Holland steckt in Sachen Alterna-Prog im Vergleich zu den südlichen Nachbarländern zurück, und A LIQUID LANDSCAPE schicken sich nun an, dies mit ihrem Debüt zu ändern. Der Titeltrack deutet mit über zwölf Minuten daraufhin, dass man sich Zeit dazu lassen möchten; gibt es also eines, was „Nightingale Express“ auszeichnet, so ist es eine angenehme Zurückhaltung, wie man sie von Dredg nach ihrer rohen Frühphase und vor ihrer unerheblichen Pop-Gegenwart kennengelernt hat. ‚June Fifth‘ oder ‚Phases‘ (tolle Dynamikspiele hier) werden vor allem von Sänger und Gitarrist Fons geprägt. Der Mann haucht und schwelgt, dass es eine Freude ist und kein Kitsch. Seine tiefschürfenden Texte sorgen dafür, dass man ihm an den Lippen hängt, speziell während ‚The Unreachable‘ und dem mit Bass-Synth unterlegten ‚Thieves Of Time‘. A LIQUID LANDSCAPE schaffen es, allerlei bekannte Post-Stilmittel mit einer Eigenkennung zu versehen, woran auch die sehr transparente Produktion teilhat. Andere Bands klingen entweder schrammelig oder bemüht auf Disco geeicht, diese Newcomer schenken sich die Mühen, einen offensichtlichen Hit zwischen unbedeutende Bandwürmer zu setzen, und fassen stattdessen das Gesamtbild ins Auge. Die ‚Wanderer's Log‘-Teile zwischendurch stehen sinnbildlich dafür, dass man es bei „Nightingale Express“ mit einem hintersinnigen Konzeptwerk zu tun hat. Traumhaft auch die befreiende Schlussabfahrt ‚Secret Isle‘ mit Frauengesang. Wer mit einsteigen möchte, sollte etwas mit den frühen Oceansize und dem Floydschen Verständnis von Progressivität anfangen können. Auf geht die Reise – und lange Freude ist garantiert
