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Matt Harvey

 

So schnell wie Matt zusagte, ein Interview im Rahmen des genannten Specials zu geben, so flugs war er auch beim Beantworten der Fragen: In Windeseile trudelten seine Antworten ein. Leider konnte nicht alles im platztechnisch begrenzten Heftrahmen wiedergegeben werden, weswegen es an dieser Stelle nun eine Fortsetzung gibt. Matt wurde äußerst redselig in Bezug auf jene Zeit, als er zum ersten Mal mit der Musik von Chuck Schuldiner in Berührung kam. „Als Kind war ich ein riesiger Death-Fan, sie waren für mich eine Art Bindeglied zwischen deutschem Thrash, Slayer, Dark Angel und Napalm Death, Entombed, Terrorizer etc. Ich erinnere mich noch klar daran, wie ich mit meinen Kumpels aus der 8. Klasse anno 1989 im Wohnzimmer meiner Eltern herumhing und wir uns 'Sacrificial' sowie 'Regurgitated Guts' anhörten, zusammen mit 'Bombenhagel', 'Riot Of Violence' sowie ein paar anderen Songs. Ich war damals 13 Jahre alt. Wir liebten die extremen Texte von „Scream Bloody Gore“! Ich erinnere mich daran, dass die Zeile ‚Vomit for a mind, maggots for a cock‘ von 'Zombie Ritual' meine absolute Lieblingsphrase war. Im selben Jahr hörte ich „Leprosy“ und war sehr beeindruckt davon, wie viel anspruchsvoller das im Verhältnis zum Debüt war. Chucks Soli waren im Vergleich mit denen von anderen extremen Bands der damaligen Zeit wie beispielsweise Possessed, Slayer, Kreator, Sodom etc. ganz schön geschmackvoll. Zu der Zeit als „Spiritual Healing“ erschien, waren Death meine absolute Lieblingsband. Ich erinnere mich daran, wie ich mir diese Scheibe in der Woche, in der sie veröffentlicht wurde, holte: Ich kratzte mein restliches bisschen Kohle zusammen, um mir dieses Tape zuzulegen. Damals hatte ich gerade meine Fähigkeiten an der Gitarre verbessert und es war mir möglich, die geradlinigen Sachen auf der Scheibe wie 'Genetic Reconstruction' oder 'Low Life' mitzuspielen. Im März 1990 sah ich mir dann Death zusammen mit Devastation an; damals war ich 14 Jahre alt und ich bekam leider nur einen Song mit, weil mein Vater draußen auf dem Parkplatz auf mich wartete. Er meinte zu mir, dass wir spätestens Mitternacht heim müssten und wenn ich dann nicht am vereinbarten Treffpunkt sein würde, würde er mich mutterseelenallein in Oakland zurücklassen, das war 30 Meilen weit weg von meinem damaligen Zuhause, haha! Später in diesem Jahr sah ich Death aber dann doch endlich noch mal zusammen mit Pestilence und Carcass, in den folgenden Jahren besuchte ich noch mehr Konzerte von ihnen. Das Erlernen all der Songs von „Scream Bloody Gore“ war es, das mir die Sprache des Death Metal – Riffings in Bezug auf Noten, Akkorde, Intervalle etc. beibrachte. Diese Grundlage hat mir im Laufe der Jahre so einige gute Dienste erwiesen, denke ich!“

Eine glückliche Fügung des Schicksals

Der Einstieg bei DEATH TO ALL ging für Matt auf ziemlich natürliche Art und Weise vonstatten: “Das war eine etwas lustige Geschichte. Ich traf den DEATH TO ALL – Manager Eric Greif, als er einen EXHUMED-Gig in Calgary promotete und schwafelte ihm ein Ohr ab über die Bands, mit denen er gearbeitet hatte, namentlich Num Skull, Morbid Saint und anderen, aber die meiste Zeit sprachen wir natürlich über seine Arbeit mit Death. Er war ein großartiger Typ, wir verstanden uns blendend. Ich traf ihn wieder in Los Angeles und hörte, dass DEATH TO ALL gerade in der Planungsphase waren. Ich meinte, dass ich interessiert daran sei, den Gesang zu übernehmen, sollten sie noch jemanden brauchen. Ich habe damals nicht allzu viel darüber nachgedacht, aber das könnte ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass ich letztendlich zu der Gruppe stieß. Ursprünglich sollte Stefan von Obscura im Rahmen der ersten Reihe an Shows das spätere Death-Material übernehmen, während Charles Elliot von Abysmal Dawn die frühen Sachen spielen und singen sollte. Beide sind fantastische Gitarristen und Sänger, aber ich fand, dass ihre Stimmlage sich nicht wirklich nach Death anhörte. Wie dem auch sei, ich hörte, dass sie diese Auftritte bestreiten sollten und ich beneidete Charles sehr darum. Er ist ein guter Kumpel von mir, aber auch dabei habe ich mir nichts weiter gedacht. Wie das (gnädige) Schicksal es wollte, hatte Stefan Probleme mit seinem US-Visum, weswegen ich acht oder neun Tage vor der ersten Show eine SMS von meinem Kumpel Danny Walker erhielt, der als Drum-Techniker für Gene Hoglan arbeitete und damals auch auf der EXHUMED-Scheibe „All Guts, No Glory“ spielte. Danny meinte, dass ich mich „bereitmachen“ solle. Natürlich hatte ich keinerlei Ahnung, was das nach sich ziehen würde. Einen Tag oder so später fragten sie mich, ob ich als Ersatz aushelfen könne, nur für den Fall, dass es Stefan nicht mehr rechtzeitig schaffen würde. Klar packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und begann damit, die Songs, die sie mir schickten in der Kürze der Zeit so gut wie mir das möglich war einzustudieren. Stefan schaffte es nicht, in die Staaten zu kommen, weswegen ich die erste Reihe von zehn Konzerten übernahm. Es war wirklich megageil und eine wahre Ehre, zusammen mit Jungs wie Bobby Koebele, Shannon Hamm und dem späten, großartigen Scott Clendenin (R.I.P.) sowie mit Steve DiGiorgio und Gene Hoglan zu spielen: Ich war schließlich schon seit der Junior High (das entspricht in Amerika den Klassen 7, 8 und 9) ein riesengroßer Fan dieser Musiker!“

Gedenkfeier für Chuck und seine Fans

Eine Kritik, die DEATH TO ALL oft zu hören bekommen dürften, ist die Meinung, dass Death ohne Chuck Schuldiner schlichtweg nicht funktionieren. „Nun, für mich sind DEATH TO ALL nicht Death: Dies ist eine Tributband oder ein Revival. Ich denke, dass es so viele Menschen gibt, die nie die Chance hatten, Death damals zu sehen, als sie noch eine aktive Gruppe waren. DEATH TO ALL ist eine coole Möglichkeit für sie, eine Art Ersatz zu erleben, der sich so nah am Original wie möglich bewegt. Solange das Ganze von Chucks Familie unterstützt und mit Respekt getan wird, habe ich kein Problem damit! Wenn es die Leute satt haben sollten, DEATH TO ALL zu sehen oder sie fühlen, dass das Ganze schon zu lange geht, ist die Lösung einfach: Wir spielen einfach keine Gigs mehr! Die Jungs machen das, weil einfach eine Nachfrage von Menschen da ist, die sehen wollen, wie diese Musiker diese Songs zocken. Glaube mir, Leute wie Sean Reinert, Steve DiGiorgio und Gene Hoglan sitzen daheim nicht nur rum, um darauf zu warten, dass das Telefon klingelt: Sie spielen viele Konzerte und haben viele Möglichkeiten, aber sie machen das für die Fans und das Vermächtnis der Musik von Death. Was die Fans betrifft, so nahmen sie das Ganze herzlich und nett auf. Das war die erste Inkarnation von DEATH TO ALL, deswegen war das alles so besonders: Bei jedem Konzert waren ungefähr mehr als 900 Leute in kleinen Clubs anwesend, weswegen eine wahrhaft fantastische Atmosphäre vorherrschte! Es war verdammt cool, zu sehen, wie viel diese Songs den Fans bedeuten und wie glücklich sie waren, die Möglichkeit zu erhalten, sie live zu erleben. Das Netteste, was mir jemand sagte, war, dass das Ganze wie eine ‚Gedenkfeier für Chuck sowie all die Leute, die ihn nur durch seine Musik kannten‘ sei. Ich dachte, dass dies ein ziemlich bewegendes Statement war, und ich fühlte mich sehr geehrt, davon ein Teil gewesen zu sein!”

Neue Songs im Stile der alten Death-Platten werden DEATH TO ALL aller Voraussicht nach jedoch wohl nicht schreiben. „Ich glaub nicht, aber ich bin jetzt auch nicht die Person, die man diesbezüglich fragen sollte, haha!“ Zu einem Treffen zwischen Matt und Chuck Schuldiner kam es einmal kurz im Oktober 1990, persönlich kannte Harvey den Extrem Metal-Pionier jedoch nicht. „Als ich ihn als Fan kurz kennenlernen durfte, gab er sich sehr wohlwollend. Ich denke, dass Chuck brillant und getrieben war, zudem hatte er eine eigenständige Vision, die er unablässig verfolgte. Kann sein, dass diese Hartnäckigkeit bewirkte, dass manche Leute ein falsches Bild von ihm hatten und dass sie zu einigen komplizierten interpersonellen Beziehungen sowie vielen Besetzungswechseln führte, speziell in der frühen Bandgeschichte. Letzten Endes ist das Vermächtnis, das Death hinterlassen hat, der beste Beweis für seine musikalische Vision, und dieses Vermächtnis ist riesengroß! Was ich von den Jungs in DEATH TO ALL und anderen Leuten hörte, die ihn persönlich kannten, war, dass Chuck grundsätzlich gesehen ein lieber, entspannter Typ war, der mit voller Leidenschaft bei seiner Musik sowie beim Metal generell war.“


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