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OZ

Streng genommen ist „Transition State“ das erste vollständige OZ-Album seit 26 Jahren, sprich dem 1991er Werk „Roll The Dice“. Wenngleich die erwähnte „Burning Leather“-Scheibe von 2011 qualitativ hochwertige Kost bot, kann sie nicht als kompletter Longplayer betrachtet werden, hielten sich darauf doch neue Stücke und Neueinspielungen alter Klassiker die Waagschale. „Transition State“ ist jetzt eine Platte geworden, die das Erbe der finnischen Kult-Formation gebührend fortführt und in der Gegenwart verankert. „Eine lange Zeit auf der dunklen Seite ist nun vorüber und wir sind zurück im Licht“ leitet Mark das Interview ein, „wir leben und uns geht es gut, weswegen es bei uns momentan nicht besser laufen könnte!“

Für das Songwriting zeichnen heutzutage die beiden Gitarristen Johnny Cross und Juzzy Kangas verantwortlich, während Erstgenannter auch die Texte verfasst. „Im Laufe der letzten zwei bis drei Jahre konzentrierten wir uns darauf, neue Musik für OZ zu erschaffen. Dabei gingen wir wie folgt vor: Die beiden Gitarristen fingen damit an, Demosongs zu schreiben, die wir uns dann anhörten. In einem weiteren Schritt änderten wir noch diverse Sachen, bis wir bereit fürs Studio waren. Dieser ganze Prozess dauerte ziemlich lange, weil ich mittlerweile in Stockholm wohne und der Rest der Band in Pori/Björneborg in Finnland. Während jener Zeit jedoch, als OZ nicht im Rampenlicht standen, arbeiteten wir in den Schatten und schlossen die Arbeiten an diesem Album ab. Ich glaube, dass nicht viele Leute mehr daran glaubten, dass die „Transition State“-Scheibe jemals fertiggestellt werden würde. Sogar wir selbst waren diesbezüglich manchmal ziemlich skeptisch, aber letzten Endes war mit harter Arbeit ein Wunder möglich geworden!“

Skeptisch sind auch einige alte Fans nach wie vor, dass OZ dieser Tage mit Ruffneck nunmehr nur noch ein einziges Originalmitglied von 1977 angehört. Der Rest der Besetzung besteht ausschließlich aus Neuzugängen, die mit OZ vorher nie etwas zu tun hatten. Zudem fehlt Ape De Martini, der altgediente Sänger, welcher auch eine große Identifikationsfigur der Band war. Dieser verließ, wie im Interview in Legacy-Ausgabe #111 bereits angeklungen, in der Zeit zwischen „Burning Leather“ und „Transition State“ die Band. Nichtsdestotrotz ist es der Gruppe gelungen, mit Vince Kojvula einen gleichwertigen Ersatz zu finden. „Mir ist es egal, ob die Leute skeptisch sind oder nicht, darum kümmere ich mich nicht! Ja, in gewisser Weise sind wir jetzt eine Art Tributband in Bezug auf die alten OZ-Songs, hehe! Aber gleichzeitig wissen sie nicht, dass ich zusammen mit unserem ersten Bassisten Tani vor 40 Jahren OZ ins Leben rief. Tani ist mittlerweile verstorben, sein Begräbnis fand am selben Tag statt als das von Lemmy! Ich bin das einzige Gründungsmitglied von OZ, das übrig geblieben ist. Ich war seit jeher der Antriebsmotor von OZ und sorgte dafür, dass die Band weitermachte. Aber das Songwriting war nie wirklich mein Ding. Gut, im Laufe der Jahre agierte ich bei diversen Stücken als Co-Songwriter, aber gegenwärtig haben OZ zwei erstklassige Songwriter in ihren Reihen, weswegen ich damit jetzt nicht anzufangen brauche. Zudem gibt’s unzählige weitere Dinge, um die ich mich kümmern muss, weswegen ich glaube, dass wir mittlerweile einen ziemlich guten Arbeitsablauf bei OZ etabliert haben. Ja, Ape De Martinis Stimme war immer Teil dieser Gruppe, aber es war aus diversen Gründen einfach nicht mehr möglich, dass er weiterhin dabei blieb. Und wie bereits gesagt war ich schon seit jeher die Antriebskraft von OZ, weswegen ich vor der Wahl stand, mit OZ weiterzumachen oder das Schlagzeugspielen ein für allemal sein zu lassen. Ich glaube, dass es gut ist, dass diese Hintergründe nun publik werden, so dass die Leute nachvollziehen können, wieso ich und die neue Besetzung so verfahren wie wir das nun tun. Dies war auch der Grund, unser neues Album „Transition State“ zu betiteln, denn mit neuen Songs und neuem Line-up steuern wir auf die Zukunft zu. Wegen mir und weil meine Idee von OZ als Band auch von der neuen Besetzung akzeptiert wurde, war es uns möglich, einen neuen Weg zu finden, um mit OZ weiterhin Musik machen zu können. Und das ist das Beste was dieser Band passieren konnte!“

Erstaunliche Fähigkeiten

"Transition State" ist definitive eine richtige OZ-Platte geworden und wird dem reichen Erbe des alten Kultmaterials gerecht, allerdings ohne zu verbergen, dass es sich um eine Veröffentlichung aus dem Jahr 2017 handelt. „Ja, das denke ich auch. Wir schafften es, neue Musik zu erschaffen und gleichzeitig auch den alten OZ-Spirit zu bewahren. Das war nur möglich, weil die neuen Songwriter auf meine Ideen eingegangen sind und weil sie über die erstaunliche Fähigkeit verfügen, gute neue Stücke zu schreiben. Ich kann hier nicht oft genug betonen, wie stolz ich auf diese neue Besetzung bin! Irgendwie hatten wir alle Glück, uns genau zum richtigen Zeitpunkt über den Weg zu laufen. Es ist leicht jetzt darüber zu sprechen, aber es gab auch ziemlich düstere Zeiten in den Schatten, wo es weder Licht noch eine Zukunft gab. Aber letzten Endes hatten wir Glück und fanden den Lichtschalter wieder!“

Schlagzeug, Gesang und Bass wurden im Appendix Studio in Pori/Börjeborg in Finnland aufgenommen, während die Gitarristen ihre Spuren in ihren eigenen Heimstudios einspielten. Sämtliche Songs von „Transition State“ wurden zudem nach „Burning Leather“ geschrieben und beinhalten keinerlei Ideen von anno dazumal. „Als wir von unserer Clubtour durch die USA 2013 zurückgekehrt waren, hatte unser alter Bassist Jay C. Blade noch zwei neue Stücke geschrieben, für die ich später Schlagzeugspuren aufnahm. Aber diese beiden Tracks wurden nie ausgearbeitet. Ich hoffe, dass uns das eines Tages mal gelingt, aber ich vermag nicht zu sagen wann das der Fall sein wird. Wir probten auch alte OZ-Songs und absolvierten einen Gig mit Ape De Martini bevor wir anfingen, an neuem Material zu arbeiten, so dass sich die Songwriter ein Bild davon machen konnten, wie sich Stücke dieser Band anhören sollten.“

Originalität durch Isolation

Nunmehr beleuchten wir allerdings die reichhaltige Geschichte der Formation etwas näher: Als erstes wäre mal die Herkunft des simplen, aber effektiven Bandnamens zu klären. „Als ich diese Gruppe ins Leben rief dauerte es zunächst lange, bis ich alle meine Mitmusiker beisammen hatte. Und als ich dann anfing, über einen Namen nachzudenken, war ich der Meinung, dass das etwas Cooles und Hartes sein sollte, weil wir ja Heavy Rock zockten. Eines Tages teilte mir ein guter Freund mit, dass er meinte, irgendwo gelesen zu haben, dass „OZ“ ein alter griechischer Gott sei, wahrscheinlich ein Gott des Krieges oder so etwas in der Art. Damals existierten noch kein Google oder ähnliche Suchmaschinen, was einen hätte helfen können, Informationen über derartige Sachen einzuholen. Deswegen vertraute ich als junger Kerl meinem Freund und fing an, meine Formation The OZ zu nennen. Nach unserem Debütalbum nannten wir uns dann nur noch OZ. Das ist also die Geschichte hinter dem Bandnamen: Zwei junge Typen aus Finnland, in der Mitte von Nirgendwo, es gab weder Internet noch Bücher, lediglich winzige Informationen von irgendwoher und „Schwupps“ war der Name gefunden!“

Ende der 70er dürfte es in Finnland noch nicht allzu viele Rockbands gegeben haben, geschweige denn Formationen, die dem Heavy Rock bzw. Metal frönten. „Die Musikszene unterschied sich damals komplett von der von heute! Es gab generell nicht so viele Rockgruppen in Finnland und nur eine Handvoll Formationen spielte Hard / Heavy Rock. Unser Leben war damals komplett anders, hatten wir doch überhaupt keine Ahnung davon, was außerhalb von Finnland so alles in der Welt passierte!“ Mag sein, dass dieser Zustand der Isolation dazu beitrug, dass OZ in der Folge ziemlich originelle, eigenwillige Musik erschaffen konnten. „Oh ja, das war wahrscheinlich der Grund dafür! Wir lernten, indem wir einfach Sachen versuchten. Das gesamte Musik-Business und auch die Möglichkeit, an Musik ranzukommen waren in Finnland damals ziemlich begrenzt. Es ist lustig, dass wir damals über die NWOBHM-Bewegung kaum etwas wussten, aber trotzdem irgendwie diesen Stil fanden, ohne dass wir eigentlich überhaupt eine Ahnung davon hatten! Dies ist ein Beweis dafür, dass es möglich ist, ähnliche Dinge zu machen ohne voneinander zu wissen! Darüber hinaus ist zudem erwähnenswert, dass zur damaligen Zeit noch nicht so viele ausländische Bands in Finnland auftraten.“

Skandinavische Geschichtenerzähler

Landläufig werden OZ als finnische Band bezeichnet, wenngleich Mark nunmehr bereits schon seit Langem in Schweden lebt. „Nun, wir fingen damals in Finnland an und sind allesamt Finnen! Nach dem „Fire In The Brain“-Album von 1983 zogen wir alle nach Stockholm. Ich tat diesen Schritt zuerst und der Rest der Jungs folgte mir dann. Damals war es keine gute Idee, zu sagen, dass man aus Finnland kam, wenn man in Schweden lebte. Die Schweden mögen Finnen nicht so sehr und andersherum ist es ähnlich, Finnen mögen Schweden nicht wirklich. Dafür gibt’s alte, historische Gründe. Schweden beherrschte die nordischen Länder und alle anderen Länder waren früher mal Teil von Schweden. Das war ein ‚großer Bruder‘, der über die kleineren wachte! Deswegen fingen wir an, in Bezug auf OZ von einer skandinavischen Band zu sprechen. Die Leute fragen heute immer noch, ob wir nun aus Finnland oder Schweden stammen? Die Wahrheit ist, dass wir irgendwie in beiden Ländern beheimatet sind, hehe! Für mich ist dieses Thema keine große Sache, denn ich habe mittlerweile zwei Pässe, einen schwedischen und einen finnischen und ich lebe seit 1983 in Stockholm, wenn man mal die zwei Jahre in München abzieht. Und sollte es nötig sein, wäre ich jederzeit dazu bereit, auch wieder in einen anderen Ort zu ziehen!“

Gerüchteweise hörte OZ-Bassist Jay C. Blade damit auf, satanische Songs zu schreiben, nachdem er einen Scheck mit Tantiemen für die 1984er EP „Turn The Cross Upside Down“ erhielt, der sich auf einen Betrag von genau 666 schwedischen Kronen belief. „Das ist richtig! Wir saßen bei mir daheim und hatten ein Treffen mit unserer Plattenfirma wo es um Tantiemen und solche Sachen ging. Wir erhielten alle Listen, auf denen zu sehen war, welche Firmen in welchen unterschiedlichen Ländern wieviele unseren Alben und Singles verkauft hatten. Jay fing an zu lachen, deutete auf eine Seite und sagte: „Seht euch mal die Zahlen zu „Turn The Cross Upside Down“ an!“ Und ja, in einer Zeile waren genau 666 SKR verzeichnet, haha! Es handelte sich also nicht um einen Scheck mit Tantiemen, der Betrag war Teil aller Tantiemen und ich glaube nicht, dass Jay aus diesem Grund damit aufhörte, derlei Texte zu schreiben. Wir alle verfügen über große Freiheiten, Lyrics jeglicher Art zu verfassen, egal auf welche wir stehen. Ich glaube, dass er schlichtweg mehr Interesse an einer anderen Art Texte zu verfassen entwickelte. Wir sind Geschichtenerzähler und Geschichten können sich sehr voneinander unterscheiden!“

Im Titelsong zur erwähnten „Turn The Cross Upside Down“-EP sang Ape De Martini die Zeilen „…burn the churches to the ground…“. Im Nachhinein können diese Wörter gar als prophetisch bezeichnet werden, brannten doch bekanntlich in den 90er Jahren in Norwegen tatsächlich Kirchen. „Ich bekam erst viel später von dieser Sache Wind und ich möchte an dieser Stelle ein für allemal klarstellen, dass wir Geschichtenerzähler sowie eine unpolitische wie unreligiöse Band sind! Wenn manche Leute dieses Stück zu ernst auffassen, ist das wirklich schlimm, weil da lediglich eine Geschichte erzählt wird, nichts anderes!“

Quorthons Hand

OZ traten in den Jahren 1984 respektive 1985 auf den beiden legendären „Scandinavian Metal Attack“-Samplern in Erscheinung. Speziell der erste Teil der Compilation ist mittlerweile legendär, handelt es sich dabei doch um den ersten offiziell veröffentlichten Tonträger, auf dem Bathory vertreten waren (und zwar mit `Sacrifice` sowie `The Return Of Darkness And Evil`). „Damals standen wir bei Wave unter Vertrag und diese Plattenfirma brachte jene Sampler heraus. Demnach war es nur logisch, dass wir darauf vertreten waren! In jenen Jahren steuerten wir auch anderen Samplern Songs von uns bei wie beispielsweise den „Metal Hammer“ – Compilations aus Deutschland. Das hat sich damals alles einfach so ergeben.“ Bleiben wir doch noch etwas bei Bathory: Auf dem kultigen Cover des OZ-Zweitwerks „Fire In The Brain“ von 1983 ist eine nietenbewehrte, blutige Hand zu sehen, die einen brennenden Plastikschädel hält. „Die Hand gehörte Quorthon! Die Idee zu diesem Cover kam einfach von irgendwoher aus dem Nichts, als wir nach getaner Aufnahmearbeit im Studio Bier tranken. Und der Bathory-Mastermind meinte zu uns, dass er das machen würde, wieso also nicht?!“

Der Erfolg, der sich damals bei Veröffentlichungen wie „Fire In The Brain“ und „Turn The Cross Upside Down“ einstellte, konnte in den Folgejahren nicht mehr erzielt werden. „Unser Problem war, dass wir damals keine Management-Verträge mit internationalen Management-Firmen am Laufen hatten. Und genauso funktioniert das Musik-Business auch heute noch: Man braucht ein gutes Management mit internationalen Kontakten, um die Chance zu erhalten, irgendwie weiterzukommen.“ Anfang der 90er, unmittelbar nach der fünften Scheibe „Roll The Dice“, lösten sich OZ dann auf. „Damals veränderte sich das Musikgeschäft und es gab dort keinen Platz mehr für OZ-Metal. Uns boten sich keinerlei Möglichkeiten mehr zu touren und es herrschten auch einige persönliche Konflikte zwischen mir und dem Rest der Band vor, weswegen ich zu Ape meinte, dass wir doch eine Pause mit OZ einlegen und überdenken sollten was zu tun sei. Und diese Pause dauerte letztlich mehr als zwanzig Jahre! Die Gründe für die Rückkehr von OZ anno 2010 sind schnell umrissen: Wir wollten einfach wieder Musik zusammen machen!“

Heiß auf die Bühne

Wenden wir uns nunmehr dem Faktor Live-Konzerte zu: In ihren Anfangstagen konnten OZ in ihrer finnischen Heimat noch fast jedes Wochenende zweimal auftreten. „Aber als wir dann nach Stockholm zogen, änderte sich das wegen der schwedischen Musikszene. Wir spielten schon live, allerdings nicht so oft wie in Finnland. Es gab auch Pläne, bei diversen anderen Bands als Support in Erscheinung zu treten, aber leider wurde da nie was draus. Ich schüttelte die Hand des Motörhead-Managers mehrere Male, aber wir spielten nie live mit ihnen.“ 2012 traten OZ dafür bereits beim Keep It True-Festival hierzulande in Erscheinung. „Und wir werden überall dort spielen wo wir angefragt werden! Nach dem enormen Arbeitsaufwand hinsichtlich unseres neuen Albums können wir uns nunmehr darauf konzentrieren, live aufzutreten und ich denke, dass wir nächsten Sommer bei mehreren Festivals zocken werden. Zurzeit ist allerdings lediglich eines fest gebucht. Wir werden jedenfalls unser Bestes geben, um künftig auf mehr Festival-Bühnen zugegen zu sein! Jetzt kommen nämlich erstmal die Festivals und dann hoffen wir, dass wir eines Tages auch richtig auf Tour gehen können. Schau`n wir mal was die Zukunft bringen mag!“

Wenn man mal all die Jahre außen vorlässt, in denen OZ zwischenzeitlich aufgelöst waren, kann die Band 2017, wie Mark bereits anfangs erwähnte, 40 (!) Jahre Bandgeschichte feiern. Um diesen Anlass gebührend zu feiern haben die Finnen jedoch nicht wirklich etwas Besonderes geplant. „Nein, aber mag sein, dass es mal in Zukunft so etwas wie spezielle Veröffentlichungen, Re-Releases oder gar Shows mit alten Bandmitgliedern geben wird. Gegenwärtig liegt unser Fokus jedoch auf der aktuellen Besetzung, wir wollen live spielen und weiter neue Musik machen!“ Zeit für die berühmt-berüchtigten letzten Worte: „Wir möchten diese Gelegenheit nutzen und uns bei all unseren treuen Fans da draußen bedanken. Außerdem begrüßen wir auch unsere neuen Anhänger! Wenn Ihr mehr Infos über OZ wollt, könnt Ihr ja auf unsere Website gucken.“