Das, was RAMESSES auf ihrem dritten Longplayer veröffentlichen, klingt roh und wie live im Proberaum eingespielt. Aber es ist gerade dieser raue Charme mit allen Kanten und Ecken, der „Possessed By The Rise Of Magik“ umso interessanter macht. Mag man beim ersten Hören eventuell noch das Gesicht verziehen, erliegt man bereits beim zweiten Durchlauf dem authentischen Zauber der britischen Doom-Alchemisten, die sich in ihrer einzigartigen, progressiven Mixtur aus Retro-Doom, Psychedelic und ritueller Schwere gewohnt experimentierfreudig zeigen. Der Einfluss von Bands wie Black Sabbath ist nach wie vor vorhanden, tritt jedoch etwas in den Hintergrund. ´Invisible Ritual´ steht bereits exemplarisch für das ganze Werk, versprüht eine gehörige Portion altes Flair, wirkt etwas sperrig und doch zugleich groovend mit schrammelnden Gitarren und einer warmen, satten Bassline, die etwas später von einem gekonnten Gitarrensolo ergänzt wird. Die leidenschaftliche Vocal-Performance von Zeremonienmeister Adam Richardson unterstützt die pure Energie der Musik noch und droht sich manches Mal zu überschlagen, verfällt in ´Towers Of Silence´ eingangs in trügerische Ruhe, schwingt sich zu höheren, fast beschwörenden Klargesängen hinauf, um dann in eine Art Rezitativ zu verfallen. Das von einer Sirene eingeleitete und sich dahinschleppende ´Sol Nocivo´ wird hingegen überwiegend gepresst heraus geschrien. ´Plague Bleak´ fällt eindeutig experimenteller aus und ist vielleicht am ehesten mit ´Black Hash Mass´ vom Vorgängeralbum vergleichbar, um dann dem schwerfällig groovenden Monster ´Duel´ Raum zu bieten. Am Ende fahren RAMESSES im Titelsong noch mal alle Geschütze auf und verführen mit einem Wechselbad der Gefühle, das einmal mehr an Intensität nur schwer zu überbieten ist. Großes Kino, das man bei einer Veröffentlichung so kurz nach dem letzten Album vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte.
