Pop meets Klassik – jetzt auch für Grufties! EKLIPSE bedienen ein bewährtes und bedingt auch erfolgversprechendes Konzept, das von Ricky King bis David Garrett schon viele Facetten erlebt hat. Bekannte (und manchmal auch nicht ganz so bekannte) Pop-Songs in ein neues, zum Beispiel klassisches Instrumental-Gewand zu gießen und ins Publikum zu schleudern. Wiedererkennungswert auf der einen Seite und Erstaunen über das Innovative der neuen Versionen auf der anderen Seite führen dann zur Hypnose, die das einfache Volk den Aufguss auch kaufen lässt. Offensichtlich herrscht auch in Gruftie-Kreisen Kaufkraft, die nun von findigen Label-Managern entdeckt wurde. Aber anders als bei King, Garrett und Konsorten wird hier auch das Auge angesprochen und das Marketing-Konzept ist von vorne bis hinten generalstabsmäßig und CI-artig durchorganisiert: Vier attraktive junge Frauen werden in Kleider (mit mal mehr, mal weniger Stoff) halb pornografischer Gothic-Ästhetik gezwängt und aufreizend dem Publikum serviert. Aber es sind natürlich keine Modepüppchen, und es sind, aber nein, natürlich auch keine gecasteten Playback-Häschen! Die vier jungen Damen, aus deren realen Namen ebenso ein bewusstes wie marketingstrategisches Geheimnis gemacht wird wie aus ihrer Vorgeschichte, können allesamt mit ihren Instrumenten umgehen, haben gar teilweise – oha! – studiert. Und nun haben sie sich in Sankt Petersburg zufällig getroffen und beschlossen, aus ihren zwei Geigen, dem Cello und der Bratsche ein Quartett zu machen und mit Instrumental-Versionen bekannter aktueller Hits die Welt zu erobern. Und schwups, schon wenig später landen sie im Vorprogramm der deutschen Nightwish-Tour: Das nennt man mal geschickt platziert. Selten wurde in einem Label-Info in einer solchen Fülle gequirlter Unfug verbreitet, dass es weh tut. Vor ein paar Jahren gab es schon einmal einen solchen Versuch, damals mit Pop-Ästhetik und Neuversionen von All-Time-Faves. Die vier Geigerinnen von Babaji beteuerten in jedem Interview, keine Casting-Gruppe zu sein und versprachen für das zweite Album folgerichtig eigene Songs und eigenes Profil. Das zweite Album ist bis heute nicht erschienen. Fairerweise sollten auch ein paar Takte über die Musik verloren werden. Es gibt ja Musiker, die mit Streicher-Adaptionen von Pop-Songs durchaus innovativ umgehen und Kunst erschaffen, etwa das Balanescu Quartett oder Peter Gabriel. Bei EKLIPSE wird allerdings überwiegend uninspirierender Kommerz geliefert. Einige Songs wurden nicht einmal in aufwändige Neu-Arrangements verwandelt, so dass Hurts ‚Wonderful Life‘ oder Lady Gagas ‚Paparazzi‘ nicht nur eine langweilige Wahl sind, sondern auch nicht funktionieren und zudem noch zu stark komprimiert wirken. Ausnahmen gibt es allerdings auch: Justin Timberlakes ‚Cry Me A River‘ ist mit seinen Pizzicatos und dem hörbaren Kratzen der Bögen auf den Holzinstrumenten sowie einer geschickten Dramaturgie ein echter Hinhörer. Als ganzes Album ist das aber alles viel zu kalkulierbar und zu kalkuliert. Das Album darf natürlich trotzdem immer und überall laufen, nebenbei und im Hintergrund wird es nicht weiter auffallen.
