LEGACY - The Voice from the Darkside

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Thursday, 15 June 2000 02:00

 

The Black League

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Taneli Jarva dürfte für den Großteil unserer Leser sicherlich kein Unbekannter sein. Immerhin zeigte sich der charismatische Finne in den Jahren 1992 bis 1996 als Sänger und Bassist von Sentenced für Kultalben wie „North From Here“ oder „Amok“ mitverantwortlich. Knappe vier Jahre nach seinem Ausstieg bei den Nordlichtern ist Taneli nun mit „Ichor“, dem Debut seiner neuen Band THE BLACK LEAGUE, zurück und informierte mich direkt via Mobiltelefon aus dem dichten Straßenverkehr heraus über den neusten Stand der Dinge.

LEGACY: Aus welchen Gründen hast Du Sentenced 1996 eigentlich verlassen?
TANELI: Der wichtigste Grund war wohl, daß ich mich in der Band nicht mehr wohlfühlte. Unsere letzte gemeinsame Tournee war kaum auszuhalten. Jedes Mal, wenn ich auf die Bühne stieg, fühlte ich mich nur noch wie ein Schatten meiner selbst. Als wir dann anfingen, neue Songs zu schreiben, fehlte mir jegliche Motivation und ich merkte, daß dies nicht mehr meine Musik war. Ich wollte viel lieber meine eigenen Ideen umsetzen. Aber ich war auch ziemlich angepißt vom Musikgeschäft und brauchte einfach einmal eine Pause. Also wollte ich Sentenced nicht weiter im Weg stehen, zumal sie danach ein besseren Sänger gefunden haben und nun zu Recht sehr erfolgreich sind.
L: Sami erzählte mir, daß ihr nach wie vor gute Freunde seid.
T: Ja, vor allem Sami ist immer noch ein sehr enger Freund von mir. Wir hatten niemals persönliche Probleme innerhalb der Band, auch wenn es gegenteilige Gerüchte gab. Vielleicht lag es ja auch daran, daß ich diese Gerüchte niemals ausdrücklich dementiert habe.
L: Wie findest du die Sentenced-Alben aus der Post-Jarva-Ära?
T: Ich muß ehrlich zugeben, daß ich sie gar nicht besitze und auch nur gelegentlich mal einen Song im Radio, im Fernsehen oder in der Kneipe gehört habe. Sie haben auf jeden Fall erreicht, was sie wollten und arbeiten sehr professionell. Sentenced sind nicht umsonst eine der größten Bands hier in Finnland.
L: Was hast du selbst nach deinem Ausstieg bei Sentenced getrieben?
T: Das Ergebnis liegt vor Euch! Der älteste Song auf „Ichor“ ist bereits aus dem Jahre 1992 und der Großteil der Scheibe ist im Zeitraum von 1994 bis 1995 entstanden. THE BLACK LEAGUE nahm schon kurz nach meinem Ausstieg bei Sentenced konkrete Formen an. Mit Sir Luttinen habe ich bereits bei Impaled Nazarene einige Zeit zusammengespielt und ein Jahr später stand auch die restliche Band. Daß es bis heute gedauert hat, bis unser Debut veröffentlicht wird, war beabsichtigt, da ich erst einmal Abstand gewinnen mußte und private Dinge klären wollte.
L: Hast du seit deinem Ausstieg bei Sentenced etwas vermißt?
L: Wahrscheinlich sollte ich jetzt sagen ‚die Fans’, aber das stimmt nicht. Wenn ich etwas vermißt habe, dann das Gefühl, mit einem neuen Song in den Proberaum zu marschieren und ihn mit den anderen einzuüben und neue Songs zu entwickeln.
L: Mit etwas Phantasie könnte man „Ichor“ als eine logische Fortsetzung von „Amok“ betrachten...
T: Das sehe ich anders, denn die einzigste Gemeinsamkeit ist der schlechte Sänger (lacht). Zu „Amok“ hatte ich lediglich zwei Songs beigesteuert und ich mag die Scheibe auch nicht sonderlich. „Ichor“ stammt hingegen fast komplett aus meiner Feder. Mir fällt es auch schwer, die Musik zu beschreiben. THE BLACK LEAGUE klingt in jedem Fall viel gewöhnungsbedürftiger und steht eher für eine Art Anti-Metal. Ich lasse mich selbst überraschen, wie uns die Leute einordnen.
L: Gibt es Musik anderer Bands, die dich in deinem Songwriting beeinflußt hat?
T: Auch wenn ich die Szene in den letzten Jahren nicht sehr intensiv verfolgt habe, höre ich natürlich immer noch sehr gerne selbst Musik. Ich versuche jedoch, mich nicht direkt beeinflussen zu lassen. Aus dem Metal-Bereich sind mein Favoriten Motörhead sowie Slayer in Zeiten vor dem „Seasons In The Abyss“-Album. Aber ich verehre auch Nick Cave und mag Monster Magnet, ebenso wie Fields Of The Nephilim. Ich bin schon sehr gespannt auf ihr Comeback.
L: Was gibt es zu deinen Mitstreitern zu erzählen?
T: Sie sind die besten Leute, die ich mir für diese Band vorstellen konnte, obwohl ich sie teilweise vorher selbst nicht kannte. Sir Luttinen ist schon länger ein Freund von mir, unsere gemeinsame Zeit bei Impaled Nazarene sollte jedoch nicht zu hochstilisiert werden. Maike Valanne ist ein alter Hase im finnischen Metal-Geschäft und bereits seit Mitte der ´80er Jahre in Bands wie Faff-Bey oder Terveet Kädet aktiv. Alexi Ranta ist noch etwas jünger, ich bin eher durch Zufall auf ihn gestoßen. Wichtig war mir ein ausgebildeter Lead-Gitarrist, da ich vor allem die Soli bei Sentenced sehr zu schätzen gelernt habe.
L: Ich vermute mal, daß THE BLACK LEAGUE in näherer Zukunft vielfach noch die Bezeichnung ‚Neues Projekt des ehemaligen Sentenced-Sängers’ anhaften wird.
T: Natürlich ist THE BLACK LEAGUE in erster Linie mein Comeback, da meine Mitstreiter alle noch ihre eigenen Projekte haben. Aber THE BLACK LEAGUE genießt bei allen klare Priorität und ist eine richtige Band mit einer festen Besetzung. Ich hoffe, daß uns die Leute auf lange Sicht als THE BLACK LEAGUE akzeptieren werden und nicht als neue Band von Taneli Jarva, denn wir sind eine starke Einheit.
L: Hat der Bandname THE BLACK LEAGUE eine tiefere Bedeutung für dich?
T: Der Name klingt alles andere als nett und wir sind alle durchwegs schwarz gekleidet, somit konnten wir keinen besseren Namen finden, haha. Ich wollte unbedingt ein ‚The’ vor dem Namen haben, das hat mich schon früher bei The Doors, The Beatles oder The Rolling Stones beeindruckt. ‚Black’ sollte auch unbedingt vorkommen, da man das gut auf mein Leben übertragen kann und ‚League’ bedeutet, daß wir eine Band mit gleichberechtigten Mitgliedern sind und kein Ein-Mann-Projekt von mir!
L: „Ichor“ ist ein Wort aus dem Altgriechischen und bedeutet ‚Blut der Götter’.
T: Man sollte das nicht allzu wörtlich nehmen, denn ich schreibe garantiert keine Texte über Mythologie oder derlei Themen. Meine Texte sind bodenständiger und vom täglichen Leben beeinflußt. Ich betrachte „Ichor“ als mein Lebenswerk bis zum heutigen Tag und als das Blut meiner Seele. Es ist vielmehr eine Mystifizierung des Alltags. Ich schreibe nicht über Phantastereien, wie diese ganzen Power Metal-Bands – wir spielen Anti-Power Metal!
L: Gehe ich recht in der Annahme, daß dir die Texte sehr wichtig sind?
T: Ja, denn erst durch die Texte erhält das Album einen Sinn. Die Texte machen einen Großteil der Atmosphäre des Albums aus und stehen in engem Zusammenhang zueinander. Alles was ich zu sagen habe, kann man in diesen Texten nachlesen.
L: Gibt es schon Pläne für eure Live-Aktivitäten?
T: Wir werden jedes Angebot prüfen und uns dann entscheiden, ob wir eine Tour machen werden. Es hängt auch davon ab, wie „Ichor“ einschlägt. Im Moment beschränkt es sich allerdings noch auf Einzelkonzerte innerhalb Finnlands.
L: Ich hoffe, du bleibst der Szene nun etwas länger erhalten...
T: Ja, ich habe noch einige Alben in der Hinterhand, aber es ist zu früh, darüber zu reden. Erst einmal möchte ich mich um die Promotion von „Ichor“ kümmern und mich überraschen lassen, wie die Scheibe ankommt.

Sascha Blach

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