Wann ist Punk Rock richtig gut? Wenn er bauchgesteuert und leidenschaftlich daher kommt, einen rauen Arschtritt-Faktor aufweist und im Zusammenspiel von Härte und emotionaler Eingängigkeit beste Hymnen-Qualitäten erreicht. Willkommen in der Welt von NOTHINGTON und ihrem dritten Longplayer „Borrowed Time“. Die Band aus San Francisco besteht seit sechs Jahren und hat ihre ersten Releases via BYO vorgelegt. Inzwischen ist das Quartett in den Staaten zu Red Scare gewechselt. In Europa nimmt sich Uncle M mit halbjähriger Verspätung der Veröffentlichung des aktuellen Albums der Kalifornier an. Immerhin hat das deutsche Label eine Vinyl-Pressung im Angebot, die es in den Staaten bislang nicht gibt. Was die Songs von NOTHINGTON vor allem auszeichnet, ist ihre Eingängigkeit. Jedes der elf Stücke von „Borrowed Time“ ist ungemein catchy und avanciert innerhalb kürzester Zeit zum Ohrwurm. Diesbezüglich steht der Vierer dem Schaffen von Leatherface, Against Me!, Hot Water Music und The Gaslight Anthem in nichts nach. Die Musiker sind durchgängig melodisch unterwegs, doch unter der verträglichen Oberfläche setzen NOTHINGTON auf straffen Zug und ordentlich Tempo. Deshalb spielt es auch keine Rolle, dass man die Machart der Songs bereits in- und auswendig kennt. Die Souveränität und das reife Selbstverständnis, die „Borrowed Time“ zugrunde liegen, lassen nichts zu wünschen übrig. Die nächste Tour der Band sollte man auf keinen Fall verpassen.
