachbewusstsein abgetrennt ist und noch mit allem, was ist, verbunden ist. 'Waldaura' ist für mich ein Stück über die Erkenntnis, dass der Tod nur ein Tor zu einer anderen Dimension ist – und wie schon auf „Die Rückkehr ins Goldene Zeitalter“ geht es auch hier wieder um die Einswerdung mit der Natur.

 

Wie interpretiert Alexander Paul Blake den Begriff 'Seelensteine'? Inwiefern können dies Reflexionen eigener Stationen im Diesseits sein?
Auch dies ist wieder frei interpretierbar. Für mich sagt der Begriff aus, dass alles beseelt ist – selbst die Steine tragen eine Art Seele in sich und sind nicht einfach nur leblose Materie. Der Protagonist erkennt dies, während die Waldfrau ihn durch die Unterwelt führt und ihn 'sehen' lässt, wie die Dinge wirklich sind. Da dies jedoch in menschlicher Sprache nicht auszudrücken ist, bildet die Musik eine weitere Ebene, und ich hoffe, in der Fantasie der Hörer formt sich daraus zumindest eine Ahnung...

 

Glaubst du, dass die Menschen ihr kreatives Potenzial bei Weitem nicht ausschöpfen? Wir sprachen an anderer Stelle bereits darüber, wie zum Beispiel Fernsehen die Menschen geistig verkümmern lässt. Wir sollten uns dessen (wieder) bewusster werden, oder sind wir an einem Punkt angelangt, an dem es kaum mehr ein Zurück gibt?
Ich denke schon, dass wir viel mehr kreatives Potenzial in uns tragen, als wir nutzen. Es ist doch eine bewiesene Tatsache, dass wir nicht unsere gesamte mögliche Gehirnleistung ausreizen. Ein Grund dafür sind ganz sicher die Umstände, unter denen wir leben. Die heutige westliche Gesellschaft basiert eben nicht auf Grundpfeilern wie der Entwicklung des eigenen kreativen Potenzials und spirituellem Wachstum, sondern auf gnadenloser Gewinnmaximierung – wir Menschen sind da oft nur Rädchen im System, die sich schneller und schneller drehen müssen, um nicht ausgewechselt zu werden. Da ist doch in vielen Fällen gar kein Platz für Kreativität, Kunst und Kultur. Ein Zurück bzw. Schritt vorwärts in eine bessere Welt ist immer möglich. Es liegt einzig an den Menschen selbst und daran, ob sie sich in einem Dämmerschlaf halten lassen oder ihr Schicksal in die Hand nehmen. Die Umstände machen es einem nicht einfach, etwas zu verändern, aber ich glaube nicht, dass unsere jetzige Weltordnung auf immer und ewig in Stein gemeißelt ist. Vielleicht muss das alte System auch erst zusammenbrechen, damit ein menschenfreundlicheres aus den Ruinen entstehen kann... wer weiß...

 

Nehmen wir an, die Welt stünde plötzlich ohne jegliche Elektronik da (das Szenario wurde schon in verschiedenen Dokumentationen durchgespielt) - Verurteilung zum absoluten Chaos oder doch keimende Hoffnung, dass Ursprünglichkeit wieder erwachen kann? Könnte die alte Seele, die in uns allen wohnt, wieder die Oberhand gewinnen?
Ich schätze, das würde zunächst das absolute Chaos bedeuten, da es die Menschen ja gar nicht gewöhnt sind, ohne Elektronik zu leben und komplett aufgeschmissen wären. Es würde dann sicher eine Weile dauern, bis die Menschen neue Wege finden, damit umzugehen und sich der Situation anzupassen. Aber sie würden es früher oder später sicher meistern. Das könnte ein Schritt hin zu einer gewissen Ursprünglichkeit sein, ja. Doch ich sehe die Elektronik nicht als den großen Feind, der uns von unserer Spiritualität trennt. Sie kann genauso ein Segen sein. Letzten Endes ist alle Technik etwas Neutrales, und es ist immer die Frage, was der Mensch daraus macht. Man könnte z.B. modernste Technik nutzen, um freie Energie zu gewinnen, die den Menschen und der Natur keinen Schaden mehr bereiten und unglaubliche Möglichkeiten freisetzen würde. Es gibt jede Menge solcher Patente, aber sie werden unter Verschluss gehalten, weil sich damit kein oder nur wenig Geld verdienen lässt. Diese Grundhaltung gewisser Eliten ist eher das Problem als die Technik. Und ich als technikaffiner Mensch hoffe nicht, dass uns der Supergau bevorsteht, denn dann könnte ich auch keine Alben mehr produzieren.

 

In 'Zur Mittwinternacht' begegnet uns wiederholt die Zeile „es schweigen die Feuer“ - was ist darunter zu verstehen, wenn ein Feuer schweigt?
Ich hatte während des Schreibens des Songs 'Zur Mittwinternacht' das Bild eines riesigen Feuerfeldes im Sinn – unzählige einzelne Feuer lodern in schwarzer Nacht wie bei einem überdimensionierten Sonnenwendfeuer. Das Schweigen steht in dem Zusammenhang einfach für eine Perspektive aus der Ferne. Dieses Bild war noch vor dem Song da und musste irgendwie in Worte und Musik gefasst werden.

 

Warum wurde das Zwischenstück 'Deva (Interlude)' nach 'Zur Mittwinternacht' platziert und nicht hinter 'Waldaura'?
Auch die Zwischenstücke sind für sich stehende Werke, die so angeordnet wurden, dass sie dem Fluss des Albums zuträglich sind. Sie gehören nicht zu anderen Songs des Albums. Daher habe ich mir erlaubt, sie intuitiv so anzuordnen, wie sich das für mich richtig angefühlt hat.

 

Erzähl uns doch bitte kurz etwas über den Inhalt von 'Das Hügelvolk', das mit der Zeile „Mutter Erde brennt“ endet...
'Das Hügelvolk' lässt sich lyrisch als eine Art Fortsetzung von 'Naturgeisterschauspiel' sehen, da der Song sich mit dem Wirken der Naturgeister beschäftigt, die sich vor der finsteren Energie der Menschen verstecken. Daher können wir sie nicht mehr wahrnehmen und haben sie in das Reich der Fantasie verbannt. Welcher rationale, aufgeklärte und 'vernünftige' Mensch glaubt schon noch an Naturgeister? Ich tue es und widme ihnen daher gerne den einen oder anderen Song. Dass die Mutter Erde am Schluss des Stücks brennt, ist der Dramatik geschuldet, haha, und der Tatsache, dass unter den Menschen leider viel zu viele Brandstifter zu finden sind, die unseren schönen Planeten sinnbildlich in Brand stecken...

 

Wer die Textinhalte AETHERNAEUMs verfolgt, sieht als zentrales Thema den Wunsch, die Rationalität und aufklärende Entmystifizierung der Welt verblassen zu lassen, um Wundern und der Empfänglichkeit allem gegenüber, was uns seit jeher in seiner Ursprünglichkeit umgibt, wieder die gebührende Wertigkeit einzuräumen. Ein weiterer Aspekt, der eine erneute ewige Verbindung als Teil eines wunderbaren Ganzen entgegensteht, ist die gigantische Blutspur, die abgründige Seite des menschlichen Charakters, die im Stück 'Das Sonnentor' besungen wird. Inwiefern denkst du, dass die zunehmende Zivilisation diese abgründige Seite quasi kultiviert oder heraufbeschworen hat? Höhlenmenschen haben sich sicher auch schon die Keule über den Kopf gezogen, jedoch lebten sie in einem ganz anderen - naturverbundenen und spirituellen - Kontext?
Ich bin mir da nicht sicher. Es gibt ja auch Theorien über friedliche Völker im Laufe der Menschheitsgeschichte, die es schafften, im Einklang mit der Natur und ihresgleichen zu leben. Doch sie scheinen in der Minderheit. So stellt sich die große Frage, ob der Mensch von Natur aus gewaltsam und blutrünstig ist. Ich glaube das nicht. Die große Masse der Menschen will doch nichts anderes als Frieden – sie sind vielleicht nur etwas zu faul, um dafür einzutreten. Interessant finde ich die Theorie, dass wir von Psychopathen regiert werden, da nur diese die Skrupellosigkeit haben, die nötig ist, um sprichwörtlich über Leichen hinweg an die Spitzen von Konzernen oder der Politik zu gelangen. Man müsste sie nur als solche enttarnen und entmachten. Aber klar, dadurch, dass der heutige Mensch von der Natur komplett entkoppelt ist und die technischen Möglichkeiten leider wahnsinnige Massaker ermöglichen, sind die Konflikte der Höhlenmenschen nichts im Vergleich zu unseren Kriegen und unserer ausbeuterischen Lebensweise. Doch vielleicht leben wir auch einfach alle hier auf diesem Planeten, um Verantwortung zu lernen. Ich glaube an Reinkarnation und finde die Vorstellung ganz interessant, dass das Leben hier einer Art Kindergarten entspricht, wohingegen die wirklich reifen Seelen, die gelernt haben, worauf es wirklich ankommt, in einer anderen Astralebene weitermachen dürfen – das würde doch erklären, weshalb die Menschheit nie dazu zu lernen scheint.

 

Was denkt der Romantiker Alexander Paul Blake, muss passieren, um ein Tor in ein neues Zeitalter aufstoßen zu können?
Indem alle Leute AETHERNAEUM hören und sich vom 'Sonnentor' inspirieren lassen. Bessere Vorschläge habe ich leider nicht. Ich bin kein Träumer, der glaubt, dass sich die Welt mal eben auf idealistische Weise über Nacht ändern lässt. Dazu sind langwierige Erkenntnisprozesse nötig. Aber ich glaube, dass diese Erkenntnisse mehr und mehr Menschen erreichen und dass sich schleichend und kaum wahrnehmbar durchaus etwas ändert. Ob es für den Eintritt in ein neues, besseres Zeitalter reicht, bleibt abzuwarten.

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