LEGACY - The Voice from the Darkside

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Saturday, 28 April 2012 02:00

 

Nightmare

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Besser spät als nie

Irgendwie ist es schon seltsam, dass NIGHTMARE bisher in ihrer Karriere so wenig Aufmerksamkeit bekommen haben, denn schließlich sind sie bereits seit 1979 aktiv und mit ihrer Musik meistens auf der Höhe der Zeit gewesen. Nun versuchen sie mit ihrem kommenden Album „Burden Of God“ endlich etwas an diesem Zustand zu verändern. Bassist Yves Campion stand uns dazu Rede und Antwort.

„Ich glaube, wir haben nicht genug in Deutschland gespielt. Zwar waren wir letztes Jahr mit Sabaton, die ja mittlerweile eine größere Band sind, auf Tour und sind auch schon dreimal auf dem Wacken Open Air aufgetreten, aber insgesamt waren wir nicht oft genug in Deutschland – eine Sache, die sich jetzt ändern soll“, gibt Yves als einen Grund an, warum NIGHTMARE nur in ihrer Heimat Frankreich einen gewissen Grad an Bekanntheit erreicht haben. „Wir sprechen momentan mit deutschen Bookern, denen unser neues Album gefällt. Auf Tour waren wir in Vergangenheit oft genug, jedoch meist nur als Support-Act. Hoffentlich ändert sich daran in Zukunft etwas.“ Auch ihr achtes Studioalbum „Burden Of God“ sind die Franzosen anders angegangen als ihre zurückliegenden Werke. „Für dieses Album haben wir sehr hart gearbeitet und viel investiert. Wir haben es auf eine andere Art als bisher aufgenommen und produziert, um es für den Hörer interessanter zu machen. Man hätte es sich auch einfach machen und das Material zu Hause aufnehmen können, um es dann in einem Homestudio zu produzieren, wie es heutzutage viele Bands machen – aber das haben wir nicht getan. Wir haben viel in eine größere Produktion investiert, es sind symphonische Elemente zu finden, und alle Lieder sind sehr melodisch geworden und haben großartige Refrains. Dieses Mal haben wir wirklich einen höheren Aufwand betrieben als normal, um ein gutes Album zu schreiben, aber nun ist es am Hörer, zu entscheiden, ob er 'Burden Of God' mag oder nicht. Vielleicht ist das Resultat manch einem zu komplex geraten. Das Einzige, was ich aber sicher sagen kann, ist, dass wir unser Bestes gegeben haben, um das neue Album noch besser zu machen als das letzte.“

Und in der Tat unterscheidet sich „Burden Of God“ in vielen Punkten vom letzten Werk. Die Produktion klingt voller, die Arrangements noch ausgereifter. Einen großen Teil dazu hat mit Sicherheit auch ihr neuer Produzent Patrick Liotard beigetragen, wie Yves bestätigen kann. „Auf dem letzten Album „Insurrection“ hatte er nur das Vocal-Coaching gemacht, dieses Mal hat er die komplette Produktion von Anfang an bis zum Mixing übernommen. Er hat alles bis auf das Mastering gemacht. Wir haben die Lieder mit ihm zusammen geschrieben und sind dabei anders vorgegangen als auf den Alben davor. Das Resultat ist unser bestes Album bisher. Das letzte Mal haben wir die Gitarrenspuren vor dem Gesang aufgenommen, das heißt: Die Gitarren-Aufnahmen waren beendet, und wir konnten die Melodien nicht mehr verändern. Da wir dieses Mal alles zusammen aufgenommen haben, konnten wir die Akkorde noch anpassen. Diese Arbeit hat insgesamt zwei Monate gedauert – länger als eine Album-Produktion jemals bei uns gedauert hat.“

Vieles hat sich dadurch auch im Gesamtsound der Band geändert, was NIGHTMARE auch mit dem Slogan „Expect The Unexpected“ auf ihrer Facebook-Seite bewerben. Was sich durch das gesamte Album zieht, ist eine sehr apokalyptische Stimmung, die sich neben der Musik auch in den Songtexten und dem Artwork widerspiegelt. „Wir haben die Bibel auf eine satanische Art ein bisschen auf den Kopf gestellt. Das sieht man sehr gut am ersten Teil des Textes von 'The Preacher', der aus dem Buch der Offenbarung entnommen ist, eine Stelle aus der Apokalypse. Der Prediger in diesem Lied ist kein Prediger für Gott. Es geht an manchen Stellen auf dem Album etwas gegen die Christenheit, aber nicht derart, wie es im Black Metal üblich ist – es ist nicht der Weg, den zum Beispiel Behemoth beschreiten, wir sind da musikalisch ein wenig softer. Zwar gibt es einige Verbindungen in diese Richtung, und das Album ist thematisch sehr finster, aber wir packen die Black Metal-Texte eher in den Heavy Metal-Kontext.“ Der besagte Prediger ist auch auf dem Cover-Artwork zu sehen, welches NIGHTMARE bei einem polnischen Künstler gefunden haben. Es passt vortrefflich zur übergreifenden Thematik des Albums, auch wenn Yves betont, dass „Burden Of God“ kein Konzeptalbum geworden ist. So ist auch der abschließende Track der 'The Dominon Gate'-Trilogie auf „Burden Of God“ zu finden, welche die Band auf dem gleichnamigen Album begonnen hat. Auch in diesem Lied geht es um den Weltuntergang, der die Menschheit durch das Aufbegehren der „dritten Welt“ dahinrafft.

Auch wenn „Burden Of God“ textlich nicht die positivste Weltanschauung vertritt, haben NIGHTMARE damit wohl ihr bisher bestes Album abgeliefert. Mit dieser Veröffentlichung und den Touren Ende diesen und Anfang nächsten Jahres wollen die sympathischen Franzosen die Menschen von ihren Qualitäten überzeugen. Es wäre ihnen zu wünschen, dass sie endlich die Bekanntheit in der großen Metal-Welt erreichen, die eine Band mit dieser Erfahrung und diesen musikalischen Fähigkeiten verdient hätte.

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