Zugegeben, ‘Satelite 15’ nervt als Album-Intro enorm, aber unterlegt von den Bildern der ins Stadion von Santiago De Chile pilgernden Kuttenträger und Zeitrafferbildern des gigantischen Bühnenaufbaus inklusive eines Podests um und über Nicko McBrains Drumkit funktioniert die Klangcollage, die musikalisch eher zu Adrian Smiths seltsamem Nebenprojekt Primal Rock Rebellion passt. Der Enthusiasmus des Publikums gleicht dem von IRON MAIDENs Rio-Andenken oder dem ebenfalls als DVD festgehaltenen Auftritt von AC/DC in der argentinischen River Plate-Arena. Die Frage nach dem Sinn immer neuer Live-Alben und DVDs der Giganten erübrigt sich angesichts der weltweit riesigen Anhängerschaft und der enormen Bootleg-Zahlen. Zudem gehören die britischen Jungfrauen nicht zu jenen Bands, die ihre neueren Kompositionen während der Umbaupause vom Band abspielen und im eigentlichen Live-Set ignorieren. ‚The Final Frontier’ und die Single ‚El Dorado’ eröffnen sogar das Set und funktionieren an dieser Position. Nach dem zwischengeschobenen ‚2 Minutes To Midnight’ folgt das anfänglich etwas langatmige ‚The Talisman’ sowie die Halbballade ‚Coming Home’ (von Dickinson als Reflexion des Tourens in der Ed Force One angesagt). Vor dem massiven finalen Klassikerblock erklingt zudem noch die keltisch angehauchte Frohnatur ‚When The Wild Wind Blows’. Bruce Dickinson sieht mit seiner Kopfsocke und im Psych Ward-Shirt zwar so aus, als wolle er sich für die Band seines Sohnemanns bewerben. Aber er ist gut bei Stimme und hat das Publikum im Griff – „Scream for me, Santiago!“ Ob man Janick Gers sein Gehampel (bei ‚Iron Maiden’ will er den Mega-Eddie ausstechen) übel nimmt, weil er kein Gründungsmitglied ist? Erbsenzählerei, die riesigen Bühnen müssen schließlich ausgefüllt werden – und der alte Recke ist nun wirklich lang genug an Bord. Die Präsenz der Post-Comeback-Alben beschränkt sich auf den Hüpf- und Kasatschok-Alarm ‚Dance Of Death’, das einfache ‚The Wicker Man’ (Bruce singt nach dem hektischen Umziehen kurzatmig mit recht zerfetztem Shirt) und das zähe, aber sympathisch angesagte ‚Blood Brothers’. Die Bayley-Jahre bleiben ausgespart. ‚The Trooper’ gibt Dickinson wie gehabt als Fahnenschwenker in rotem Militär-Weihnachtsmann-Kostüm minus Rauschebart, und dass bei ‚Fear Of The Dark’ selbst Instrumental-Passagen mitgesungen werden, erklärt sich von selbst. Optisches Schmankerl: die Bilder von der schwebenden OctoCam. Mit dem Split-Screen wird zum Glück nicht übertrieben. Die Bonusdoku „Behind The Beast“ auf Disc zwei ergänzt „Flight 666“, ist aber längst nicht so spannend.
