LEGACY - The Voice from the Darkside

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Christian Wachter (CW)

Christian Wachter (CW)

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Freitag:

Trotz sehr bescheidenem Sound (wofür die Band ja nichts kann), können BORROWED TIME als Festival-Starter bereits nach den ersten zwei Songs eine tolle Stimmung in der Tauberfrankenhalle erzeugen. Es zieht merklich mehr und mehr Kuttenträger vor die Bühne, um dem epischen Heavy Metal der sympathischen Detroiter zu lauschen. Gespielt wird mit von Iron Cobra geliehenen Instrumenten. Zum Besten gegeben wird neben 'Sailor Of The Seas Of Fate', auch das Stück 'Liberty' vom kommenden Album. Trotz Tendenz zur Kauzigkeit bringen die Amis die Keep It True-Maschinerie schon mal gut geölt zum Laufen. Danach herrscht bei einigen Besuchern Uneinigkeit, welche ELIMINATOR denn nun aufspielen: "Natürlich die deutsche Underground-Walze!" "Blödsinn, diese Frickel-Thrasher von der Ostküste." "Leider liegt ihr alle falsch, es ist die Newcomer-Heavy-Fraktion aus UK", merkt dann endlich jemand richtig an. Die Briten mit ihren schrägen Outfits geben sich etwas bewegungsarm, können aber ansonsten mit solider Stimme und einigen lässigen Riffs punkten. Bestimmte Song-Highlights bleiben allerdings nicht hängen. Auch hier leidet die Show unter dem nach wie vor grottigen Sound, der es einem schwer macht, Details und Feinheiten herauszuhören.

Als AIR RAID dann die Bühne entern, hat der Mischer wohl endlich ein paar der richtigen und wichtigen Knöpfe gefunden. Der Sound ist immer noch nicht ideal, aber zumindest erträglich. Wenn es beim Keep It True irgendwas dringend zu verbessern gibt, dann ist es wohl nur eine bessere P.A. und den Einsatz von fähigen Mischern für jede Band. Bezüglich Letzterem war man die letzten Jahre wohl besser aufgestellt. Aber zurück zu den Jungs aus Göteborg. Das geile 2012er-Debüt "Night Of The Axe" versprach ja schon einiges an Fun. Und die Skandinavier hielten es auch auf der Bühne. Professionelles, aber nicht zu durchgeplantes Stageacting, die sehr charismatische Stimme von Sänger Michael und eine Saitenfraktion, die zu posen und ihre Äxte unterhaltsam zu kreuzen weiß. Der klischeebeladene 80s-Uptempo-Metal von AIR RAID passt auf das Keep It True wie die Faust aufs Auge, und der Titeltrack 'Night Of The Axe' hallt auch noch nach Ende der Show nach. Ein Quantensprung zu den ersten beiden Bands, der nun wirklich alles und jeden auf Betriebstemperatur gebracht hat.

Nun wird es endlich Zeit für eines der größten Tageshighlights: HIGH SPIRITS! Jeder traditionsbewusste Metaller hat die Amis ja spätestens seit dem 2011er-"Another Night" fest ins Herz geschlossen. Mit ihren Live-Qualitäten polarisierte die Band aber z.B. bei ihrem recht hüftsteifen und introvertierten Auftritt auf dem Rock Hard Festival. Wer die Chicagoer seitdem nicht mehr gesehen hat, ist überrascht, zu welch unterhaltsamer und mitreißender Live-Macht sich die Combo mittlerweile entwickelt hat. Die geniale, an alte Def Leppard erinnernde Stimme von Bandkopf und Multitalent Chris Black (Dawnbringer, Superchrist, Pharaoh), ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Seine Musiker spielen energetisch und tight auf, Lightshow und Sound sind nun endlich dem Festival würdig. Die "Uniformierung" mit weißer Hose und schwarzem T-Shirt macht auch optisch etwas her. Am meisten Spaß machen heute die Songs 'Full Power', 'You Make Love Impossible' und 'Another Night In The City'. Zusätzlich haben HIGH SPIRITS mit 'When The Lights Go Down' einen neueren Song von der "2013"-EP im Gepäck. Wenn nun Chris noch etwas weniger hölzerne Ansagen macht, ist alles perfekt.

Allein schon die Ankündigung von MORBID SAINT im Billing des diesjährigen Keep It True veranlasste so manchen Thrash-Fanatiker, sich umgehend um ein Ticket für diese Veranstaltung zu bemühen. Schließlich haben die Amis mit „Spectrum Of Death“ ein hervorragendes Album in ihrer Diskografie zu Buche stehen, welches regelrechten Kultfaktor genießt. Natürlich durfte man bangen, ob MORBID SAINT den Vorschusslorbeeren an diesem Spätnachmittag ein Vierteljahrhundert nach Erstveröffentlichung der genannten Scheibe wirklich gerecht werden würden. Doch mit feurigem Einsatz und enormer Spielfreude ziehen die Amis selbst die größten Zweifler auf ihre Seite. Rabiater Death Thrash irgendwo zwischen alten Sadus und Kreator ist dabei das Gebot der Stunde. Einerseits roh und derb, andererseits aber auch sehr verspielt und technisch präzise bieten MORBID SAINT eine rundum gelungene, intensive Show, die für alle Thrash-Lunatics zweifellos der absolute Höhepunkt des Festivals ist.

Die besten Zeiten hinter sich gelassen hat die NWOBHM-Legende QUARTZ: Einst von Tony Iomnmi produziert, tourte man bereits in den späten 70ern mit Legenden wie Black Sabbath, Saxon, Iron Maiden, UFO und Rush. Anno 2013 stehen die ebenfalls wie Ozzy Osbourne & Co. aus Birmingham stammenden Altvorderen auf der Bühne des Keep It True und sorgen im Vergleich zum ungestümen Death Thrash MORBID SAINTs für Kontrastprogramm, ist doch eingängiger Hard Rock bzw. früher Heavy Metal angesagt. Dabei wirken die angegrauten Herren natürlich nicht mehr ganz so taufrisch respektive etwas hüftlahm. Aber das macht nichts, wenn die Songs so zünden wie in eben diesem Fall. Zwar haben QUARTZ nicht ganz so viele unsterbliche Hits wie die unmittelbar darauf folgenden HOLOCAUST zu Buche stehen, dennoch bieten die Briten weitaus mehr, als lediglich ein schnöder Lückenfüller zwischen zwei Festival-Höhepunkten zu sein.

Als die NWOBHM-Legenden HOLOCAUST dann die Bühnenbretter entern, ist Vorfreunde und Anspannung im Publikum förmlich spürbar. Das erste Mal heute drängt es die Mehrheit vor die Bühne. Schnell noch so viel Bier, wie man tragen kann, abgreifen und in die ersten Reihen quetschen. Wenn dabei einiges verschüttet wird, wird das gerne in Kauf genommen. So auch eine Metal-Clique aus China, die das ganze Wochenende durch Dauergrinsen, gute Stimmung und besonders enthusiastische Reaktionen positiv aufzufallen weiß. Der in Würde ergraute Mr. Mortimer hat immer noch Charisma für zwei, wirkt immer noch rebellisch, wütend und unheimlich. Dem rauen, ruppigen, echten Charme von Klassikern wie 'The Small Hours', 'Death Or Glory', 'No Nonsense' oder 'Smokin' Valves' weiß sich ohnehin niemand mit Geschmack zu entziehen. Das erste Mal heute kommt so etwas wie Magie und Headliner-Stimmung auf. Wenn John mit seiner heute als Trio aufspielenden Band aber soliert, geht etwas der Druck im Gesamtsound verloren. Eine zweite Gitarre für etwas mehr PS hätte hier nicht geschadet. Als die Schotten dann noch den Übersong 'Heavy Metal Mania' anstimmen, singt wirklich alles und jeder mit. Arschgeile Vorstellung und ohne Zweifel eines der Festival-Highlights.

MEDIEVAL STEEL sind schon ein ziemlich befremdliches Phänomen: Seit Jahren wartet ein nicht gerade kleiner Prozentsatz an potentiellen Keep It True-Besuchern darauf, diese Epic Metal-Formation endlich mal in Lauda-Königshofen live erleben zu können. Legionen an Jungfans schwören vor allen Dingen auf die mit Eierquetscher-Gesang vorgetragene gleichnamige Bandhymne. Die Tatsache, dass die Amis in den 80ern lediglich eine EP sowie ein Demo herausgebracht haben, dürfte nicht unerheblich zum Kult um diese obskure Formation beigetragen haben. 2013 nun ist es endlich soweit, dass MEDIEVAL STEEL die Bretter des Keep It True betreten: Erwartungsgemäß werden die Amis von den Anwesenden abgefeiert, als gäbe es kein Morgen. Klar, dass tausend Kehlen die das Set abschließende Bandhymne lauthals mitgrölen. Aber auch schon davor gibt's enthusiastischen Beifall und innige Sympathiebekundungen. Selbst wenn kritische Stimmen im Publikum den späten Hype um die Formation nicht nachvollziehen können, stellt der Auftritt von MEDIEVAL STEEL einen absoluten Höhepunkt des Festivals dar, und so ganz nebenbei hat man mit der erwähnten Hymne auch noch einen Ohrwurm sondergleichen im Gepäck, der selbst im Nachgang noch auf dem Zeltplatz von so manchem Banger in bierseliger Laune oft, gerne und lauthals intoniert wird.

Ganz anders LIEGE LORD: Deren Kreuzung aus deftigem Speed und erdigem US-(Heavy) Metal kommt zuweilen reichlich komplex daher. Während bei vergleichbaren Formationen Leidenschaft und Hingabe spielerische Unzulänglichkeiten wieder wettmachen, sitzen bei den Amis jeder Drumbeat, jeder Anschlag der Saitenfraktion sowie jeder Gesangseinsatz wie die Faust auf dem Auge. LIEGE LORD legen einen äußerst professionellen, akribisch einstudierten Auftritt aufs Parkett, was einerseits natürlich zu begeistern vermag, andererseits jedoch etwas die nötige Spontaneität missen lässt. Dennoch schmälert dieser Kritikpunkt natürlich nicht die Qualität des Dargebotenen: Eine bunte Mischung aus Hits der drei LIEGE LORD-Alben „Freedom's Rise“, „Burn To My Touch“ sowie „Master Control“ prasselt auf die Hörer ein, dass es eine wahre Freude ist, diesem Ereignis beizuwohnen. Insbesondere die Songs des letztgenannten Drittwerks vermögen mitzureißen, aber auch Klassiker der ersten beiden Alben wie 'Prodigy / Wielding Iron Fists' oder 'Speed Of Sound' sorgen für unvergessliche Momente.

Dass POSSESSED als Headliner des diesjährigen Freitags verpflichtet wurden, mutete bereits im Vorfeld mitunter etwas seltsam an, denn normalerweise hat sich das Keep It True bis dato nicht gerade als Hort ursprünglichen des Death Metal hervorgetan. Und natürlich gab´s auch wieder kritische Stimmen, die besagten, dass ja einzig Sänger Jeff Becerra von der Originalbesetzung übriggeblieben ist und man darob auf den Namen POSSESSED nicht zurückgreifen sollte. Dennoch haben Jeff & Co. bereits in der Vergangenheit mehrmals deutlich unter Beweis gestellt, dass dergleichen Vorwürfe unberechtigt sind, versprühen die Amis doch heutzutage noch den unvergleichlichen Spirit dieser Legende. Als erster Musiker auf dem Keep It True zelebriert Herr Becerra eine Death Metal-Messe im Rollstuhl sitzend. Dabei kommt der Herr nach wie vor verdammt sympathisch und bodenständig rüber. Leider hat dieser Headliner-Auftritt jedoch einen großen Haken: Der Sound in der Tauberfrankenhalle ist für ein dergleichen schnelles Massaker denkbar ungeeignet. Komisch nur, dass der Klang bei MORBID SAINT ein paar Stunden vorher noch ganz in Ordnung war. Vielleicht liegt es auch an der Tatsache, dass die Anlage mittlerweile lautstärketechnisch erheblich hochgefahren wurde. Jedenfalls verwaschen kongeniale Gitarrenriffs, so dass selbst alteingesessene Fans der Band ihre lieben Schwierigkeiten haben, einzelne Songs voneinander zu unterscheiden. Das ist angesichts der Tatsache, dass gleich reihenweise Klassiker wie 'Swing Of The Axe', 'The Exorcist', 'The Heretic', 'Satan's Curse', 'Pentagram' oder das finale 'Death Metal' zum Besten gegeben werden, jammerschade. Trotz einer engagierten, beseelten Show bleibt so ein eher zwiespältiger Eindruck beim Fan zurück: Das Ganze hätte mit einem guten Sound soooo viel besser werden können…

 

Samstag

Was, wenn nicht ein Konterbier und junge Wilde, die Speed Metal zocken, kann einen Kater besser vertreiben? Eben! Und genau deswegen steht eine übernächtigte Legacy-Delegation pünktlich um 12 Uhr bereits vor der Bühne der Tauberfrankenhalle. Die Belgier lieben 80s-Metal, der Klampfer erinnert nicht nur wegen der Frisur an einen jungen Jeff Waters. Gecovert wird 'Violence & Force' von Exiter, der Bandname ist von Razor inspiriert, Raven werden zitiert und dazu fies als auch schnell abgerifft sowie gepost, was das Zeug hält. EVIL INVADERS gehören zu den Newcomer-Abräumern des Jahres. Genau wie der erste Auftritt von Enforcer damals, reißt die Band alle Anwesenden sofort mit. Für diese Tageszeit ist erstaunlich viele Headbanging vor der Bühne angesagt. 'Alcoholic Maniac' und 'Tortured By The Beast' sorgen heute für am meisten Euphorie im Publikum, das die ICE-Metaller (nicht nur) am Ende mit Sprechchören belohnt.

ATTIC sind momentan bei allen King Diamond/Mercyful Fate-Fans und Underground-Liebhabern in aller Munde. Teilweise kann man fast schon von einem regelrechten Hype sprechen. Wie dem auch sei, die Bühnenpräsenz und die Publikumsdichte geben den Senkrechtstartern aus NRW Recht. Allesamt im Gesicht angepinselt und in Leder gekleidet, gibt sich die Band auf einer mit Kerzenständern verzierten Bühne zugleich professionell als auch spontan. Bärenstarke Kompositionen wie 'Funeral In The Woods', 'The Invocation' oder 'The Headless Horsemen' verfehlen auch heute ihre Wirkung nicht. Nachdem das Energielevel von EVIL INVADERS natürlich nicht mehr zu toppen ist, lassen ATTIC eine dichte, mystische Atmosphäre sprechen. Eine mit viel Herzblut und Spielfreude dargebotene Interpretation des Mercyful Fate-Stücks 'Black Funeral' rundet eine wirklich starke Show perfekt ab. Und Satan sei Dank meint es der Soundmann auch recht gut mit dem Fünfer. ATTIC sollten das nächste Mal wohl höher im Billing stehen.

Danach dürfen die Alt-Thrasher TORANAGA ran. Auch wenn sie sicher nicht zu den super wichtigen Kult-Bands gezählt werden können, eilt ihnen der Ruf voraus, schon mehr oder weniger wichtig und wertvoll zu sein. Das Energielevel stimmt, manche Riffs sitzen, aber trotzdem will es vor der Bühne nicht sonderlich voll werden. Fairerweise ist der Platz im Billing zwischen ATTIC und MIDNIGHT für eine eher unbekanntere Band auch recht undankbar. Stücke wie 'Dealers Death', 'Sentenced' oder 'Sword Of Damocles' sorgen bei der Masse eher für zustimmendes Kopfnicken als Bangen und reißen es heute nicht wirklich heraus. Das neuere, etwas balladeske Stück 'The Ultimate Act Of Betrayal' ebenfalls nicht. Am meisten Bewegung sorgt der energetische "Hit" 'The Shrine' am Ende der Show. Grundsolide, aber nicht wirklich mitreißend.

Sofort in ihren Bann ziehen MIDNIGHT hingegen Freunde von Venom, Toxic Holocaust, alten Motörhead sowie dreckigem Rock'n'Roll bzw. Punk. Die Amis zertrümmern gleich mal zu Beginn sehr eindrucksvoll eine Gitarre. Das in schwarze Kapuzen gehüllte Trio macht absolut keine Gefangenen. Ständig in Bewegung, die Bibel des Rockposings auswendig gelernt, rotzt die Band wie von der Tarantel gestochen Stück für Stück (z.B. 'Lust Filth And Sleaze', 'You Can't Stop Steel') herunter. Dabei agiert sie spielerisch brillant und arschtight, was definitiv bei dieser Art von Musik ein großer Pluspunkt ist. Der druckvolle Sound trägt hier noch zusätzlich zur unglaublichen Durchschlagskraft der Amerikaner bei. Der bis dato mit Abstand wildeste Moshpit, der sich in Mosher sowie Pogo aufteilt, ist über den gesamten Auftritt in Bewegung. Ohne Frage eines der Festival-Highlights!

Nach dem tödlichen US-Rock'n'Roll-Kommando brauchen einige eine Pause. Schade für OCTOBER 31, die danach einen mehr als amtlichen Gig hinlegen. Die sehr sympathisch wirkenden Amis um Frontmann King Fowley fahren den klassischen, nach vorne peitschenden Midtempo Heavy-Sound, abgerundet durch das coole Saxon-Cover 'Power And The Glory'. Die sehr tight und spielfreudig zockenden Musiker ziehen unbeirrt ihr Ding durch und spielen wie gewohnt vor zehn Zuschauern genauso enthusiastisch wie vor 1000. Trotzdem dürfte Mr. Fowley mit Deceased nächstes Jahr noch mehr abräumen können.

Egal, um welche LEGEND es sich handelt: Ob nun die US-Amerikaner, deren 1979er-„Fröm The Fjörds“ ein absoluter Klassiker ist oder die britische New Wave-Formation selben Namens, man bekommt immer erstklassige Mucke serviert. Beim Keep It True 2013 jedenfalls treten Letztere in Erscheinung und liefern einen allemal denkwürdigen Auftritt ab. Zwei Longplayer, eine EP sowie ein Demo stehen in der 80er-Diskografie der englischen LEGEND zu Buche. Unvergessen dabei das gleichnamige Debüt, welches sieben zumeist überlange Stücke beinhaltet, die einerseits heavy, andererseits aber auch herrlich vertrackt daherkommen. Wie schon bereits QUARTZ am Freitag kommen auch LEGEND etwas hüftlahm daher, was allerdings angesichts des Alters der involvierten Herren keineswegs großartig verwundern dürfte. Auch heutzutage bringen die Briten noch munter neue Alben raus, erst kürzlich erschien mit „The Dark Place“ ein weiterer Longplayer. Summa summarum ist der Auftritt LEGENDs wie der von QUARTZ am Tag zuvor alles in allem äußerst unterhaltsam.

JACK STARR, seines Zeichens Mitbegründer von Virgin Steele, hatte in der Vergangenheit weniger Erfolg mit seinen musikalischen Projekten als sein ehemaliger Bandkollege David DeFeis. Was bleibt, sind einige wenig beachtete Soloprojekte sowie jener Beitrag Jacks, der auf triumphale Art und Weise in die Annalen des epischen Heavy Metal Einzug hielt: Das gleichnamige Virgin Steele-Debüt sowie das Zweitwerk „Guardians Of The Flame“ ebneten den Weg zu „Noble Savage“, einem frühen Höhepunkt der Bandgeschichte. Von den ersten beiden Virgin Steele-Alben zocken JACK STARR nebst Hintermannschaft an diesem Abend viele Songs. Und genau dieser Umstand führt dazu, dass Fans der Band regelrecht Freudentränen vergießen. Vor einigen Jahren traten ja schon mal Virgin Steele selbst an gleicher Stelle auf. Der damalige Gig war in Ordnung, bot jedoch eine Retrospektive des gesamten Schaffens der Formation und war sehr von Keyboardsounds dominiert. Das ist anno 2013 ganz anders: Die bodenständigeren Songs aus der Frühzeit Virgin Steeles kommen hier zum Zuge, und genau das stößt beim Publikum auch offene Türen auf, weswegen der ehemalige DeFeis-Mitstreiter hier anständig abräumt.

Ehrlich gesagt, war meinereiner nie der absolute STEEL PROPHET-Fan. Doch da zuweilen progressiv angehauchter US-Metal beim diesjährigen Keep It True ohnehin Mangelware ist, gibt man sich den Klängen der Amis gerne hin. Dabei sind STEEL PROPHET eine der wenigen Ausnahmen beim Keep It True, deren Karriere eigentlich erst Mitte der 90er anzulaufen begann. Die Jungs präsentieren sich anno 2013 in musikalisch bestechender Form: Perfekt aufeinander eingespielt, zaubern die sechs Ausnahmekünstler eine homogene, mitreißende Darbietung auf die Bretter. Ein absoluter Höhepunkt ist dann die erstklassige Interpretation von Queens 'Bohemian Rhapsody', die selbst Dream Theater nicht authentischer hinbekommen würden.

ANGEL WITCH erfreuen danach die Herzen aller alteingesessenen NWOBHM-Freaks. Sänger und Gitarrist Kevin Heybourne & Co. steigen mit 'Atlantis' in ein Set ein, das vor Klassikern nur so überquellt. Unmittelbar nach dem Opener folgt mit 'Confused' ein weiterer Smash-Hit vom Debüt. Danach berücksichtigen ANGEL WITCH in ihrem Set weitere Stationen ihrer Karriere, unter anderem auch die 2012er-Scheibe „As Above, So Below“. Für einen ersten epischen Höhepunkt sorgt das halbballadeske 'Free Man', das aus tausenden Kehlen mitgegrölt wird. Natürlich wird auch der abschließend präsentierten Bandhymne 'Angel Witch' diese Ehre zuteil. Zusammen mit HOLOCAUSTs 'Heavy Metal Mania' und MEDIEVAL STEELs 'Medieval Steel' bildete dieses Stück sozusagen das glorreiche „Triumvirat“ der diesjährigen Keep It True-Ohrwürmer. Kevin Heybourne und seine Mitstreiter präsentieren sich an diesem Abend in Lauda-Königshofen jedenfalls in bestechender Form und zelebrieren ihren düster-melancholischen Heavy Metal ureigenster Prägung auf unwiderstehlich intensive Art und Weise. Wenngleich ich persönlich mir auch mal mehr Stücke vom Zweitwerk „Screamin' N' Bleedin'“ wünschen würde… Egal, auf jeden Fall stellt man sich nach diesem Orkan erstklassiger Musik die Frage, wie man dieser kongenialen Vorstellung noch was entgegenzusetzen vermag?

Nun, man muss schon WARLORD heißen, um gegen eine solche Legende bestehen zu können. Die Verpflichtung dieser Band fürs Keep It True war, genau wie die von ANGEL WITCH, längst überfällig. Und WARLORD werden ihren Vorschusslorbeeren allemal gerecht: Kein Wunder, bei Klassikern wie 'Deliver Us From Evil', 'Mrs. Victoria', 'Soliloquy' oder 'Aliens' im Gepäck! Beim Uptempo-Kracher 'Child Of The Damned' ist kollektives Durchdrehen angesagt, und selbst das mit einem etwas schwülstigen Text gesegnete 'Lost And Lonely Days' überzeugt. Mächtig dann das epische, mitunter an die glorreichen Tage alter Manowar erinnernde 'Black Mass'. Zum Ende des regulären Sets schleicht sich dann etwas Langeweile ein, haben die Amis doch bereits zu Beginn ihre größten Hits am Stück ins Publikum gepfeffert. Die letzten Kräftereserven aller Anwesenden werden dann beim als Zugabe gezockten 'Lucifer's Hammer' mobilisiert. Die Band präsentiert sich zu jeder Sekunde des Sets spieltechnisch auf der Höhe des Geschehens. Selbst wenn mitunter ebenso neue Musiker zugegen sind, vermögen WARLORD auch heute noch jene Magie der alten Scheiben zu versprühen. Und das ist es, was aus diesem Auftritt ein unvergessliches, intensives Hörerlebnis macht, etwas, das eines Headliners mehr als würdig ist! Und so neigt sich nunmehr auch das 16. Keep It True seinem Ende zu: Dieses Mal hatte man es geschafft, ein noch stärkeres Line-up als in den vergangenen Jahren zusammenzustellen. Das darf gerne so weitergehen! Für nächstes Jahr sind bereits Jag Panzer, Persian Risk, Deceased, Iron Cross, Lethal, Attentat Rock, Deep Machine, Night Demon, Hexx, Atlantean Kodex und Sinner bestätigt.

Text: Christian Wachter & Markus Wiesmüller

Text:  Christian Wachter & Markus Wiesmüller

Tag 1: Endlich ein weiteres Kapitel des Hammer Of Doom Festivals, das sich mittlerweile zu einem festen Standard etabliert hat und angeblich um die 1.000 zahlende Gäste erwartet. Gut so! Dem Freitagabendverkehr sowie einem etwas verfrühten Beginn „sei Dank“, bekommt die Legacy-Delegation leider nur noch die zweite Sethälfte der Griechen DOLOROUS SHOCK mit. Auch währenddessen ist es leider noch nicht recht voll vor der Bühne. Die Hellenen wirken noch etwas schüchtern und unsicher, die Spielfreude ist ihnen aber trotzdem anzumerken. Das Epic Metal-Brett 'Dolorous Shock' zum Showende bleibt dennoch positiv hängen.

Ehe die Briten DESOLATION ANGELS die Bretter entern, hat sich die Posthalle schon angenehm gefüllt. Eilt der seit 1981 aktiven Band, die später nach L.A. umgesiedelt ist, doch auch ein gewisser Kultstatus voraus. Dies unterstreicht, dass die Show vom Sensenmann persönlich angesagt wird. Sehr negativ fällt der junge Drummer auf. Sehr oft verspielt er sich und spielt recht hüftsteif und alles andere als groovy. Es wirkt, als fühle er sich bei dieser Art von Musik nicht wohl. Gesang und Gitarrenarbeit der beiden Ur-Mitglieder können hingegen voll überzeugen. Immer wieder lassen tolle Soli aufhorchen. Als Highlight kristallisieren sich heute 'Evil Possessor', 'Only Time Will Tell' und 'Spirit Of The Deep' heraus.

DARK AT DAWN wollen eigentlich nicht so recht ins Billing des Freitagabends passen: Die meisten Anwesenden sind eher auf zutiefst traditionelle, epische, zuweilen auch etwas progressivere Momente eingestellt, weswegen der melodische, düstere Power Metal der kürzlich erst neu formierten Formation da nicht so recht ins Bild passen will. Dementsprechend mager fällt auch der Zuspruch des Publikums aus, die Reihen lichten sich doch merklich. Dies mag wohl ebenso daran liegen, dass DARK AT DAWNs Musik an und für sich wenig spektakulär daherkommt. Den mehr oder weniger eigenständigen Ansatz der Gruppe in allen Ehren, aber rein musikalisch gesehen bekommt man lediglich Standardkost geboten. Wie dem auch sei: Nach Veröffentlichung der "Noneternal"-EP im Herbst dieses Jahres soll 2013 ein neues Album der Jungs aus dem Harz erscheinen.

 

Bei DARK QUARTERER füllt sich der Platz vor der Bühne dann wieder zusehends, und das trotz der Tatsache, dass die Italiener Musik präsentieren, die zuweilen reichlich kopflastig daherkommt. Dafür finden sich jedoch immer epische Höhepunkte im Sound der Südeuropäer, die bei den Anwesenden für Begeisterungsstürme sorgen. Aufgrund einer zwar wenig agilen, aber technisch einwandfreien Performance zählen DARK QUARTERER zweifelsohne zu den Gewinnern des Abends.

Die Band, auf die die meisten Besucher des "Epic Fridays" sehnsüchtig gewartet haben, entert mit einer Killer-Setlist die Bühne: DEMON zocken zuhauf Klassiker, was angesichts der Hitdichte im Backkatalog der Briten keineswegs verwunderlich ist. Natürlich feierten die Jungs um Ausnahmesänger Dave Hill einst im Zuge der New Wave Of British Heavy Metal ihre größten Erfolge. Dennoch ist der Sound DEMONs natürlich weitaus vielschichtiger und wildert auch mal gerne in melodischen (Hard) Rock-Gefilden. Auch vor dem Einsatz von Synthesizerklängen schrecken die Engländer nicht zurück. Das Apple-Notebook, das auf dem protzigen Keyboard angebracht ist, bewirkt bei manchem traditionellen Fan eher Befremden. Dennoch können DEMON ihre Fans zufriedenstellen und beschließen den Vorabend des Hammer Of Doom standesgemäß mit Mitsinghymnen der Marke 'Night Of The Demon', 'Standing On The Edge' und 'Don't Break The Circle'.

Bei Klassikern von Mercyful Fate und King Diamond feiern anschließend im kleinen Immerhin-Club im selben Gebäude noch einige Leute die dänische Coverband MERCYFUL DIAMOND heißblütig ab, bevor sich über diese Nacht die alkoholgeschwängerten Nebel der Vergessenheit legen.

 

Tag 2: Vielen steckt die geile Aftershow-Party mit der Mercyful Fate-Coverband inklusive einiger Biere noch in den Knochen. Kaffee und Aspirin statt Bier ist angesagt. Insofern ist die entspannte, mit Orgel und 70s-Rock gepickte Musik der deutschen Newcomer ORCHUS CHYLDE eine angenehme Hintergrundkulisse. Nicht mehr, nicht weniger! Was schon auf Konserve zu dröge war, funktioniert leider auch für einige Besucher auf der Bühne nicht so recht. Speziell in längeren Jam-Passagen wird das Potential der jungen Musiker aber dennoch sichtbar.

Danach wird es cool as fuck! Der Sänger der Ur-Doomer COVEN aus Detroit nimmt die Sonnenbrille während der ganzen Show nicht ab. Es ist ganz schön was los vor der Bühne für diese Tageszeit. Und irgendwie ist es der spröde Charme, diese kühle, bewegungsarme Art, die stimmig zur Musik passt. Gerade bei den langsamsten, etwas an Black Sabbath erinnernden Songs wie 'Frost Giants' entstehen ein paar magische Momente

Dass die Münsteraner ZODIAC zuletzt eine geile Platte gemacht haben und live gern abräumen, ist ja bereits bekannt. Was die Band aber heute abliefert, ist ganz großes Rock'n'Roll-Kino und soll neben den Headlinern als eines der Festival-Highlights durchgehen. Die Jungs freuen sich, wenn wir ihre Mucke laut im Auto hören. Gute Idee! Fronter Nick van Delft hat so viel dreckigen Mississippi-Blues und Feeling in der Stimme, dass man sich mit geschlossenen Augen durchaus einen Schwarzen vorstellen könnte. 'Carnival' , 'Coming Home' oder 'Assembly Line', die schon auf Platte enorm zünden, sind heute live eine wahre Macht. Es ist schön mit anzusehen, wie die Band von Song zu Song immer mehr Leute in ihren Bann zieht. Das ZZ Top-Cover 'Blue Jean Blues' kommt dermaßen geil, dass es sogar das Original in den Schatten stellt und für reichlich Gänsehaut sorgt.

HORISONT aus Schweden kommen, sehen und siegen. Astreiner Classic Rock mit Vintage-Sound, dargeboten mit viel Spielfreude, Energie und Hummeln im Arsch. Das weiß von der ersten Minute an zu fesseln und lässt die Show wie im Nu vorübergehen. Der Sound ist erste Sahne, und irgendwie verschwimmen die einzelnen Songs bei fortgeschrittenem Bierkonsum für viele zu einem großen, stimmigen Ganzen.

NAEVUS hielten einst in den 90ern, als Doom Metal keine Sau interessierte, die Flagge dieses Subgenres hierzulande eisern hoch. Dafür gebührt den Baden-Württembergern Respekt. Ob die Welt nunmehr eine Reunion der Truppe wirklich dringend braucht, sei dahingestellt. Jedenfalls vermögen die Jungs zumindest live in Würzburg zu überzeugen. Geboten wird ein gelungener Querschnitt aus den bisherigen Veröffentlichungen der Doomer.

Während NAEVUS eher die Traditionalisten zufrieden stellen, wirken NECROS CHRISTOS auf dem Billing des Slow-Mo-Festivals etwas deplatziert. Gut, der düstere Death Metal der Berliner kommt auch des Öfteren mit allerlei doomigen Elementen sowie lavagleichen, zähflüssigen Riffs daher. Man zeigt sich redlich bemüht, die Atmosphäre, die auf den Alben vorherrscht, zu rekapitulieren, auch die Performance wirkt zwar intensiv, aber nicht bis in letzter Konsequenz so stimmig wie auf den Studiowerken. Trotz der Tatsache, dass ein Gros des Publikums eher auf Doom ausgerichtet ist, schaffen es NECROS CHRISTOS, auch im Rahmen dieser Veranstaltung zu bestehen und für begeisterte Reaktionen zu sorgen.

Etwas zwiespältig werden hingegen SOLSTICE aufgenommen: Die Erwartungshaltung seitens der Fans wurde im Vorfeld bereits, unter anderem auch durch Gitarrist Rich Walkers exzentrisches Gebaren, in schwindelerregende Höhen geschraubt. Dass Sänger Paul Thomas Kearns dann stimmlich leider nicht immer voll auf der Höhe ist und manches Mal sogar im Timing hinterherhinkt, ist enttäuschend. Leider musizieren zuweilen auch seine Mitstreiter an den Instrumenten etwas aneinander vorbei. Trotzdem liefern SOLSTICE alles in allem einen mitreißenden Gig ab. Schade allerdings auch hier, dass die Studiowerke im Vergleich zum livehaftigen Auftritt regelrecht göttergleicher Natur sind und dass auf der Bühne diese unvergleichliche Aura nicht reproduziert werden kann.

THE SKULL hatten beim Auftritt auf dem diesjährigen Hells Pleasure Open Air unmittelbar nach dem Feuerwerk, das Midnight kurz zuvor heraufbeschwörten, keinen leichten Stand. Das Hammer Of Doom passt da rein musikalisch gesehen schon eher. Endlich steht Eric Wagner auf der Bühne dieser Veranstaltung, um alte Trouble-Songs zum Besten zu geben. In der Vergangenheit war er ja bereits mal mit Death Row zugegen, um Pentagram-Klassiker zu intonieren. Und Trouble selbst sorgten einst mit Warrior Soul-Fronter Kory Clarke für reichlich gespaltene Meinungen. An diesem Abend jedoch sind sich alle einig, einer besonderen Show beizuwohnen: Kein Wunder, zelebrieren THE SKULL doch alte Trouble-Songs, dass es eine wahre Freude ist! Die Chicagoer sind schlichtweg der perfekte Co-Headliner für eine absolute Legende namens PENTAGRAM.

Diese sind und bleiben unbestritten die aktuellen Könige der alten Doom-Garde. Leider dürfen wir heute den vermutlich letzten Gig inklusive Saitenhexer Victor Griffin erleben. Warum, ist rätselhaft, sollte doch Bobby mittlerweile clean und leichter zu handeln als früher sein. Wie auch immer, Griffin performt heute, als ginge es um sein Leben. Cool as fuck bearbeitet er seine Les Paul mit einer Energie, Aggression und Hingabe, die vielen die Kinnlade nach unten kippen lässt. Und dieses Feeling in den Fingern! Mehr als sonst ist heute irgendwie er, nicht Bobby Liebling, der primäre Hingucker. Natürlich lieben wir seine schrillen Outfits, das Züngeln, die Grimassen und wenn er sich mal am Boden wälzt. Es wird schwer sein, jemanden zu finden, der dieses Charisma-Duo ähnlich gut verkörpern kann. Zu PENTAGRAM ist es so voll vor der Bühne, dass sich viele mit Ellenbogen Luft erkämpfen müssen und die Hälfte ihrer Getränke dabei verschütten. Egal! Von Teenie bis Opa, von Biker bis Kutten-Metaller, von Rocker bis Doom-Jünger, die Posthalle kocht und frisst den Amis aus der Hand. Heute bringen die vielen Stücke von „Relentless“ und der 70s-Phase am meisten zum Ausflippen.

Eine der geilsten Shows des gesamten Jahres 2012 lässt ein geniales Hammer Of Doom Festival einmal mehr absolut würdig und magisch zu Ende gehen. So soll es weitergehen. Wir freuen uns auf die nächste Runde! (CW und MWM)

 

 

 

Silver Horses

Tuesday, 30 October 2012 00:00 Published in Aktuelle Interviews

 

SILVER HORSES besteht aus diversen italienischen Musikern sowie dem Ex-Black-Sabbath-Sänger Tony Martin am Gesang. Schon lange spukte im Kopf unseres Gesprächspartners Gianluca Galli (Gitarre) die Idee herum, eine Band ins Leben zu rufen, die sich voll und ganz den 70er Jahren verschreiben sollte. “Ich fing mit einigen meiner Kollegen an, eigene Songs zu schreiben und zu proben. Innerhalb eines Jahres standen letztendlich 15 bis 18 Tracks zu Buche.” Elf davon fanden ihren Weg auf das dieser Tage erscheinende, selbstbetitelte Debütalbum von SILVER HORSES. Auch der Bandname entsprang der Inspiration Gianlucas, wie dieser bekräftigt: “Die Worte “Silver Horses” tauchen in Creams Song 'White Room' auf, darüber hinaus trägt ein Badlands-Stück diesen Titel. Ich verehre die Badlands, und speziell Gitarrist Jake E. Lee sowie Sänger Ray Gillen sind zwei meiner Lieblingsmusiker. Darüber hinaus schätze ich mich glücklich, Jake E. Lees Les Paul zu besitzen, und zwar genau jene, die er für die Aufnahmen zu Ozzy Osbournes “Bark At The Moon”-Album benutzte! Ich spielte damit einige SILVER HORSES-Songs ein, die Axt inspirierte mich wirklich sehr! Unser Bandname klingt auch sehr nach den 70ern, sehr alt sozusagen.”

 

Dabei möchte Gianluca SILVER HORSES auch definitiv als Band im ursprünglichen Sinne verstanden wissen. “Wahrscheinlich waren wir zu Beginn noch eher eine Art Projekt, aber als unsere Zusammenarbeit fortschritt und nach der ganzen Zeit, die wir zusammen verbrachten, kann man uns als wirkliche Rock-Band bezeichnen! Bereits im Juni traten wir miteinander auf, und unser Management plant, im kommenden Frühjahr/Sommer ein paar Gigs zu organisieren.” Was auffällt, ist die Tatsache, dass Tony Martin nach seiner Zusammenarbeit mit Dario Mollo nunmehr in diesem Jahr mit SILVER HORSES bereits die zweite Kollaboration mit italienischstämmigen Musikern auf die Beine gestellt hat. “Es hat durchaus den Anschein, als ob Tony über eine spezielle Bindung zu Italien verfügt! Wir kamen auch durch unseren Freund Dario Mollo in Kontakt mit ihm. Vor zwei Jahren trafen wir uns in London und unterhielten uns über das Projekt. Das Feeling war von Anfang an da, und er fing an, Texte als auch Gesangsharmonien auszuarbeiten. Tony veränderte einige Songstrukturen, um sie an seine Vocals und seine Art zu singen anzupassen. Das war schon ein langer, harter, aber durchaus kreativer Arbeitsprozess! Manchmal glaubten wir, dass das Stück schon fertig sei, aber dann hatte Tony doch noch eine neue Idee oder meinte, dass man diverse Parts noch verändern könne. Daraufhin mussten wir entweder das Ganze neu aufnehmen oder gleich von Grund auf umstrukturieren.”

 

Gianluca erwähnte bereits, dass SILVER HORSES eine Band sei, die sich ganz der Rockmusik der 70er Jahre verschrieben habe. Dies ist einerseits richtig, da Sounds dieser spezifischen Ära aus der Feder von Helden wie Led Zeppelin oder Van Halen durchaus das Grundgerüst der Musik der Formation bilden. Allerdings schaffen es SILVER HORSES, diese Einflüsse in ein modernes Korsett zu zwängen, das durchweg zeitgemäß ist. “Wir beabsichtigten, die Stimmung und Atmosphäre der 70er einzufangen und neu zu erwecken – Led Zeppelin über alles! Es war eine interessante Herausforderung für Tony, bluesiger zu singen. Für mich persönlich hört sich unser Debüt sehr nach Led Zeppelin an, aber ich habe schon viele Leute gehört, die meinten, dass wir sehr modern klingen würden, dass wir durchaus über ein eigenes Gesicht verfügen würden. Ich finde das sehr komisch, da ich glaubte, dass SILVER HORSES lediglich eine Art Led Zeppelin-Klon sei... aber vielleicht ist das nur eine fixe Idee von mir?!” Eigenständig sind die “Silberpferde” auf jeden Fall – und enorm produktiv, haben die Jungs doch schon wieder vier neue Songs fertig geschrieben.

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CAN "The Lost Tapes" 3-CD Re-Release

Wednesday, 12 September 2012 00:00 Published in Elektrolurch

CAN zählen neben Megasellern wie den Scorpions, Kraftwerk und nicht zuletzt auch Rammstein zu den vor allen Dingen im Ausland bekanntesten und einflussreichsten deutschen Bands. Ursprünglich anno 1968 von Stockhausen-Schülern unter der Prämisse, experimentelle Musik bar jeglicher Grenzen zu schreiben, ins Leben gerufen, steckten Journalisten wie Fans die Formation kurzerhand in die damals gerade zeitgemäße Schublade Krautrock. Dass man zwar die Außenwirkung als Rockgruppe besaß, letzten Endes jedoch nie dieser einengenden Stilbeschreibung entsprach, steht auf einem anderen Blatt. Der Einsatz elektronischer Elemente im Bandsound führte dazu, dass man CAN gemeinhin als Vorreiter eines Genres sah, das von Gruppen wie den erwähnten Kraftwerk, Neu! oder Tangerine Dream konsequent weitergeführt und –entwickelt wurde. Auch Künstler wie David Bowie, Brian Eno beziehungsweise Formationen wie Radiohead, Joy Division, Siouxsie And The Banshees, The Mars Volta, Sonic Youth oder Portishead nannten CAN als prägenden Einfluss auf ihre Musik. Insbesondere das Doppelalbum „Tago Mago“ aus dem Jahr 1971 gilt als Meilenstein. Das Rock N Pop Museum erwarb das ehemalige Tonstudio der Vabd, das einst den Namen Inner Space trug und sich im nordrhein-westfälischen Weilerswist befand, um es in Gronau wiederaufzubauen. Der Kauf der Immobilie stellte sich im Nachhinein als echter Glücksgriff für die Musikwelt heraus, denn während der Abbauarbeiten fand man in einem alten Archiv-Schrank eine Vielzahl an unbeschrifteten Master-Bänder. Diese beinhalteten mehr als 30 Stunden bis dato nie veröffentlichtes Material. 30 Songs auf drei randvollen CDs aufgeteilt hat man im Rahmen der "Lost Tapes" so zusammengetragen, die sowohl für Insider als auch für Neueinsteiger in das komplexe, variantenreiche Schaffen der Band interessant sein dürften. Die Aufnahmen entstammen der „klassischen“ CAN-Zeit, als Holger Czukay (Bass, Sound-Engineer, Elektronik), Michael Karoli (Gitarre, Gesang, Violine), Jaki Liebezeit (Schlagzeug, Percussion) und Irmin Schmidt (Keyboards, Gesang) das Grundgerüst der Truppe bildeten. Als Frontmänner agierten bei den meisten Aufnahmen der „Lost Tapes“ sowohl Malcolm Mooney als auch dessen Nachfolger Damo Suzuki. CAN bewegen sich einmal mehr im Spannungsfeld zwischen Avantgarde, Psychedelic, Rock 'n' Roll, Weltmusik, Electro und Minimal Music. Angesichts der Entstehungszeit der einzelnen Songs ist es mehr als verblüffend, wie vielfältig und frisch das gebotene Werk auch heutzutage noch klingt. Für die zahlreichen Fans ist die vorliegende Zusammenstellung ein absolutes Muss, da der 3-CD-Box nicht zuletzt auch noch ein 28-seitiges 10-Inch-Booklet mit ausführlichen Linernotes von Irmin Schmidt und einem Essay von Ian Harrison beiliegt. 

 

 

 

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