Vier lange Jahre sind vergangen, in denen kein Longplayer mehr mit der charismatischen Stimme von Maynard James Keenan angereichert wurde. Vier lange Jahre ohne einen neün Release von Tool, denn "Änima", das Götteralbum der Band, erschien 1996. Das Warten hat ein Ende, man kann Maynard wieder lauschen! Es steht zwar noch nicht Tool auf der Verpackung, mit dem Nachfolger zu "Änima" dürfte es wohl auch noch ein wenig daürn, somit kommt diese Platte als Substitut wie gerufen! Bei A PERFECT CIRCLE handelt es sich aber keineswegs um ein Projekt, A PERFECT CIRCLE sind eine richtige Band! Der zweite Stützpfeiler der in Los Angeles situierten Band ist Gitarrist Billy Howerdel, der schon als Produzent mit den Smashing Pumpkins, Nine Inch Nails und David Bowie zusammengearbeitet hat. Billy schreibt die Musik und Maynard die Texte, die beiden Musiker bilden somit das Herz und die Seele der Band. Die anderen Bandmitglieder, also der restliche "Körper", sind die Bassistin Paz Lenchantin, Troy van Leeuwen (Failure) an der zweiten Gitarre und Josh Freese (Vandals, Guns N" Roses) an den Drums. Keenan, der mit seiner unverwechselbaren Stimme zu einem der besten Sänger im alternativen Bereich gehört, hat natürlich den grössten Einfluss, dass sich "Mer De Noms" ziemlich nach Tool anhört, ein Freund von mir glaubte sogar, Tool zu hören. Songs wie das grandiose 'Judith', die erste Single (mit einem Video von David Fincher!), reihen sich somit natürlich nahtlos an Klassiker wie 'Sober' und 'Stinkfist' von Tool ein, ohne die Band zu kopieren bzw. nachzuahmen. Die "Verwandtschaft" zum grossen Bruder bringt aber nun mal die Stimme mit, wenn hier jemand anders singen würde, würde höchstwahrscheinlich niemand diesen Vergleich ziehen. Gut, die Instrumentalfraktion weist natürlich auch gewisse ähnlichkeiten auf, beim Opener 'The Hollow' hören sich A PERFECT CIRCLE aber sogar ein wenig nach The Gathering zur "Mandylion"-Phase an, bei anderen Liedern sind Parallelen zur Gitarren-Arbeit von The Cure unüberhörbar. 'Judith', von dem ich schon sprach, gehört nicht nur für mich eindeutig zu den Highlights dieses grandiosen Albums, die Band hätte für die erste Auskopplung keine bessere Wahl treffen können. Die anderen Songs sind aber nicht minder gut. Hier fällt nichts ab bzw. aus dem Rahmen, alles ist auf einem extrem hohen Qualitätsniveau. "Mer De Noms" ist in Töne gegossener Schwermut, der aus den Boxen und von den Wänden (Hast du was geraucht? -Zappo) tropft (hört nur mal Songs wie 'Orestes'), ein Debut, wie es jede Band haben sollte. Vor allem sollte es jede Band beherrschen, so majestätisch und erhaben, gleichzeitig aber auch so leichtfüssig und auf eine gewisse Art und Weise auch "fröhlich" zu klingen. Gross, ganz gross! Ob Tool "Mer De Noms" mit ihrem nächsten Album übertreffen werden, kann man jetzt wohl mit einiger Spannung erwarten. (ZOS)
