Sicherlich klingt dieser Bandname auf Anhieb ein wenig ungewöhnlich, jedoch werden ihn nur die wenigsten wieder vergessen, wenn sie erst einmal über die Worte A COLOUR COLD BLACK gestolpert sind. Das findet auch Bassist Niki Höning. „Der Name muß den Leuten im Gedächtnis bleiben und soll das Gefühl veranschaulichen, das unsere Musik ausstrahlt. Ein Schwarz, eine Dunkelheit, die auf irgendeine Weise kalt wirkt.“ Musikalisch haben sich die Niedersachsen geringfügig progressivem Industrial verschrieben, der Erinnerungen an Bands wie Strapping Young Lad oder Fear Factory hervorruft. „Schön, daß du Strapping Young Lad erwähnst,“ freut sich Niki, „meine Hymne von ihnen ist ‚Velvet Kevorkian’! Nehmen wir noch ein wenig von Sepultura und Marylin Manson hinzu, dann haben wir in etwa unsere Musik. Wir suchen auch immer noch nach einem Begriff, der unsere Musik am besten umschreibt. Zur Zeit nennen wir es ‘Noisy Industrial-Thrash‘ Aus dem ‚noisy’ könnte vielleicht bald ein ‚rocking’ werden. Weitere Bands, die wir uns gerne zu Gemüte führen, sind Meshuggah, Type O Negative, Shihad oder auch Malevolent Creation.“ Mit „Adrenaline Agony“ liefern A COLOUR COLD BLACK bereits ihren zweiten selbstproduzierten Longplayer ab. In diesem Falle wurde die Scheibe von der Band in Eigenregie auf einem Computer aufgenommen und das Ergebnis ehrt die Band wirklich. Doch Niki revidiert: „Natürlich ist man als Band im Nachhinein nie ganz zufrieden, insbesondere nicht mit dem Gitarrensound, der doch sehr kratzig ist und rockiger sein müßte. Aber das Cubase-Programm zeigt, daß es bestens dafür herhalten kann, um die Mucke einer Band ohne Plattendeal korrekt rüberzubringen.“ Optisch repräsentiert wird „Adrenaline Agony“ durch das stimmungsvolle Bild eines Operationssaals in kräftigem Blau. Und Niki kann meine Vermutung, daß es sich um eine Veranschaulichung der textlichen Inhalte handelt, durchaus bestätigen. „Der Typ auf dem Cover ist umrahmt von den Automaten, die ihn am Leben halten. So geht es auch dem Ich in den Texten. Von menschlichen Beziehungen ist nichts zu spüren und es wird angezweifelt, ob sie überhaupt so toll sind, wie alle behaupten. Ich habe im letzten Jahr ein paar herbe Enttäuschungen erlebt, die mir solche wandelnden Flaschenrecyclingcontainer beigebracht haben, es war sehr derb.“ In aller Freundschaft trennte man sich hingegen von Gitarrist Jan Winkelmann, der die Band nach der Aufnahme von „Adrenline Agony“ verließ. Doch für A COLOUR COLD BLACK hat sich daraus kein Nachteil ergeben, wie Niki zu berichten weiß. „Als Trio mit nur einer Gitarre hat sich ein wahrer Kreativitätsschub ergeben. Es stehen bereits wieder fünf neue Songs, die verstärkt in eine groovigere, rockigere und baßlastigere Kerbe hauen, aber dennoch hundertprozentig nach A COLOUR COLD BLACK klingen. Auch live sind wir kraftvoller, da kompakter. Übrigens sind wir immer gerne bereit, für wenig Geld eine geile Show hinzulegen.“ Wer Interesse hat, die Band für ein Konzert zu verpflichten oder sich einfach nur „Adrenaline Agony“ abgreifen will (kostet 20,- DM inkl. P&V), sollte sich schnellstens bei Jan Starke, Luther Weg 80, 31515 Wunstorf melden oder einen Blick auf die Homepage www.acolourcoldblack.de werfen. Zum guten Schluß interessierte mich noch, welche Stellung der Underground für A COLOUR COLD BLACK einnimmt, schließlich sind sie zweifellos Teil dieser Szene. Doch Niki wägt ab, denn für ihn ist der Underground sowohl etwas, wofür er einen Teil seines Idealismus aufopfert, als auch ein notwendiges Übel, durch das sich die meisten Anfängerbands erst einmal kämpfen müssen. „Diese Non-Profit-Szene ist natürlich durch nichts zu ersetzen und man trifft die nettesten Leute. Doch auch hier geht es um Geld und Absprachen, die eingehalten werden sollten, was allzu oft nicht passiert. Aufgrund einiger Enttäuschungen hätte ich nichts dagegen, auch mal andere Luft zu schnuppern.“ Und sie sind auf dem besten Weg dorthin.
Sascha Blach