HOLLENTHON
Altersböse
Wie der schwarze Racheengel aus der Asche erhob sich 2008 eine Band, mit der niemand
mehr gerechnet hatte: HOLLENTHON. Die Mannen um Martin Schirenc (Pungent Stench)
haben mit „Opus Magnum“ einen Meilenstein extremer Musik geschaffen
– ganze sieben Jahre nach dem letzten Output der Österreicher. Damals
hat die Band versprochen, sich nicht noch mal soviel Zeit zu lassen. Nun schreiben
wir das Jahr 2009 und stellen die Frage: Was gibt’s Neues?
„Danke, es läuft gut“, antwortet Martin auf die Frage, was
das Jahr 2009 bislang für die Band bedeutet hat. „Neue EP am Start
und gerade von einer Tour zurück, also genau so, wie es sein soll! Wir
haben jetzt noch eine Show in Belgien, danach feiern wir noch ein bisschen auf
der Aftershow-Party vom Eindhoven Metal Meeting, und dann kommt eh schon bald
wieder das Christkind – wie schnell doch die Zeit vergeht!“ In der
Tat. Lediglich ein Jahr hat es gedauert, seitdem „Opus Magnum“ veröffentlicht
wurde. Nun steht mit „Tyrants And Wraiths“ eine EP in den Läden,
die vier brandneue Songs beinhaltet. Obwohl sich die Band immer noch in bekannten
Fahrwassern aufhält, gibt es gewisse Veränderungen zum Vorgänger:
„Das neue Material ist härter und schneller geworden, und das gefällt
mir so. Es gibt auch kein Konzept, was die Texte betrifft. Das Album ist weniger
episch ausgefallen, sonst ist aber alles wie gehabt.“ Der Hang zu mehr
Blast-Passagen liegt allerdings nicht an einer zeitgenössischen Generalkritik,
sondern vielmehr an recht pragmatischen Gründen, die allein beim Meister
zu finden sind. „Das muss wahrscheinlich am zunehmenden Alter liegen“,
erklärt Martin augenzwinkernd, den gesamten österreichischen Charme
aufbietend. „Ich werde immer böser und gemeiner, je näher der
Tod rückt!“ So muss es sein.
Der Grund für die Entscheidung, HOLLENTHON wiederaufleben zu lassen, wurde
2008 deutlich formuliert. Die Freiheit, all das auf eine CD zu pressen, was
die Band inspiriert, das hauchte dem Projekt auf Eis neues Leben ein. Thematisch
orientierte sich die Band mit „Opus Magnum“ an biblischen Motiven,
worauf nicht zuletzt das Coverartwork hinwies. Dieses wurde durch einen Racheengel
dominiert, dessen Flügel aus unzähligen Händen bestand. Im Gegensatz
dazu steht die EP allerdings nicht für ein größeres Konzept:
„Die EP hat eigentlich kein übergeordnetes Thema, und das Motiv ist
schon etwas älter. Ich hatte es schon fertig, bevor ich die Songs geschrieben
habe.“ Das Motiv des Covers von „Tyrants And Wraiths“ stellt
ein Wappen dar, in dem vor allem eine Art Blume mit tiefschwarzer Blüte
auffällt. Was hat es mit diesem Pflänzchen auf sich? „Sie symbolisiert
den Tod und auch das Böse, aber sie ist auch eine Hommage an Charles Baudelaire
und sein Werk.“
Diese Analogie ist unheimlich spannend, stellt Charles Baudelaires Werk „Les
Fleurs du Mal“ („Die Blumen des Bösen“) in Teilen einen
radikalen Bruch mit der romantischen Literatur Frankreichs dar. Die Darstellung
der Realität als etwas Morbides, als Hin- und Hergerissenheit zwischen
Gut und Böse, als etwas Abstoßendes verbindet HOLLENTHON mit Baudelaire
– ein starkes Erbe. „Es geht natürlich um die Vergänglichkeit
und den Tod, aber auch den Untergang von Imperien und Macht“, erklärt
Martin die Themen der EP. „Die Texte sind aber alle sehr metaphorisch
und haben oft auch gesellschaftskritische Hintergründe. Ich will sie auch
nicht großartig erklären, denn ich finde es wichtig, dass sich der
Zuhörer seine eigenen Gedanken macht. Es ist immer wieder interessant zu
hören, wie verschiedene Leute einen Songtext interpretieren. Ich bin dann
oft überrascht von ihrer Kreativität und erfreut darüber, dass
sie sich die Mühe machen, die Texte nicht nur zu lesen, sondern auch versuchen,
sie zu verstehen.“ Gerade unter dem Einfluss des oben erwähnten Romantikers
Baudelaire sind Elena Schirenc starke und symbolträchtige Texte gelungen.
Der letzte Song der EP, 'Of Hollow Men', stellt eine weitere literarische Reminiszenz
dar: T.S. Eliot stand Pate. Der Song ist der einzige der EP, der klaren Gesang
enthält. Wird es dieses Stilmittel in Zukunft öfters geben?„Natürlich“,
stellt Martin klar. „Ich werde das auch in Zukunft so beibehalten. Aber
der Schwerpunkt wird wahrscheinlich doch immer auf der aggressiveren Schiene
liegen, weil mir das besser gefällt. Ich bin kein Sänger im herkömmlichen
Sinn und werde es wahrscheinlich auch nicht mehr.“
Eine Frage bleibt: Warum eine EP und nicht gleich ein Album? „Wir bekamen
das Angebot, mit Endstille und God Dethroned auf Tour gehen zu können und
wollten natürlich etwas Neues veröffentlichen. Allerdings war nicht
genug Zeit für ein komplettes Album, also haben wir einfach die vier besten
Songs aufgenommen und noch zwei Videoclips von unserem Graspop-Konzert draufgepackt.
Jetzt arbeite ich an neuen Songs für das nächste Album. Es ist schwer
zu sagen, wann es veröffentlicht wird, aber ich hoffe, dass es noch im
nächsten Jahr sein wird.“ Das sind doch phänomenale Neuigkeiten.
Eine Tour bietet oft eine Großzahl an Anekdoten, was gibt es – so
mal eben aus der Hüfte geschossen – von dieser Tour zu berichten?
„Die Tour war gut, obwohl wir leider zwei Shows in Spanien nicht spielen
konnten, weil der Veranstalter dort keine Lust hatte, unsere Gage zu bezahlen“,
erzählt Martin erzürnt. „Wird ihm aber nicht erspart bleiben,
obwohl es natürlich schade ist, dass wir diese Shows nicht spielen konnten.
Sonst war es aber großartig und hat sehr viel Spaß gemacht. Besonders
L. Wachtfels von Endstille hat für ausreichend Unterhaltung gesorgt, aber
den Mann muss man live erleben – das kann man nicht erzählen!“
Schade, so bleibt uns wohl nur unsere Phantasie voller tanzender Pandapären.
Julian Rohrer
www.hollenthon.com
|
Am Kiosk

Ausgabe 68
Interviews mit Dimmu Borgir, Apocalyptica, Melechesh, Forbidden, Enslaved, Autopsy, Therion, Neaera, Teufel, Asphvx, Tristania, Amorphis, Arckanum, Kataklysm + 4 Poster + 18 Song CD Ab 26.08. am Kiosk erhältlich.
Rock In Concert
Follow Us
News
|