Schon erstaunlich, welche Entwicklung BRING ME THE HORIZON hingelegt haben. Spielten die Briten 2007 noch als ungeliebte und gescholtene Ersatzband auf der Killswitch Engage-Tour, so ist die eigene Headliner-Tour zwei Jahre später aller Orten ausverkauft. Es ist von vornherein klar, dass das Gros des Publikums zwar der Zahnspangenfraktion entwachsen ist, aber die Altershürde von 20 Jahren auch noch nicht reißen wird. Pünktlich zum Einlass haben sich bereits etliche Metalcore-Anhänger vor dem Columbia Club versammelt. Das energiegeladene Tour-Package lässt einen mehr als verschwitzen Abend erwarten.
Als erste Band entern AUGUST BURNS RED die Bühne. Die fünf Lancaster Typen heizen der Meute im Moshpit gleich mal so richtig ein und legen die Messlatte ziemlich hoch. Egal, ob bei neuen Stücken wie ‘Thirty And Seven’ und ‘Meddler’ oder ‘Composure’ vom Vorgängeralbum „Messengers“, Sänger Jake Luhrs springt und rennt über die Stage und bewegt die Massen immer wieder. Die Tour dürfte der Band auf jeden Fall eine noch breitere Anhängerbasis verschaffen. Dann geht es weiter mit A DAY TO REMEMBER. Die Post-Hardcore-Band aus Florida gehört mittlerweile zu den Größen der Szene. Sie legen stimmungsmäßig eine weitere Schippe Kohlen auf. Das Intro verklingt, das Bühnenlicht geht an, und schon ertönt der Burner ‘The Downfall Of Us All’. Mit dem Schlachtruf „Let’s go!“ tritt Vokalist Jeremy den Sturm los. Kollektiv springt das Publikum bis in den letzten Winkel und growlt aus vollen Kehlen mit. Das Hauptaugenmerk in der Songauswahl liegt - unter anderem mit ‘I’m Made Of Wax’, ‘Larry, What Are You Made Of?’, ‘Have Faith With Me’, ‘NJ Legion Iced Tea’ sowie ‘My Life For Hire’ und ‘Mr. Hightway’s Thinking About The End’ - deutlich auf dem aktuellen Album „Homesick“. Das kommt sichtlich gut an, und die Band versprüht eine unglaubliche Intensität. Endlich fordern A DAY TO REMEMBER das Publikum zur Wall Of Death auf. Nach knapp 40 Minuten Aktion und schwitzenden Leibern ist der Spuk erst mal vorbei.
Die Zeit ist gekommen für BRING ME THE HORIZON, und scheinbar jeder im überquellenden Columbia Club drängt in die vorderen Reihen. Bereits nach den ersten Takten von ‘Chelsea Smile’ bricht der pure Wahnsinn herein. Haare fliegen durch die Luft, ja ganze Körper werfen sich in die schaukelnden Massen des Moshpits. Es fasziniert, mit welcher Leichtigkeit der hagere Frontmann Oliver Sykes auf der Stage springend, schreiend und tobend den Mop dirigiert. Es genügen die Lyricparts „After everything you put me through, I should have fucking pissed on you” und jeder im Saal weiß, die Stunde von ‘No Need For Introductions, I've Read About Girls Like You On The Backs Of Toilet Doors’ hat geschlagen. Nach einer weiteren kollektiven Sprachübungsrunde im “Fuck you!”-Schreien gibt's auch gleich ‘Sleep With One Eye Open’ auf die Ohren. BRING ME THE HORIZON spielen beinahe ausschließlich Songs vom „Suicide Season“-Album, mit gelegentlichen Einspielern vom neuen Remix-Album „Suicide Season Cut Up“. Vom Debüt findet lediglich ‘Pray For Plagues’ den Weg in die Setliste. Highlight der Show ist die Remix-Version ‘Football Season Is Over (After The Night)’. Auf ein Startzeichen und von der Security unbehelligt, klettern dutzende Vertreter der Generation Småland auf die Bühne und feiern gemeinsam mit BRING ME THE HORIZON. Es ist in der Tat, wie Oliver feststellt: „A day to remember!“.
(AF)