Metallische Vollbedienung auf Rezept? Wäre eine coole Geschäftsidee, dachten sich die Stuttgarter, und reaktivierten nach vielen Jahren und diversen Schicksalsschlägen den Rockdoctor. „Richtig fette Riffs eingebettet in eine wuchtige Produktion“, lautet die Diagnose, inklusive Infektion mit catchigen Gitarrensoli, die man aus schwedischen Gefilden kennt. Als Symptome treten groovende Moshattacken auf, die sich teilweise in Thrash-Anfälle steigern können. Gesangstechnisch wurde hier ein Reibeisen verschrieben, das sich gerne in obere Stimmlagen äußert. Auch eine balladeske Auswucherung wurde nach eingehender Untersuchung entdeckt, die man qualitativ als durchschnittlich einstufen kann. Gerade im Hinblick auf Geschwindigkeit und Straightness bekommt man eine ordentliche Sprechstunde verpasst, wobei sich sowohl Gesang als auch die Instrumentenwand bereits beim ersten Durchlauf gut einprägen. Man hört den Jungs deutlich den Spaß an, den sie dabei haben, und gerade das überträgt sich schnell auf den Hörer, und man ist versucht, sofort das nächste Festivalzelt zu packen, ins Auto zu springen und dieses Album in voller Lautstärke auf der Autobahn zu zelebrieren. Sicherlich wurde hier nicht gerade das Heilmittel gegen durchschnittliche Musik entdeckt, allerdings definitiv eine gute Kur gegen schlechte Laune und Stille. Fazit: geiler und rotziger Geschwindigkeitsrausch ohne Praxisgebühr, sollte von der Kasse als Präventionsmaßnahme anerkannt werden!
