Nur noch ein paar Tage bis zum Erscheinen des neuen Studioalbums „Tears On Tape“. Aus diesem Anlass geben HIM vorab schon mal drei exklusive Clubshows in Berlin, Köln und London. Es ist mittlerweile über drei Jahre her, dass HIM sich in der Hauptstadt blicken ließen, und so ist es reine Formsache, dass lange vorher alle Tickets restlos ausverkauft sind. Knapp zwei Stunden vor Einlass wartet bereits die Anhängerschaft in einer langen Schlange vor dem Postbahnhof. Das Publikum ist bunt gemischt, aus Fans der ersten Stunde und einer weitaus jüngeren Generation.
Heute eröffnet keine Supportband den Abend, sondern Special Guest DJ LORD NOIR. Das sorgt schon am Einlass für Verwirrung. Einen DJ-Einsatz auf einem Live-Konzert hat man allenfalls als Umbaupausenfüller bei Korn in Erinnerung. So verwundert es nicht, dass DJ LORD NOIR nicht als eigenständiger Act wahrgenommen wird und trotz gekonnter Songauswahl irgendwo zwischen Rammstein, Muse und Eisbrecher keinen Applaus erntet. Die Musik dröhnt in voller Live-Lautstärke, einige Köpfe wackeln hin und her, aber alles wartet, dass es endlich losgeht mit HIM. Kurz nach 21 Uhr ist es endlich so weit.
Das Intro läuft, das Heartagramm erstahlt in blau-weißem Licht, und lauthalse Jubelschreie begrüßen HIM. Ville Valo und seine Männer sind bereit, es ordentlich krachen zu lassen. Ohne große Umschweife oder Worte ans Berliner Publikum wird gleich losgelegt, mit der Live-Premiere von 'All Lips Go Blue'. Das neue Material braucht wohl noch etwas, bis es sich im Ohr festsetzt, aber kein Grund zur Sorge, den Schwerpunkt haben HIM wider Erwarten nicht auf das neue Album gelegt, sondern spielen sich ungewohnt rockig und hart durch nahezu alle Alben ihrer Karriere. Vom Debüt-Album „Greatest Lovesongs Vol. 666“ haben es sogar gleich vier Songs auf die Setliste geschafft. Definitive Stimmungshöhepunkte der heutigen Show sind die alten Kracher wie 'Вuried Alive By Love' 'Join Me In Death' oder 'Right Here In My Arms'. Das Publikum singt in voller Lautstärke mit, gibt alles, und ein Meer aus Handykameras hält die Momente digital für die Nachwelt fest. Ja, HIM können sich wirklich nicht beklagen über ihr Publikum. Die Finnen performen heute Abend lässig und rauchend wie eh und je, aber trotzdem fehlt irgendwie noch der so geliebte kleine Flirt mit dem Publikum, um die Show wirklich perfekt zu machen.
Schlusspunkt des offiziellen Sets ist 'When Love And Death Embrace'. Der eine oder andere Fan dürfte dabei sicherlich auch in die Erinnerungen an das Wave-Gotik-Treffen von 1999 schwelgen. HIM gönnen sich erst mal eine wohlverdiente Pause, doch ohne eine Zugabe werden die Berliner die Finnen auf keinen Fall ziehen lassen. Es dauert eine ganze Weile, dann setzen HIM mit 'Sleepwalking Past Hope' noch ordentlich einen drauf und werden ein letztes Mal bejubelt. Nach knapp 90 Minuten ist alles vorbei.
Setlist:
All Lips Go Blue
Buried Alive By Love
Rip Out The Wings Of A Butterfly
Right Here In My Arms
The Kiss Of Dawn
Hearts At War
Join Me In Death
Your Sweet 666
Passion's Killing Floor
Tears On Tape
Wicked Game
It's All Tears (Drown In This Love)
Soul On Fire
Into The Night
The Funeral Of Hearts
When Love And Death Embrace
Sleepwalking Past Hope