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DARKESTRAH

Ein Märchen, dessen Echo bis heute nachhallt

DARKESTRAH mit ihren kirgisischen Ursprüngen sind, wenn auch mittlerweile in Deutschland ansässig, heißer Anwärter auf die exotischste Formation, die es dieses Jahr in unser kleines Magazin schafft. Mit „The Great Silk Road“ legt die Band erneut ein abwechslungsreiches, schwermütiges und emotionales Album vor, das sich hinter europäischen Größen nicht verstecken muss und ein Streiflicht auf die Eigenarten der riesigen, wilden zentralasiatischen Region wirft. Kriegtalith und Asbath fanden sich zu einem Gespräch bereit.

ASBATH: Die Band habe ich 1999 gegründet. Seit dem ersten Demo sind vom original Line-Up nur noch Kriegtalith und ich dabei. Ich habe nie verschwiegen, dass ich einen ziemlich schwierigen Charakter und mit einigen Menschen Kommunikationsschwierigkeiten habe. Ich bevorzuge es, mit Profis zu arbeiten, was zu einem häufigen Wechsel der Bandmitglieder geführt hat. Wir sind einen bestimmten Weg als Musiker und Komponisten gegangen, vom Demo bis zu unserem vierten Album, welches nun im August bei Paragon Records veröffentlicht wird. In der Musik von DARKESTRAH gibt es keine Ideologie, keine Propaganda oder Politik, unsere Texte handeln von der Schönheit der Natur, deren Teil ein jeder von uns ist. Genauer gesagt: Die Natur und Kultur des Ostens sind die Quellen unserer Inspiration.
Jedes Album ist für mich wie ein Buch oder Film. Wir haben immer eine Hauptidee, welches wir dem Hörer nahe bringen möchten. Ursprünglich hatte die Musik von DARKESTRAH einen starken Einfluss von Pagan Metal, wir streben aber nach keinem bestimmten Stil. Wenn unser erstes Album als Pagan bezeichnet wird, das zweite Album „Embrace Of Memory“ als Black Metal, das dritte „Epos“ als Epic Metal, dann weiß ich nicht, in welchen Stil sich unser neustes Album „The Great Silk Road“ einordnen lässt. Wir lieben es, zu experimentieren. DARKESTRAH ist eine Band, die keine Grenzen kennt. Unser Feuer brennt, und wir werden immer weiter vorwärts gehen!

Was hat euch letztendlich nach Deutschland verschlagen? Und welche Vor- und Nachteile erfahrt ihr hier, verglichen mit dem Leben in Kirgistan?
A: Wie Kriegtalith und ich nach Deutschland gekommen sind, werde ich nicht erzählen,da ich dann gleich mit der Geschichte der Spätaussiedler, seit der Zeit von Katharina der Großen, anfangen könnte. Zum Thema Deutschland fasse ich mich kurz: Es gibt natürlich Vorteile und was für mich am wichtigsten ist, dass ich in einem Land mit Metal-Kultur wohne, was ich von Kirgistan nicht behaupten konnte. Obwohl ich dort schon ewig nicht mehr war.
Es ist gut, dass du danach fragst, ich habe eine Menge lustiger Geschichten über DARKESTRAH gehört. Nur Kriegtalith und ich sind aus Kirgisien. Wir haben auch deutsche Bandmitglieder, welche noch nie Asien bereist haben, und wir sprechen auch während der Aufnahmen deutsch, aber ich denke, es ist nicht wichtig, woher wir alle stammen. Denn nur unsere Musik ist uns wichtig. Es ist richtig, dass wir DARKESTRAH noch in Kirgistan gegründet haben. Einem Land der Berge und Flüsse. Aber wir leben und atmen in Deutschland, dem Land der Wälder.

Wie andere, heidnisch orientierte Bands verwendet ihr traditionelle Instrumente. Aber es scheint, dass nicht einmal in Zentralasien beheimatete Bekannte etwas mit dem Kyl-Kyjak, Komuz und Sygyt anzufangen wissen, die ich danach gefragt habe. Was für Instrumente sind das, und wieso habt ihr euch gerade dafür entschieden?
A: Wir haben die traditionellen kirgisischen Instrumente Kyl-Kyjak, Komuz oder Sygyt auf unserem Debüt „Sary Oy" verwendet. Meiner Meinung nach geben diese eine besondere Schattierung zur Hauptmelodie. Besonders mag ich den Klang von Kyl-Kyjak. Dieses Instrument hat seine eigene Geschichte: In der Mongolei lebte ein Krieger, der ein Pferd hatte. Es war sein ganzer Stolz, jedes Rennen gewann er mit ihm. Eines Tages traf er eine Frau und verliebte sich in sie und sie sich in ihn. Aber in dem Ort lebte auch ein anderer junger Mann, welcher die Frau auch liebte. Er nahm auch an den Pferderennen teil, doch er wurde immer nur Zweiter. Eifersucht verletzte das Herz des Zweiten. Und als eines Tages die beiden Verliebten ausgingen und das Pferd auf der Weide zurückließen, ermordete er es. Als der Erste zurückkam, sah er sein totes Pferd. Kummer und Verzweiflung kam über ihn, und er setzte sich für eine lange Zeit neben den toten Körper des Pferdes. Es war spät in der Nacht, und er saß immer noch neben dem Pferd, als er plötzlich eine Stimme hörte: Morin Hur! Morin Hur! Morin Hur! Er sah sich um, aber da war niemand. Dann dämmerte ihm: 'Morin', das Pferd, und 'Hur', ein Musikinstrument. Und plötzlich hatte er eine Idee. Er machte vom Haar des Schweifes Saiten, und den Körper des Instrumentes fertigte er aus Holz und bezog ihn mit Haut. So entstand das Instrument Kyl-Kyjak. Im neuen Album haben wir diese Instrumente nicht benutzt, wir haben sie mit Temir-Komuz, Mandola und Cello ersetzt. Diese haben zum allgemeinen Klang des neuen Albums „The Great Silk Road“ gut gepasst.

Das neue Album trägt die „Große Seidenstraße“ im Titel. Das Europäische Verständnis dieses alten Handelswegs ist ziemlich von der Perspektive eines Marco Polo geprägt, also eine Perspektive des Entdeckers und Erschließers. Was verbindet ihr damit?
KRIEGTALITH: Marco Polo war tatsächlich der erste Pionier der Seidenstraße, 1271 begann sein Weg. Für den Hinweg hat er vier Jahre gebraucht und für den Rückweg nur drei, was ihn begeisterte. Die ganze Strecke der Seidenstraße betrug 12.000 Kilometer! Selbst wie imposant der Weg war, inspirierte uns. Daraus ergab sich der Titel für unser neues Album. Abgesehen davon, dass Asbath und ich in Zentralasien geboren wurden, ist die Seidenstraße so etwas wie Asiens größtes Denkmal. Wir mussten ihre ganze Geschichte in der Schule auswendig lernen. Aber das hat uns nicht gereicht. Ich weiß noch, dass wir erstaunt waren, als wir lasen, dass die Seidenstraße schon 16 Jahrhunderte existierte, dass es geheime Höhlen, Verstecke und Wege gab, auf denen Händler sich vor Räubern versteckten. Die Reste von hunderten Burgen und Türmen sind noch immer im südlichen Kasachstan und in den Nachbarländern zu finden. Im Großen und Ganzen ist „The Great Silk Road“ ein wahres Märchen für uns, dessen Echo bis heute nachhallt. In allen zentralasiatischen Ländern sind der Handel und die Märkte ein unentbehrlicher Teil der Kultur, nur die Kamele wurden durch Lkw ersetzt. Der Hauptgedanke des Albums liegt darin, das wir die ganze Harmonie zwischen Schönheit und Grausamkeit des Ostens wiedergeben wollten. Mit lyrischen Mitteln, den Osten mit seiner Mystik zeigen, die Verehrung seiner Götter und Krieger, das Blut und den Schmerz, die endlosen Wüsten, wo das menschliche Leben nur ein Tropfen im Ozean ist; ich hoffe, dass der Hörer dies zusammen mit mir fühlen kann.

Eure Herkunft lässt DARKESTRAH authentischer und intensiver klingen als die Musik der meisten sogenannten Heroen aus Skandinavien. Oder?
A: Ich bin ganz deiner Meinung. Die Musik von DARKESTRAH ist ziemlich ungewöhnlich. Unsere Musik hat eine mystische Basis und eine bisher nicht dagewesene Schönheit von Weiden und Flüssen, welche sich in diesem geheimnisvollen Asien befindet. In unseren Alben benutzen wir den Halsgesang von Schamanen, was unsere Musik und Atmosphäre besonders unterstreicht, die wir wiedergeben möchten. Über die skandinavischen Helden werden wir keine Texte und keine Musik schreiben, weil wir dort nicht herkommen. Ich denke auch, es gibt dafür schon genügend Bands. Dafür haben sie noch nichts von dem geheimnisvollen Mittelasien gehört, dessen Schamanen bis heute praktizieren. Und wir sind die einzige Band, die diese Themen im Black Metal-Bereich verarbeitet.

Andererseits ist es auch euch unmöglich, stilistisch ohne die Beeinflussung durch ältere europäische Bands auszukommen. Welche würdest du da nennen?
A: Ich werde nie verheimlichen, dass wir Inspiration sowohl bei Volksgruppen aus der Mongolei, Kirgistan, dem Altai, Tibet sowie bei Samael gesucht haben, die ich kultisch verehre. Samael haben schon immer eine besondere Musik gemacht. Sie erschaffen eine eigene Atmosphäre und wussten immer, was sie tun. Ich weiß, dass sie nach „Ceremony Of Opposites“ viele Fans verloren haben. Kriegtalith und ich dagegen hören ihre Alben gerne, abgesehen davon, dass ihre letzten Alben nichts mit Black Metal mehr gemein haben. Was die anderen Bandmitglieder betrifft - sie sind mit skandinavischen Gruppen aufgewachsen. Weißt du, es ist sehr spannend, mit den Leuten aus anderen Ländern in einer Band zu spielen! Wie ich schon gesagt habe, kommen die anderen Mitglieder von DARKESTRAH aus Deutschland, wir hatten aber auch einen Keyboarder aus Russland und einen Gitarristen aus Griechenland. Wir haben uns sehr gut verstanden und jeder hat seine Ideen in die Musik eingebracht, bis heute.

Es lohnt sich vielleicht, noch ein wenig bei der kirgisischen Kultur zu verweilen. Tschingis Aitmatov, dessen Novelle „Djamila“ in deutschen Schulen noch in den 90ern gelesen wurde, ist vor ein paar Wochen verstorben und sein Ruhm war groß genug, dass es die Todesnachricht in die deutschen Nachrichten schaffte. Daneben bewahren die Kirigisen mit dem Manas-Mythos etwas, was mir sehr ähnlich zu Edda, Kalevala und anderen nordeuropäischen Mythen scheint.
K: Tschingis Aitmatov ist ein hervorragender Schriftsteller! Es ist sehr schade, dass solche großen Persönlichkeiten von uns gehen müssen, aber ich glaube, dass viele meiner Meinung sind: Sein Werk ist unsterblich. Was das Manas-Epos betrifft, so möchte ich eine Parallele zur ganzen Thematik von DARKESTRAH ziehen. Die Strophen des Epos Manas basieren auf kirgisischer Folklore und Mythologie. Es besteht aus über 500.000 Gedichtstrophen und gilt als eines der längsten Epen der Welt. In diesem Epos gibt es alles: vom Anfang bis zum Tod von Manas selbst. Jedes Jahr am Tag der Unabhängigkeit von Kirgisien findet auf dem Hauptplatz der Hauptstadt unter Männern eine Art Wettbewerb statt. Sie spielen der Reihe nach Komuz und singen Abschnitte aus dem Epos. Als Gewinner gilt derjenige, der am längsten durchhält und die Strophen nicht vergisst. Die besten Rezitatoren nennt man auf kirgisisch Manaschi.

Der größte Teil der kirgisischen Bevölkerung lebte in den letzten Jahrhunderten ein Nomadenleben, mit Viehzucht und stetigen Standortwechseln mit dem Rest des Clans. Ist das eine Form des Lebens, nach der ihr auch persönlich streben würdet?
K: Ich weiß nicht, ob es dich wundern würde, zu erfahren, dass es noch Familien gibt, die hoch in den Bergen und auf den Weiden wohnen. Sie hüten ihre Schafe und Pferde und trinken heißen Tee, neben ihrer schneeweißen Jurte sitzend. Sie sind damit zufrieden. Natürlich wissen sie, dass es weiter unten Städte mit Millionen von Einwohnern gibt, mit Banken, Clubs und Bars. Aber jeder entscheidet selbst, wo er leben möchte. Genauso kämpfe ich in meinen Texten nicht mal für dies oder jenes, ich schreibe nur darüber, woher ich komme. Von Menschen, die mit ihrer Natur gesprochen haben.

Da ihr nun in Deutschland lebt, könntet ihr euch vorstellen, euer lyrisches Konzept mit traditionellen keltischen oder germanischen Themen zu vermischen?
K: Ich denke, heutzutage existieren viele gute Bands, die das besser als DARKESTRAH machen. Unsere Texte handeln ausschließlich von der asiatischen Mythologie, Geschichte und Landschaft.

Was habt ihr also in Zukunft vor?
A: In Zukunft träumen wir erst einmal davon, endlich eine Booking-Agentur zu finden. DARKESTRAH sind eine hundertprozentige Live-Band, und wir haben vor, in so vielen Ländern wie möglich Konzerte zu geben. Ich bin sicher, wir schaffen das auch. Danke an euer Magazin für die interessanten Fragen. Danke auch an unsere Fans, ich hoffe, ihr werdet „The Great Silk Road“ genießen.

Johannes Paul Köhler

www.darkestrah.vze.com

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