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Soulburn

Der Zufall will es, dass das neue SOULBURN-Album „Earthless Pagan Spirit“ nur wenige Wochen nach der neuen Asphyx-Scheibe „Incoming Death“ erscheinen wird. Letztgenannte Platte ist bekanntlich die erste in der langen Geschichte der Todesblei-Legende, die ohne Gründungsmitglied Bob Bagchus entstanden ist. “Ich mag das Album sehr gerne“ lobt dieser seine ehemaligen Band-Kollegen. „Die Jungs waren letztes Wochenende erst hier an meiner Tür und überreichten mir die erste Kopie der Scheibe. Sie haben hervorragende Arbeit geleistet und „Deathhammer“ einen würdigen Nachfolger beschert! Es ist das was ich die „neuen Asphyx“ nenne. Ich teile die Karriere immer in zwei Teile ein: Vor und nach der Reunion. Ich glaube, dass die Jungs etwas nervös waren, was ich denn darüber denken würde. Aber ich war wirklich sehr beeindruckt! Wenn ich bei Asphyx geblieben wäre, hätte ich wahrscheinlich dasselbe gemacht!“

Wirklich komisch fühlt es sich für Bob indes nicht an, Asphyx weiterhin ohne ihn aktiv zu sehen. „Für mich kam das Ganze eher einer Erlösung gleich. Meine Kinder brauchten mich zu dem damaligen Zeitpunkt zuhause. Meine Frau ist Krankenschwester und mit der damit verbundenen Schichtarbeit hat das einfach nicht mehr hingehauen. Ich bin jemand, der aufrichtig an Zeichen glaubt: Das war ein solches Zeichen mit der Bedeutung, dass ich das Ganze mit meinem Privatleben nicht mehr vereinbaren konnte. Darüber hinaus fühlte ich mich meiner eigenen Band gegenüber irgendwie entfremdet. Ich hatte sicherlich noch Spaß, aber die letzten 15 Shows oder so sah ich mehr als Partys an als alles andere: Der richtige Bezug zur Gruppe war jedoch nicht mehr da. Das fühlte sich für mich sehr komisch an. Der Hauptgrund war sicherlich, dass ich Asphyx einfach nicht mehr mit meiner Familie vereinbaren konnte. Der andere Grund war der oben beschriebene, dass mir eben einfach jeglicher Bezug zur Band fehlte. Ich wusste, dass die anderen Jungs immer noch total darin aufgingen. Ich schrieb eine Mail, wo ich meine Gefühlslage Martin van Drunen schilderte und er war wegen dieser Neuigkeiten völlig am Boden zerstört. Ich meinte jedoch, dass die Jungs durchaus auch ohne mich weitermachen könnten. Und das fühlt sich im Nachhinein nicht komisch an oder so: Die Jungs machten ein großartiges Album und ich zieh mein Ding durch, allerdings auf einem niedrigeren Level. Ich glaube, so ist jeder glücklich!“

Langsamkeit regiert

Erst kürzlich erschien ebenfalls eine Scheibe von Minotaur Head, einer Band, die Bob zusammen mit dem schwedischen Tausendsassa Rogga Johansson ins Leben gerufen hat. “Haha, es ist lustig, dass Du darauf zu sprechen kommst, aber gerade diesen Nachmittag hab ich ein Interview für Minotaur Head gegeben! Das ist erneut etwas ganz Anderes, sehr schwere Musik. Rogga und ich wollten schon vor Jahren etwas ungemein Hartes machen. Wir spielten ja auch schon mal bei To The Gallows zusammen, das war ein totaler Bathory-Tribut! Danach fing ich mit SOULBURN wieder an, weswegen weitere Pläne mit Rogga erstmal auf Eis gelegt wurden. Letztes Jahr schickte mir Rogga eine Email und meinte, dass er einige Ideen parat hätte und ob ich gerne mit ihm zusammen ein Projekt aufziehen würde, jetzt da ich mehr Zeit hätte? Ich hatte de facto mehr Zeit zur Verfügung, denn das SOULBURN-Album „The Suffocating Darkness“ war gerade draußen. Ich meinte zu Rogga, dass ich das machen möchte, worauf ich am meisten stehe: Etwas richtig Doomiges, verdammt hartes Zeug! Also keinen Standard-Death, sondern eher in die Richtung Black Sabbath, Celtic Frost, Triptykon oder Winter. In derselben Nacht noch entstanden zwei Songs und wenige Wochen später waren es deren schon fünf. Zuerst wollten wir ein Mini-Album machen, aber dann meinten wir, dass wir lieber noch zwei weitere Stücke schreiben, um eine vollständige Scheibe zusammenzubekommen.“

Eine Band, woran die Sachen von Minotaur Head mitunter ebenfalls erinnern, sind die kongenialen Necro Schizma – allein der Name öffnet Tür und Tor bei Bob: “Ja, die sind hervorragend! Das ist eine meiner absoluten Lieblingsbands aus Holland!“ Die Band hatte anno 1989 lediglich drei Demotapes herausgebracht und ist mit ihrer kompromisslosen, megadüsteren und lavagleich langsamen Musik mittlerweile tonnenschwerer Underground-Kult. „Ja, insbesondere das „Erupted Evil“-Demo war einfach nur noch genial! Necro Schizma waren zweimal Support von Asphyx, damals als noch Theo Loomans mit dabei war, 1989 und 1990. Das waren gute Freunde von uns, ihre Musik war so langsam, so heavy, so einfach! Wow, ich liebe das einfach!! So einige Leute scheinen Minotaur Head zu mögen, was wir nicht wirklich erwarteten, um ehrlich zu sein!“ Als richtige Band würde Bob Minotaur Head dennoch nicht bezeichnen: “Nein, das ist ein Projekt, aber wenn wir ein cooles Angebot für ein geiles Festival erhalten würden, würden wir überlegen da zu spielen! Das Problem ist nur, dass Rogga in Stockholm wohnt, was etwa 1.400 km von meinem Heimatort entfernt ist. Aber wenn wir ein cooles Angebot von einem tollen Festival erhalten sollten, würden wir uns aufraffen, auch einen Tag eher anreisen, um dort zu proben. Ich meine, ich kenne die Songs in- und auswendig, ich könnte sie jederzeit spielen!“

Eine ziemlich rabiate Angelegenheit

Bob trommelt darüber hinaus dann noch bei Infidel Reich, die der dortige Mitmusiker Vincent Crowley von Acheron in sozialen Medien ziemlich martialisch ankündigte: „Zeit für etwas Metal, der sich nicht der politisch korrekten Masse unterwirft. Wir sind jene Ungläubigen, die gegen die extremen Anhänger Allahs sowie all die Heuchelei in der modernen Gesellschaft aufstehen! Schließ Dich uns an, wir erschaffen Musik, die diejenigen eint, die es wagen zurückzuschlagen!“ Zitat Ende. Rein musikalisch gesehen will man die Old School-Schiene bedienen, wie Bob beschreibt: „Neben Vincent und mir ist dort noch ein Kerl von Rectal Smegma, einer Grind-Band aus Holland, zugange sowie ein weiterer Musiker. Stilistisch bewegen wir uns irgendwo in der Nähe von Motörhead, Discharge, den alten Venom und Carnivore. Wahrscheinlich werden wir uns allerdings kaum Freunde machen, denn das Ganze ist eine ziemlich rabiate Angelegenheit: Wir sagen einfach das was wir wollen, genauso wie das damals auch S.O.D. machten. Wir singen also über Dinge, die uns schlichtweg nerven.”

Political Correctness sucht man also woanders… “Genau! Das war überhaupt erst einer der Gründe, wieso Infidel Reich gegründet wurde, denn Vincent postete damals bei Facebook, dass er Leute hasste, die politisch korrekt wären, um auftreten zu können, um einen Plattenvertrag zu ergattern oder zu behalten. Ich antwortete darauf und meinte, dass ich meinen Mund für niemanden halten würde, ich sage, was immer ich sagen will! Wenn das gewissen Leuten nicht passt, ist das schlimm, aber letztlich nicht mein Problem! Ich selbst werde ja auch tagtäglich mit irgendwelchen Sachen konfrontiert, die mir nicht passen und trotzdem macht mir das nichts aus! Letzten Endes meinten wir also, dass wir unbedingt eine Band gründen müssten. Vincent und ich kennen uns bereits seit Jahrzehnten. Danach schrieb mir Crowley noch eine E-Mail, wo er noch mal betonte, dass es ihm diesbezüglich wirklich ernst war. Ich war auch voll dabei, weswegen Infidel Reich gegründet wurden. Wir haben mittlerweile sogar einen Plattenvertrag bei einem sehr kleinen holländischen Label, das bereits hervorragende Sachen veröffentlichte wie beispielsweise eine Neuauflage des 1987er Demos von Incubus. Ende des Jahres wird unser Album voraussichtlich fertiggestellt werden, herausgebracht wird das Ganze dann 2017, nehme ich mal an.“

Keine Tour-Band

Kommen wir zum Abschluss dieses Interview-Nachschlags noch mal auf SOULBURN zu sprechen: Diverse Einzelgigs in Clubs respektive bei Festivals stehen bis dato an. Umfassende Touren werden die Holländer aber wohl nicht mehr spielen, wie Bob bekräftigt: “Ja, die Zeiten sind definitiv vorüber für mich, das wird nie wieder passieren! In der Vergangenheit ging ich genau zweimal richtig auf Tour, das war immer ein Heidenspaß: 1991 mit Entombed und ein Jahr später tourten wir fast zwei Monate lang mit Bolt Thrower und Benediction. Und das war`s dann auch – das ist nicht wirklich mein Ding. Es würde komisch anmuten, wenn ich jetzt mit SOULBURN touren würde – allein an Angeboten würde es uns nicht mangeln, so fragten doch beispielsweise Marduk mehrmals nach, ob wir nicht mit ihnen touren würden. Aber wir können das einfach nicht machen! Die neuen SOULBURN spielten ihre ersten Shows 2014 mit Bolt Thrower. Auch die Engländer fragten mich, ob wir eine ganze Konzertreise mit ihnen bestreiten könnten, denn sie fanden das Package Killer. Sie wussten, dass ich bei Asphyx draußen war und fragten bzgl. SOULBURN oder Grand Supreme Blood Court nach. Ich meinte, dass ich lieber mit SOULBURN spielen würde, weil die zur damaligen Zeit ja gerade ein neues Album draußen hatten. Aber ich meinte, dass wir nur drei Dates oder so mitspielen könnten. Letzten Endes standen wir an den Abenden dann mit Bolt Thrower und Morgoth auf der Bühne. So ist das: Wir können keine zusammenhängende Tour machen, höchstens drei bis vier Dates am Stück. Ich verließ Asphyx, um mehr daheim zu sein und da wäre es komisch, jetzt mit SOULBURN plötzlich auf Tour zu gehen. Wir spielen also auf Festival-Shows oder im Rahmen von Club-Gigs, welche ich persönlich viel lieber mag!

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