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Wer sich also die Chance sichern will, für lau zu den schweizerischen Live-Giganten nach München zu gehen, der sollte flugs eine Mail mit dem Betreff "GOTTHARD / TOLLWOOD" und seinen kompletten Adressdaten an This email address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. schicken. Viel Glück!
Mit dem 2012 veröffentlichten Album »Firebirth« erhob sich Gotthard wie der Phönix aus der Asche: Es war das erste Studioalbum nach dem Unfalltod von Steve Lee im Herbst 2010. Gleichzeitig sollte es der erste Schritt in ein mit Spannung erwartetes Bandkapitel sein – mit Nic Maeder als neuem Sänger. Der Neuanfang ist geglückt: Die musikalische »Feuergeburt« zeigt den unverkennbaren Gotthard-Sound, der jedoch durch Nic Maeder eine neue Magie erhält – und gelangte so in die Top Ten der deutschen Charts.
Besucher: ca. 2.000
Eintritt: 40,-
Zwei Großkaliber der Szene, die Schweizer Rock-Band GOTTHARD und die Metal-Altmeister-Truppe UNISONIC gaben sich am vergangenen Freitag die Ehre, die Stechert Arena in Bamberg zu rocken. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Es wurde ganz großes Konzertkino geboten.
Pünktlich um 20 Uhr starten UNISONIC ihr einstündiges Set und haben von Anfang an die Halle fest im Griff. Kein Wunder bei dieser Besetzung. Ausnahmesänger Michael Kiske und Kai Hansen, beide bestens bekannt aus früheren Helloween-Tagen, wissen, wie man das Publikum unterhält. Auch die übrigen Mitglieder der Band, die Ex-Pink-Cream-69-Musiker Dennis Ward am Bass und Kosta Zafiriou an den Drums sowie Ex-Gotthard-Gitarrist Mandy Meyer sprühen nur so vor Spielfreude und haben sichtlich Spaß auf der Bühne. Dass hier zunächst nur der Support-Act auf der Bühne steht, vergessen die gut zweitausend Anwesenden recht schnell und feiern UNISONIC begeistert ab, egal, ob nun härtere Nummern oder Balladen dargeboten werden. Da die Band bislang nur ihr Debütalbum am Start hat, wird dieses fast komplett gespielt. Als Zugabe kommen die Helloween-Nummern ‚Futureworld‘ und ‚I Want Out‘ zum Zug, was natürlich vom Publikum gerne zum Mitsingen angenommen wird. UNISONIC machen alles richtig und werden ihrer Funktion als Anheizer mehr als gerecht.
Frenetisch werden GOTTHARD begrüßt, als sie nach kurzer Umbaupause die Bühne entern. Nic Maeder, der neue Sänger und Nachfolger des vor zwei Jahren tödlich verunglückten Frontmanns Steve Lee, stellte bereits auf etlichen vorangegangenen Konzerten der Firebirth World Tour unter Beweis, dass er ein würdiger Nachfolger ist. Seine etwas rauere Stimme passt perfekt zum Sound der größten Schweizer Rock-Band, und mit seiner charmanten Art hat er innerhalb kürzester Zeit das Publikum auf seiner Seite. Als Nic Maeder, nur vom Keyboard begleitet, dem verstorbenen Steve Lee die Ballade ‚One Life, One Soul‘ widmet, kommt richtige Gänsehautstimmung auf. Doch auch diesen traurigen Moment meistert Maeder mit Bravour.
Weiter geht das Programm mit einer Mischung aus rockigeren Nummern, Drum-Solo, Akustik-Part und Balladen, von denen GOTTHARD ja einige im Angebot haben. Die Setlist umfasst neben den Stücken des aktuellen Albums natürlich auch jede Menge Klassiker. Unterstützt werden diese zum Teil von einem Streichquartett und einer stimmungsvollen Lichtshow, die eine perfekte Atmosphäre schafft. Natürlich dürfen auch einige Spaßeinlagen nicht im Programm fehlen. So kündigt der Frontmann ‚Mountain Mama‘ als nächste Nummer an, womit die restliche Band wohl nicht ganz einverstanden ist und lieber Deep Purples ‚Smoke On The Water‘ und AC/DCs ‚Hell’s Bells‘ anspielt, was zusätzlich gute Laune beim Publikum garantiert.
Viel zu schnell gehen die neunzig Minuten GOTTHARD vorbei, und auch die beiden Zugaben helfen nicht darüber hinweg, dass ein fantastischer Konzertabend auch einmal zu Ende gehen muss, ein Konzertabend mit zwei hervorragenden Bands, der lange in Erinnerung bleiben wird.
Setlist UNISONIC:
Unisonic
Never Too Late
I’ve Tried
Sanctuary
No One Ever Sees Me
We Rise
Never Change Me
Future World (Helloween Cover)
I Want Out (Helloween Cover)
Setlist GOTTHARD:
Dream On
Gone Too Far
Starlight
Remember It’s Me
Sister Moon
Hush
One Life, One Soul
The Story Is Over
Fist In Your Face
Gimme Real
Drum Solo (Battle Of Titans)
Falling
Tell Me
Heaven
Mountain Mama
Right On
Lift U Up
Master Of Illusion
Anytime Anywhere
Nach dem tragischen Unfalltod von Ursänger Steve Lee rechnete man schon mit dem frühzeitigen Aus von GOTTHARD, aber mit Nic Maeder fand die Band einen würdigen Ersatz, der gleich beweist, dass er das Erbe von Steve nicht beschmutzt. Zwar klingt sein Organ dem von Lee sehr ähnlich, aber ihm fehlt doch etwas die Wärme und das Bluesige in der Stimme. Mit 'Starlight' steigt man in dieses wichtige Album in typischer GOTTHARD-Manier ein, und Nic kann gleich beweisen, dass er ein würdiger Nachfolger ist. In 'Give Me Real' hört der geneigte Hörer erstmals ein wenig nach Alternative klingende Einflüsse, welche aber spätestens beim ersten Refrain weg sind, und ab da ist es ein typischer GOTTHARD-Rocker. Das anschließende 'Remember It´s Me' wurde schon auf der Videocompliation "Monsters Of Metal" von Nuclear Blast veröffentlicht und ist eine typische (Halb-)Ballade mit Akustikgitarre und mit einem eingängigen Refrain für das Mainstream-Publikum. Mit 'Yippie Ay Yay' versuchen sich die Schweizer sogar am Country Rock, wobei das nicht richtig zum typischen Sound passt. Der Refrain klingt sogar etwas peinlich und zielt wohl auf das The BossHoss-Klientel ab, vielleicht wollen sie auch nur neue Fanschichten errichen. Bei 'Shine' klingt Nic sogar ein wenig nach Scott Stapp, aber es handelt sich nur um eine (Power-)Ballade aus dem Schweizer Stall. Leider sind die starken Rocksongs der Marke 'I Can' zu selten, und man meint, überall die Trauer zu spüren. Die abschließende (obligatorische) Ballade 'Where Are You' klingt wie ein Abschiedssong für Steve Lee und beendet ein, trotz aller Schwächen, gutes Comeback-Album.
Die Schweizer Hard Rock-Giganten feiern eine gelungene Hellfest-Premiere mit ihrem neune Frontmann Nic Maeder.
Nach dem tragischen Tod von Freddie Mercury veröffentlichten Queen mit „Made In Heaven“ ein posthumes Album mit den letzten Songs, an denen gemeinsam gearbeitet wurde. In diesem Fall macht schon der Titel deutlich, dass es sich um eine Compilation von größtenteils bekanntem Material handelt. Was die beiden Bands verbindet, ist nicht nur ihre Musikalität und der Verlust eines Sängers, der mit seinem Charisma, seiner Wandlungsfähigkeit und seinem individuellen Ton zur Weltspitze gehörte. Die spanische Opernsängerin Montserat Caballé, die mit Mercury u.a. die spätere Olympiahymne ‚Barcelona’ interpretierte, hatte auch an Steve Lee einen Narren gefressen und gemeinsam mit ihm gesungen. Der Unfalltod des Gentleman mit der großen Stimme – einer der bizarrsten Motorradunfälle, die man sich vorstellen kann - hat selbst Menschen bewegt, die sich nicht zu den typischen GOTTHARD-Fans zählen. Die Band gab an, dass ein Balladen-Album der momentanen Stimmung eher entgegenkommt als ein unbedarftes Rock-Werk. Zudem gab es da noch aus den Sessions zum letzten Album den Outtake ‚What Am I’ (ein sanfter Akustik-Rocksong) und die beiden bislang unveröffentlichten Unplugged-Versionen von ‚Have A Little Faith’ (starke Piano-Variante mit teilweise rauem Gesang) und ‚Falling mit melancholischer Geigenbegleitung. ‚Heaven’, 2001 ein riesiger Erfolg, nicht nur in der Schweiz, ist natürlich auch auf „One Life One Soul – Best Of Ballads“ zu Beginn des Jahrzehnts zu finden gewesen – und das damalige Titelstück auf dieser Zusammenstellung. Hauptaugenmerk der Compilation sind aber die letzten Jahre und damit die Alben, auf denen die Balladen nicht mehr den Großteil der Kompositionen ausmachten und GOTTHARD wieder weitgehend zum alten Biss zurückgefunden hatten. Dennoch mangelte es nicht an herausragendem Material, welches Hard-Rocker und normale Mainstream-Hörer gleichermaßen zufrieden stellt. Man kann der Veröffentlichung natürlich böswilliges Kalkül unterstellen (und ‚Merry Christmas’ hätte am Ende wirklich nicht sein müssen) – aber wer will das angesichts der musikalischen Klasse und des herben Schicksals von Band und Angehörigen?
Natürlich sind die Erwartungen an den Nachfolger von Steve Lee nahe zu unmenschlich hoch. Es ist jedoch nicht der neue Sänger, an dem das Album nach der Umbesetzung auf hohem Niveau scheitert. Nic Maeders Stimmfarbe gleicht der von Lee sehr, die Gesangsarrangements entsprechen dem beliebten wie erfolgreichen GOTTHARD-Schema. Lees Organ war voluminöser, an den richtigen Stellen noch eine Spur bluesiger, ohne dass er ein Reibeisenorgan hatte. Schade, dass Energieriegel wie das kräftig stampfende ‚I Can’ so rar gesät sind. ‚Starlight’ klingt dabei als Opener erst mal gut geölt, auch mit der leise angedeuteten Verneigung vor ‚This Flight Tonight’. Das dauernde „dudududupp“ ist etwas dick aufgetragen. Aber egal, die Gitarren rauchen. Erst recht in ‚Give Me Real’, welches weniger klassisch klingt, sondern nach Alternative-Einschlag - zumindest in der ersten Strophe. Das Songwriting hat grundsätzlich in allen Kompositionen den richtigen Stallgeruch, aber über die annähernd 50 Minuten nicht die Frische der letzten Alben seit „Lipservice“. GOTTHARD haben wie Aerosmith in ihren besten Momenten immer mehr aus einem vermeintlich simplen, obergriffigen Hard Rock-Song gemacht und neben den Widerhaken-Refrains auch noch andere prägnante Spielerein eingebracht. Dieses Feuer fehlt „Firebirth“, das Album klingt nach Reißbrett und dem Versuch, auf Nummer Sicher zu gehen und im Zweifelsfall eher den Radiohörern und Teilzeitfans als den Hard-Rockern zu gefallen. Was soll die Peinlichkeit von ‚Yippie Ay-Yay“? Proll-Rock für den Saloon eines Western-Freizeitparks überlässt man doch Bonfire. Will man sich dem The BossHoss-Publikum an den Hals werfen? Zu viele Songs plätschern wie das mainstreamige ‚Remember It’s Me’ vor sich hin – nicht nur die zahlreichen (Halb-)Balladen, sondern auch Rocker. Die obligatorische Abschiedsballade bringt es als letzter von 13 Songs auf den Punkt: „Not enough for those who knew“ – es reicht nicht für die, die diese GOTTHARD seit dem Debüt kennen und lieben. Auch wenn sie nach dem großartigen „G.“ für einige Zeit schon einmal drauf und dran waren, den Glauben an die damals immer weiter verweichlichende Band zu verlieren. Ein schwächeres Album zum Verdauen des Schocks und neuem Zusammenwachsen sei ihnen gegönnt. Aber das nächste muss dafür wieder ein Hammer werden.
Die vor einigen Monaten in die Läden gestellte zweite Balladen-Compilation „Heaven“ war die unmittelbare Möglichkeit, von Steve Lee Abschied zu nehmen und passte mit ihrer besinnlichen Gangart zum Schock, den sein Tod ausgelöst hatte. Gerade dem Mainstream-Publikum wurde er somit noch einmal artgerecht präsentiert. Fans der ersten Stunde jedoch schätzen seine Vielseitigkeit als großer Frontmann und überragender Hardrock-Sänger auch jenseits der Chart-affinen Schmusenummern. Sie bekommen nun das ohnehin für 2011 eingeplante volle GOTTHARD-Live-Brett mit einigen sanften Tupfern wie dem ‚Acoustic Medley 2010’ und eben auch ‚Heaven’. Auf Englisch, Französisch und hauptsächlich Italienisch führt Lee vor vielen Freunden und Familienmitgliedern galant durch den Abend und gönnt sich im hinteren Set-Teil vor ‚Sister Moon’ einen bluesgetränkte Soloschlagabtausch gegen Leo Leonis Gitarre. Schade, dass keine Doppel-CD daraus gemacht wurde. Der Audio-Silberling ist allerdings so vollgestopft wie möglich. Mit der sparsam instrumentierten Unplugged-Ballade ‚The Train’ gibt es zudem – W.A.S.P.s „Live In The Raw“ und „Alive“ von Kiss lassen grüßen – noch einen bislang unveröffentlichten Studiosong. Die Bonus-DVD mit einigen weiteren Songs und Ausschnitten der Millennium-Show im Dezember 1999 (ebenfalls in Lugano) liegt zum Review leider nicht vor. Mit ‚Unspoken Words’ und ‚Gone Too Far’ macht die Band direkt nach dem Intro ordentlich Dampf. Die Gitarren sägen (‚Shangri La’), die Orgel raucht. Das Zusammenspiel ist traumhaft, Lee sang nie besser. Daumen rauf auch für den umwerfenden Sound, der nicht nach Studioalbum mit beigemengten Ovationen klingt. Das vermeintliche Deep Purple-Cover ‚Hush’ wird als Stimmungsgarant schon früh im Set gezündet und um einem Mitsingteil erweitert. Kaum zu glauben., dass es während des Gigs offenbar in Strömen regnete. Lugano war mit einem internationalen Publikum bis zum letzten Song ‚Anytime, Anywhere’ an jenem Abend ‚Top Of The World’. Vor lauter Klassesongs fällt gar nicht auf, wie viele Kracher der ersten drei Alben fehlen. Was für ein würdiger Abschied!