Schon erstaunlich, welche Entwicklung BRING ME THE HORIZON hingelegt haben. Spielten die Briten 2007 noch als ungeliebte und gescholtene Ersatzband auf der Killswitch Engage-Tour, so ist die eigene Headliner-Tour zwei Jahre später aller Orten ausverkauft. Es ist von vornherein klar, dass das Gros des Publikums zwar der Zahnspangenfraktion entwachsen ist, aber die Altershürde von 20 Jahren auch noch nicht reißen wird. Pünktlich zum Einlass haben sich bereits etliche Metalcore-Anhänger vor dem Columbia Club versammelt. Das energiegeladene Tour-Package lässt einen mehr als verschwitzen Abend erwarten.
Als erste Band entern AUGUST BURNS RED die Bühne. Die fünf Lancaster Typen heizen der Meute im Moshpit gleich mal so richtig ein und legen die Messlatte ziemlich hoch. Egal, ob bei neuen Stücken wie ‘Thirty And Seven’ und ‘Meddler’ oder ‘Composure’ vom Vorgängeralbum „Messengers“, Sänger Jake Luhrs springt und rennt über die Stage und bewegt die Massen immer wieder. Die Tour dürfte der Band auf jeden Fall eine noch breitere Anhängerbasis verschaffen. Dann geht es weiter mit A DAY TO REMEMBER. Die Post-Hardcore-Band aus Florida gehört mittlerweile zu den Größen der Szene. Sie legen stimmungsmäßig eine weitere Schippe Kohlen auf. Das Intro verklingt, das Bühnenlicht geht an, und schon ertönt der Burner ‘The Downfall Of Us All’. Mit dem Schlachtruf „Let’s go!“ tritt Vokalist Jeremy den Sturm los. Kollektiv springt das Publikum bis in den letzten Winkel und growlt aus vollen Kehlen mit. Das Hauptaugenmerk in der Songauswahl liegt - unter anderem mit ‘I’m Made Of Wax’, ‘Larry, What Are You Made Of?’, ‘Have Faith With Me’, ‘NJ Legion Iced Tea’ sowie ‘My Life For Hire’ und ‘Mr. Hightway’s Thinking About The End’ - deutlich auf dem aktuellen Album „Homesick“. Das kommt sichtlich gut an, und die Band versprüht eine unglaubliche Intensität. Endlich fordern A DAY TO REMEMBER das Publikum zur Wall Of Death auf. Nach knapp 40 Minuten Aktion und schwitzenden Leibern ist der Spuk erst mal vorbei.
Die Zeit ist gekommen für BRING ME THE HORIZON, und scheinbar jeder im überquellenden Columbia Club drängt in die vorderen Reihen. Bereits nach den ersten Takten von ‘Chelsea Smile’ bricht der pure Wahnsinn herein. Haare fliegen durch die Luft, ja ganze Körper werfen sich in die schaukelnden Massen des Moshpits. Es fasziniert, mit welcher Leichtigkeit der hagere Frontmann Oliver Sykes auf der Stage springend, schreiend und tobend den Mop dirigiert. Es genügen die Lyricparts „After everything you put me through, I should have fucking pissed on you” und jeder im Saal weiß, die Stunde von ‘No Need For Introductions, I've Read About Girls Like You On The Backs Of Toilet Doors’ hat geschlagen. Nach einer weiteren kollektiven Sprachübungsrunde im “Fuck you!”-Schreien gibt's auch gleich ‘Sleep With One Eye Open’ auf die Ohren. BRING ME THE HORIZON spielen beinahe ausschließlich Songs vom „Suicide Season“-Album, mit gelegentlichen Einspielern vom neuen Remix-Album „Suicide Season Cut Up“. Vom Debüt findet lediglich ‘Pray For Plagues’ den Weg in die Setliste. Highlight der Show ist die Remix-Version ‘Football Season Is Over (After The Night)’. Auf ein Startzeichen und von der Security unbehelligt, klettern dutzende Vertreter der Generation Småland auf die Bühne und feiern gemeinsam mit BRING ME THE HORIZON. Es ist in der Tat, wie Oliver feststellt: „A day to remember!“.
(AF)
Die European Bangover Tour 2010 macht auch in Berlin halt, ein wenig überraschend mit SKELETONWITCH und nicht mit den Senkrechtstartern WARBRINGER als Headlinern. Doch den Auftakt bilden an diesem Montagabend die Spanier ANGELUS APATRIDA, die während ihrer ersten Europa-Tour auf eine zehnjährige Band-Geschichte zurückblicken können. Entsprechend engagiert zeigen sich die vier Thrasher nicht nur beim schlüssig strukturierten aktuellen Titelsong 'Clockwork‘.
Spätestens beim Titelsong der vorangegangenen, gleichnamigen Full-Length, 'Give ’Em War’, wird deutlich, dass ANGELUS APATRIDA live einiges zu bieten haben, drücken sie mit trockenem Uptempo-Thrash und ihren melodiöseren Heavy-Parts doch ordentlich. Zwar ist der Magnet zu diesem Zeitpunkt noch spärlich besucht, den bereits anwesenden Thrashern aller Altersklassen ist das jedoch herzlich egal. Nach vergleichsweise abwartendem Einstiegs-Riffing verbreitet der sich fast überschlagende Gesang zur 'Thrash Attack‘ Energie, deren Titel dezent bejohlt wird, bevor die abtrünnigen Engel schon nach einer knappen halben Stunde von der Bühne gehen.
Routinierten, aber mitnichten abgenutzten Spielspaß verbreiten nach einer kurzen Umbaupause WARBRINGER, die schon mehr Zuschauer haben. Und zu gucken gibt es einiges, wenn Sänger John Kevill mit weit aufgerissenen Augen und teuflisch vergnügtem Grinsen über die für ihn offenbar zu kleine Bühne fegt. Der dezent rumplige und doch geschmeidige Old School-Thrash lässt die Banger direkt vor der Bühne in Aktion treten; der zum zackigen 'Total War‘ angeforderte Circle Pit hat sich allerdings nach 3 Sekunden erledigt und das Dauer-Solo bringt die Banger durcheinander. Die sind allerdings buchstäblich ganz vorn dabei, als darum geht, den Gitarristen zu bebangen, der zwischenzeitlich auf dem Bühnenrand Platz nimmt.
Das neuere 'Prey For Death‘ mit dem melodiösen Part, der nahezu als Slayer-Tribute durchgehen kann, wird gleichfalls gut aufgenommen und 'At the Crack of Doom’ besticht mit seinem ruhigen Intro, den mit fein sägenden Gitarren und dem nuanciert ausrastendem Gesang. Das 'Pleasure To Kill’-Cover darf selbstredend nicht fehlen, ehe 'Combat Shock’ vor der Bühne einige erhitzte Köpfe hinterlässt. Und nach nur einer halben Stunde ist noch Zeit für eine Zugabe.
Bei einem derart angewärmten Publikum haben SKELETONWITCH leichtes Spiel, denn auch die Disco-Pausenmusik konnte die Vorfreude auf den räudigen Thrash mit Black- und ein paar Death-Zutaten aus Ohio nicht verderben. Nach dem zackigen 'The Despoiler Of Human Life’ freut sich der bärtige, zwischen Ingrimm und Vergnügen schwankende Sänger Chance Garnette: „Thanks for being here on fuckin’ Monday night.” Unter rhythmischem Händrecken zu “Ey, ey, ey”-Rufen wird das stampfend-treibende 'Strangled By Unseen Hands’ inklusive Fiedel-Solo und untypisch Bree-artigem Schluss-Growl dargeboten.
Mit Ansagen wie „This one is for satan” oder auch „The next one is about killing everyone” macht Mr. Garnett sich weitere Freunde, als ob das zusätzlich zum dezent düsteren Thrash mit Melodien an den richtigen Stellen nötig ware. „It’s time to 'Stand Fight And Die‘“ heißt es sodann, bevor es mit 'Repulsive Salvation’ wieder düsterer wird. Der raue, leicht verwischte Sound passt gut, zumal die Gitarren dennoch klar zu vernehmen sind. Nach dräuendem Midtempo-Part gibt es wieder dreckigen Uptempo-Thrash mit melodischem Solo. „Dankeschön for being here“, heißt es vorm obgligatorischen Chance Garnett-Abschluss-Spruch „Drink beer, smoke weed, eat some fuckin‘ pussies“. Nach einer schnellen, einkalkulierten Zugabe mit diabolischem Grunz-Keifen entlassen SKELETONWITCH das Publikum nach einem höchst stimmigen Abend in die Berliner Montagnacht. (GB)
Nachdem im Frühjahr bereits das Paganfest in heidnischer Mission durch die Hauptstadt gezogen ist, wird kaum ein halbes Jahr später der metallische Kreuzzug fortgesetzt. Diesmal als pagane Metal-Missionare unterwegs: HEIDEVOLK, SWASHBUCKLE, EQUILIBRIUM, ENSIFERUM und TWILIGHT OF THE GODS. Und wie zu erwarten mangelt es auch an jenem Sonntag im September nicht an Gefolgschaft.
Den Anfang machen HEIDEVOLK – und was für einen! Die Niederländer reiten, wie üblich folkloristisch gewandet, mit ‚Nehalennia‘ gut gelaunt in den C-Club ein und wissen von Beginn an zu begeistern. Die sechs Musiker strotzen vor Spielfreude und ihre Energie reißt das Publikum entsprechend mit. Binnen kürzester Zeit tobt ein ordentlicher Mob vor der Bühne, und die Band genießt das Treiben sichtlich. ‚Saksenland‘, ‚Ostara‘ – HEIDEVOLK hätten den Leuten wohl so ziemlich alles auftischen können, ohne an Überzeugungskraft zu verlieren. Ihre Mischung aus Folk und Viking Metal, gepaart mit den niederländischen Texten ist einfach unverkennbar und spricht zweifellos das vornehmlich spaßsüchtige Publikum an. Leider ist der Start-Slot mit zu wenig Spielzeit gestraft – und die knappe halbe Stunde verstreicht wie im Fluge. Aber natürlich verlassen die Holländer nicht ohne ihr obligatorisches Normaal-Cover ‚Vulgaris Magistralis‘ die Bühne. Starker Auftakt und als Opener eigentlich fast zu schade. Die nachfolgenden SWASHBUCKLE sorgen trotz Gummipalmen und Piraten-Montur samt Schulter-Papagei bereits für das erste kleine Stimmungstief. Im Grunde ein guter Kontrast zum Rest des Billings, ist der straighte Grind-Thrash Metal, der eigentlich nur thematisch annähernd das Tour-Thema streift, vielen der Anwesenden schlichtweg zu hart und zu unfolkig. Die Seeräuber aus New Jersey rudern mit rasanter Geschwindigkeit durch ihr Set, das unter anderem mit ‚Cruise Ship Terror‘, ‚Walk The Plank‘ und ‚Back To The Noose‘ aufwartet. Die Meute wirkt doch zeitweise recht steif, und der von Admiral Nobeard geforderte Circle Pit erinnert eher an einen Haufen unkontrolliert umherwuselnder Landratten. Aber bekanntlich zählt ja der gute Wille. Auch wenn es spieltechnisch nichts zu meckern gibt, bleibt doch wenig Unterhaltsames, wenn man die wilden Klamauk-Klamotten des Trios vom Rest subtrahiert. Ihre Terrorizer-mäßige Mucke kommt trotz der wenig ernsten Texte, witziger Ansagen und Animationen mehr schlecht als recht an. SWASHBUCKLE sind an diesem Abend wohl eher an der Masse vorbeigerauscht.
Das Stimmungsbarometer hebt sich bei EQUILIBRIUM wieder merklich. Für viele scheinen die Epic/Pagan-Metaller das Highlight des Abends zu sein. Vielleicht ist es auch die Neugier auf Neuzugang Robse Dahn, die so zahlreich Volk vor die Bühne treibt. Wer noch nicht die Gelegenheit hatte, bekommt also heute EQUILIBRIUM anno 2010 geboten. Mit dem Opener ihrer aktuellen Scheibe „Rekreatur“, ‚In heiligen Hallen‘, beginnt ein musikalischer Streifzug quer durch alle drei Alben. Mit dabei sind Stücke wie ‚Unter der Eiche‘, ‚Blut im Auge‘ und ‚Der Wassermann‘. Obgleich die übermäßige Lautstärke etwas stört, ist die Grundstimmung wohlwollend und ausgelassen. Zwar ist der Neue am Mikro stellenweise noch schlechter zu verstehen als sein Vorgänger, aber seine Kreisch-Anfälle à la Tägtgren sind dennoch beeindruckend. Mit dem obligatorischen ‚Met‘ sowie dem schwungvollen Calypso Metal von ‚Unbesiegt‘ beenden EQUILIBRIUM ihr heutiges Set. Nicht ganz wie erwartet und irgendwie anders als früher liefert das Quintett nichtsdestotrotz eine respektable Show ab. Wer ENSIFERUM kennt, weiß was ihn erwartet – nämlich sehr schlanke, halbnackte Finnen in „Kilts“. Ja, und Musik machen sie auch. Ihr heutiges Set beginnt ganz straight mit ‚From Afar‘, welches die Anwesenden ohne Umschweife in Bewegung versetzt. Und eigentlich gibt es den Gig hindurch auch kaum irgendwelche Verschnaufpausen. Petri Lindroos & Co. knallen dem Pagan Metal-hungrigen Publikum jede Menge Hits ihrer 15-jährigen Bandgeschichte vor den Latz, als da wären ‚Abandoned‘, ‚One More Magic Potion‘, ‚Ahti‘ oder ‚Twilight Tavern‘. Ganz großes Highlight des Abends: ‚Deathbringer From The Sky‘! Sami, Petri und Markus haben sichtlich Spaß. Keyboarderin Emmi und Drummer Janne agieren eher unbemerkt im Hintergrund, verdeckt von der Überpräsenz der ENSIFERUM-Frontfraktion. Erwartungsgemäß gehören natürlich noch ‚Lai Lai Hei‘ und Dädädädä-Dädädädä-‚Iron‘ zur Show der finnischen Schwertträger. Auch wenn schon oft gesehen, dieser Auftritt war aufgrund der stets sympathischen Musiker, aber besonders aufgrund der gelungenen Song-Auswahl ein absolutes Live-Vergnügen.
Die als Tribute-Sensation angekündigten TWILIGHT OF THE GODS haben mit ihrem Headliner-Posten kein leichtes Spiel. Trotz starken Line-Ups will die eher exzentrische Bathory-Hommage so recht nicht ins feucht-fröhliche Billing des Heidenfests passen – die Zielgruppe hierfür ist ganz klar eine andere. Und selbst Bathory-Fans sind nicht zwangsläufig überzeugt. So verwundert es kaum, dass nach anfänglicher Neugier viele relativ schnell die Segel streichen. Musikalisch und auch Show-technisch gibt es hier nichts zu bemängeln, besonders Primordial-Fronter Alan lebt seine Performance. Inwieweit das nun Quorthon gerecht wird, sei dahingestellt. Die Reaktionen sind sehr durchwachsen und so sieht man sowohl Begeisterung als auch Unverständnis in den Gesichtern der Anwesenden bzw. Verbliebenen. So endetet das diesjährige Heidenfest etwas zwiespältig und Songs wie ‚Home Of The Once Brave‘ oder ‚A Fine Day To Die‘ verklingen in halbleerem Saal. Hier sind definitiv im Vorfeld ohne Weitblick zu große Hoffnungen und Erwartungen geschürt worden.
Fazit: Die eigenwillige, aber zumindest facettenreiche Band-Konstellation sorgt für ein kurzweiliges Heidenfest. Retrospektiv sind die klaren Gewinner des Abends HEIDEVOLK und ENSIFERUM, bei denen es weder in Sachen Stimmung noch musikalisch wirklich etwas auszusetzen gab. Zudem war der Wechsel vom Fritzclub in den C-Club ein guter Schachzug der Veranstalter, der sich hoffentlich nicht als Eintagsfliege entpuppt. (OS & SL)
Nicht wie angekündigt mit den Franzosen Ite Missa Est beginnt dieser Samstagabend, da diese auf dem Weg von Kopenhagen nach Berlin einen Unfall hatten. Stattdessen machen ihre Landsleute ARKANAN den Auftakt. Einen besonderen Eindruck hinterlassen sie dabei allerdings nicht. Der Metal/DeathCore der Franzosen klingt völlig austauschbar, und eine Bühnenperformance ist quasi nicht vorhanden. Zwischen Keifen und cleanem Gesang wechselnde Vocals, vereinzelte Breakdowns und melodisches Geschrubbe, fertig ist der Einheitsbrei. Bedeutend deftiger gehen wie erwartet die geographischen Nachbarn LENG TCH’E aus Belgien zu Werke. Trotz groovigen Auftakts lässt der apostrophierte Razorgrind nicht lang auf sich warten. Auch wenn der Bandname nach einer chinesischen Foltermethode gewählt wurde, muss sich von der Darbietung der vier niemand gequält fühlen. Rasant schnell gebellte Growls und Stakkato-Riffs wechseln mit grindig-rumpelndem Uffta-Rhythmus, inmitten dessen die Growls teils zur gutturalen Masse werden. Innerhalb der Songs wechseln LENG TCH’E zwischen Stakkato-Geballer zu Blast und Grind-Blast-Finale in unaufgeregte, klare Beatdowns. Auch im Midtempo klingt die Band wütend; Blast und Groove kommen in verdammt kurzen Wechseln, und der Dicke-Hose-Groove zieht sich provokant. Sänger Serge Kasongo bittet einen im kleinen Moshpit besonders agilen Zuschauer auf die Bühne, um ihm nach anfänglichem Indianer-Geheul das Mikro zu übergeben, in das er immer wieder squealen darf. So roh das Geschrote der Belgier auch wirken mag – in den richtigen Momenten kommen sie auf den Punkt. Darüber ist fast der WC-Gestank zu vergessen, der aus den Bedürfnisanstalten in die Nase kriecht, zumal als ‚Misleading Innuendos‘ angestimmt wird.
Kurz darauf übernehmen PSYCROPTIC die Bühne, allerdings ohne ihren Sänger Jason Peppiatt, der auf dieser Tour vom Tschechen Zdeněk Šimeček ersetzt wird. Šimeček singt sonst bei Godless Truth und betreibt das Slam-Label Lacerated Enemy Records. Gut zu wissen, dass der durchgedrehte Schlacks Jason Pepiatt nach wie vor Bandmitglied ist, denn sein Vertreter variiert die Growls zwar anständig, trägt aber eine Attitüde vor sich her, die sich eher bei Despised Icon gut machen würde. Die Band hat sich nichts vorzuwerfen und brezelt ihren rollenden Blast mit Gefidel ins Publikum. Neben vielen aktuellen Stücken vernachlässigen die technischen Todesmetaller von der australischen Insel Tasmanien auch ihr „Ob(Servant)“ nicht. Wie LENG TCH’E-Sänger Kasongo findet auch Šimeček Gesangsunterstützung im Publikum, als er das Mikrofon auffordernd nach unten hält. Treffsicher sind die Australier – auch mit ihrem Aushilfssänger. Doch auch wenn schon vereinzelt Bewegung im Publikum zu beobachten war, so richtig ist das Eis noch nicht gebrochen.
Das ändert sich erst mit ORIGIN. Zwar ist die Musik des Quartetts die mit Abstand kompromissloseste des Abends, doch mit Jason Keyser (Ex-Skinless) haben die Amerikaner ein Ass im Ärmel. Der Mann versteht es vom ersten Moment an, völlig authentisch und unprätentiös das Publikum für sich einzunehmen. Mit der nassforschen Party-Attitüde eines Andrew W.K. lädt er zum Stagediven ein und sorgt dadurch dafür, dass der Funke endlich überspringt. Auch während der Blast-Gewitter, die seine Mitstreiter entfesseln, baut Keyser immer wieder Anheizersprüche ein, was zusätzlich zur langsam hochkochenden Stimmung beiträgt. Die Krönung ist dabei sicherlich die „Silent Wall Of Death“, bei der die Band erst nach erfolgreichem Zusammenkrachen loslegt, wie Keyser mit schelmischer Freude erklärt. Dass die Aktion funktioniert, zeigt, dass es ORIGIN gelungen ist, das Publikum komplett für sich zu gewinnen. Dabei darf jedoch nicht übersehen werden, dass die Band trotz allem Schalk eine musikalisch beeindruckende Leistung abliefert. Vor allem Drummer John Longstreth sorgt mit seinem präzisen Hyperspeed-Drumming für offene Münder. Es dürfte schwer sein, der Band in dieser Form das Wasser zu reichen. Zumindest an diesem Abend gab es für ORIGIN keine ernsthafte Konkurrenz. (GB & SES)
Exodus & Sepultura & Destruction & Heathen & Mortal Sin - Thrashfest Classics Tour 08.12.2012 Berlin C-Club
Ein attraktives Tour-Paket macht am kühlen letzten September-Abend halt im Berliner K17. Punkt 19 Uhr entern die Südengländer DYSCARNATE die Bühne des bis dato kaum gefüllten Saals. Die drei bieten technischen Death Metal mit wohldosierten Groove-Batzen, wobei sich Basser Henry Bates und Gitarrist Tom Whitty am Mikro mit kreischigen und tieferen Growls ergänzen. Zum Gitarren-Gewitter ‚Extinguishing The Face Of Heaven‘ blende optisch korrespondierende Strobo-Blitze das interessierte Publikum, ehe DYSCARNATE statisch-konzentriert das Break-lastige und zwischendrin stark Groove-haltige ‚The Vitruvian Plan’ abfeuern. ‚Yielding The Iron Fist‘, angekündigt als „fast one“ zielt direkter, aber von Wechselgesang und schwerem Midtempo abgesehen auch weniger variantenreich in die Gehörgänge. Zum präzisen Geballer nimmt der Applaus für DYSCARNATE zu.
An Geschwindigkeit legen die Italiener HOUR OF PENANCE noch einen Zacken zu. Allerdings leidet das Gitarren-Geflitze mit heiseren Growls unter dem dumpfen Sound. Doch trotz technischer Verspieltheit bieten die Römer mit der Abneigung gegen die Kirche ihre Songs druckvoll dar. High Speed-Geprügel technischer Art, welches trotzdem rumpelt, wird mit ‚Drowned In The Abyss Of Ignorance’ intoniert. Momente mit langsamerem, fordernden Riffing zum akustischen Zurücklehen sind selten und kommen im gnadenlosen ‚Misconception‘ gleich gar nicht vor. Klar, dass das Publikum während des HOUR OF PENANCE-Gigs im konzentrierten Zuhören verharrt.
Ganz anders, zu mehr Bewegung animierend, aber nicht weniger komplex treten die Kanadier ION DISSONANCE auf. Ob das Beatdown-lastige Break-Geschrubbe der fünf aus Montréal nun als MathCore, MetalCore oder gar DeathCore wegzusortieren wäre, ist dabei erst mal egal. Denn live legen ION DISSONANCE eine komplett durchgeknallte Hingabe an den Tag, die ansteckend wirkt. Der am Mikro grimassierende, gestikulierende Kevin McCaughey verschreckt mit Sicherheit Traditionalisten, passt aber bestens ins Bild. Nach dem Dicke Hose-Intro besticht ‚The Death Of One Man Is A Tragedy, The Death Of 10.000 Is A Statistic’ durch teilweise atonale Anmutung. Und bei allen Beatdowns rauben diese dem ION DISSONCE-Auftritt nicht von seiner kontrolliert wüsten Energie, die auch bei ‚You People Are Messed Up’ offenbar wird. Das mit dem von Kevin McCaughey eingeforderten „go crazy“ klappt bei ‚She‘s Strychnine‘ nicht ganz, der Hüpfe-Pit dehnt sich aber im Verlauf des Auftritts aus.
Den größten Nimbus bringen an diesem Abend wohl CEPHALIC CARNAGE mit, denn wer kann es sich erlauben, mit Rotzbremse und Scorpions-T-Shirt auf die Bühne zu klettern, wenn nicht deren Sänger Leonard Leal? Das ausgewogene, technische Gehacke ‚Endless Cycle Of Violence‘ stellt sich über derlei Oberflächlichkeiten. Und bei dem neuen ‚Raped By An Orb‘ mit seinem Wechsel aus kurzen Doublebass- oder Gitarren-Eruptionen inmitten von schlüssigem Midtempo-Geschrubbe wird höchstens noch über Leals Aufzug gegrinst. Im bestechend schlüssig betitelten ‚Dying Will Be The Death Of Me’ irritiert der eingestreute Klargesang von Basser Nick Schendzielos nur kurz inmitten der technisch schwurbelnden Gitarren und aggressivem Riffing. Die Publikumsreaktionen zum Kürzest-Grindcore-Ausraster ‚Persistent Genital Arousal Dissorder‘ lassen den Scorpions-Shirt-Träger danken: „Berlin, thanks for being brutal.“ In die Lyrics zu neuen ‚Abraxas Of Filth’ mit seinem Wechsel aus technischem Uptempo-Geschrubbe und schwerem Downtempo-Riffing haben die US-Amerikaner das Wort „PSYCROPTIC” eingebaut. Angemessen wirr und stampfend schallt ‚Observer To The Obliteration Of Planet Earth’ aus den Boxen. Und nachdem Leonard Leal mehrfach die innere Anwendung von „weed and beer“ belobigt hat, bekommt er die Gelegenheit seinen Saiteninstrumentalisten eine Tüte aus dem Publikum an die Schnute zu halten.
Die Australier PSYCROPTIC, die eher überraschend an der Headliner-Position spielen, müssen mit bereits schwindendem Publikum vorlieb nehmen, was angesichts ihrer packenden Klasse unverständlich ist, aber einen so großen Namen wie CEPHALIC CARNAGE haben sie noch nicht. Dennoch bieten sie variablen, technischen Death Metal at its best, zwischendurch mit langsameren Riff-Passagen, die den anschließend mittels kraftvollem, Uptempo-betontem Riff-Gebratze aufgebauten Druck effektiv verstärkten. Das teils treibende, häufiger trockene Stakkato-Drumming ergänzt kraftvolles Riffing. Und auch wenn Joe Haley den Flitzefinger agieren lässt, ist das Riffing nie überkandidelt. Ein Echolot-Effekt führt zum bereits neun Jahre alten Hit ‚The Isle Of Disenchantment‘, das zügig und schlüssig durchkomponiert mit trockenem Kurz-Blast immer wieder aufhorchen lässt. Direkt anschließend rollt der aktuelle Titel-Song ‚Observant‘ mit rollendem, aber zackigem Drumming übers verbliebene Publikum hinweg. Doch auch wenn der Sound an diesem Donnerstagabend in Ordnung geht, erscheint die Gitarre ein wenig zu leise; Jason Peppiatts Wechsel zwischen helleren und heiseren Growls überzeugen jedoch. Da sich das Publikum eher abwartend verhält, gibt es folgerichtig keine Zugabe von den Tasmaniern, so dass nach fast genau vier Stunden die letzte der fünf Bands die Bühne des K17 verlässt. (GB)
Die deutsche Hauptstadt ist ganz und gar nicht arm an metallischen Events. Trotzdem hat sich das Betreiber-Duo der Berliner Kult-Metal-Kneipe Brutz & Brakel getraut, ein eigenes Festival aufzuziehen. Und die beiden Herren liegen damit voll und ganz richtig, was unter anderem die Zuschauer-Resonanz zeigt: Circa 500 Gäste kommen zum ersten Brutz & Brakel Stromgitarrenfest, das an zwei Tagen im legendären H.O.F.23 stattfindet. Mitveranstalter Marcus zupft bei POSTMORTEM die Gitarre, so dass die Truppe am Freitag nicht nur als Headliner agiert, sondern zugleich die Record-Release-Show und -Party zu ihrer neuen Platte steigen lassen kann. Das in allen Reviews abgefeierte Monster-Werk hört auf den Namen „Seeds Of Devastation“ und darf getrost in die Top 3 der besten Metal-Releases des Jahres 2010 eingetütet werden. Dazu später mehr.
Den Auftakt des Stromgitarrenfestes bilden am frühen Abend die Neuruppiner von BURNING STEEL. Der für diese Uhrzeit beachtlichen Zuschauermenge ballern die Death-Thrasher sechs Stücke aus ihrem langjährigen Schaffen inklusive eines eingebauten Drum-Solos um die Ohren. Neben Songs vom letzten Album namens „Age Of Death“ wie z.B. ‚Nuclear Winter‘ zählen dazu auch brandneue Titel wie ‚Thrash The Thrash‘ oder ‚Twisted Reality‘, die von der hungrigen Menge aufgesogen werden.
Die Berliner SPAWN schlagen mit voller Wucht in die groovige Death Metal-Kerbe, was vom Publikum auf Anhieb angenommen wird, und schnell findet sich eine headbangende Meute vor der Bühne ein. Der Fokus liegt deutlich auf dem aktuellen Album namens „The Wicked Reincarnation“ mit Tracks wie ‚When The Crows Return‘ oder ‚Under The Blackest Sky‘; von den älteren Stücken finden nur wenige den Weg in die Setlist. Dennoch sorgt der Auftritt für Begeisterung.
Die Gothic-Rocker MAINPOINT haben mit Axel einen geil tief tönenden Sänger, der mit niedrig hängendem Bass das Bild einer absolut coolen Sau abgibt. Die Rostocker bringen auch schöne Outfits mit: alle mit Krawatte. Hier und da wird wie Motörhead gerockt, und so verwundert es nicht, dass die Zuhörerschaft freudig reagiert: Songs wie ‚Radioactive‘, ‚Can You See The Sun?‘ und ‚Cowboys‘ sorgen für allerbeste Unterhaltung. Nur gegen Ende des Sets ist zumindest für Hart-Metaller-Ohren dann doch ein bisschen die Luft raus, da sich etwas Monotonie breit macht. Anschließend dürfen die aus dem Ruhrpott stammenden Doom-Deather WARHAMMER ran. Deren Old School-Gute-Laune-Mucke bollert zu Beginn richtig gut. Mit neuen Kompositionen vom tollen 2009er-Werk „No Beast So Fierce ...“ wie ‚Warriors Of The Cross‘ und ‚Total Maniac‘, einigen Band-Klassikern (die Männer toben schon seit 1994) sowie zwei Cover-Versionen bieten sie insgesamt eine kurzweilige Show.
Erst bei POSTMORTEM füllen sich die Reihen vor der Bühne richtig, denn das Berliner Publikum ist bei kleinen und mittelgroßen Metal-Konzerten bedauerlicherweise oft sehr zurückhaltend: Man hat den Eindruck, dass alle Anwesenden nur auf den Headliner gewartet haben. Die Jungs legen mit einem schicken Intro los und hauen zuerst ‚Bleeding‘ vom „Repulsion“-Album raus. Der Sound der Death-Thrasher ist zu Beginn schlecht, das legt sich aber als der zweite Song ‚25 Cromwell Street‘ von der großartigen „Totmacher“-Scheibe zu Ehren kommt. So sind erste wildere Circle Pits zu bewundern, wenn auch einige wenige daran Teilnehmende etwas arg unkontrolliert zu Werke gehen. Als dritter Song ist das geniale ‚Suffer‘ vom „Constant Hate“-Album am Start. Von der taufrischen Ober-Hammer-Platte „Seeds Of Devastation“ kredenzt das Quartett gleich den besten Song ‚Ghost Of The Warship‘ – und erntet erneut einen fetten Pit. Danach folgt unter anderem der Brecher ‚Are You Dead‘. Der von der neuen Scheibe dargebotene Opener ‚Deliverance‘ sowie ‚Chopped, Shredded And Grind To Meatballs‘ verdeutlichen einmal mehr, dass hier eine Band auf der Bühne steht, die über ein riesiges Repertoire an großartigen Hits verfügt. ‚Hate, Kill, Destroy‘, ‚Revolution‘ und ‚Killing Days‘ von „Constant Hate“ werden von den Fans frenetisch abgefeiert und setzen einen genialen Schlusspunkt. Die extrem agil powernde Truppe um Fronter Putz wird hoffentlich bald den verdienten großen Durchbruch schaffen.
Für das leibliche Fan-Wohl sorgt an diesem Wochenende in gewohnt souveräner Manier die Brutz & Brakel-Crew, die viele vom legendären Cocktail-Stand des Party.San-Festivals kennen.
Und am Samstag führen die ortsansässigen AKRIVAL den Eröffnungstanz auf. Zwar versammeln sich etwas weniger Besucher als am Vortag – viele waren wohl vorwiegend wegen POSTMORTEM da, dabei ist das Billing auch heute extrem stark – das tut der durchgehend guten Stimmung aber keinen Abbruch. Sänger Scarog weiß unter anderem durch seine Aura zu begeistern und zelebriert mit seinen Mannen wunderbar einen ordentlichen Batzen Black Metal mit technischem Todesblei-Einschlag, eingehüllt in ein fettes Sound-Gewand.
PROTECTION OF HATE sind gleichfalls eine Hauptstadt-Band und drehen den Stimmungspegel nach oben. Ihr groovender Hardcore verbreitet richtig gute Laune, was nicht zuletzt an der tollen Performance des Power-Trios liegt. Das bietet Songs vom Debüt „1st Statement“ dar (u.a. das grandiose ‚Go In And Win‘) sowie Neuware vom Anfang 2011 erscheinenden Zweitwerk. Der Auftritt macht Lust auf mehr.
In völliger Unkenntnis schleppt sich der Hamburger Memme in Berlin-Weißensee zu den Ur-Berlinern FIRST AID. Komischer Name eigentlich für eine Thrash-Band, doch als der Sänger erscheint, wird so einiges klar. Dit is doch der Chris, die olle Bratze von Harmony Dies. Und hinter den Kesseln ist doch eener von POSTMORTEM, wa? Jo, de coole Max. Na egal, Chris labert lustigen Unsinn, singt furios und rockt so mit Gefolge den ganzen H.O.F. Bis auf den Rezensenten. Der braucht noch zusätzliche erste Hilfe oder: trinkt einen Weißen Russen. Siehe da, geht gleich besser. Und plötzlich passen FIRST AID zum Stromgitarrenfest wie Schnaps inne Brause mit ihren Thrash-Smashern wie ‚Boozing Maniacs‘, ‚Poser Hunt‘ oder ‚Hit By Shit‘. AID-infiziert? Positiv!
UNDER THAT SPELL kommen aus Osnabrück, sehen auf der linken Seite echt gut aus und flachen nach rechts ab (vom Betrachter aus gesehen). Da es aber nicht um schütteres Haar gehen soll und auch nicht um kacke Aussehen – damit hat ja jeder selbst zu tun – kommen die Schwarzwurzeln aus Eck-Niedersachsen echt gut weg. UNDER THAT SPELL haben erfrischend wenig von Black Metal-Attitüde und -Klischee (vielleicht weil sie’s nicht sind?), musizieren aber mystischer und vor allem besser als viele andere Genre-Kollegen. Findet auch P.S:O:A-Mieze, der in Mischpultnähe locker mitswingt zu den Klängen des Debüts – kein Wunder, dass der gute Erstling „Apotheosis“ bei War Anthem Records rauskam. Für diese Scheibe machen die Jungs musikalisch jedenfalls echt gute Promo, Songs wie ‚Black‘ oder ‚I Am Prophet‘ sind schweineschwarz. Guter Auftritt, vielleicht der beste des Abends.
Die Sachsen PURGATORY sind schon seit 1993 aktiv, haben eine dicke Diskographie vorzuweisen und in den letzten Jahren kontinuierlich an Zuspruch gewonnen: Nicht erst seit dem letzten Großwerk „Cultus Luciferi – Splendour Of Chaos“ sind sie eine feste Größe im Death Metal. Sie machen auch heute Abend alles richtig. Fronter Mirko Dreier und die Saiten-Fraktion sind wie immer Garanten für eine energiegeladene Show. Das Publikum dankt es ihnen fast schon frenetisch.
Dann kommen DESASTER. Die Institution hat es an diesem Abend nicht ganz leicht, sie hat vor allem unter dem schwindenden Zuschauerfluss zu leiden. Liegt es am übermäßigen Genuss der chemischen Gebräue aus dem Hause B & B oder spielen die Koblenzer Kettenhunde einfach zu oft? Egal, die Band stört es nicht, ebenso wenig wie die verbliebenen Fans. Sie nutzen den frei gewordenen Raum in der Halle zum Ringelpiez ohne Anfassen, während Tormentor und Kollegen vornehmlich bekannte Songs dazu schmettern. ‚Metalized Blood‘ und Co. gehen immer, DESASTER sowieso – vielleicht ist die Band nach Motörhead die konstanteste in der Metal-Welt? Wie dem auch sei. Schöner Abschluss-Gig für ein klasse Festival, das hoffentlich mit ein zwei Getränkeständen mehr wieder kommt. Danke, Herr Brutz, danke, Herr Brakel. Und danke, Berlin.
PS: Laut Veranstaltern kann im nächsten Jahr mit einer Fortsetzung des rundum gelungenen Events gerechnet werden.
GT & SM & WHO
Montagabend in Berlin: Geschätzte 30 Nasen haben sich versammelt, um den Schweden FACEBREAKER und den Neubrandenburgern PORTA INFERI zuzuhören und das eine oder andere Wochenauftakt-Bier zu trinken.
Als PORTA INFERI kurz vor 21.30 Uhr loslegen, muss es plötzlich schnell gehen: Die Setlisten werden kurzfristig auseinandergefaltet und auf dem Boden der kleinen Bühne drapiert. Mit angemessen rohem, aber nicht undifferenziertem Sound präsentieren die rot beschmierten Mecklenburg-Vorpommern ihre Melange aus Death und Black Metal, wobei letzterer in den melodiösen Momenten ihr Steckenpferd zu sein scheint. Das vorwiegend im Midtempo rumpelnde ‚Victims Of Perverted Spirits’ besticht eher durch die Keksdosen-Snare. „Bombenstimmung am Montagmorgen“ kommentiert Sänger und Rhythmusgitarrist Chris Fatal das beobachtende Publikum in sicherer Bühnenentfernung nach einem dargebotenen Instrumental. Größeren Applaus ernten PORTA INFERI mit einem melodischen Black Metal-Kracher, der vergleichsweise hymnisch, voll klingend und rasend eisig im Wechsel intoniert wird.
Einen ausnehmend intensiveren Auftritt legen FACEBREAKER, die im Sommer 2008 noch die großen Festival-Bühnen beackerten, auch vor kleinem Publikum hin und können im Blackland zumindest für höchst wohlmeinendes Kopfnicken im reservierten Berliner Publikum sorgen. Kein Wunder bei Roberth Karlssons markerschütternden Growls in ‚Burner‘ und ‚Infected‘. Und auch wenn er sich Rockstar-mäßig eine angezündete Kippe reichen lässt, legen er und seine vier Mitstreiter sich ins Zeug – „Hey, hey, hey“-Versuche, große Bühnengesten sowie synchrones Kurzhaar-Bangen der Saiteninstrumentalisten inklusive. Im Gegensatz zum galoppierenden Uptempo-Song ‚Creeping Flesh’ kommt das zäh schleifende ‚Soul Eater‘ groß, souverän und im besten Sinne unterhaltsam daher, genau wie ‚Dead, Rotten And Hungry’, wobei der Sound nun auch die dräuende Tiefe gut zur Geltung bringt. Nach ‚Walking Dead‘ verabschiedet sich Zombie-Fan Karlsson: „See you at the bar“. Verfehlt haben dürfte man sich dort nicht, dennoch konnten FACEBREAKER auch unter atmosphärisch erschwerten Bedingungen erneut überzeugen. (GB)