Das hat man davon, wenn man Edguy und Blind Guardian mag. Dann kommt der Chef und knallt einem das neue Machwerk von FREEDOM CALL auf den Schreibtisch. „Hier Schulz, machen se mal, das dürfte doch was für Sie sein.“ Begeisterung geht anders, aber vielleicht ist der fröhliche Melodic Metal auf „Land Of The Crimson Dawn“ ja gar nicht so übel. So zumindest die vage Hoffnung. Von wegen. Man nehme die klischeehaftesten und cheesigsten Songs von Hammerfall und Gamma Ray und potenziere diese um den Faktor drei – nur um mal eine Vorstellung davon zu geben, was einen hier erwartet. Mit dem speedigen Opener ´Age Of The Phoenix´ geht es zwar noch erträglich los, doch schon in diesen ersten drei Minuten werden Kitsch und Pathos in den Chören heftig strapaziert. Schlimm wird es danach mit ´Rockstars´, das mit folgenden Zeilen im Refrain glänzt: „Here come the rockstars, the nightcrawlers, loaded with steel, the riders, the fighters, the renegades on wheels“. Da geht es wohl um das allseits beliebte „Guitar Hero“-Spiel, nichtsdestotrotz ist man angesichts solcher Zeilen ziemlich peinlich berührt, zumal der Refrain so penetrant eingängig ist, dass man ihn so schnell nicht aus dem Kopf bekommt. Unangenehm. Richtig fies wird es dann im Quasi-Titeltrack ´Crimson Dawn´. Klebriger Streicher-Bombast und ein Refrain, mit dem man auch das Publikum von Florian Silbereisen zum Mitschunkeln bringt, dazu ein gewollt-aber-nicht-gekonnt-Düsterpart – nach drei Songs ist man schon völlig fertig mit den Nerven. Und das Grauen nimmt kein Ende: „Worria, oh worria, häwwi mättäl worria“ wird in ´66 Warriors´ skandiert, und die Ethno-Sounds im Song erregen vor allem Mitleid. Mit Synthie-Fanfaren geht es fröhlich ´Back Into The Land Of Light´, während man bei ´Sun In The Dark´ gezeigt bekommt, wie schön „tears“ und „fears“ sich reimen. Der etwas ernsthaftere, in den Strophen swingende Song mit seinen tiefen Gitarren ist ansonsten ganz erträglich – trotz der „uh – ah“-Shouts. Danach animiert der ekelhafte Pop Rock in ´Hero On Video´ zum debilen Mitklatschen, bevor es „high over the rainbow“ flott ins ´Valley Of Kingdom´ geht, wo man den bestimmten Artikel im Titel vermisst. Die irisch anmutende Geige in ´Killer Gear´ wirkt ein bisschen deplatziert, der Song hat aber ein paar nette Melodien zu bieten und dreht sich um die bösen virtuellen Welten von Spielen wie „World Of Warcraft“. Ganz schlimm ergeht es dem geplagten Hörer dann beim ´Rockin‘ Radio´, bei dem FREEDOM CALL wie Status Quo auf dem Deppen-Metal-Trip klingen, eine fiktive (?) Metal-Radioshow besingen und sich für Zeilen wie „We don’t play rap and hip hop, we play rock’n’roll“ und „We don’t play rap and techno, but rock’n’roll and metal“ nicht zu schade sind. Völlig resigniert stellt man dann fest, dass von den letzten vier Songs drei gar nicht mal so übel sind, bevor das abschließende ´Power & Glory´ mit Dudelsäcken zur „happy metal party“ einlädt – und man hofft, dass man keine bleibenden Schäden vom Hören dieser Platte davon getragen hat. Abgesehen vom mitunter grauenvollen Songwriting, bleibt festzuhalten, dass „Land Of The Crimson Dawn“ nicht sonderlich gut produziert ist. Der Sound ist allgemein dünn, drucklos und höhenlastig, die Drums klingen ziemlich pappig. Die Tatsache, dass die eine oder andere Melodie ganz ordentlich ist und man es ansatzweise mit Metal zu tun hat, reichen für knappe sechs Punkte. Trotzdem bleibt die Frage offen, ob Tony Iommi es bereuen würde, den Metal erfunden zu haben, wenn er damals geahnt hätte, was manch ein Musiker heutzutage daraus macht.
