Die Berliner Kapelle ESSENZ hat erneut für einen Überraschungsmoment gesorgt. Auf ihrer zweiten Platte „Mundus Numen“ beweisen die Jungs aufs Neue, dass es keiner aufwendigen und überteuerten Produktion bedarf, um ein klasse Album einzuspielen. Mit einigen Rock-Elementen versehen, startet der Opener 'Extinguish Shapes: Innermediate' und bringt gleich zu Beginn ein düsteres Flair mit sich, das einem eine Gänsehaut über den Rücken jagen kann. Ein leises, im Hintergrund verschwindendes Flüstern sorgt für die düstere Atmosphäre, und mit dem Einsetzen der weiblichen Vocals bekommt das Ganze einen sehr okkulten Touch, bevor der Track dann langsam mit Akustikgitarren ausfadet. Der zweite Track des Albums ist leider kaputt und lässt sich nicht abspielen, aus diesem Grund wird dieser nicht mit in die Wertung einfließen. Spätestens nach dem ersten Durchhören wird einem bewusst, dass diese Band nicht einfach eine Black Metal-Kapelle von nebenan ist, sondern musikalisch große Bandbreite besitzt und diese auch zu nutzen weiß. Nach einem sehr rockigen und groovigen Einstieg in 'Extricate Spirits – Amor' wird urplötzlich ein Black Metal-Gewitter entfesselt, welches einen ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbringt, wobei aber keineswegs auf gute, saubere Gitarrenarbeit verzichtet wird und das düstere Flair immer aufrecht erhalten wird. Diese absolute Finsternis zieht sich durch das gesamte Album und findet im Hauptteil des Albums ihren Höhepunkt. Die vier folgenden Songs, allesamt zwischen acht und 14 Minuten, spiegeln nach mehrmaligem Hören all das wider, was sich im Laufe der Zeit an Hass angesammelt haben könnte. Sehr melancholisch, aber dennoch irgendwie perfekt rhythmisch wirken Songs wie 'Observed By Spectres – Paranoia' oder 'To The Bone – Mania' und könnten den einen oder anderen mit schwachen Nerven an seine Grenzen bringen. Fazit: Diese Platte ist definitiv nichts für schwache Nerven oder Musikliebhaber von euphorischen Chorgesängen. Hinter den Liedern steckt mehr, als man der Band anfangs zugetraut hätte. Mit musikalischer Vielfalt von Rock über eher groovige Elemente bis hin zu Black und Doom erzielt die Band eine echte Punktlandung, denn trotz dieser Mischung leiden weder Atmosphäre noch Klang oder Qualität, und das ist es, was diese Band so faszinierend macht. Trotz einer echt starken Platte gibt es auch hier den einen oder anderen Schönheitsfehler. Es fehlt etwas die Eingängigkeit, etwas, das einen direkt bewegt und das hängen bleibt. Nichtsdestotrotz ist diese Scheibe nur empfehlenswert für jeden Fan härterer Klänge, der sich ein bisschen was aus tiefgründiger Musik verspricht.
