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Derrick Green (Sepultura)

Da Derrick durchaus als „Weltenbürger“ durchgehen kann, der auch über den eigenen Tellerrand guckt (er lebte bereits in verschiedenen Ländern Europas sowie Nord- und Südamerikas), wollen wir noch kurz auf die Situation von Menschen mit schwarzer Hautfarbe in Brasilien, der Heimat SEPULTURAs, eingehen. „Schlimme Dinge wie Drogenkriminalität und Machtkämpfe zwischen verfeindeten Gangs sind hier Alltag, keine Frage. Das Ganze ist aber eine ziemlich komplexe Angelegenheit und hängt auch in gewisser Weise vom politischen System ab, das korrupt ist. Das war aber schon immer so. Eigentlich war die Gründung Brasiliens durch die Portugiesen der Startschuss für all die Probleme, die uns hier auch heute noch tangieren. Dinge, die damals passierten haben heute noch Auswirkungen. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels, denn hier hat sich mittlerweile vieles verändert. Denn die jungen Leute in diesem Land wollen Veränderung und haben die Schnauze voll von jenen alten und korrupten Politikern, die seit Ewigkeiten an der Macht sind. Mittlerweile ist der Punkt erreicht an dem sich die Menschen so nach und nach dieser Machtelite entledigen. Das dauert ziemlich lange, denn lange Zeit entwickelte sich alles in eine ziemlich beschissene Richtung. Deswegen werden grundlegende Veränderungen viel Zeit beanspruchen. Aber wenn man mit jungen Leuten von hier zusammenkommt, spürt man jene positive Energie, die Veränderung will. Natürlich gibt’s auch all die Probleme mit Gangs und Drogenbossen, die sich gegenseitig bekämpfen. Deswegen musste jüngst ja auch das Militär einschreiten. Diese Angelegenheiten tangieren die normalen Leute, weil sie beispielsweise nicht zur Arbeit gehen können, wenn ständig überall rumgeschossen wird. Das ist wirklich ein ernstes Problem! Ich hoffe, dass sich das mit der Zeit ändert. Intelligente Führungskraft kann der Gewalt Einhalt gebieten. Es gibt immer noch viele Probleme, die angepackt werden müssen!“

Die Umgebung, in der der gebürtige US-Amerikaner Derrick Green aufwuchs sowie die Interaktion mit derselben, beeinflusste ihn nachhaltig. „Das ist wohl bei jedem Künstler so. Ich wuchs in einer intakten Familie mit Vater und Mutter auf. Sie waren miteinander verheiratet und ich lebte die ersten Jahre meines Lebens in einem klassischen Mittelklasse-Haushalt in einem Vorort. Das war eine sichere Gegend und ich konnte zur Schule gehen, egal ob das nun eine private oder eine öffentliche war. Ich genoss viele Vorteile, die viele Leute nicht hatten, nicht einmal weiße Kinder. Ich hatte definitiv sehr viel Glück gehabt! Meine Mutter war Musiklehrerin, mein Vater Elektriker und ich war von Leuten umgeben, die mich einerseits sehr liebten und die andererseits sehr intelligent waren. Ich sah das schon immer als Riesenvorteil gegenüber anderen an. Als ich älter wurde und zu reisen anfing sah ich, was wirklich in der Welt so vor sich ging. Ich konnte mit Leuten direkt über ihre Erfahrungen und ihr Leben sprechen. Ich denke, dass dies der größte ‚Mind-Opener‘ für mich überhaupt war. Da meine Mutter als Musiklehrerin arbeitete machte sie mich bereits schon in sehr jungen Jahren mit klassischer Musik vertraut. Meine Eltern waren beide sehr religiös und ich ging mit ihnen zusammen in die Kirche. Beide sangen dort auch im Chor, meine Mutter spielte im Gotteshaus Klavier. Demnach wuchs ich quasi mit einem ziemlich gemischten Musikgeschmack auf: Da war die klassische Musik seitens der Eltern, ich selber stand auf Rock. Mein Bruder und ich lernten, diverse Instrumente wie Trompete oder Posaune zu spielen. Ich studierte Musik wirklich intensiv, hatte Gesangsunterricht und versuchte mich sogar daran, italienische Arien zu singen. Erziehung war für meine Eltern das Wichtigste. Mein ganzes Leben beeinflusste in gewisser Weise meine Art Musik zu machen. Mit 14 Jahren fing ich damit an, auf Konzerte zu gehen und stand total auf harte Musik, Alternative oder Hardcore. Und die Szene damals war ziemlich offen und bunt gemischt, es gab da Schwarze, Weiße, Asiaten... Das Publikum setzte sich aus ziemlich unterschiedlichen Menschen zusammen. Ich mochte die Art und Weise wie in dieser Szene mit gewissen Dingen umgegangen wurde, egal ob diese politischer oder gesellschaftlicher Natur waren.“

Abschließend wenden wir uns noch Neuigkeiten aus dem Hause SEPULTURA zu: „Derzeit sind wir zur Hälfte mit dem Touring-Zyklus zu unserem letzten Album „Machine Messiah“ durch. Es liegt also noch viel vor uns! Nächstes Jahr werden wir noch unzählige weitere Konzerte spielen. Die Reaktionen auf unsere letzte Scheibe waren hervorragend und sie hat uns so einige neue Türen geöffnet. Viele Menschen hätten so etwas in der Art nie von uns erwartet. Alles was wir im Laufe all der Jahre erlebt haben hat sich auf unsere Musik ausgewirkt und auf die Art und Weise wie wir sie schreiben und darbieten. Natürlich ist uns bewusst, dass diese Platte anders als andere ausgefallen ist, aber das war immer auch ein starkes Markenzeichen von SEPULTURA, dass wir nie Angst davor hatten, Neues auszuprobieren und das auch zu zeigen.“

An neuen Songs für einen Nachfolger des erst Anfang des Jahres erschienenen Albums „Machine Messiah“ werkeln Derrick & Co. derzeit jedoch noch nicht. „Aktuell ist es noch zu früh, über weitere neue Songs nachzudenken.“ In Projekten abseits von SEPULTURA ist Green derzeit nicht involviert. „Andreas hat jedoch noch De La Tierra zusammen mit Schlagzeuger Alex González von Maná sowie dem argentinischen Sänger/Gitarristen Andrés Giménez von A.N.I.M.A.L. Die spielen auch des Öfteren mal live. Ich selber habe derzeit jedoch keine Projekte am Laufen, sondern genieße die Tourneen gerade total. Musikalisch ist es fantastisch und auf der Bühne fühle ich mich einfach pudelwohl! Abseits der Musik arbeite ich derzeit jedoch daran, ein Buch mit meinen Fotografien, die ich im Laufe der Zeit schoss, zusammenzustellen.“