Stories

STONE VENGEANCE

Bereits in jungen Jahren kam der Frontmann mit Musik in Kontakt, da zuhause überall Platten von den Beatles, James Brown oder Motown rumstanden. „Mit 14 wollte ich dann unbedingt eine eigene Band gründen. Ich mochte ziemlich viel unterschiedliche Musik, aus den 50ern, 60ern oder 70ern, das waren meine Einflüsse. Ich hörte mir alles Mögliche von den Beatles über Chuck Berry, Thin Lizzy, Ted Nugent, Black Sabbath mit Ozzy Osbourne bis hinüber zu den Scorpions an. STONE VENGEANCE gründete ich dann 1977 zusammen mit Schulfreunden. Unser Bassist Anthony Starks war damals noch ziemlich jung, vier Jahre jünger als ich. Wir waren alle so um die 14 Jahre alt und hatten zunächst Bedenken, ihn mit in die Band zu nehmen, weil er noch so jung war, aber letztendlich war er doch mit dabei.“

Trotz der genannten Einflüsse entwickelte sich die Musik der Jungs aus San Francisco schnell in eine deutlich härtere Richtung. „1977 gab es natürlich noch keinen Thrash. Die erste Person, die mir gegenüber die Wörter „Thrash Metal“ erwähnte war ein Kumpel vom Radio, der damals auch das „Metal Mania“-Magazin herausbrachte. Er benutztes dieses Wort, um High Energy-Rockmusik von Gruppen wie beispielsweise uns oder Exodus zu umschreiben. Aber selbst in der Zeit von 1977 bis 1980 gab es bereits Musik, die etwas heftiger war als gewohnt. Van Halens Song 'Loss Of Control' zum Beispiel oder Ted Nugents 'Violent Love' waren ziemlich zackige Stücke oder auch Judas Priest hatten einiges auf Lager, was als Vorläufer des Thrashs bezeichnet werden kann. Als Iron Maiden dann ihre ersten Sachen veröffentlichten wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war, egal was die Leute damals in der Nachbarschaft über diese komischen schwarzen Jungs dachten, haha! Diese Musik war damals noch Underground, was uns jedoch überhaupt nicht kümmerte. Unsere eigenen Thrash-Einflüsse kommen eher von Formationen wie Motörhead oder aus dem Hardcore Punk. Selbst wenn wir uns alle noch nicht so gut kannten, waren andere Bands wie Metallica oder Slayer auf einem ähnlichen Trip wie wir: Sie hörten sich klassischen Hard Rock wie die Scorpions oder Thin Lizzy an, Gruppen der NWOBHM, Loudness aus Japan oder Hardcore-Punk. Das war nicht nur auf britische Gruppen beschränkt, auch jenseits des Atlantiks waren junge Kerle wie wir von derlei Musik beeinflusst. Wie wohl jeder andere Metalhead auch suchte ich ebenfalls ständig nach dem extremsten, härtesten Stoff überhaupt. Wann immer man merkte, dass jemand auf ähnliche Bands wie man selbst abfuhr, trat man mit demjenigen in Kontakt, um neue Gruppen entdecken zu können.“

Lektion gelernt

Folgerichtig kam dann auch der Kontakt zu diversen Größen der Bay Area – Szene zustande. „Vor ein paar Jahren plauderte ich mal wieder mit Katon von Hirax am Telefon. Ich kenne noch Craig Locicero von Forbidden oder die Jungs von Death Angel. Selbst mit Metallica bestanden damals seit ihrem Megaforce-Debüt „Kill 'Em All“ Kontakte. Einmal spielten wir zusammen mit Slayer und Trouble aus Chicago. Mit Letztgenannten teilten wir uns eine Umkleidekabine und dann kam auf einmal Lars Ulrich zu uns. Ich habe sie schon lange nicht mehr getroffen, aber ich hatte sie damals schon gesehen, als Dave Mustaine von Megadeth noch mit dabei war. Dave selbst traf ich nie, aber die anderen Jungs kannte ich damals. Ich war mal bei einem Konzert von Metallica, Exodus und Lääz Rockit, als der jetzige Metallica-Gitarrist Kirk Hammett noch bei Exodus spielte. Das waren damals alles noch nette und bodenständige Metal-Typen! Cliff Burton bspw. mochte unsere Musik wirklich sehr! Ich kann nichts Schlechtes über die Jungs erzählen, die haben sich uns gegenüber immer korrekt verhalten, das sind alles schöne Erinnerungen!“

Im Gegensatz zu den erwähnten Bay Area – Größen war STONE VENGEANCE kommerzieller Erfolg seit jeher verwehrt geblieben. Einige Gründe, wieso Michael & Co. fast zwei Dekaden benötigten, um ihr Debütalbum „To Kill Evil“ anno 1998 zu veröffentlichen, wurden im Interview in Ausgabe #111 bereits erörtert. „Wir waren jung, hegten große Hoffnungen und arbeiteten sehr hart daran, einen Deal mit einer Plattenfirma zu bekommen. Aber dann gab's immer wieder solche Geschichten wie ich sie bereits erzählt habe. Einmal erhielten wir einen Vertrag von einem Independent-Label in Los Angeles hinsichtlich des Vertriebs unserer Scheibe, die wir bereits fertig aufgenommen hatten. Ich las mir den Vertrag durch und traute meinen Augen nicht: Sie wollten 85% der Einnahmen für sich behalten, obwohl sie bis auf den Vertrieb keinerlei Arbeit mehr mit uns hatten! Für mich wäre es fair gewesen, wenn wir uns die Erlöse zur Hälfte geteilt hätten. Natürlich wollte ich als junger Musiker, dass meine Band da draußen gehört wird. Aber das hängt alles davon ab, ob man die richtigen Entscheidungen trifft. Uns lagen einige solcher Angebote vor, aber ich konnte es nicht verantworten, so etwas zu unterschreiben, denn wir wollten weder abgezockt werden noch wollte ich, dass sie denken, ich sei dumm! Wir hatten viele Anfragen von Leuten, die uns managen wollten. Aber ich meinte immer, dass dies nicht so leicht sei wie's aussieht, weswegen ich das letztlich selbst in die Hand nahm. Ich meinte zu potentiellen Kandidaten immer, dass es ihrem Ruf nicht zuträglich sei, eine schwarze Band zu managen. Sie bestritten das anfangs immer, aber wenige Zeit später hatten sie es sich anders überlegt: Sie hatten eine Lektion gelernt, die ich bereits sehr gut kannte. Wie gesagt, ich hatte mich damit abgefunden, ein Underdog zu sein. Nach all diesen Rückschlägen und gebrochenen Versprechen beschlossen wir, unsere Musik auf eigene Faust herauszubringen. Da wir über keinerlei Erfahrung diesbezüglich verfügten dauerte es natürlich eine ganze Zeit, bis wir unsere Alben veröffentlichen konnten. Ein Grund dafür, dass wir seit der 2002er Scheibe „Here Lies...Stone Vengeance“ nichts mehr herausgebracht haben, liegt indes in der Tatsache begründet, dass man älter wird und einen die Inspiration so langsam verlässt. 2012 arbeiteten wir an einer Vorproduktion für ein neues Album, aber dann verstarb meine Mutter, und ich trauerte sehr um sie, sodass meine Inspiration komplett zum Erliegen kam. An diesem Punkt in meinem Leben angekommen mache ich ausschließlich das, womit ich mich gut fühle: Und wenn dies nicht der Fall ist packe ich Dinge gar nicht erst an! Ich denke jedoch, dass ich nach diesem großen Verlust und damit einhergehend dem Schwinden meiner Inspiration mittlerweile wieder bereit bin, neue Musik zu schreiben. Wir beide, Anthony und ich, schreiben jeweils unabhängig voneinander unsere eigenen Songs. Diese Mischung ist auch sehr wichtig für mich, denn wenn nur ich Musik erschaffen würde, wäre ich sehr schnell davon gelangweilt. Wir müssen eigentlich nur noch zusammenkommen und uns gegenseitig unsere Songs vorspielen. Zuerst machen das Anthony und ich unter uns aus, dann stößt noch unser Schlagzeuger Darren Thompkins hinzu. Sicherlich kann man sagen, dass es ein weiteres STONE VENGEANCE-Album geben wird!

Eine moderne Form von Blues-Lyrics

Der Titel des Debüts „To Kill Evil“ indes lässt vermuten, dass die Band auch christliche Botschaften in ihren Texten verarbeitet. „Beim gleichnamigen Song geht es um all die Kriege und all das Böse in der Welt. Ich schrieb immer zuerst die Musik und fügte dann die Texte hinzu, die darauf aufbauten, was ich im Moment dachte oder fühlte. Die Wurzeln meiner Lyrics sind im Blues meiner Vorfahren zu finden, wo es in erster Linie um Liebe, den Teufel, Gott oder Alkohol ging. Für mich persönlich sind die Texte von STONE VENGEANCE eher eine moderne Form von Blues-Lyrics, jedoch nicht explizit christlicher Natur. Wir waren wohl eine der ersten Bands überhaupt, die Heavy Metal mit Texten spielte, die vom Christentum und dem Studieren der Bibel inspiriert waren. Aber so ist das bei schwarzen Leuten in Amerika: Sie wuchsen in Sklaverei unter dem Einfluss des Christentums auf. Wir führten diese Tradition quasi fort. In unseren Lyrics gibt’s zuhauf Metaphern, ich wollte keine oberflächlichen Texte! Das war der Anspruch, den ich an mich selber stellte. Aber wir waren damals definitiv keine christliche Band! Als wir anfingen gab's zwar christlichen Rock, aber so etwas wie christlichen Metal noch gar nicht. Wir hingegen hatten Lyrics, mit denen sich Christen identifizieren konnten. Wenig später gab's dann auf einmal dieses Genre Christian Metal. Zuvor existierten eigentlich nur Trouble, die harte Musik mit christlichen Texten spielten.“

Eine Besonderheit bei STONE VENGEANCE ist, dass die Band seit 1983 in derselben klassischen Dreier-Besetzung, bestehend aus Michael, Bassist Anthony und Schlagzeuger Darren unterwegs ist. „1977 waren noch andere Musiker mit an Bord, wir waren fünf Leute. Ursprünglich war es nie geplant, dass wir als Trio in Erscheinung treten würden. Die meisten Leute, die damals mit dabei waren, wollten jedoch in erster Linie Weiber abschleppen. Das war zwar auch meine Intention, aber ich wollte „nebenbei“ auch noch Musik spielen, haha! Wir suchten immer nach einem zweiten Gitarristen, aber viele davon riefen nur an, bekundeten Interesse und ließen sich dann nie im Proberaum blicken. Nach solch einer langen Zeit in der ich nur zusammen mit Anthony Musik gemacht hatte, beschlossen wir, als Trio weiterzumachen. Ich beschäftigte mich mehr damit, wie man Leadgitarre spielt, weil ich zuvor lediglich die Rhythmusklampfe bediente. Ursprünglich beabsichtigte ich eigentlich, nur zu singen und Rhythmusgitarre zu spielen. Aber aus der Not geboren musste ich mich quasi mit Leads anfreunden. Jedoch gibt es ja auch viele coole Trios wie beispielsweise Rush oder Black Sabbath. Letztere waren zwar zu viert, hatten aber lediglich drei Instrumente. Unser Schlagzeuger Darren schloss sich STONE VENGEANCE 1983 an. Ich kannte ihn vorher nicht, Anthony vermittelte ihn. Er war zwar ein guter Schlagzeuger, hatte jedoch kein Drumkit. Also ging ich an mein Erspartes ran und kaufte ihm eines! Wenngleich wir zuvor bereits vier, fünf Schlagzeuger hatten, hatte ich irgendwie das Gefühl, dass das klappen würde! Und wenn er uns verlassen hätte, hätte ich zumindest das Drumkit behalten können. Aber Darren blieb, haha!“

2015 wurde von HTH Records aus Russland eine wirklich gut aufgemachte STONE VENGEANCE-Compilation auf CD sowie grün-schwarzem Vinyl veröffentlicht. „Ich bin froh, dass sie diese Aufnahmen veröffentlichten, weil die originalen Tapes von damals schon so alt waren, dass sich ihre Qualität sehr verschlechtert hatte. Aber HTH haben perfekte Arbeit abgeliefert und eine Veröffentlichung mit Texten, alten Bandfotos und vielen weiteren Infos in die Wege geleitet. An so manche Dinge konnte selbst ich mich schon gar nicht mehr erinnern, haha! Ja, es gibt viele Mysterien dort in Russland! Russland und auch Deutschland unterstützten STONE VENGEANCE schon immer nach Leibeskräften. Deutschland ist ein wunderschönes Land, wo sehr nette Leute leben. Unsere Fans hatten zwanzig Jahre darauf gewartet, uns live sehen zu können. Wir liebten schon immer Deutschland, das ist wie eine zweite Heimat für uns! Wir erlebten dort eine großartige Zeit, die wir nie vergessen werden! Eure Straßen sind so sauber, das ist der Wahnsinn...wir werden definitiv wieder zu euch zurückkommen! Wir spielten 2009 und 2011 beim Metal Assault Festival, und es fühlte sich anfangs etwas komisch an, so weit weg von zuhause auf einer Bühne zu stehen. Aber noch bevor wir anfingen zu spielten hörte ich ‚STONE VENGEANCE‘-Sprechchöre und war mir sicher, dass das ein guter Abend werden würde! Da fühlten wir uns gleich wie zu Hause!“