Lange bevor die italienischen Cenotaph (später Necrosphere), Calvary, Detestor und Horrid ihre ersten EPs oder Debütalben herausbrachten, waren ELECTROCUTION bereits zur Stelle. Drei Demos hatten die Todesmetaller aus Bologna bereits veröffentlicht, als sie Ende 1992 für die Aufnahmen zu „Inside The Unreal“ (Katalognummer Babe 6CD auf dem Label Rosemary Records) das Westlink Studio in Pisa aufsuchten. Das Resultat kann sich auch heute noch hören lassen. Der oft rasend schnelle Death Metal ist noch stark von Thrash-Riffs bestimmt, erinnert aber eher an US-Bands wie Malevolent Creation und Solstice als an die Landsleute Necrodeath. In ‚Bodys Decay’ versuchen sie sich auch erfolgreich am typischen Deicide-Groove. Man kann schon erkennen, dass zukünftig im Songwriting noch mehr Wert auf Technik gelegt werden sollte. Untypische Rhythmusmuster, wieselflinke Lead-Duelle und die in ‚Rising Of Infection“ eingebauten Clean-Gitarren sind eindeutige Zeichen. In ‚Growing Into The Flesh’ tritt im Intro auch der Bass als eigenständiges Instrument hervor, ohne direkt in Steve DiGiorgio-Sphären zu wildern. Natürlich knallt die Produktion nicht wie eine aus dem Morrisound, und Drums wie Gitarren müssten mehr drücken. Aber der Sound lässt alle Instrumente zur Geltung kommen und hebt sich immer noch deutlich vom damaligen Demostandard ab. Der Gesangsstil von Rhythmusgitarrist Mick Montaguti ist eindeutig auf Death-Growls fixiert, wobei Leadgitarrist Alex Guadagnoli sich interessanterweise für den vakanten Max Cavalera-Posten bei Sepultura beworben hatte und in die engere Wahl kam. „Inside The Unreal“ ist nicht nur wegen seiner geringen Verbreitung, sondern auch wegen der musikalischen Klasse eine viel gesuchte, hoch gehandelte Perle der frühen europäischen Death Metal-Geschichte. Das remasterte und graphisch aufgewertete Digipack verdient Eure Aufmerksamkeit!
