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Sunday, 12 September 2010 02:00

 

Heidenfest 12.09.2010 Berlin, C-Club

Written by  OS & SL
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Ensiferum Ensiferum Sabine Langner

Nachdem im Frühjahr bereits das Paganfest in heidnischer Mission durch die Hauptstadt gezogen ist, wird kaum ein halbes Jahr später der metallische Kreuzzug fortgesetzt. Diesmal als pagane Metal-Missionare unterwegs: HEIDEVOLK, SWASHBUCKLE, EQUILIBRIUM, ENSIFERUM und TWILIGHT OF THE GODS. Und wie zu erwarten mangelt es auch an jenem Sonntag im September nicht an Gefolgschaft.
Den Anfang machen HEIDEVOLK – und was für einen! Die Niederländer reiten, wie üblich folkloristisch gewandet, mit ‚Nehalennia‘ gut gelaunt in den C-Club ein und wissen von Beginn an zu begeistern. Die sechs Musiker strotzen vor Spielfreude und ihre Energie reißt das Publikum entsprechend mit. Binnen kürzester Zeit tobt ein ordentlicher Mob vor der Bühne, und die Band genießt das Treiben sichtlich. ‚Saksenland‘, ‚Ostara‘ – HEIDEVOLK hätten den Leuten wohl so ziemlich alles auftischen können, ohne an Überzeugungskraft zu verlieren. Ihre Mischung aus Folk und Viking Metal, gepaart mit den niederländischen Texten ist einfach unverkennbar und spricht zweifellos das vornehmlich spaßsüchtige Publikum an. Leider ist der Start-Slot mit zu wenig Spielzeit gestraft – und die knappe halbe Stunde verstreicht wie im Fluge. Aber natürlich verlassen die Holländer nicht ohne ihr obligatorisches Normaal-Cover ‚Vulgaris Magistralis‘ die Bühne. Starker Auftakt und als Opener eigentlich fast zu schade. Die nachfolgenden SWASHBUCKLE sorgen trotz Gummipalmen und Piraten-Montur samt Schulter-Papagei bereits für das erste kleine Stimmungstief. Im Grunde ein guter Kontrast zum Rest des Billings, ist der straighte Grind-Thrash Metal, der eigentlich nur thematisch annähernd das Tour-Thema streift, vielen der Anwesenden schlichtweg zu hart und zu unfolkig. Die Seeräuber aus New Jersey rudern mit rasanter Geschwindigkeit durch ihr Set, das unter anderem mit ‚Cruise Ship Terror‘, ‚Walk The Plank‘ und ‚Back To The Noose‘ aufwartet. Die Meute wirkt doch zeitweise recht steif, und der von Admiral Nobeard geforderte Circle Pit erinnert eher an einen Haufen unkontrolliert umherwuselnder Landratten. Aber bekanntlich zählt ja der gute Wille. Auch wenn es spieltechnisch nichts zu meckern gibt, bleibt doch wenig Unterhaltsames, wenn man die wilden Klamauk-Klamotten des Trios vom Rest subtrahiert. Ihre Terrorizer-mäßige Mucke kommt trotz der wenig ernsten Texte, witziger Ansagen und Animationen mehr schlecht als recht an. SWASHBUCKLE sind an diesem Abend wohl eher an der Masse vorbeigerauscht.
Das Stimmungsbarometer hebt sich bei EQUILIBRIUM wieder merklich. Für viele scheinen die Epic/Pagan-Metaller das Highlight des Abends zu sein. Vielleicht ist es auch die Neugier auf Neuzugang Robse Dahn, die so zahlreich Volk vor die Bühne treibt. Wer noch nicht die Gelegenheit hatte, bekommt also heute EQUILIBRIUM anno 2010 geboten. Mit dem Opener ihrer aktuellen Scheibe „Rekreatur“, ‚In heiligen Hallen‘, beginnt ein musikalischer Streifzug quer durch alle drei Alben. Mit dabei sind Stücke wie ‚Unter der Eiche‘, ‚Blut im Auge‘ und ‚Der Wassermann‘. Obgleich die übermäßige Lautstärke etwas stört, ist die Grundstimmung wohlwollend und ausgelassen. Zwar ist der Neue am Mikro stellenweise noch schlechter zu verstehen als sein Vorgänger, aber seine Kreisch-Anfälle à la Tägtgren sind dennoch beeindruckend. Mit dem obligatorischen ‚Met‘ sowie dem schwungvollen Calypso Metal von ‚Unbesiegt‘ beenden EQUILIBRIUM ihr heutiges Set. Nicht ganz wie erwartet und irgendwie anders als früher liefert das Quintett nichtsdestotrotz eine respektable Show ab. Wer ENSIFERUM kennt, weiß was ihn erwartet – nämlich sehr schlanke, halbnackte Finnen in „Kilts“. Ja, und Musik machen sie auch. Ihr heutiges Set beginnt ganz straight mit ‚From Afar‘, welches die Anwesenden ohne Umschweife in Bewegung versetzt. Und eigentlich gibt es den Gig hindurch auch kaum irgendwelche Verschnaufpausen. Petri Lindroos & Co. knallen dem Pagan Metal-hungrigen Publikum jede Menge Hits ihrer 15-jährigen Bandgeschichte vor den Latz, als da wären ‚Abandoned‘, ‚One More Magic Potion‘, ‚Ahti‘ oder ‚Twilight Tavern‘. Ganz großes Highlight des Abends: ‚Deathbringer From The Sky‘! Sami, Petri und Markus haben sichtlich Spaß. Keyboarderin Emmi und Drummer Janne agieren eher unbemerkt im Hintergrund, verdeckt von der Überpräsenz der ENSIFERUM-Frontfraktion. Erwartungsgemäß gehören natürlich noch ‚Lai Lai Hei‘ und Dädädädä-Dädädädä-‚Iron‘ zur Show der finnischen Schwertträger. Auch wenn schon oft gesehen, dieser Auftritt war aufgrund der stets sympathischen Musiker, aber besonders aufgrund der gelungenen Song-Auswahl ein absolutes Live-Vergnügen.
Die als Tribute-Sensation angekündigten TWILIGHT OF THE GODS haben mit ihrem Headliner-Posten kein leichtes Spiel. Trotz starken Line-Ups will die eher exzentrische Bathory-Hommage so recht nicht ins feucht-fröhliche Billing des Heidenfests passen – die Zielgruppe hierfür ist ganz klar eine andere. Und selbst Bathory-Fans sind nicht zwangsläufig überzeugt. So verwundert es kaum, dass nach anfänglicher Neugier viele relativ schnell die Segel streichen. Musikalisch und auch Show-technisch gibt es hier nichts zu bemängeln, besonders Primordial-Fronter Alan lebt seine Performance. Inwieweit das nun Quorthon gerecht wird, sei dahingestellt. Die Reaktionen sind sehr durchwachsen und so sieht man sowohl Begeisterung als auch Unverständnis in den Gesichtern der Anwesenden bzw. Verbliebenen. So endetet das diesjährige Heidenfest etwas zwiespältig und Songs wie ‚Home Of The Once Brave‘ oder ‚A Fine Day To Die‘ verklingen in halbleerem Saal. Hier sind definitiv im Vorfeld ohne Weitblick zu große Hoffnungen und Erwartungen geschürt worden.
Fazit: Die eigenwillige, aber zumindest facettenreiche Band-Konstellation sorgt für ein kurzweiliges Heidenfest. Retrospektiv sind die klaren Gewinner des Abends HEIDEVOLK und ENSIFERUM, bei denen es weder in Sachen Stimmung noch musikalisch wirklich etwas auszusetzen gab. Zudem war der Wechsel vom Fritzclub in den C-Club ein guter Schachzug der Veranstalter, der sich hoffentlich nicht als Eintagsfliege entpuppt. (OS & SL)

 
 

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