LEGACY - The Voice from the Darkside

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Wednesday, 28 December 2011 14:50

 

Root

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Hoffen auf eine rosigere Zukunft

Das inflationär gebrauchte Wort „Kult“ ist bei einem Großteil der heutzutage damit titulierten Formationen unangebracht. Im Falle der tschechischen Black Metal-Legende ROOT trifft dies aber diskussionslos zu. Ähnlich wie die Landesgenossen von Master`s Hammer hat die Gruppe um den charismatischen Sänger Jiří "Big Boss" Valter mit völlig eigenständiger, von okkulter Aura zutiefst beseelter Musik Geschichte geschrieben.

Bereits zu Beginn ihrer Karriere vermochten ROOT einen ureigenen Stil zu etablieren, der sich zwar vordergründig am Vermächtnis der Pioniere Venom und insbesondere Bathory orientierte, letzten Endes aber völlig originell daherkam. Damals wie heute gibt es kaum Formationen, deren Musik mit der der Tschechen verglichen werden kann – und das trotz der Tatsache, dass sich auch ROOTs Sound im Laufe der Jahre veränderte. „Wir hörten alle komplett unterschiedliche Arten Musik, und in Kombination dieser Einflüsse kam etwas völlig Eigenständiges heraus. Darüber hinaus wuchs ich mit völlig anderen Arten Musik auf als die restlichen Bandmitglieder“, erzählt Big Boss. Andererseits verhinderte die eigenwillige Kauzigkeit den kommerziellen Erfolg. Darüber hinaus war es der medialen Aufmerksamkeit auch nicht gerade zuträglich, dass ROOT aus Osteuropa und nicht aus Skandinavien stammten. – Ein Vorurteil, das so mancher Fan wie Kritiker erst im Nachhinein bereute… „Wenn wir aus Skandinavien oder aber der westlichen Heimsphäre gekommen wären, wären wir heute viel weiter. Aber auch dieses Vorurteil beginnt allmählich zu verschwinden, demnach hoffe ich auf eine rosigere Zukunft…“

Einen regen kreativen Austausch zwischen der Tschechischen Republik bzw. der damaligen Tschechoslowakei und den ideologischen Brüdern aus dem hohen Norden Europas gab es allerdings kaum, wie der Sänger bekräftigt: „Ich lasse mich nie von jemandem direkt beeinflussen, und genau das verlange ich auch von meinen übrigen Bandmitgliedern. Der Unterschied zwischen uns und skandinavischen Formationen ist der, dass ich über satanische Magie und Mythen singe, die ich persönlich erschaffe, wohingegen Schweden, Norweger etc. über Dinge singen, die bereits bekannt sind. Sie verfügen also über eine andere Herangehensweise an diese Themen.“

Rückblick in die eigene Vergangenheit

Dieser Tage ist jüngst die neue Scheibe „Heritage Of Satan“ erschienen, welche einerseits unbeirrbar den Weg fortsetzt, den die Tschechen auf den letzten paar Longplayern einschlugen. Andererseits wagt man auf dem elften Album der Band-Geschichte zuweilen musikalische Exkursionen in Richtung der ROOTschen Anfangstage. „Die Scheibe ist im Wesentlichen als Geschenk für uns und unsere Fans anzusehen, um das 25. Gründungsjubiläum dieser Formation zu feiern. Demnach stellt „Heritage Of Satan“ einen Rückblick in unsere eigene Vergangenheit dar. Darüber hinaus betrachten wir den Longplayer als Schritt zu einer im Vergleich zu unserem Sound der Vergangenheit brutaleren und roheren Form der Musik. Rein textlich gesehen, geht es um den letzten Angriff der höllischen Heerscharen auf die Erde. Und nach einer siegreichen Schlacht übergibt Satan all seine Macht an seinen Sohn.“

Mit Watains Sänger Erik, Blasphemer (Ex-Mayhem) und Behemoths Fronter Nergal vermochte man gleich drei Gastmusiker für des Leibhaftigen Vermächtnis zu gewinnen. „Der Hauptgrund für diese Zusammenarbeit war die Freundschaft, die uns alle miteinander verbindet. Bereits lange, bevor überhaupt die Aufnahmen zu dieser Scheibe starteten, erwogen wir, dass diese Musiker auf dem Album einen Beitrag leisten sollten. Wir mögen die Musik, die die drei bei ihren Bands mach(t)en, aber in erster Linie waren es Beweggründe freundschaftlicher Art, die zu dieser Zusammenarbeit führten. Wir wollen damit jetzt keine großartige Aufmerksamkeit erregen, da wir es nicht nötig haben, uns mit so etwas wohin auch immer zu pushen! Wir kamen überein, etwas in der Art zu initiieren, als ich meinerseits als Gastsänger der Master`s Hammer-Coverversion von `Jama Pekel` auf der Behemoth-EP „Ezkaton“ aus dem Jahre 2008 fungierte. Mit Blasphemer sprach ich bereits vor fünf Jahren in Lissabon über derartige Pläne, und Erik erschuf ja auch das CD-Cover des Albums, weswegen er dem Album ebenfalls gleich etwas Gesang beisteuerte.“ Auffallend ist darüber hinaus die Tatsache, dass ROOT und Watain neben einer ähnlichen Vehemenz und Authentizität im Übermitteln der düsteren Botschaft auch ein gewisser theatralischer Aspekt der Live-Shows eint. „Ohne den geringsten Zweifel gehört der theatralische Ausdruck zu Bands wie ROOT oder Watain wie die Butter aufs Brot, so soll es sein! Alle Metal-Gruppen dieser Welt sollten diese Einstellung verinnerlicht haben. Wenn man neben der Musik keinerlei emotional bewegende oder optische Erfahrung zu bieten imstande ist, läuft da was falsch! Wenn man indes so etwas offeriert und die Leute mögen das, befindet man sich auf dem richtigen Weg.“

Club der einsamen Herzen

Big Boss war seit jeher eng mit Anton LaVeys Church Of Satan verknüpft, rief er doch den tschechischen Zweig der Kirche ins Leben. Aber bereits vor acht Jahren gab Big Boss seine diesbezüglichen Zuständigkeiten an jüngere Mitglieder ab. „Satanismus gab mir vieles, und ich lebe immer noch strikt danach, aber mittlerweile befinde ich mich auf meinem eigenen Pfad. Laut den Instruktionen des wahren Satanismus sollte jeder seinen eigenen Weg finden. Alles Organisierte ist Mist! LaVey verstand das und stoppte das Ganze. Er hinterließ nicht einmal ein Testament. Er hätte das schon viel früher machen sollen, denn viel zu spät erkannte er, dass sich hinter seinem Rücken ein Club der einsamen Herzen formierte. Wenn man über Charisma verfügt, vermag man viel zu erreichen. Man muss lediglich die richtige Richtung finden, die ich Satan sei Dank fand.“

Ein gewisses Mindestmaß an Komfort

Neben ROOT arbeitet Big Boss momentan zusammen mit Gitarrist Ashok, Bassist Igor Hubík sowie zwei weiteren Mitstreitern am dritten Teil der „Equirhodont Grandiose Magus“-Saga seines Projekts Equirhodont. „Darüber hinaus beschäftige ich mich momentan mit Songs der Nachfolge-CD von „Doomy Ballads“, weil ich angesichts des Erfolges meines dritten Soloalbums beschloss, diesbezüglich eine weitere Scheibe zu veröffentlichen.“ Während so manche Cover-Versionen alter ROOT-Klassiker zuweilen bei der Band eher Belustigung erregen, gibt es ebenso einige, die die vollste Hochachtung von Big Boss & Co. genießen. ROOT wird also nicht nur in Insiderkreisen schon längst die Ehre zuteil, die den tschechischen Black Metal-Pionieren einst jahrelang versagt wurde. Mittlerweile hat man nämlich nicht nur bei den eingeschworenen Fans einen hohen Status, sondern auch Medien, die vor vielen Jahren die Augen vor allem verschlossen, das nicht aus Skandinavien stammte, zollen den Osteuropäern ihre Hochachtung. Allein die Anhänger der Formation würden es sich manches Mal nur wünschen, dass die Tschechen öfter live in Erscheinung treten. „In Deutschland spielen wir eigentlich regelmäßig, wie dieses Jahr beim Hells Pleasure Open Air. Wir lieben Deutschland, und die dortigen Fans erschaffen immer eine ganz besondere Atmosphäre für uns! Wie häufig wir auftreten, hängt allerdings nicht zuletzt auch von den Promotern ab. Wenn wir eingeladen werden, schätzen wir uns glücklich, kommen zu dürfen. Aber die Zeiten, in denen wir für Hot Dogs spielen, Toiletten als Umkleidekabinen nutzen oder Umkleidekabinen zu Schlafstätten umfunktionieren mussten, sind längst vorbei! An so etwas konnten wir uns nie gewöhnen, und das werden wir auch jetzt nicht mehr tun! Demnach liegt es allein bei den Promotern, ob sie unseren Anforderungen, die definitiv nicht zu hoch sind, gerecht werden können. Aber ich bin jetzt mittlerweile sechzig Jahre alt und brauche meine Ruhe und ein gewisses Mindestmaß an Komfort.“

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