LEGACY - The Voice from the Darkside

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Saturday, 28 April 2012 02:00

 

Lunar Aurora

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Der kalte, kristallene Mond schaut hernieder…

Es schwang bei der „Auflösung“ der Band vor fünf Jahren bereits mit, dass sich LUNAR AURORA wieder mit neuer Musik melden würden, wenn es ihnen sinnvoll und vom Zeitpunkt her richtig erscheint. Letztes Jahr war es soweit: Mit „Hoagascht“ haben die Bayern ein neues Album aufgenommen, das nun über Cold Dimensions/Grau erscheint. Aran, verantwortlich für Komposition, Saiteninstrumente und Programmierung, besinnt sich zurück.

„Nach unserem damaligen Album „Andacht“ war ich irgendwie ausgebrannt und dem Band-Geschehen und der Musik gegenüber etwas überdrüssig. Whyrhd (Gesang – Anm. d. Verf.) hatte sich bereits aus privaten Gründen zurückgezogen. Später wurde Sindar (Bass, Keyboard, Gesang – Anm. d. Verf.) Vater und hatte auch sonst viel um die Ohren. Ich wohnte damals zwischendurch in entfernteren Landstrichen und war mit privaten Themen auch gut eingedeckt. So war also jeder erstmal mit sich beschäftigt. Erst als sich alles wieder etwas beruhigt hatte, konnten wir uns wieder an Aufnahmen machen. Die Motivation hierfür war schlichtweg, dass wir nach wie vor Lust hatten. Es brauchte halt nur mal eine Pause zwischendurch.“ Die acht Lieder auf „Hoagascht“ wurden also allein von Aran und Whyrhd geschrieben und produziert. Herausgekommen ist ein eigenwilliges Album: Einerseits schließt es nahtlos an „Andacht“ an, andererseits scheint es völlig anders zu sein als das, was LUNAR AURORA bisher gemacht haben. Die Lieder sind allesamt sehr eingängig, haben geradezu Ohrwurmcharakter. Die eindimensionale, direkte Art des Arrangements ist definitiv neu. Aran erklärt, dass die neuen Lieder bewusst so schlicht aufgezogen sind. „Da es thematisch um unsere bayrischen Wurzeln geht und wir auf unsere Weise ‚Heimatlieder‘ komponierten, wollten wir uns auch stilistisch an die Strukturen von einfachen Volksliedern halten. Diese sind meist klar und simpel in Strophe und Refrain eingeteilt. Am extremsten erkennt man das zum Beispiel bei einem ‚Gstanzel‘. Und was das jetzt heißt, kann jeder gerne selber nachschlagen.“ Bayrisch learning by doing, sozusagen.

Doch noch einmal zurück zum Wechsel von „Andacht“ zu „Hoagascht“: Der Reifeprozess der Musik lässt auch auf persönliche Veränderungen schließen. In der Tat, bestätigt Aran. „Für mich persönlich gab es in den letzten Jahren viele Reifeprozesse. Irgendwo wird sich das auch sicher in der Musik wiederfinden, aber wie genau, kann ich nicht sagen. So etwas kann man subjektiv schwer erkennen. Man macht halt immer gerade so, wie es einem im Leben geht.“ Vielleicht ist dieses simple Rezept genau das, was den exquisiten Stil von LUNAR AURORA ausmacht.

Bayrisches Brauchtum wird Black Metal

Die qualitativen Änderungen vom Debüt „Weltengänger“ über solch ein Extrem wie „Ars Moriendi“ bis hin zum dissonanten und düsteren Album „Andacht“ haben nun eine neue Stufe erreicht. „Hoagascht“ ist vor allem ruhig, geradezu besinnlich und wie bereits gesagt gradliniger. Die Band hat ihre eigene Sichtweise auf diese Entwicklung. „Jedes unserer bisherigen Alben ist auf seine Weise sehr eigen. Wir klingen auf keinem Album gleich“, erklärt Aran. „Dahinter steckt allerdings kein Plan. Ganz im Gegenteil. LUNAR AURORA war schon immer ein sehr impulsiver und fließender Prozess. Ein Konzept ist uns fremd, und darum gibt es keine Regeln, wie ein neues Album zu klingen hat. Somit ist auch „Hoagascht“ wieder ein weiterer spontaner Ausdruck. Diesmal in erdiger und langsamer Art. Aber schon das nächste Album könnte wieder eine rasendere Jagd sein... wer weiß.“ Das dürfte diejenigen Fans der Band freuen, die sich eher vom wilden, rastlosen Element im Black Metal der Oberbayern angezogen gefühlt haben. Bleibt jedoch die Frage, was denn zum Konzept und der Atmosphäre auf „Hoagascht“ inspiriert hat. Alle Texte sind schließlich komplett in oberbayerischem Dialekt verfasst und vorgetragen. Der kreative Musiker holt hier etwas weiter aus und erklärt, dass die Band in den späten 70ern und in den 80ern sehr ländlich im südoberbayrischen Raum aufgewachsen ist. „Und wir leben dort bis heute. Wir sind schon als Kinder oft in den Alpen gewesen, wir haben die harte Dorfschule mitsamt Watschn und Ohrenziehen überstanden, den Misthaufen und das Wirtshaus neben der Kirche gehabt. Unser Religionslehrer war zugleich der Pfarrer; wir haben früh Perchtenläufe bestaunt, wir haben Brauchtum hautnah im eigenen Dorf mitbekommen und zum Teil mitgemacht. Wir haben beim Bauern mit auf dem Traktor gesessen und uns dabei den Arm am Auspuff verbrannt, wir haben in Heuschuppen und zwischen Heumandl gespielt, wir haben unsere altvertrauten Waldwege und (un-)heimliche Orte. Wir haben bayrische Wirtshausluft inhaliert, wir haben die ganze Mentalität der Menschen hier verinnerlicht und sind selbst ein Teil davon. Wir haben die ganzen Eigenheiten der hiesigen Natur in allen Jahreszeiten genossen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich das auch mal in einem Album niederschlägt.“

Und das Ergebnis kann sich hören (und fühlen) lassen! Zur Musik: Die programmierten Drums auf dem aktuellen Album sind nicht mehr ganz so offensichtlich „künstlich“ wie auf dem Vorgänger. Als Erklärung führt Aran die heutigen technisch besseren Möglichkeiten an. „Kritik gab es deswegen beim letzten Album nicht. Insgesamt kann man aber sagen, dass das programmierte Schlagzeug kein klassischer Drumcomputer ist. Wir geben keine digitalen Klänge aus, sondern sampeln analoge Quellen. Was wir benutzt haben, sind also reale Schlagzeug-Samples. Für ein weiteres Album wollen wir aber versuchen, zumindest einen Studio-Schlagzeuger zu engagieren, der uns dann wieder echte Drums einspielt. Das Programmieren war zu seiner Zeit eine Notlösung. Wenn auch eine gut gelöste, wie ich finde.“ Der wesentlich organischere Klang des Schlagzeugs trägt sicherlich auch zur Atmosphäre bei. Geradezu friedlich und besinnlich klingt die Musik auf dem neuen Album. „Das ergibt sich aus der gesetzteren, nostalgischeren und verwurzelteren Thematik, die „Hoagascht“ mit sich bringt“, fügt Aran knapp hinzu. Die Idee, sämtliche Texte auf oberbayrisch vorzutragen, ist nicht neu; der Song ‚A Haudiga Fluag‘ ist immerhin auch schon zehn Jahre alt. Die Erkenntnis, dass die neuen Lieder auf „Hoagascht“ in eine sehr erdige und ruhige Richtung gehen würden, mündete daher direkt in die Idee, den heimischen Dialekt zu verwenden. „Außerdem wollten wir einmal so texten, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Im Alltag sprechen wir – mal mehr, mal weniger – Dialekt. Selbst wenn wir Schriftdeutsch sprechen, hört man uns die Herkunft an. Die Texte für „Hoagascht“ entstanden teilweise in wenigen Minuten. Keine Schachtelsätze, keine Tiefenpsychologie… geradeaus und karg, wie es das Naturell unserer Herkunft gebietet. Die ganze Atmosphäre und Thematik von „Hoagascht“ kam uns so sehr entgegen, dass wir fast Passagiere wurden.“

Im Gartn

Nun bedeutet „Hoagascht“ laut sicher nicht ganz verlässlichem Online-Wörterbuch eine „Zusammenkunft mit Nachbarn, um gemeinsam zu reden und zu musizieren“. Aran bestätigt das. „Die Quellen stimmen schon. Der Name „Hoagascht“ leitet sich von ‚Heimgarten‘ ab und bezeichnet ursprünglich ein musikalisches Nachbarschaftstreffen vor dem Haus oder im Garten. Heute verwendet man den Begriff ganz allgemein für ein Musikantentreffen. Und da wir uns nach all der Zeit immer noch als lose Musikanten verstehen, passt das. Ein Hoagascht ist eine der letzten nicht kommerziellen Veranstaltungen für traditionelle Volksmusik. Für uns ist unser Album auch eine Form von Volksmusik, vielleicht sogar volksnaher als so mancher volkstümliche Kitsch.“ Er fügt hinzu, dass es ihm durch das Aufwachsen auf dem Land nicht fremd ist, wenn abends zum Beispiel der Hausmeister der Dorfschule noch „Goaßlschnoizen“ mit Musikbegleitung in seinem Garten übt. Dennoch gibt es auch hier eine tiefer liegende Komponente. „Ich persönlich verbinde mit „Hoagascht“ aber auch das Musizieren in einem inneren ‚heimatlichen Garten‘, im übertragenen Sinne“, meint Aran.  „Der Garten taucht in vielen Sagen als eine Welt des Jenseitigen und des Verzauberten auf. Ein in sich abgeschlossener und geschützter Raum. Das geht zurück bis zum Garten Eden. Ein Musisch-Sein und ein Kraft-Schöpfen in und aus der Welt, aus der wir Menschen kommen. Verinnerlicht im Bildnis des Gartens. Gespürte Ur-Heimat.“

Laut Aran darf man in den nächsten ein, zwei Jahren auf ein weiteres Album hoffen. Hervorragend  durchdachte Kompositionen mit tief gefühlter Atmosphäre von LUNAR AURORA? Einzigartigkeit garantiert!

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